Die Plug-ins der Brainworx-Crew sind schon lange keine Geheimtipps mehr, wenn es um das Thema exzellente Equalizer für Mix und Mastering geht. Mit dem bx_digital V2 hat man bei Brainworx das passende Tool für Mastering, Summenbearbeitung und M/S-Procesing und nun auch fürs Mischen im Portfolio. Mit elf Bändern ist der bx_digital V2 dabei überdurchschnittlich gut bestückt, neben EQing bietet das Plug-in aber noch einige Spezialitäten, denen man sonst nicht so einfach begegnet. Die Vorlage für den bx_digital V2 findet man dabei im eigenen Haus, basiert das Plug-in doch auf dem State-of-the-Art Hardware-EQ bx1.
Installation
Der bx_digital V2 installiert sich quasi von alleine. Das passende Disk-Image lädt man sich von der Brainworx-Webseite und die eigentliche Installation ist in einigen Sekunden erledigt.
Autorisation
Autorisiert wird der bx_digital V2 über den iLok-Key, den man sich natürlich separat besorgen muss (oder schon hat). Die passende Lizenz bekomme ich von Brainworx auf meinen iLok-Account geschrieben und übertrage diese von dort auf meinen iLok. Geht wie immer schnell und ohne Probleme und in wenigen Minuten ist man bereit, den bx_digital V2 zu benutzen.

Insgesamt elf Bänder und drei Modi bietet der bx_digital V2, was eine ausreichende Anzahl auch für komplexe Mastering-Anwendungen sein sollte. Die drei Modi, in denen der bx_digital V2 arbeitet, sind die konventionelle Stereo-Bearbeitung, M/S-Mastering Mode und MS-Recording. L/R-Processing ermöglicht dabei die ganz herkömmliche Summenbearbeitung, entweder linked oder un-linked.

Der M/S-Mastering Mode bietet sich immer dann an, wenn man ein Stereosignal in seine M/S-Komponenten aufdrösseln möchte, was normalerweise über eine Matrizierung des Signals realisiert werden muss. Der Recording-Mode bietet sich immer dann an, wenn man dem bx_digital V2 bereits ein kompatibles M/S-Signal, zum Beispiel aus einer M/S-Stereomikrofonie, zuführt, welches man am Ende wieder als Stereosignal ausgeben möchte. Doch was ist eigentlich M/S-Stereofonie? Hierbei handelt es sich um ein stereofones Kodierungsverfahren, welches auf das eingehende Signal matriziert wird. Hierdurch erhält man nicht wie konventionell die Aufteilung auf linken und rechten Kanal, hier werden die Signale in Mitte und Seite, bzw. Mono- und Differenzsignal, zerlegt. Möchte man M/S-Stereofonie-Aufnahmen machen, benötigt man ein Kugel- oder Hypernierenmikrofon für das Mitten-Signal und ein Druckgradientenmikrofon mit der Richtcharakteristik Acht für das Seite-Signal. In der analogen Welt muss man einige Kniffe am Mischpult anwenden, auf digitaler Ebene nimmt uns der bx_digital V2 diese Arbeit ab. Im Rundfunk ist die M/S-Technik quasi unabdingbar für die Übertragung, bietet sie doch die Vorteile eines absolut monokompatiblen Mittensignals, und somit Abwärtskompatibiltät bis zum Mono-Küchenradioquäker. Beim Mastering kann man sich den Vorteil der Monokompatibiltät bei M/S genauso zu Nutze machen wie den Umstand, durch das ausgekoppelte Seitensignal die Basisbreite des Stereosignals nachträglich zu verändern.
Die elf Frequenzbänder des EQs gliedern sich wie folgt: im unteren Bereich arbeitet der LF-Filter, der sich über den Q-Poti zwischen Shelving- und Peak-Filter hin und her schalten lässt. Die Tiefmitten, Mitten und Hochmitten sind jeweils als parametrische Filter ausgelegt und in Frequenz, Gain und Güte regelbar. In den Höhen lässt sich analog zu den Bässen wieder wählen, ob man einen Shelving- oder Peak-Filter benutzen möchte.

Wie man es von Brainworx gewohnt ist, kann jeder Filter separat an- und abgeschaltet werden. Einfach unter die entsprechende Sektion klicken, dort findet sich der Button. Pro Sektion hat man ebenfalls einen Hi- und Low-Passfilter erster Ordnung zur Verfügung, mit dem sich effektiv störende, energiefressende Nebengeräusche im unteren Bereich des Frequenzspektrums oder nerviges Zischeln im oberen Bereich ausfiltern lassen.
Die Filter arbeiten in den folgenden Bereichen:
- Hi Pass: 20 Hz – 22 kHz .
- Low Pass: 20 Hz – 22 kHz.
- LF: 20 Hz – 2 kHz, (Shelving oder Peak)
- LMF: 20 Hz – 2 kHz .
- MF: 20 Hz – 22 kHz HMF 400 Hz – 22 kHz .
- HF: 400 Hz – 22 kHz. (Shelving oder Peak)
Sehr hilfreich ist mit Sicherheit der Mono Maker, der im Bereich von 20 Hz bis 22 kHz arbeitet und die Bassfrequenzen bis zur Grenzfrequenz zu einem Monosignal zusammenfasst. Dies funktioniert so, dass die Frequenzanteile bis dahin, wo der Mono Maker arbeitet, im Seitensignal ausgefiltert werden, während eine Kompensation im Mittensignal stattfindet. Speziell hilfreich ist das bei Produktionen, die mit extrem breiten Stereosounds arbeiten, etwa im Gothic-Bereich. Ich habe in der Richtung ja etwas Vergangenheit, und hätte bei den Produktionen von Giants Causeway einen Mono Maker sehr zu schätzen gewusst. Mit Bass Shift und Presence Shift lassen sich hocheffizient Frequenzen gegeneinander verschieben, was in der Praxis sehr schnell zu guten Ergebnissen führt. Zu meiner Überraschung enthält der bx_digital V2 eine De Esser-Sektion zum Ausfiltern störender Zischfrequenzen bei Vocals.

Wenn die Hi Hat mal zu arg zischelt, kann man ebenfalls effektiv mit einem De Esser arbeiten. Dabei finde ich es sehr erstaunlich, dass der De Esser sowohl im Stereo-Mode wie auch im M/S-Mode funktioniert. Über die Solo-Funktion lässt sich so gut arbeiten. Neu im bx_digital V2 ist der Sixpack, welcher zentral-wichtige, übergreifende Bedienelemente zusammenfasst.

Gain In nivelliert den Eingangspegel beider Kanäle während Gain Out den Pegel am Ausgang regelt. Als kleine Spezialität hat der EQ eine Stereo Width-Funktion mit an Bord, über die sich die Stereobasis entweder verbreitern oder zusammenschieben lässt.
Manchmal hat man beim Mastering mit dem Problem zu kämpfen, dass man im Nachhinein nochmals die Balance von linker und rechter Seite anpassen möchte. Auch hier kann der bx_digital V2 punkten, liefert er doch eine entsprechende Option im Sixpack. Mit Pan M und Pan S lassen sich die Lage des Mono- und Differenzsignals bestimmen.
Bei Mischungen, die über analoge Pulte gezogen werden, kämpft man mitunter mit dem Umstand, dass die Signale in der Mitte (in der Regel Vocals, Bass, Kickdrum) durch die Benutzung von Regelverstärkern im Master-Insert leicht verschoben werden. Mit Pan M kommt man hier sehr schnell wieder bei und kann nachkorrigieren. Natürlich kann man auch einiges an Blödsinn mit dieser Funktion anstellen, also mal alle Mittensignale auf die extrem linke oder rechte Seite kippen, wobei dies natürlich eher in die Sparte Jugend forscht fällt. Das gleiche kann man auch mit der Seiteninformation des Signals machen, mit Pan S werden auch diese Signalanteile flexibel handhabbar.
Ausgefeilt sind auch wieder die Solo-Funktionen, mit welchen der bx_digital V2 punkten kann. Auto Solo etwa legt, sofern aktiviert, entsprechende Parameter von L/R oder M/S direkt auf den Solo-Bus sobald diese mit der Maus geklickt und gehalten werden, solange bis man wieder loslässt. Ebenso lässt sich über den Solo M/Solo S-Button, beziehungsweise Solo-L/Solo-R der jeweilige Signalanteil phasenkorrigiert und aufsummiert auf Mono über beide Speaker abhören. Als kleines Bonbon lassen sich mit dem bx_digital V2 auch linker und rechter Kanal tauschen, was mitunter neue Aspekte bei der Endbearbeitung offenbart.
Der Auto Listen-Mode ist eine der Erfindungen, für den ich Brainworx einen Preis verleihen möchte, so einfach und effizient lässt sich dieses Feature einsetzen. Es erleichtert die tägliche Arbeit mit dem EQ ungemein. In der Regel arbeitet man mit einem EQ meist so, dass man, um Frequenzen einzugrenzen, den Q-Faktor recht groß wählt, um eine schmale Glocke zu bekommen, und dann Gain auf das Maximum boostet, um dann durch das Spektrum zu fahren. Der bx_digital V2 nimmt einem dies weitestgehend ab, mehr sogar noch: Man kann den Auto Listen Mode in drei Varianten (Q, f und G) verwenden, je nach dem was man hören möchte. Dabei verfügt der bx_digital V2 über einen Schutz vor Clipping, man muss also keine Angst haben, seinen Wandlern und der Abhöre zu viel zuzumuten.
Wie es sich für ein Mastering-Tool gehört, verfügt auch der bx_digital V2 über dezidierte Metering-Tools, die das akustische Geschehen schnell visualisieren und die man in der unteren Hälfte der Plug-in GUI findet. Hier sieht man die EQ-Kurven, jeweils für M und S oder L und R, je nachdem, in welchem Modus man arbeitet.

Dabei dient die Anzeige nur der optischen Kontrolle. Sie bietet keine Editiermöglichkeiten, die EQ-Kurve anfassen und verschieben ist nicht. Die Erklärung der Brainworx-Entwickler ist aber schlüssig: beim Mastering-Einsatz kommt es oft auf filigrane Korrekturen an, das Ziehen mit der Maus über die GUI liefert viel zu grobe Parameterabstufungen. Die Levelmeter liefern anschaulich die Pegel Pre EQ, Post EQ und aus der Outputstufe des bx_digital V2 und passen sich in den angezeigten Werten dem Modus des Plug-ins an.
Neu im V2-Update ist auch der Korrelationsgradmesser und die Balance-Anzeige, so dass man auch hier Information darüber erhält, ob im Stereobild alles im Lot ist.
Hilfreich ist die Undo/Redo-Funktionalität, mit welcher der bx_digital V2 ausgestattet ist, und mit der 32 Schritte gespeichert werden, die man wieder aufrufen kann. Mit den vier Presets ergibt sich so eine effiziente Möglichkeit, Bearbeitungsschritte zu speichern, abzurufen und zu vergleichen. Darüber hinaus verfügt der Presetspeicher noch über eine Copy/Paste-Funktion, die das Presetmanagment wirklich sehr einfach macht.
Wie von Brainworx-Produkten gewohnt, verfügt auch der bx_digital V2 über Mouse Wheel-Control, was das Einstellen von Parametern am Plug-in erleichtert.
Neu ist, das es vom bx_digital V2 auch eine Mono-Version gibt, die sich natürlich für Mixing und den Einsatz im Channel-Insert anbietet. Dabei bietet die Mono-Version natürlich nur die Funktionen, die für Einzelsignale notwendig sind, der De Esser ist aber auch an Bord. In Verbindung mit einem hochwertigen Compressor hat man so schon einen perfekten Kanalzug für den Mix von Vocals in der DAW. Das Mono Plug-in ist für Neukunden einzeln erhältlich, bx_digital V2- oder bx_bundle-User bekommen Mono noch obendrauf.
Soundqualität
Was man bei Brainworx programmiert, hat Hand und Fuss und bewegt sich auf absolutem Topniveau. Hatte man Brainworx vor einem Jahr noch als Geheimtipp auf dem Schirm, müssen sich heute die Platzhirsche sehr warm anziehen, denn die Produkte aus dem Brainworx-Lager stellen Bekanntes locker in den Schatten. Sehr feinfühlig arbeitet der bx_digital V2, Frequenzen lassen sich sehr schnell eingrenzen und bearbeiten. Dabei lässt das Plug-in angrenzende Frequenzbereiche in Ruhe und nimmt nur Einfluss auf das, was man einstellt. So soll es sein! Der EQ klingt transparent, ohne digitale Härte, er hat eine seidige Tendenz. Diese findet man sowohl bei Stereo- und M/S-Anwendungen fürs Mastering, wie auch bei der Anwendung als Mono-EQ beim Mischen.
Soundbeispiele
Die folgenden Soundbeispiele gehören jeweils paarweise zusammen. Zunächst hört ihr immer das unbearbeitete Signal, im folgenden dann mit dem bx_digital V2. Hören wir zunächst einen Auschnitt aus einem Mix, den ich bewusst etwas durcheinander gelassen habe:
Mit dem bx_digital V2 lässt sich hier gut für Ordnung und Transparenz im Frequnezspektrum sorgen:
Beim folgendem Beispiel handelt es sich um einen älteren Rough Mix. Hier sind mir die Mitten zu dominant, dagegen fehlt es etwas an Bässen und im Höhenbereich, vor allem die Snare könnte etwas Durchsetzungskraft vertragen:
Der bx_digital V2 kriegt aber auch dies in den Griff. Die Mitten werden etwas bedämpft und im Bass- und Höhenbereich wird eine Schippe draufgepackt, die Snare kommt dadurch nach vorne:
Beim folgenden Drumloop stört mich, dass er recht flach und „normal“ klingt. Meist sollen diese Art von Loops zum untermischen doch etwas effektvoller klingen.
Deshalb habe ich mit dem bx_digital V2 jeweils Kick, Snare und Hi Hat gegeneinander herausgearbeitet und die Präsenzen sehr stark geboostet.
Der bx_digital V2 lässt sich ebenfalls gut mit synthetischen Sounds verwenden. Hier ein solcher ohne Bearbeitung.
Neben der Bearbeitung des Frequenzspektrums habe ich hier den Sound mit dem Stereo Width Regler stark in die Breite gezogen. Damit auf dem Korrelationsgradmesser alles im grünen Bereich bleibt, habe ich von unten mit dem Mono Maker nachgezogen.
Der folgende Bass Sound wurde lediglich mit einer DI-Box aufgenommen.
Hier meine Bearbeitung mit dem bx_digital V2. Mein Ziel war es, die Mitten zu betonen und somit für einen holzigen Grundosund zu sorgen und den nasalen Charakter, den der Jazz Bass über einen Amp hat, zu betonen.
Hier eine Bass Drum, ohne Bearbeitung.
In folgendem Beispiel habe ich mit dem Brainworx-EQ den Bereich bei 80 Hz stark geboostet, dafür die “pappigen” Frequenzen bei 315 Hz beschnitten. Dann noch die Kickfrequenz bei 4,15 kHz geboostet und bei 10 kHz die Höhen breit angehoben.
Das folgende Gitarrensolo rumpelt leider ziemlich im unteren Frequenzbereich, außerdem klingt mir der Sound zu quäkig.
Mit dem bx_digial V2 sorgt man schnell für Klarheit und Frische.
Die Akustikgitarre könnte in meinen Ohren auch etwas präsenter klingen.
Auch hier kann man mit dem bx_digital V2 dafür sorgen, dass das Klangbild transparenter wird.

Das gefällt mir nicht
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Das gefällt mir
Die ausgezeichnete Soundqualität überzeugt auf ganzer Linie, damit wird der bx_digital V2 zu einem vielseitig einsetzbaren EQ. Egal ob für die Summenbearbeitung im Mastering oder bei der Bearbeitung von Einzelsignalen, der bx_digital V2 punktet in allen Bereichen. Ob nun komplette Mixe, Gitarren, Drums, Bässe oder Vocals, der bx_digital V2 eignet sich für alle Anwendungen und Instrumente, besonders aber perkussive Elemente und Drums oder akustische Gitarren bekommt man sehr schnell in den Griff.
Bei der Summenbearbeitung kommt dem bx_digital V2 zu Gute, dass er den Benutzer mit einer einfachen Bedienoberfläche verwöhnt, und somit dass Thema der M/S-Bearbeitung zugänglich und durchschaubar macht. Mit den Solo-Funktionen hat man jederzeit im Ohr, wo man gerade schraubt. Mit den Goodies wie der Metering-Sektion und dem De Esser bekommt man ein hochwertiges Plug-in, dass sich unseren Redaktionstipp verdient hat!
Heiko Wallauer
Systemvorrausetzungen MacOS X
- Intel oder PPC CPU (empfohlen mindestens 1 GHz)
- 256 MB RAM
- Mac OS X 10.4 oder neuer/höher
- RTAS/TDM (Pro Tools 7.0 oder höher), VST, AU
Systemvorrausetzungen Windows
- Intel CPU (empfohlen mindestens 1 GHz)
- 256 MB RAM
- Windows 2000 oder neuer/höher
- RTAS/TDM (Pro Tools 7.0 oder höher), VST
Darüber hinaus gibt es eine Scope-Version für die Sonic Core-Plattform.
Preise
- bx_digital V2 Native: 334,45 Euro zzgl. Mwst.
- bx_digital V2 TDM: 586,55 Euro zzgl. Mwst.
- bx_digital V2 Mono Native: 149 Euro zzgl. Mwst
- bx_digital V2 Mono TDM: 225, Euro zzgl. Mwst
