Interview: Darren Korb

Wer sich in den Anfangszeiten der Videospiele für diesen zuerst abstrakt erscheinenden Zeitvertreib interessiert hat, erinnert sich sicherlich an die zahlreichen Melodien, die heute noch bekannt sind: Mit der Tetris-Musik in 8 bit fing es an und mit dem Auftreten neuer Technologie wurden auch die Möglichkeiten für Game-Soundtracks umfangreicher. Mittlerweile stehen Spiele-Scores ihren Verwandten aus Hollywood um nichts nach: PCs, Macs und Konsolen sind in der Lage, hochaufgelöste Aufnahmen wiederzugeben und ins Spielerlebnis einzubinden.

Darren Korb Nachdem große Publisher-Firmen wie EA, Ubisoft und Activision-Blizzard für lange Zeit die Aufmerksamkeit der Spieler auf sich gezogen und wenig Raum für kleine Entwickler gelassen haben, ist der Indie-Markt wieder auf dem Vormarsch. Kleine, unabhängig von Publishern produzierte Spiele machen einen immer größeren Teil der käuflich zu erwerbenden Spiele aus und werden auf Verkaufsplattformen wie Steam gewinnbringend angeboten.

Solche Low Budget-Spiele sind für Musiker eine interessante Sache: Kleine Studios suchen gezielt nach Musikern, die in erster Linie darauf aus sind, sich in der Branche einen Namen zu machen. Geld für teure Orchesteraufnahmen ist bei diesen Projekten so gut wie nie vorhanden – und so stolpert man im Indie-Genre immer wieder über virtuell produzierte Scores und im Homestudio aufgenommene Rock-Soundtracks.

Das jüngst veröffentlichte Indie-Spiel “Bastion” beweist, dass das nicht mit einem Qualitätsverlust einhergehen muss. Komponist Darren Korb mischt Rock-, Synth- und Orchesterelemente zu einem erfrischenden Genre-Mix und untermalt die Atmosphäre des Spiels mit einem sehr ästhetischen Soundtrack.

Der 1983 geborene Musiker startete in High School-Jahren mit Rockproduktionen, kann aber auch mit TV-Soundtracks (The Adventures of Food Boy, 2008) und Spiele-Scores (seit 2009) glänzen. ReleaseTime hat Korb zu seiner Karriere und dem Bastion-Soundtrack befragt.

Dominik Raab: Lassen Sie uns mit einer Frage zu Ihren Anfängen als Komponist beginnen. Ihrer Biographie zufolge nahm alles mit Rockmusik zu High School-Zeiten seinen Anfang. Wann haben Sie sich entschlossen, Komponist für TV-Produktionen und Games zu werden?

Darren Korb: Mein älterer Bruder ist Filmemacher und arbeitet am Editing für viele verschiedene Projekte. Ich denke, das erste, was ich je komponiert habe, war für ein Video, das er bearbeitete. Nachdem ich das ausprobiert hatte, war mir klar, dass das die Art von Arbeit ist, die mich fesselte. So habe ich angefangen, diesen Weg zu verfolgen – zusätzlich zu meinen anderen musikalischen Interessen als Songwriter, ausübender Künstler und Produzent.

Dominik Raab: Vor einigen Jahren waren Studentenfilme noch die besten und wichtigsten Gelegenheiten für aufstrebende Komponisten, an einen Job zu kommen. Es scheint so, als übernähmen Indie-Games nun diese Rolle: Low Budget-Produktionen brauchen günstige Musiker, die ihren Ruf aufpolieren wollen. Denken Sie, dass Indie-Games eine wichtige Quelle für Komponisten sind, die nicht wissen, wo sie anfangen sollen?

Darren Korb: Die Möglichkeit, seine Fähigkeiten an einem richtigen Projekt zu testen, ist sehr wertvoll. Wenn man dann an ein paar Projekten gearbeitet hat, fängt man an, ein Gespür für die eigenen Stärken und Schwächen als Komponist zu bekommen und sich in diesen Gebieten zu verbessern. Ich persönlich habe mir meine Sporen nicht unbedingt mit Videospiel-Kompositionen verdient, habe dafür aber auf jeden Fall einiges an kostenloser Arbeit in Aufnahmestudios und als Produzent abgeleistet. Diese Erfahrungen haben mir wirklich geholfen, meine Fähigkeiten zu verbessern und mein Selbstvertrauen anzuheben – denn das sind Friss-oder-stirb-Situationen, wo andere Leute darauf angewiesen sind, dass du deinen Job machst!

Dominik Raab: Ein kontrovers diskutiertes Thema im Zusammenhang mit Musik ist auch immer die Frage nach Kooperation zwischen Musikern, speziell im Soundtrack-Bereich. Die Fronten sind verhärtet: Manche reden von Ideen, die nur entstehen, wenn Komponisten sich austauschen; andere verlieren gar jeden Respekt vor Firmen wie Remote Control, weil der Anteil des Einzelnen an der Gesamtproduktion immer weiter zurückgeht. Wie stehen Sie zu dem Thema?

Darren Korb: Ich denke nicht, dass es einen “richtigen” Weg gibt, Musik zu machen. Ich denke, Zusammenarbeit kann eine sehr effektive Methode zum Ideenaustausch sein, damit am Ende etwas frisches und interessantes herauskommt. Da muss man aber auch sagen: Ein einzelner Komponist kann manchmal zu einem mehr einheitlichen Klang für ein Projekt führen. Jede Methode hat sicherlich ihre Vor- und Nachteile.

Darren Korb Studio 1

Dominik Raab: Lassen Sie uns über Ihren Score für das Indie-Game “Bastion” reden. Wie sind Sie an diesen Job gekommen?

Darren Korb: Amir Rao, einer der Mitgründer von Supergiant Games, ist seit unserem neunten Lebensjahr ein guter Freund von mir. Wir haben jahrelang zusammen in Bands gespielt und aus Spaß an einigen gemeinsamen Projekten gearbeitet. Als er das Studio ins Leben gerufen hat, hat er mich gefragt, ob ich alle Audio- und Musik-Arbeiten für die Firma machen wolle. Ich hab’ natürlich “Ja” gesagt!

Dominik Raab: Wieviel Freiheit haben Rao und die anderen Produzenten Ihnen für Bastion gelassen? Konnten Sie ihre eigenen Ideen verwirklichen, oder hatten Sie strenge Vorgaben?

Darren Korb: Ich hatte bei Bastion wirklich viel Freiheit. Man hat mir ein paar sehr grobe Richtlinien gegeben – wie viele Songs es sein sollten, die Stimmung und Intensität jedes einzelnen Songs und so weiter. Alles andere war dann meine Sache. Sobald ich etwas fertig hatte, habe ich es ihnen zugeschickt und auf Grundlage ihres Feedbacks ein paar Änderungen vorgenommen.

Dominik Raab: Wieviel virtuelle Instrumente sind in Bastion vertreten? Haben Sie überhaupt welche benutzt, oder setzen Sie auf analoge Synths und Live-Instrumente?

Darren Korb: Ich würde sagen, bei Bastion halten sich Live-Instrumente, virtuelle Instrumente und Samples/Loops ungefähr die Waage. So etwa ein Drittel von dem, was man hört, sind also VIs.

Dominik Raab: Würden Sie uns verraten, welche VI-Produkte Sie benutzt haben?

Darren Korb: Alle virtuellen Instrumente, die ich benutzt habe, waren bei Logic Pro 8 dabei. Aus diesem Pool habe ich so einiges benutzt.

Dominik Raab: Der Bastion-Soundtrack beinhaltet viele Synthesizer-Spuren. Programmieren Sie Ihre Synths gern selber, um Ihren Sound zu finden, oder klicken Sie sich lieber durch Presets?

Darren Korb: Bei Synths suche ich mir normalerweise ein Preset aus und baue darauf auf. Eines der Dinge, die ich an Logic liebe, ist die Anzahl der großartigen Presets. Dadurch geht es wirklich schnell, nahe an den Wunsch-Sound zu kommen. Dann muss ich nur noch an ein paar Einstellungen herumspielen, statt jedes Mal bei Null anzufangen. Wenn ich erst einmal einen Sound habe, mit dem ich zufrieden bin, speichere ich ihn in meinem eigenen Preset-Ordner ab.

Darren Korb Studio 2

Dominik Raab: Wir haben vorhin über Kooperation gesprochen. Im Zusammenhang mit Bastion: Waren, außer den Sängern, andere Musiker außer Ihnen beteiligt?

Darren Korb: Nö, nur die Sänger und ich.

Dominik Raab: Wie heißt die großartige Sängerin in “Build that Wall (Zia’s Theme)”?

Darren Korb: Das ist Ashley Barrett, eine Freundin von mir aus Kalifornien, die jetzt in New York lebt.

Dominik Raab: Unsere letzte Frage: Schreiben Sie lieber Musik für “feste” Produktionen wie Filme und TV-Serien, wo der Zuschauer die Handlung nicht beeinflussen kann, oder lieber für interaktive Produktionen wie Videospiele, wo die Handlungen des Spielers die Stimmung der Szene ändern können?

Darren Korb: Die Herausforderungen, die beide Medien für den Musiker bieten, sind auf jeden Fall unterschiedlich. In Filmen und TV-Serien ist es wichtig, etwas zu komponieren, was genau auf die Szene passt. Das ist bei Spielen so gut wie unmöglich, weil sie so interaktiv sind. Das erlaubt es mir, mich hauptsächlich auf den Klang und den Vibe zu konzentrieren, was ich sehr genieße. Um Ihre Frage zu beantworten: Ich denke, ich bevorzuge Spiele.

Dominik Raab: Vielen Dank, dass Sie sich die Zeit genommen haben, unsere Fragen zu beantworten. Viel Erfolg mit Ihren zukünftigen Projekten!

Dominik Raab

Ergänzende Infos

  • Das Interview wurde geführt und aus dem Amerikanischen übersetzt von Dominik Raab.
  • Darrens Soundtrack zu Bastion ist bei Bandcamp erhältlich, einer Online-Plattform nach dem “Name Your Price”-Prinzip. Ein Minimalpreis ist festgesetzt, man kann aber mehr zahlen, wenn man möchte. Der Großteil des Erlöses geht an den Komponisten selbst. Der Bastion-OST kann als Download in verschiedenen hochauflösenden Formaten (unter anderem MP3 und FLAC) oder als CD gekauft werden. Der Download kostet mindestens 10 $, die CD mindestens 15$.

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