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Speaking in Code

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Ich liebe Filme. Insbesondere Dokumentationen zum Thema Musik haben es mir mit steigendem Geburtstagspegel angetan. Und damit scheine ich nicht alleine zu sein. Im Sommer 2009 strahlte zum Beispiel ARTE über Wochen die Doku-Serie “Summer of the 80th” aus und beleuchtete dabei eine Ära aus House, Punk, NDW und Synthiepop. Auch BBC hat mit überaus interessanten Dokus über Krautrock und Synthpop (Stichwort “Synth Britannia”) seinen Bildungsauftrag erfüllt. Nur die deutschen ÖRs senden nach wie vor lieber den 1.000ten Bericht über verzauberte Berglandschaften in Oberbayern oder die x-te Wiederholung von “Disco”. Geschenkt …

Macher wie Maren Sextro und Holger Wick zeigten in 2008 mit ihrem Streifen “We call it Techno” wie viel Filmstoff die Tanzmusik der späten 80er bis Mitte 90er bereits heute zu bieten hat. Depeche Mode haben mit ihrem Making of “Sounds of the Universe” einmal mehr einen abendfüllenden Film am Start, der recht tiefe Einblicke in die Produktion des Albums zulässt. Dokumentationen sind einfach cool, wenn sie gut gemacht sind.

Mit “Speaking in Code” geht die Amerikanerin Amy Grill (Director und Producer) mit dieser Techno-Doku vollkommen andere Wege. Der Film ist ein intelligent aneinander gereihtes Bündel aus abwechselnden Szenen. Die hin und wieder erzählenden Worte der allwissenden Produzentin helfen einem dabei, nicht den Überblick zu verlieren. Es stehen keine Megastars oder ehemalige Größen der Techno Szene im Vordergrund, sondern überaus bekannte und aktuelle Vertreter einer heutigen (leider eher im Untergrund agierenden), neuen Techno-Bewegung. Dabei spricht man im Film immer von Elektronischer Musik. Ich denke das Prädikat “Techno” hätte aber wesentlich besser gepasst, denn außer Techno-Musik ist nicht viel anderes im Film zu hören. Es kann aber auch sein, dass ich da etwas falsch verstanden habe. Hier ein paar Namen der beteiligten Hauptakteure: Modeselektor, Wighnomy Brothers, Monolake, Philip Sherburne, David Day, Marc Leclair, Wolfgang Voigt (Kompakt Record Label), usw.

Die Doku spielt an unterschiedlichsten Orten in aller Welt: Mini- und Megafestivals, Provinz-Discotheken in Ostdeutschland, Lagerhallen voller Vinyl, Untergrund-Clubs in US, Muttis Esszimmer, Berliner Mauer, schrottige Bahnwagons, WG-Buden, usw. Es hatte mich etwas überrascht, dass Deutschland immer noch eine sehr dominante Rolle im weltweiten Techno-Zirkus zu spielen scheint. So wurden gefühlte 60% des Films mit deutschen Akteuren an deutschen Schauplätzen gefüllt. Insgesamt geht es weniger um Technik, Fan-tum oder wildes Rumgefummel im Backstage, sondern um das wahre Leben der Musiker. Sei es Freud oder Leid, Erfolg oder Misserfolg. Musiker haben´s einfach schwer. Sprachbarrieren und Kulturelles tun da wenig zur Sache. Das was zählt ist letztendlich die Musik. Diesen Aspekt schieben die Macher von “Speaking in Code” ganz nach vorne. Im Film selbst bleibt davon allerdings für mich zu wenig übrig.

Der komplette Film ist in englischer Sprache, und es gibt auch keine Untertitel. So ist es manchmal ziemlich schwer dem ein oder anderen Slang-Gebrabbel zu folgen.

“Speaking in Code” ist überaus aufrichtig und tiefgründig und maskiert die Akteure vor der Kamera nur sehr selten. Echtes B-Movie-Flair kommt dabei genau so selten auf wie ein überstyltes “Ich versuch’s, kann’s aber nicht besser”-Feeling. Diesen schmalen Grad hat Mrs. Grill erfolgreich gemeistert. Ich denke, man muß “Speaking in Code” zwei-, dreimal angeschaut haben um das Werk in voller Pracht verstehen zu können. Recht vordergründig sind Gernot Bronsert’s Ausführungen zum Fall der Mauer und den sich verändernden Zuständen seit der Wiedervereinigung in Berlin. Klingt nach “Geschi für Anfänger” und ist es auch. Aber auch das chaotische Leben und Treiben der Wighnomy Brothers (sind mittlerweile getrennt) zauberte mir so manches Mal ein beherztes Schmunzeln ins Gesicht. Eine neue Zeit braucht neue Helden und hat sie bereits.

Eine echte Story liefert der Streifen nicht. Auch eine Art “roten Faden” habe ich so manches Mal vermisst. Richtig technisch wird “Speaking in Code” für den Konsumenten Typ “E-Musiker” zu selten. Trotzdem vergingen die 89 Minuten wie im Flug. Danach war ich um einiges schlauer, eine Spur motivierter und dachte insgeheim: Techno lebt. Und das tat gut.

Bernd Scholl

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  • Video-DVD: 19.95 Dollar +Versandkosten

Autor: Bernd Scholl

Bernd "moonbooter" Scholl ist Musiker, Musikproduzent und Gründer des Elektronik-Labels "MellowJet-Records", welches neben seinen eigenen moonbooter-Alben bereits über weitere 100 CD-Alben veröffentlichte. Nebenbei arbeitet Scholl als Autor für unterschiedliche Musikportale, als Webdesigner und Mastering-Engineer.

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5 Kommentare

  1. Diese BBC-Dokus sind toll gemacht, als alter Prog Rock-Fan fand ich “Prog Britannia” richtig gut.
    Gut recherchiert, mit vielen Hintergrundinformationen zur Sache, um mal zu zeigen, dass Genesis mal richtig Musik machen konnten und sich nicht in Plattitüde wie I can’t dance ergingen.

    Gut ist auch diese Classic Albums-Serie, die’s mal auf VH-1 gab und die man noch bei youtube findet.
    Hier gefallen mir vor allem die Folgen zu Dark Side Of The Moon und Joshua Tree.

    Interessant fand ich auch die Idee von Abelton Live als “Nebendarsteller” in Berlin Calling.

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