Test: Best Service Emotional Cello

Vier Jahre hat das Team „Harmonic Subtones“ mit Sitz in München an dem samplebasierten Cello gearbeitet. Rund 50 verschiedene Spielweisen, echtes Legato und echtes Vibrato sowie diverse Optionen für einen Bogenstrichwechsel sollen ein natürlich klingendes Spielverhalten und einen großen Reichtum an Ausdrucksmöglichkeiten bieten. Der Hersteller verspricht einen kraftvollen und emotionalen Klang mit bislang ungekannten Ausdrucksdimensionen. Ob Emotional Cello tatsächlich ein neues Kapitel bei den samplebasierten Streichern aufschlägt, erfahren Sie in unserem Test – wie immer mit Screenshots und Audiodemos.

Recording: Best Service Emotional Cello

Überblick

Emotional Cello läuft plattformübergreifend in allen gängigen Plugin-Formaten sowie Standalone auf Native Instruments kostenlosem Kontakt Player (und der Vollversion von Kontakt 5).

Emotional Cello verspricht eine breite Palette von Anwendungsmöglichkeiten: von der Filmmusik über Pop-Produktionen bis zu avantgardistischen Kompositionen.

Die Samples für Emotional Cello wurden überwiegend aus durchgehend gespielten Passagen extrahiert (Contextual Sampling). Im Gegensatz zu separat eingespielten Noten können bei fließend gespielten Passagen auch subtile Spielvariationen und ein natürlicher Bogenstrich gut eingefangen werden.

Für das musikalisch sinnvolle Zusammenfügen der richtigen Samples in Abhängigkeit von der Spielweise auf der Klaviatur sorgt zudem ein Skript. Das Skript benutzt bei einer Anfangsnote beispielsweise nur Samples, die ebenfalls aus dem Anfang einer Passage stammen. Bei einer Legato-Spielweise werden für die folgenden Noten nur Sustain-Samples verwendet, die aus gebunden gespielten Abschnitten stammen. Das Extrahieren, Nachbearbeiten, Sortieren und Zusammenwirken der Samples per Skript dürfte kein einfaches Unterfangen gewesen sein, vielmehr eine akribische Arbeit, die musikalische Sensibilität in hohem Maße einfordert. Kein Wunder also, dass die Entwickler vier Jahre gebraucht haben, um das Produkt fertig zu stellen.

Aufgenommen wurde das von Jan Trost gespielte Cello im Mastermix-Studio, München. Jan Trost gilt als herausragender Virtuose unter den jungen Cellisten, hat bereits mehrere Preise gewonnen und ist Mitglied des ARCIS Cello Quartetts, welches ein breites Repertoire einschließlich filmmusikalischer Titel präsentiert.

Die Nah-Mikrofonierung mit Neumann-Mikrofonen erfolgte mit größtmöglichem Abstand zu den reflektierenden Wänden. So ergibt sich ein intimer, detailreicher Klang, der jedoch dank dezentem Raumanteil nicht steril oder tot wirkt. Externe Effekte und Raumsimulatoren können problemlos verwendet werden, ohne dass es zu den Klang verfärbenden, verwaschenen Ergebnissen kommt.

Im ersten Audiodemo hören Sie die Artikulation Delicate des Master-Patches Emotional Cello in der Werkseinstellung mit den internen Effekten Room (Scoring Stage Small) und Reverb (Classic Hall). In der kurzen Pause hören Sie ein Release-Geräusch des abgesetzten Bogens. Im Zuge des in Kürze bevorstehenden Updates (Stand Ende Juli 2015) hat der Hersteller das Script verändert, sodass isolierte Releasegeräusche in Pausen nicht mehr auftreten. (Genau genommen handelt es sich bei diesen isolierten Releasegeräuschen um Einspielfehler, die man auch jetzt schon vermeiden kann, indem man die Taste nicht länger hält als die Note erklingt oder dies nachträglich im MIDI-Editor korrigiert. Ich habe in den folgenden Audiodemos teilweise solche Releasegeräusch als colorierende Nebengeräusche stehen lassen. Ein echter Cellist würde so in der Regel allerdings nicht spielen.)

Die Dynamik habe ich per Modulationsrad gesteuert. Hohe Dynamikwerte überblenden zu Forte-Samples mit colorierenden Bogenstrich-Nebengeräuschen. Es kommen überwiegend Legato Samples, zum Ende auch ein Portamento zum Einsatz:

 

Nun das Ganze ohne die internen Halleffekte, also „trocken“:

 

Und hier mit einem externen Hall (Eventide UltraReverb, Preset „Knight´s Castle“):

 

Geboten werden neben der herkömmlichen Spielweise auch Sul-Ponticello-Legato (als Master Patch mit zahlreichen Artikulationen), Flageolet-Legato, Morbid Sustain, Riccochet sowie Renaissance.

Die Artikulation Rennaissance 1 des Master-Patches Emotional Cello (mit dem internen Room Scoring Stage Small und dem internen Reverb Big Church):

 

Auch eine Cello-Percussion fehlt nicht.

 

Erfreulicherweise finden sich auch hier abwechslungsreiche Dynamiklayer, sodass dieses Add-On wirklich zu gebrauchen ist.

Neben Stereo-Patches stehen Mono-Patches von zwei Mikrofonpositionen bereit.

Abgesehen von einer übergreifenden Ausstattung mit anschlagsdynamischen Layern verfügen kurze Noten über bis zu acht, lange Noten über bis zu vier Round Robins. Dadurch sollte für ein lebendiges Spiel reichlich gesorgt sein.

Neben drei Master-Patches (das erste Patch, Emotional Cello ist mit knapp über 1 GB RAM-Einforderung das umfangreichste) mit True Legato und Artikulationswechseln per Key-Switch (oder per Maus-Klick im Menü) gibt es eine Vielzahl weiterer Patches, teils mit besonderen Funktionen wie Klangfarbenwechsel per Controller, des weiteren Single-Patches mit nur einer Artikulation. Die Single Patches eignen sich für Anwendungen, bei denen anstelle von Key-Switches Artikulationswechsel über Multis und über verschiedene MIDI-Kanäle realisiert werden. Die Single Patches bieten zusammengenommen ein Repertoire an Artikulationen, welches noch über das der Master Patches hinausreicht.

Die geschmackvoll und in warmen Farben gestaltete Oberfläche bietet (im Falle der Master-Patches) neben der Artikulationswahl diverse weitere Einstellungen, die Einfluss auf das Spielverhalten bzw. die Sampleauswahl nehmen. Dazu später mehr, wenn es um die Details geht.

Ein FX Menü …

EmotionalCello_Bild2

… beschränkt sich auf einen Dreiband-Equalizer mit semiparametrischen Mitten, einen Sättigungseffekt, einer Stereoverbreiterung (ursprünglich gedacht für pad-artige Anwendungen bei Single-Layer Sustains, aus Gründen konzeptueller Konsistenz später auf die Masterpatches übertragen) sowie zwei mischbaren Faltungshalls mit drei Scoring Stages (klein, mittel, groß) und fünf Hallen bzw. Kirchen. Der zusätzliche Timbre-Effekt stellt Klangvariationen von Hi-Fi über Bright, Warm und Roomy bis zu 1940´s Radio bereit.

Das folgende Thema hören Sie erst im Timbre „Warm“, dann im Timbre „1940´s Radio“:

 

Installation und Autorisierung

Die Library bringt 5,36 Gigabyte Samples auf die Waage und ist per Download oder als Versandprodukt erhältlich. Die Autorisierung erfolgt in gewohnter Weise benutzerfreundlich und annähernd vollautomatisch (online) über das NI Service Center, alternativ auch offline über Autorisierungs-Request/Response-Files – ebenfalls eine unproblematische und reibungslos ablaufende Prozedur.

Emotional Cello wird grafisch ansprechend im Library Browser von NI Kontakt angezeigt.

 

Die Master-Patches im Detail

Drei Masterpatches mit True Legato stehen zur Verfügung: Emotional Cello (die gebräuchlichste Spielweise), Sul Ponticello (hier wird der Bogen nahe am Steg geführt: Das Cello klingt härter, obertonreicher) und Harmonic (obertonreiche Spielweise mit deutlichen Spiel-Nebengeräuschen).

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Das Cello selbst ist (bei den meisten Spielweisen) über vier Oktaven spielbar. Unterhalb dieses Spielbereichs finden sich Steuertasten für die Wahl der Spielweisen sowie für weitere Funktionen.

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Die rot eingefärbten Tasten sind für Repetitionen, Bogenstrichwechsel und das Einarbeiten von Vibrato bei Non-Vibrato-Artikulationen zuständig. Man kann sich nun streiten, ob die Verwendung von vier anstatt zwei verschiedenen Farben für die Steuertasten die Sache übersichtlicher oder nur einfach bunt gemacht hätte. Über ein zusätzliches Info-Menü erhält man jederzeit Auskunft, welche Tasten wofür gedacht sind.

Die Idee, Vibrato manuell über Key-Switches zu erzeugen ist nicht ganz neu. In anderer Gestalt findet man sie beispielsweise bei Chris Hein Guitars als „Fingered Vibrato“ über sogenannte Hot-Keys.

Bei Emotional Cello übernimmt die Vibrato-Funktion hingegen eher die Aufgabe der Schaffung eines Übergangs zwischen Non-Vibrato- und Vibrato Artikulationen. Der Hersteller teilte uns hierzu mit:

„Zunächst generell: ein moduliertes Vibrato schien uns nie adäquat das wiederzugeben, was ein erfahrener Cellist zum klingen bringt. Es erfordert schon eine enorme spezifische Kenntnis von Streichinstrumenten, um ein Vibrato authentisch zu generieren.

Zudem ist ein in einem Raum aufgenommenes Vibratosample anders als ein Nonvibrato Ton, weil der Raum unterschiedlich angeregt wird.

Daher war die Überlegung folgende:

Wir nehmen schöne Vibratotöne auf, mit unterschiedlichen Einschwingverläufen (meist hängt das vom Tempo ab, in dem ein Cellist phrasiert) und bieten dem User davon eine Auswahl an. Zudem bieten wir eine Non Vibrato Artikulation an. Aber was macht man, wenn man einen Übergang braucht? Hier kommen jetzt diese Vibrato Crossfade Keys ins Spiel. 2 Szenarien:

      1. Wenn man eine an Vibrato arme Performance will, dann bieten diese Keyswitches die Möglichkeit ein wenig Abwechslung einzustreuen, indem man kurz vor dem Tonwechsel zu einer anderen Note ins Vibrato crossfaded um dann wieder im non Vibrato zu landen.
      2. Wenn man aus einer vibratoarmen Performance in eine längere Vibrato-Performance (exaltiertere, emotionalere Performance) wechseln will, dann helfen diese Vibratocrossfades dem aktuell klingenden Non-Vibrato ein sanftes Vibrato hinzuzufügen um dann einen Key-Switch basierten Wechsel in eine dauerhaftere Vibratoartikulation (wie proud Vibrato) vorzunehmen.

Diese Funktion ist also tatsächlich eher als Übergangsfunktion, als Bindeglied zwischen NV und Vibrato Artikulationen oder als dezent benutzte Vibratofarbe im generellen NV zu sehen“.

Die Artikulation „Proud Vibrato“ eignet sich sehr gut, wenn man ein ausdrucksstarkes Vibrato benötigt:

 

Um vorzugreifen: Eine Alternative bietet zudem dieses Patch:

EmotionalCello_Bild5

Hier wird ein Sustain-Cello ohne Vibrato über einen zuweisbaren Controller in eine Vibrato-Sustain-Spielweise überblendet:

 

Bei allen drei Masterpatches wird die Dynamik der kurz gespielten Artikulationen wie beispielsweise Staccato über die Anschlagstärke, die der länger gespielten Variationen über das Modulationsrad gesteuert. So lassen sich Crescendi und Decrescendi gefühlvoll realisieren. Das dynamische Spiel klingt lebendig und echt, obwohl tatsächlich nur die Xfade-Patches echte Crossfades zwischen dynamisch gestaffelten Samples enthalten. Dynamik ist auch bereits in den Samples selbst enthalten. Eine Dynamiksteuerung per Modulationsrad ist daher oft nicht nötig. Ungeachtet dessen kann per Rechtsklick und MIDI-Lerndialog auch ein anderer Hardware Controller der Dynamiksteuerung zugewiesen werden, etwa ein Expression-Pedal.

Bei den länger gespielten Artikulationen steuert die Anschlagsstärke auf der Klaviatur nicht die Lautstärke, sondern bestimmt, ob bei gebunden gespielten Noten echte Legato-Samples oder ein Portamento eingeflochten werden soll. Das funktioniert, wie bei den ersten Audiodemos schon zu hören war, ausgezeichnet. Der Schwellenwert, unterhalb dessen ein Portamento ausgelöst und oberhalb dessen echte Legato Samples eingesetzt werden, kann per Slider geändert werden. Auch die Geschwindigkeit des Legatos und des Portamentos kann per Slider geändert und bei Bedarf zusätzlich per Controller oder Animation fließend variiert werden. Für Geschwindigkeitsvariationen des Legatos stehen zudem drei grundlegende Modi zur Wahl.

Auch der Wechsel des Bogenstrichs während des Legatos wird über die Anschlagsdynamik gesteuert. So lässt sich beispielsweise einstellen, dass bei niedriger Anschlagsstärke ein Portamento gespielt wird, bei mittlerer Anschlagsstärke ein Legato ohne Wechsel des Bogenstrichs und nur bei hartem Tastenanschlag zusätzlich ein Wechsel des Bogenstrichs.

Um ein prägnanteres Spiel zu realisieren, besteht die Option, bei Anfangsnoten (also allen nicht gebunden gespielten Noten) ein zusätzliches Attacksample zu verwenden. Vier verschiedene Varianten stehen zur Verfügung. Neben der generellen Lautstärke des Instruments kann die Lautstärke der Attack-Samples und des Portamentos getrennt geregelt werden.

Die folgenden Audiodemos sollen die Wirkungsweise des Attack-Reglers verdeutlichen. Hören Sie zunächst die Passage ohne zusätzliche Attack-Samples:

 

Die kurzen Attack-Samples erweisen sich als dezent, wenngleich spürbar. Um sie im direkten Vergleich deutlicher zu machen, habe ich die maximale Lautstärke für die Attack-Samples eingestellt. Zunächst die Option Attack very short (Spiccato Attack):

 

Hier muss man schon die Ohren spitzen, um einen Unterschied zur vorangegangenen Version hören.

Attack short (Staccato Attack):

 

Mit Attack medium (Portato Attack) tritt der Effekt deutlicher hervor:

 

Variantenreich ist der Attack-Type Velocity Mode (bei dem die Anschlagsstärke die Wahl der drei vorherigen Anschlagsmodi bestimmt).

 

Diese Attacks sind unter anderem auch bei Repetitionen hilfreich, um einen lebendigen Klang zu erreichen.

Um eine möglichst abwechslungsreiche Spielweise zu erreichen, können zusätzlich Round Robin Samples aktiviert werden. In der Werkseinstellung sind diese ausgeschaltet.

Die Patches Emotional Cello und Sul Ponticello bieten jeweils 16 Artikulationen, darunter Spiccato, Staccato, Pizzicato, Delicate, Pround Vibrato und Rennaissance. Harmonic Cello bietet fünf Spielweisen.

Bei den meisten Artikulationen sind die Samples nicht geloopt. Hält man eine Taste bis zum vollständigen Ausklingen des Tones, so wird beim Note-Off ein Release-Sample angehängt.

Einen Regler für Release-Samples gibt es leider nicht. So erfährt man Weiterführendes erst anhand des PDF-Manuals (und bekanntermaßen ist das lückenlose Lesen von Manuals nicht die Lieblingsbeschäftigung vieler Musiker). Über CC16 (fest zugewiesen) lassen sich die Release-Samples nämlich zusätzlich in ihrer Lautstärke steuern und bei Bedarf auch quasi unhörbar machen.

Beim Patch Moderate 1 kommen sauber geloopte Samples zum Einsatz – allerdings mit folgender Eigentümlichkeit: Spielt man ein Portamento, so endet mit der zweiten Note das Sample (ungeloopt und vor dem Note-Off). Spielt man ein Legato, so wird die Folgenote beliebig lange gehalten:

 

Der Hersteller teilte uns hierzu mit, dass dieser Fehler im Zuge eines Updates behoben wird.

Bevor wir zu den Single Patches kommen, möchte ich einige Artikulationen anhand von Audiodemos vorstellen:

Die Round-Robin-Funktion habe ich bei allen folgenden Audiodemos eingeschaltet. Sie sorgt für zusätzlichen Abwechslungsreichtum.

Zunächst ein Wechsel zwischen Staccato und Spiccato. Bei diesen Artikulationen kommt naturgetreu kein Legato zum Einsatz. Die Dynamik wird durch die Anschlagsstärke bestimmt. Die interne Ambience Room (Scoring Stage large) habe ich beigemischt:

 

Pizzicato:

 

Wir bleiben noch einen Moment beim Pizzicato: Chromatisch abwärts gespielt hört man deutlich, wie stark die Round Robins zur Lebendigkeit betragen. Die mit geringen Dynamikschwankungen im Forte Bereich eingespielte Testfigur würde sonst regelrecht tot klingen. Deutlich wird auch der lupenreine, detailreiche und nahe Klangcharakter. Angenehmerweise haben die Entwickler keine an der Realität vorbei zielenden Begradigungen vorgenommen: In den schwierig zu spielenden höchsten Lagen treten zwischen den einzelnen Tönen merkliche Tonhöhenabweichungen auf. Ein kleiner Fehler hat sich bei der ersten Note eingeschlichen: Hier fehlt ein Round Robin Sample.

Auch diesen kleinen Fehler will der Hersteller checken und gegebenenfalls ausbessern.

Repetitionen bei eingeschaltetem Round Robin führen auf dieser Note daher zu ungewollten Aussetzern:

 

Es folgt die Artikulation Delicate Fast mit Timbre Bright, Saturation, Stereo Image (Verteilung der Noten im Raum), Room Scoring Stage Lage und Reverb Big Church:

 

Espressivo X-Fade:

 

Wir wechseln vom Patch Emotional Cello zum Sulponticello, welches 840 MB groß ist.

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Im folgenden Audiodemo kommen zwei Instanzen von Emotional Cello zum Einsatz: Die erste Instanz spielt eine einfache rhythmische Figur mit einem Wechsel der Artikulationen Ricochet (Effektspielart, bei der der Bogen auf die Saite geschlagen wird und in kurzen Abständen mehrfach erneut aufschlägt), Portato und Spiccato. Die zweite Instanz spielt in der Artikulation Delicate mit Attack Type Velocity Mode. Als Hall habe ich Eventides UltraReverb verwendet (und da ein etwas spezielles Preset mit deutlicher Tonhöhenmodulation der Hallfahne).

 

Das Patch Cello Harmonic …

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… ist mit 239 MB RAM-Anforderung das genügsamste unter den Master-Patches und bietet mit der Spielweise HARM Vibrato eine Klangvorlage für sanfte Melodien. Auch hier sind Legato und Portamento an Bord.

 

Beim Attack Type-Regler funktioniert hier nur die Position „Very Short“. Einen besonderen Verlust bedeutet die Abwesenheit der anderen Attack Type – Varianten in der Kombination mit den zarten Obertönen nicht.

Der Hersteller teilte uns zu den Harmonics mit: „Harmonics ist auch eine sehr limitierte Spielweise, wenig Dynamik. Keine Leersaiten (weswegen es das natürliche Flageolet C auch nicht gibt). Abgesehen davon ist es für den Cellisten eine Tortur Flageolet Legatos einzuspielen.“

 

Weitere Patches

Unter den weiteren Patches finden sich ergänzende Artikulationen, beispielsweise Espressivo mit fünf dynamischen Layern, 13 verschiedene kurze Spielweisen, darunter Spiccatissimo, Power 5th Spiccato, Spilegno, Ghoststrokes, vier verschiedene Effekt-Sustain-Spielweisen wie Tremolo, Morbid, Undulating sowie die drei Effekt-Patches Thunderous Scratch, Tremolo Gliss und Tango Gliss.

Zu Beginn des Tests habe ich bereits ein X-Fade Patch vorgestellt, bei dem zwischen der Spielweise ohne und der mit Vibrato per CC2 (oder einem anderen Controller) gewechselt werden kann. Ein anderes Patch (mit Tremolo) erlaubt das Überblenden zwischen der normalen Bogenposition und der Sul Ponticello – Spielweise (Bogen in Stegnähe).

 

Die Dynamiksteuerung erfolgt auch hier (per default) via Modulationsrad.

Dieses Patch …

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… bietet wiederum Artikulationswechsel über Key-Switches (Espressivo- und Staccato-Varianten):

 

Das Undulating Cello liefert wunderschöne Phrasierungen, wie man sie mit keinem Controller oder Key-Switch-Management realisieren könnte:

 

Effekte für die Filmmusik fehlen nicht. Hier ein Beispiel:

 

Fazit

Best Service und Harmonic Subtones habe nicht zu viel versprochen: Emotional Cello schlägt ein neues Kapitel im Bereich der samplebasierten Streicher auf: Das Cello klingt warm, intim und voll. Die Methode des „Contextual Sampling“ wurde in akribischer Feinarbeit und mit viel musikalischem Einfühlungsvermögen umgesetzt und hat ein einzigartig lebendig klingendes Sample-Cello entstehen lassen.

Die Samples sind reich an Details. Die dynamische Bandbreite ist enorm. Das Cello lässt sich nuanciert spielen, sei es durch eine Überblendung zwischen den dynamischen Layern per Modulationsrad (Xfade-Patches) oder über die Anschlagsdynamik. Zusätzliche Attack-Samples können bei Bedarf hinzugeschaltet werden. Durch die üppige Ausstattung mit Round Robins erreicht das Cello eine Lebendigkeit mit Vorbildcharakter. Als Besonderheit stehen zudem gleich mehrere Optionen für Bogenstrichwechsel bereit. Die Auswahl an Artikulationen lässt kaum Wünsche offen. Sogar die Cello-Percussion (Klopfer auf den Korpus) erweisen sich dank Dynamiklayern als ernstzunehmendes Add-On.

Auch ausgefallene avantgardistische Darbietungen gehören zum Repertoire dieses Cellos, dass die üblichen Ansprüche von der Filmmusik bis zu Pop-Kompositionen mühelos abdeckt. Die Audioqualität ist exzellent. Unterm Strich erhält man ein einzigartig gefühlvoll spielbares Solo-Instrument mit phantastischem echten Legato und extrem natürlich klingenden Portamento. Natürlich ist auch polyfones Spiel möglich.

Über mehrere Instanzen kann man sein eigenes Cello-Trio oder Quartett ins Leben rufen und wird alleine mit diesem Instrument vielseitige und abwechslungsreiche Kompositionen kreieren. Kurz: ein Cello zum Verlieben.

Dafür dass man mit diesem Instrument schnell auf Tuchfühlung kommt, sorgt auch die vorbildlich benutzerfreundliche Bedienung und eine große Auswahl an Patches, mit denen man sofort loslegen kann. Mit Emotional Cello werden auch Nicht-Cellisten ohne Einarbeitung überzeugende Ergebnisse erzielen. Profis im Bereich Filmmusik werden sich darüber freuen, mit minimalem Zeitaufwand beeindruckende Passagen realisieren zu können.

Die Auswahl an internen Effekten ist auf das Instrument zugeschnitten und effektiv. Auf Überflüssiges, am Ziel vorbeigehendes Beiwerk wurde verzichtet. Die angenehm trocken aufgenommenen Samples harmonieren nicht nur mit den internen Ambiences und Hall-Presets, sondern ermöglichen auch das Beimischen externer Effekte und Raumsimulatoren.

Die vierjährige Arbeit an diesem Instrument hat sich gelohnt und löst auf Benutzerseite den Wunsch nach weiteren gesampelten Streichern aus dem Hause Harmonic Subtones aus – auch wenn jede weitere Library dieser Art abermals vier Jahre benötigen sollte, um zur Welt gebracht zu werden. Die unten aufgeführten Minus-Punkte sind gering zu gewichten. Sie behindern den Spielfluss nicht, ebensowenig beeinträchtigen sie die Freude an diesem exzellenten Instrument. Der Preis ist fair.

Testautor: Holger Obst

Top Product Award

Plus

      • äußerst lebendiger, natürlicher Klang
      • nuanciert dynamisch spielbar
      • abwechslungsreich auch dank Round Robins
      • trockene, detailreiche Samples
      • Vielzahl auch außergewöhnlicher Artikulationen
      • Bogenstrichwechsel steuerbar
      • zusätzliche Attack-Samples
      • exzellente Audioqualität
      • leicht bedienbar

Minus

      • kleinere Bugs (welche laut Hersteller mit dem derzeit in Bearbeitung befindlichen Update behoben werden sollen)
      • keine Bedienelemente für das Management der Release-Samples

Preis: 259.- EUR

Systemvorrausetzungen

      • kostenloser Kontakt Player oder
      • Kontakt 5.4.2
      • Win/Mac
      • AAX, RTAS, AU, VST, Standalone
      • 32 und 64 Bit

Hersteller

Testsystem

    • PC Intel Core i7 3930K, Windows 7, Cubase 7, Motu 828 mKII
    • Testprojekt mit 44,1 kHz Samplerate und 24 Bit Auflösung.
    • Alle Audiodemos in 128k mp3.
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