Ein ganz persönlicher Messebericht von Andi Saitenhieb
In diesem Messebericht gebe ich auf der einen Seite eine Übersicht über die wichtigsten Neuheiten der ganz großen Hersteller, auf der anderen Seite habe ich ein paar ganz persönliche Highlights herausgesucht, über die sonst nicht berichtet wird (ganz kleine Hersteller, besonders Skurriles…).
Anmerkung der Redaktion:
Der folgende Artikel enthielt bei seiner Veröffentlichung teils eingebettete Links zu YouTube-Videos, die die entsprechenden Neuigkeiten und Produkte illustrieren sollten. Es kann sein, dass mitlerweile einige Videos u. U. nicht mehr verfügbar und die Links somit inaktiv sind.
Ukulele-Bass, Bohemian Rhapsody auf Ukulele …
Gleich zu Beginn mein persönliches musikalisches Highlight: Bohemian Rhapsody von Queen – auf einer Ukulele gespielt!!!
Ukulele.de ist der wohl größte Händler und Großhändler Deutschlands für alle möglichen und unmöglichen Arten von Ukulelen. Dort erhält man auch den fantastischen U-Bass, einen Bass in der Größe einer Ukulele. Die Saiten sind in normaler Bass-Stimmung (also E-A-D-G), und zwar tatsächlich genauso tief, nicht etwa ein oder zwei Oktaven höher! Der Sound ist unglaublich voluminös, die akustische Version klingt (mit dem eingebauten Piezo-Tonabnehmer über einen Verstärker gespielt) sehr authentisch nach Kontrabass. Sowohl die elektrische als auch die akustische Version gibt es sowohl bundiert als auch fretless. Preislich bewegen sich die Instrumente je nach Holz und Bauart zwischen 479,- und 1090,- Euro (inklusive sehr stabiler Tasche, die eigentlich eher eine Art Styropor-Koffer ist). Sehr hoher Spaßfaktor, Ausprobieren dringend empfohlen!

Bildquelle: ukulele.de
Demo Videos:
Weitere Infos: ukulele.de
International Vintage Guitar Show
Mittlerweile ist sie schon Tradition, die Vintage Guitar Show in Halle 4.1. Dort gibt es Schätze zu begutachten (und nach Rücksprache darf man manchmal sogar das eine oder andere Instrument spielen!), von denen die meisten Gitarristen nur träumen können. No.1 Guitar Center (aus Hamburg), MJ Guitars München (der Laden von Matthias Jabs von den Scorpions) und Guitar Point Maintal präsentieren eine unglaubliche Auswahl an legendären Gitarren, Bässen, Verstärkern und Effekten aus den 50er und 60er Jahren. Fender Telecasters, Stratocasters, Jazzmasters, Jaguars, Gibson Les Pauls, ES 335, ES 175… You name it, they have it! Ich habe eine kleine Video-Übersicht gemacht:
Wer diese Ausstellung noch nicht gesehen hat, sollte sie unbedingt auf seinen Messezettel 2013 schreiben (übrigens vom 10.04. bis 13.4.2013).
Lehrmaterial (Bücher, DVDs)
Etliche interessante Neu-Erscheinungen habe ich beim Alfred Verlag (www.alfredverlag.de) entdeckt:
- XY Power! In dieser Reihe gibt es Anleitungen für alle gängigen Sequenzer-Programme bzw. DAWs, z. B. Cubase, Logic Pro, Nuendo etc. Bei neuen Programm-Versionen gibt es neue Ausgaben.
- Waves Plus-Ins Workshop: Mixing by the Bundle (Barry Wood) – ISBN 9781435457461
- Guitar Tone – Pursuing The Ultimate Guitar Sound (Mitch Gallagher) – ISBN 9781435456150
- Jazz Play Alongs: Easy Jazz Play Along Series: Jeweils neun Klassiker in leicht spielbaren Versionen (siehe Video-Clip unten, da zeige ich jeweils eine Beispiel-Seite für die
verschiedenen Instrumente). Mehrere Bände, jeweils eine Ausgabe mit den Noten und Play Alongs für Bass/Drums/Piano und eine zweite Ausgabe für Instrumente in C-/Bb-/Eb-/Bass-Schlüssel bzw. -Stimmung. Man kann also mit anderen Instrumenten zusammenspielen und auch als Anfänger eine Jazz-Combo gründen. Für Fortgeschrittene gibt es dann die Jazz-Play-Along-Series (also ohne „Easy“ im Titel). Ganz neu ist die Serie „Realtime Jazz Standards“, in der es zusätzlich noch Improvisations-Anleitungen und Spieltipps gibt.
Bildquelle: alfredverlag.de
- Die DVD „Learn To Light“ zeigt, wie man Bühnen richtig ausleuchtet und dabei die Stimmung des jeweiligen Songs unterstreicht. (Erscheint in Kürze)
Und zum Schluss das absolute Highlight in dieser Rubrik: Das Buch „Garantiert Blues Gitarre lernen“ von einem gewissen Andi Saitenhieb … Unter dem Motto „Keine Lücken, keine Füller“ wird der interessierte (angehende?) Gitarrist Schritt für Schritt in die Kunst der Bluesgitarre eingeführt. Garantiert keine Sprünge im Schwierigkeitsgrad, unzählige authentische Blues-Riffs, viele Play-Alongs… Die beiliegende mp3-CD hat über 4 Stunden Spielzeit.

Hier noch ein Video mit Helge, der uns auf dem Messestand vom Alfred-Verlag herumführt und die Neu-Erscheinungen vorstellt:
Gitarren
Bevor wir uns den üblichen Verdächtigen zuwenden, habe ich wieder zwei ganz persönliche Tipps: Nach Kundenwunsch handgefertigte Bottleneck & Steelbars. Länge, Durchmesser und Wandstärke in kleinsten Schritten wählbar. Verschiedene Materialien (Messing, Edelstahl, Neusilber, Phosphor-Bronze). Jan Simon ist – im positivsten Sinne! – ein Freak, ein Sound-Besessener, ein Mann, der sein Handwerk versteht. In diesem Video stellt er seine Slides vor, im Video zu Joe Striebel-Guitars (siehe
unten) kann man ihn auch spielen hören:
Weitere Infos: daddyslide.de
Der Gitarrenbauer Joe Striebel baut allerfeinste Instrumente. In die hier kurz vorgestellte Westerngitarre mit kleinem Korpus (sehr gut geeignet für traditionelle Stile wie Delta Blues) haben sowohl Jan Simon (siehe oben) und ich uns spontan verliebt. Das hier gezeigte Modell besticht durch einen unglaublich weichen Klang und tolle Ansprache. Kaum inWorte zu fassen ist der Wohlfühl-Faktor, wenn man dieses Instrument spielt. Das hier gezeigte Instrument hat die Zusatz-Optionen Sunburst-Lackierung, Griffbrett-Einfassung und Birkendecke. Viele Optionen und Kundenwünsche sind bei diesen Instrumenten, die individuell angefertigt werden, möglich.
Weitere Infos: striebelguitars.com
Sensationelle Neuigkeiten gibt es von Fender und von Gibson: Dort werden tatsächlich weiterhin Gitarren gebaut! Im Ernst: Außer den üblichen – natürlich als besonders interessante Innovationen angepreisten – Stratocasters, Telecasters und Les Pauls gab es nicht wirklich viel zu entdecken. Hier eine neue Farbe, dort eine weitere Billigversion der genannten Klassiker… und das war es dann auch schon.
Deutlich mehr tut sich bei den Amp-Herstellern. Die Auswahl an kleinen Röhren-Combos wird immer größer, da sich mittlerweile herumgesprochen hat, dass kleine Amps voll aufgerissen einfach besser klingen als 100-Watt-Fullstacks auf Lautstärke 0,5 gespielt. Zum Beispiel mit dem Bugera Vintage 5 und dem Blackstar HT1 bekommt man für unter 200,- Euro schon richtig ordentliche Teile. Der Bugera eignet sich dabei eher für muffigere Vintage-Sounds, der Blackstar kommt deutlich moderner daher. Beide machen (auch) auf Zimmerlautstärke und beim Recording eine tolle Figur. Jetzt wenden sich die Hersteller auch verstärkt den Sound-Gourmets zu und bieten ihnen immer mehr Auswahl. Bei Marshall gibt es in diesem Jahr zum 50-jährigen Firmenjubiläum kleine Versionen der Klassiker, natürlich streng limitiert, handverdrahtet etc.

Bildquelle: marshallamps.co.uk
Nacheinander gibt es 1-Watt-Versionen eines 1960er JTM1, eines 1970er JMP1, eines 1980er JCM1, eines 1990er DSL1 und eines 2000er JVM1. Die Leistung lässt sich jeweils auf 0,1 Watt runterschalten und erlaubt so auch das Abrocken um Mitternacht… Es werden jeweils Combos und Head-Box-Kombinationen erhältlich sein. Unbedingt mal beim Händler des Vertrauens reinschauen und bei Interesse schnell zugreifen: Die Teile werden weggehen wie warme Semmeln und die verfügbaren Stückzahlen sind winzig!
Auch bei Vox gibt es einen handverdrahteten Mini-Amp, den AC4C1HW. Voll-Röhre, Low- und High-Eingang, Vintage-Optik des Original AC30…

Bildquelle: voxamps.de
PS: Nicht unterschätzen, wie laut 4 Watt sein können: Selbst mit 0,1 Röhrenwatt kann man die Lebensgefährtin (die menschliche, nicht die Paula…) problemlos vom Schlafen abhalten! Außerdem gab es am Vox-Stand den Prototyp eines neuen Looper-Pedals zu bestaunen, der eine interessante Ergänzung zu den bekannten Teilen von ROLAND, BOSS und Digitech sein dürfte.
Bass
Wenn es einen amtlichen Bass-Amp gibt, der als der absolute Standard gilt, dann ist es der Ampeg B15. Dieser Amp wird eigentlich nicht mehr hergestellt, aber im letzten Jahr gab es eine auf 50 Stück limitierte Re-Issue. Handwired, umschaltbar zwischen dem 1964er und dem 1966er Schaltkreis etc. Da diese Auflage innerhalb kürzester Zeit ausverkauft war, gibt es jetzt noch einmal eine zweite Auflage von 100 Stück.

Zubehör
Seit der Einführung vor zwei Jahren ist der Poly-Tuner von TC Electronic der Renner. Man kann alle Saiten gleichzeitig anschlagen und die Anzeige des Tuners verrät, welche Saiten wie gestimmt werden müssen. Jetzt kommt der PolyTune in einem neuen Gehäuse, dessen Größe nur noch ein Drittel des alten Gehäuses beträgt.

Bildquelle: tcelectronic.com
Auch KORG springt auf den Poly-Tune-Zug auf. Hier nennt man das Ganze Pitchblack Poly.

Bildquelle: bonedo.de
Auch in der Hardwire-Serie von Digitech gibt es ein entsprechendes Stimmgerät, das HT-6.

Bildquelle: hardwirepedals.com
Keyboards / Pianos / Synths
Neuigkeiten von Clavia: Die zweimanualige Referenz-Orgel Nord C2 hat auf vielfachen User-Wunsch jetzt endlich echte Drawbars spendiert im neuen Modell C2D spendiert bekommen; und zwar zwei Sets pro Manual, so dass man pro Manual verzögerungsfrei zwischen zwei Voreinstellungen wechseln kann! Außerdem wurden die Sounds überarbeitet und eine weitere Leslie-Simulation hinzugefügt. Ich war von der Demo jedenfalls ziemlich beeindruckt…

Bildquelle: nordkeyboards.com
Und ganz neu ist Nord Drum, ein vierkanaliger Drum-Synthesizer, der ausschließlich mit synthetischen Sounds aufwartet, nicht mit Samples. Nach dem Anschließen von bis zu 4 Triggern kann man fast latenzfrei lostrommeln.

Bildquelle: nordkeyboards.com
Das beliebte KORG SV1 mit den großartigen E-Piano-Sounds kommt jetzt in neuen Farben daher: Mattschwarz und für kurze Zeit in einer limitierten roten Version mit Reversed Keys.

Bildquelle: bonedo.de

Bildquelle: bonedo.de
Bei ROLAND neu im Programm ist das BK-5, ein Backing-Keyboard mit 61 Tasten und zahlreichen Anschluss- & Playback-Möglichkeiten: Es spielt Standard-MIDI-Files, WAVs, MP3s etc. – direkt vom USB-Stick! Außerdem gibt es Center Cancel- und Transpose-Funktionen, einen Rhythm-Composer zum Erstellen oder Verändern von Styles usw.

Mundharmonika
Aus dem Hause Hohner kommen gleich zwei Neuheiten: Das altbekannte Mundharmonika-Rack, das Gitarristen das gleichzeitige Spielen von Gitarre und Bluesharp ermöglicht, wurde komplett überarbeitet. Beim Hohner Flexrack kann man sowohl den Winkel des Instruments als auch die Höhe einstellen. Außerdem ist das Rack sehr bequem und die Harp kann problemlos gewechselt werden.

Bildquelle: hohner.de
Demo der neuen Hohner Flexrack:
Zum 100. Geburtstag der Hohner Chromonica gibt es nicht nur ein neues Einsteiger-Modell, sondern auch eine goldene Limited Edition.

Bildquelle: hohner.de
Ein Überblick über die Geschichte und Entwicklung eines faszinierenden Instruments:
Andi Saitenhieb
