Das Thema Vintage ist zur Zeit heißer denn je. Nicht nur in der Gitarrenwelt stehen schon seit Jahren die Instrumente aus den 50ern und 60ern in der Gunst derer, die es sich leisten können, ganz oben. Auch bei Pianos geht der Trend klar in Richtung alt. Mit dem Galaxy Vintage D gibt es nun einen virtuellen Spezialisten, der sich dem klassischen Sound verschrieben hat.

Vorlage für den Galaxy Vintage D ist ein Steinway Flügel aus dem Jahre 1920, hergestellt in Hamburg. Aufgenommen wurden die Samples in den Bauer Studios in Ludwigsburg, und spätestens hier sollte es klingeln, sind die Bauer Studios doch eine der Top Studio-Adressen in Deutschland, wenn es um Filmvertonung, Soundtrackproduktion und Aufnahmen klassischer Musik geht. Glücklicherweise konnte man bei der Erstellung der Samplelibrary aus dem vollen Equipmentpool der Bauer Studios schöpfen. Der Klang wurde mit Neumann-Mikrofonen über Siemens-Preamps eingefangen und mit der Neve VXS60/60-Konsole aufbereitet.
Die vorliegende Galaxy Vintage D Library nutzt den Kontakt 4-Player oder den Kontakt 4 Sampler von Native Instruments.
Installation
Die Library kommt auf DVD und installiert sich auch von dieser.
Autorisation
Zur Autorisation nutzt die Galaxy Vintage D das Native Instruments Service Center. Auf der Rückseite der DVD findet sich eine Seriennummer, und mit dieser ist dann das Plug-in zu autorisieren.
Interface
Sehr aufgeräumt sieht das Interface des Galaxy Vintage D aus, welches sich in die Sparten Tone, Anatomy, Space und Pads gliedert. Unten links findet sich ein kleines Ausklappmenü Global Presets, mit dem man sich einen ersten Eidruck über die klanglichen Möglichkeiten des Plug-ins machen kann.

Tone erlaubt es, auf den Grundklang des Flügels Einfluss zu nehmen. Richtung Hard wird der Klang obertonreicher, aber auch spröder in Extremstellungen, während Richtung soft das Höhenspektrum bedämpft wird, bis der Klang wie in Watte erscheint.

Mit Resonance lassen sich die Saitenschwingungen beeinflussen, die entstehen, wenn man den Dämpfer von den Saiten wegnimmt und die Saiten frei schwingen können. Selbstredend lässt sich auch, wie bei jedem guten Piano Plug-in, der Öffnungswinkel des Deckels mit dem Lid Parameter beeinflussen. Zwar nicht stufenlos, aber offen, halboffen und geschlossen sollten genügen und ausreichend klangliche Optionen gewähren. In der rechten oberen Ecke fällt das kleine Pluszeichen auf. Wird dieses geklickt ändert sich die Anzeige im Fenster und man erhält mehr Optionen zur Feinabstimmung. Hier lassen sich Warmth, Punch oder Compression einstellen, was dem Vintage Sound zusätzliche Optionen öffnet.
Anamtomy dreht an den Spieleigenschaften des Flügels, also wie das Piano auf die spielerischen Fähigkeiten des Pianisten reagiert.

Hier nutzt man zunächst Dynamic, um den dynamsichen Bereich des Pianos auf die eigenen Bedürfnisse anzupassen. Mit den vier Optionen Repedalling, Halfpedal, Silent Key und Una Corda lässt sich das Vintage D auf Pedalbetrieb anpassen, beziehungsweise darauf, welche der vier Optionen, die es beim richtigen Piano gibt, vom den Plug-in unterstützt werden.
Die Hörposition lässt sich zwischen Player und Audience anpassen, je nachdem wo man selbst sitzen möchte. Durchaus interessant kann es zum Beispiel sein, beim Einspielen die Player Position einzunehmen, während im Mix die Audience Position vielleicht besser kommt.
Verschiedene Stimmungen bietet das Plug-in auch an, standardmäßig befindet man sich im Stretch Tuning. Werkmeister III oder Kirnberger III sind nur zwei der vielfältigen Möglichkeiten, die sich mit dem Vintage D einstellen lassen.
Auf der rechten Seite der Anatomy-Sektion geht es sozusagen ans Eingemachte, hier lassen sich der Pegel der Release Samples regeln, genauso wie der Pegel der Hammer Noises, Pedal Noises, Damper Noises, String Noises oder der Pegel der Obertöne. Jede dieser Möglichkeiten lässt sich einzeln zuschalten. Mit Stereo Width bekommt man noch, wenn gewünscht, die Stereobasis breiter (oder schmaler). Schaut man oben rechts in die Ecke, fällt der Velocity-Eintrag auf, mit dem man den Velocity Editor öffnet. Hier kann man die Velocity-Einstellungen noch weiter auf die eigene Tastatur oder auf die eigenen spielerischen Eigenheiten anpassen lassen.

Natürlich lassen sich auch gewagtere Experimente vornehmen: Wie wäre es zum Beispiel, dem Input Velocitywert 127 den Outputwert 1 zuzuweisen?

Im Vintage D ist eine Convolution Reverb-Einheit integriert, deren Parameter mit Send, Size und Predelay (bis 150 ms) praxisnah und übersichtlich gewählt sind. 22 Impulsantworten kann die Halleinheit verwalten, die Charakteristika reichen hier von Standards wie Recording Studio oder Concert Hall über Cathedral bis zum Taj Mahal. Die Hall-Programme sind sehr gut gelungen und passen in den musikalischen Kontext, in dem das Plug-in zur Anwendung kommt.

Wie bei vielen virtuellen Pianos hat man die Möglichkeit den Pianosounds Pads unterzulegen, die den Klang in synthetischere Richtungen lenken.

Hier hat man die Option, reichhaltige Sounds von analogen Pads über Streicher bis zu mellotronmäßigen Flöten drunter zu packen. Das Verhältnis aus den beiden Sounds, also Piano und Pad, lässst sich stufenlos regeln, so dass man von dezenten Sounds bis zu extremeren Kreationen alles realisieren kann.

Wer es gerne noch extremer haben möchte, schaltet die Warp-Engine zu, die dem Vintage D implementiert ist. Das sind fünf Soundgeneratoren, mit dem sich der Pianosound noch weiter verfremden lässt.

Soundqualität
Die Sounds aus dem Vintage D sind sehr gut geworden, man hat einen virtuellen Flügel “unter” der Hand, der kraftvolle und lebendige Klänge liefert – all dass bei intuitiver Bedienung und übersichtlicher Oberfläche. Die 13 Velocity Switches ermöglichen ausdrucksstarkes wie dynamisches Spiel. Dabei lässt sich das Verhalten des Plug-ins soweit anpassen, dass es sowohl mit der einfachen Midi-Tischhupe wie auch mit einer richtigen gewichteten Tastatur gut spielbar ist, wobei natürlich letzteres weitaus mehr Spass macht.
Soundbeispiele
Höen wir uns zunächst den Basic-Sound des Vintage D an.
Hier der Flügel angereichert mit dem Concert Hall Reverb aus dem Faltungshall des Vintage D.
Etwas intimer klingt da doch der Jazz Club, in dem das Vintage D hier virtuell steht.
Stadion Rock geht aber auch auch.
Mit den Melo Flutes aus der Padabteilung und dem Cahtedral Hall wird der Klang recht dramatisch.
Hier habe ich das Airy Voices Pad dem Flügelklang untergelegt, dazu der Taj Mahal Reverb.
Hier noch was gewarptes, aus der Abteilung Laser Piano.
Das gefällt mir nicht
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Das gefällt mir
Der Vintage D liefert einen authentischen Sound. Hier hört man in jedem Sample die Arbeit, die in die Erstellung der Library gesteckt wurde. Der Flügel vermittelt ein realistisches Spielgefühl mit schönen Velocity-Abstufungen. Das Obertonverhalten des Pianos klingt fein aufgelöst, auch die pianotypischen Noisesamples sind gut integriert.
Mit der integrierten FX-Sektion ergeben sich teils dramatische Effekte, die sich natürlich auch dezenter einsetzen lassen.
Das Vintage im Namen bezieht sich eher auf das Baujahr des Flügels, was aber nicht von Nachteil sein muss. Viele Studios leisten sich alte Flügel, und der Steinway, der hier Vorlage war, ist ein sehr schönes Modell. Mit den ganzen Möglichkeiten hat man hier auch ein Modell für moderne Klänge in der Soundlibrary.
Der Preis von 129 Euro erscheint ob der gebotenen Qualität angemessen.
Heiko Wallauer
Systemvorraussetzungen MacOS X
- OSX 10.5 / 10.6
- Intel Core Duo 1.66 GHz.
- 1 GB RAM
Systemvorraussetzungen Windows
- Windows XP (SP2) / Vista (32/64 Bit)
- Pentium oder Athlon XP 1.4 GHz.
- 1 GB RAM
Allgemein
- Native Instruments Kontakt Player (befindet sich mit auf der DVD). Die aktuellste Version gibt es kostenlos bei Native Instruments zum Download. Hier würde ich empfehlen, immer die akutellste von Native Instruments runterzuladen.
Preis
- 129 Euro
Vertrieb

21. Juli 2011 um 16:11 Uhr
Toller Sound, jedoch erst einwandfrei spielbar mit
Pentium Core Duo (2 x 3,0) und 4 gigabite RAM. Keine 100 Euro Soundkarte! Am besten z. B. RME Hammerfall, sonst kein akzeptables spielen mit zu hohen Latenzen.
Als Masterkeyboard ist das Fatar Numa Nero empfehlenswert! Über alles eine Anschaffung von ca. 2700 Euro aber dann ein Superpiano mit allen erfüllten Wünschen.
7. November 2011 um 22:14 Uhr
Das ist absoluter Kokolores! Natürlich sind die von Ihnen genannten Komponenten von hoher Qualität, es geht aber deutlich billiger und es funktioniert gut und man hat trotzdem Spaß. was bezweckten Sie eigentlich mit der Auflistung? Ihr Traumsystem mal aufggeschrieben sehen oder einfach nur angeben mit Sachen, die Sie icht besitzen? ;-P
7. November 2011 um 22:45 Uhr
Ich spiele diese Library zwar auf einem etwas schnelleren Rechner, aber eine Hammerfall muss es nun wirklich nicht sein. Ich nutze eine M-Audio Delta 24/96, also eigentlich eine Brot-und-Butter Karte, nichts besonderes. Der Sample-Puffer steht auf 128 Samples und ich kann mit dieser Konfiguration lange Läuft mit Pedal spielen, ohne das es zu Problemen kommt.