Wie viel EQ willst Du? War man früher froh, wenn man zumindest zwei parametrische Mittenbänder am Equalizer zur Verfügung hatte, warten aktuelle Plug-ins mit ganz anderen Werten auf. Ein wahres EQ-Monster liefert Brainworx mit dem bx_hybrid aus, der sich durch seinen Aufbau für einen vielfältigen Anwendungsbereich empfiehlt. Egal ob das Hauptaugenmerk auf Mixing oder Mastering liegt, bei dem geballten Funktionsumfang sollte man mit dem bx_hybrid für alle Anforderungen bestens gewappnet sein.
Der bx_hybrid wartet mit bis zu 11 unabhängige Frequenzbändern auf, lässt sich Mono und Stereo nutzen und bietet M/S-Funktionalitäten, welche in den letzen Jahren eine wahre Renaissance erleben. Darüber hinaus kann das Plug-in noch mit einigen feinen Features glänzen, die recht ungewöhnlich und innovativ sind.
Installation
Die Installation geht recht einfach von statten, die passende Version des EQs findet sich in allen gängigen Geschmacksrichtungen (VST, RTAS, AU, TDM) auf der Brainworx-Webseite. Ich installiere mir die nativen AU- und VST-Versionen für MacOS X.

Der bx-hybrid steht nach der Installation in zwei Varianten zur Verfügung, Mod 1.0 und Mod 2.0. Der Unterschied: Mod 1.0 …

… arbeitet mono und bietet sich folglich als Channel-EQ an, während Mod 2.0 das Signal stereo führt.

Darüber hinaus enthält der Stereo-Mod. 2.0 eine überaus akribisch gestaltete Metering-Sektion, die ihre Vorzüge bei Masteringarbeiten und bei der Bearbeitung von Stereosignalen ausspielen kann. Um den bx_hybrid-EQ zu nutzen, ist ein iLok unumgänglich, dieser sorgt für die Authorisation des Plug-ins. Die Oberfläche macht einen sehr technokratischen Eindruck, keine Spur vom gerade sehr verbreiteten “auf alt gemacht”-Look: das UI lässt sich in zwei Bereiche gliedern, die Bedienelemente und die Metering-Sektion.
Gut, dann fangen wir mal an zu rechnen, ob wir auch auf die 11 EQ-Bänder kommen: Da wären zunächst die 5 Hauptbänder plus HP-Filter plus LP-Filter. Macht als Zwischensumme 7 Bänder. Fehlen also noch 4. Diese verstecken sich hinter den Joysticks, die jeweils für Bass Shift- und Presence Shift-Filter stehen, hinter denen sich jeweils 2 individuel manipulierbare Filtereinheiten verbergen, die sich gegeneinander verschieben lassen. Macht also 7+4=11 Frequnezbänder.

Die fünf Hauptbänder, oder Main Section, arbeiten vollpararmetrisch, es lassen sich Frequenz, Cut/Boost und die EQ-Güte regeln. Die 3 Mittenbänder sind als Peak-Filter ausgelegt, LF und HF lassen sich über den Q-Button jeweils auch als Shelving-Filter schalten. Jedes Frequenzband lässt sich individuell auf Bypass setzen, was im täglichen Betrieb eine enorme Erleichterung darstellt, z. B. im Vergleich zum Mischpult-EQ, der sich meist nur global aus dem Signalweg nehmen lässt. Ungewöhnlich ist, dass sich sowohl High Pass-, als auch Low Pass-Filter über den Q-Button als Notchfilter schalten lassen, so dass man nicht nur effektiv Signale nach oben und unten begrenzen kann, sondern auch gezielt gegen störende Frequenzen im unteren und oberen Spektrum vorgehen kann. Die einzustellenden Frequenzen sind bei den Filtern mitunter sehr breit gewählt:
- High Pass- und Low Pass-Filter lassen sich stufenlos zwischen 20 Hz und 26 kHz nutzen
- Low Freqency und Low Mid Frequency greifen zwischen 20 Hz und 1 kHz
- Mid Frequency arbeitet auf bx_hybrids vollem Spektrum von 20 Hz bis 26 kHz
- High Mid Frequency und High Frequncy zwischen 400 Hz und 26 kHz
In der Main Section arbeitet der Gain Regler in einem Cut/Boost-Bereich von +/- 12 dB, während sich die Filtergüte von 0,3 bis 15 db/Oktave einstellen lässt, LF und HF l als Shelving Filter verfügen ebenfalls über einen Gainregelweg von +/-12 dB.
Sehr cool ist der Auto Listen Mode des bx-hybrid EQs, mit dem sich schnell passende Einstellungen finden lassen. Aber bitte nicht falsch verstehen, der Brainworx-EQ macht nichts automatisch oder legt selbsttätig Hand an das Frequenzspektrum an, er erleichtert nur die Arbeit. In der Regel arbeite ich mit EQs erstmal subtraktiv, d. h. ich filtere mir Frequenzanteile aus, die mich stören. Dazu stelle ich mir einen hohen Q-Faktor mit maximalem Gain ein. So fahre ich dann durch den von mir selektierten Bereich, um Frequenzübertonungen einzugrenzen. Erst wenn ich meine Centerfrequenz gefunden habe, gehe ich ans Feintuning und stelle den EQ entsprechend ein. Der Auto Listen Mode vereinfacht diese Prozedur immens, mit ihm lässt sich diese Einstellarbeit sozusagen “on the fly” erledigen. Darüber hinaus lässt sich der Auto Listen Mode auch noch in verschiedenen Modi betreiben, wobei mir als “Oldschooler” der QfG-Modus am meisten zusagt. Auch sollte man keine Angst vor Verzerrungen oder Clippings haben, denn der bx-hybrid regelt den Output des EQs im Auto Listen Mode automatisch nach, so dass auch hohe Gain-Einstellungen von +12 dB unproblematisch sind.
Bass Shift und Presence Shift sind durch das Joystick-Feature zwar speziell auf die Bedienung mit der Digidesign Icon-Konsole abgestimmt, lassen sich aber mit einigen Kniffen auch auf andere Controller mappen. Man mag sich natürlich fragen, für was diese Funktion denn nun gut sein soll? Ganz einfach: Mt dem Bass Shift lassen sich zum Beispiel unheimlich schnell Kick Drum-Sounds oder auch Bass-Sounds gestalten. Bei Kick Drums nehme ich zum Beispiel gerne etwas bei den Low Mids weg, da mir die Fequenzen oft zu “pappig” klingen, während ich in den Hi Mids ein gutes Pfund drauf gebe, um etwas mehr Kickanteil zu bekommen. Mit dem Bass Shift kriegt man diesen Sound in vielen Fällen ohne große Schrauberei hin. Noch etwas mehr Gain-Boost auf den unteren Frequenzbereich, und schon klingt die Kick-Drum. Auch für bestimmte Bass-Sounds lässt sich dieses Feature effektiv einsetzen, z. B. dann, wenn man den Druck in den Tiefmitten betonen, aber den Hi Mid-Bereich entschärfen möchte.
Soundbeispiele 1
Hier eine Kick-Drum ohne EQing:
Hier habe ich die Kick mit folgendem EQ-Setting bearbeitet …

… dabei habe ich primär Bass Shift und Presence Shift gearbeitet und zusätzlich die Kick-Frequenz bei 4 kHz geboostet:
Aber auch sonst kann man auf herkömmliche Weise sehr gut mit dem bx_hybrid arbeiten. Das folgende Bass-Lick klingt mir etwas zu topfig:
Allein schon durch die Bearbeitung der Tief- und Hochmitten kriegt man mehr Druck und etwas mehr Präsenz:
Die folgende Akustik-Gitarre stammt aus dem Sampler und klingt etwas matt:
Auch hier kann man gut mit dem bx_hybrid nachhelfen:
Hier mal eine “von Hand” eingestellte Kick Drum. Ausgangs-Sound war die unbearbeitete Kick Drum von oben, und mein Ziel war es, aus dieser doch recht normalen “Rock”-Kick Drum einen Sound Richtung “moderner Metal” rauszuholen.

Hier nun die Mod 2.0-Variante in der Summenbearbeitung für ein komplettes Drum Kit.
Zunächst der Schlagzeugmix ohne EQ:
Beim EQing habe sollte Kick und Snare betont werden, zusätzlich wünschte ich mir etwas knackigere Cymbals:
Bei folgendem Mix ist der Bass-Bereich sehr stark unterrepräsentiert, wohingegen die Höhen etwas zu stark im Vordergrund stehen. Die Mischung ist ca. 10 Jahre alt, und könnte etwas mehr Schub im tieffrequenten Bereich vertragen.
Auf dem Analyzer sieht bildet sich das Frequenzspektrum wie folgt ab:

Mit dem bx_hybrid lassen sich sowohl der Bass-Bereich nach vorne holen, der Höhenbereich etwas seidiger gestalten, wie auch einige Löcher im Mittenspektrum füllen.

Bei der Einstellarbeit am bx_hybrid sind die drei Mittenbänder ein wahrer Segen. Der bx_hybrid hat dabei alle Facetten drauf – von subtilen Klangeingriffen bis spektakulären Effekt-EQs ist alles dabei. Die beiden Hi- und Low Pass-Filter greifen effektiv ins Geschehen ein und die Option, diese auf Notch-Filter, zu schalten, erweitert den Funktionsumfang dieses Plug-ins. Dabei bleibt der bx_hybrid immer im Sinne eines guten EQs klangneutral und versucht nicht, etwas vorzugeben, was er nicht ist oder in irgendeiner Form auf “vintage” zu machen. Er ist kein Tool zur Klangverfärbung, sondern zur Klangbearbeitung.
MS-Betrieb
Intern arbeitet der bx_hybrid mit einem MS-matrizierten Signal. Das MS-Verfahren kommt aus der Stereomikrofonie und setzt zur Aufnahme eine Kugel oder Niere für das Mittensignal und ein Mikrofon mit 8er-Charakteristik für das Seitensignal voraus. In der Praxis sieht eine MS-Stereomikrofonie so aus, hier realisiert mit einem Nierenmikrofon und einer Acht.

Um aus den beiden Signalen nun wieder eine hörbare Stereo-Mischung zu erhalten, gibt man das Mittensignal aus der Niere/Kugel mittig gepannt auf einen Kanal, das Seitensignal geht jeweils auf links und rechts gepannt auf zwei separate Mischpult-Kanäle, wobei beim rechten Kanal die Phase invertiert wird. Dies bedeutet, dass das Mitten- und Seitensignal jeweils gesondert bearbeitet werden kann. Vorteile dieser Variante sind ein monokompatibles Signal, welches bei Monowiedergabe keine Veränderungen im Klang erfährt, sowie die Möglichkeit, über das Pegelverhältnis von Mitten- und Seitensignal die Stereobasisbreite des Signals zu varriieren.
Stereo Width Control und Mono Maker
Stereo Witdth Control und Mono Maker bilden ein außergewöhnliches Team, das ich in dieser Form bisher nur vom bx_hybrid kenne. Mit dem Mono Maker lassen sich die Stereo-Anteile unterhalb einer einstellbaren Frequenz auf Monowiedergabe aufsummieren, bei gleichzeitiger Kompensation des Bass-Bereichs. Mit der Stereo Width Control lässt sich die Stereobasisbreite variieren, dabei funtioniert sowohl das Verbreitern der Stereobasis, als auch das “Verschlanken” der Stereoanteile, bis zu dem Punkt, an dem das Signal komplett in Mono vorliegt. Beide Features funktionieren im Tandem besonders gut, denn das Verbreitern der Stereobasis führt unweigerlich ab einem bestimmten Punkt zu Problemen bei der Phasenlage. Läuft man nun Gefahr, mit der Stereo Width Control die Phasenlage zu verunstalten, kann man beim bx_hybrid mit dem Mono Maker entgegen steuern, bis der Korrelationsgradmesser wieder grün zeigt.
Für Mastering-Aufgaben ist dies die erste Wahl, der Einsatz bietet sich aber auch für andere Anwendungsbereiche an. Sehr flächige Keyboardsounds oder die schönen 80er-Jahre-Rack-Gitarrensounds neigen oft zu einer schiefen Phasenlage, was solo zwar breit und flächig klingt, im Mix dann unter Umständen aber zu Problemen führt. Auch hier kann man mit der Kombination aus Mono Maker und Stereo Width Control vorbauen, da sich deren Einsatz nicht nur auf die Summenbearbeitung beschränkt.
Als Klangbeispiel nehme ich mir den Schlagzeugmix von oben, drehe den Stereo Width Control auf 300 %. Zunächst zeigt der Korrelationsgradmesser eine deutliche Schieflage, setzt man den Mono Maker aber in diesem Mix bei 300 Hz an, ist alles wieder in geregelten Bahnen und der Mix wirkt um ein vielfaches breiter.
Soundbeispiele 2
Hier ein Mix mit dem bx_hybrid auf bypass:
Mit Stereo Width und Mono Maker lässt sich auch auf der kompletten Mischung die Stereobasis sehr weit verbreitern, ohne dass die Phasenlage zu sehr leidet. Effizient ließen sich bei diesem Mix Werte bis 244 % für die Stereobreite mit dem Mono Maker bei 185 Hz realisieren:
Natürlich können wir auch die Stereobasis zusammenschieben:
Hier habe ich Stereo Width Control auf 50 % zurück gefahren und den Mono Maker ganz raus genommen.
Ein weiteres Alleinstellungsmerkmal der Mod 2.0-Version ist die aussagekräftige Metering-Sektion, die Auskunft über Pegel, Phasenlage und Ausgewogenheit des Stereobildes gibt.

Da der bx-hybrid intern MS-Verarbeitung unterstützt, gibt es nicht nur Pegelanzeigen für den Input und Output des linken und rechten Kanals, sondern auch eine entsprechende Output-Anzeige für die MS-Sektion. Mit dem Stereo Balance Meter lässt sich kontrollieren, ob die Mischung auf einer Seite des Stereobildes pegeltechnisch irgendwo aus dem Ruder läuft, hier kann man dann entsprechend mit den Gain Reglern des bx_hybrid nachkorrigieren.
Schließlich bleibt noch das Phase Correlation Meter, welches die Phasenlage optisch wiedergibt und immer noch unverzichtbar ist, um Probleme aus dieser Richtung kommend zu beurteilen. Das Brainworx hier alles in einem Plug-in vereint ist um so erfreulicher, denn in der Regel habe ich bei der Bearbeitung von Stereosummen immer mehrere Fenster offen: die Plug-ins im Master-Insert, Pegelanzeige, Analyzer und Korrelationsgradmesser. Hier sorgt der bx_hybrid entsprechend für Ordnung und Übersicht auf dem Screen.

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Der bx_hybrid überzeugt als High End-EQ auf der ganzen Linie. Seine klangliche Ausrichtung ist neutral und auf Transparenz getrimmt, was den EQ für die Nutzung sowohl als Mix- und Mastering-EQ auszeichnet. Mit den fünf Hauptbändern, Hi- und Low Pass-Filtern und Bass/Presence Shift hat man reichhaltige Eingriffsmöglichkeiten, um das frequenztechnische Geschehen zu manipulieren.
Stereo Width Control und Mono Maker sind großartige Tools zur Summenbearbeitung und lassen den bx_hybrid zur Geheimwaffe in Sachen Endbearbeitung avancieren. Klanglich bleibt der bx_hybrid über jeden Zweifel erhaben und liefert in jeder Anwendungsvariante sehr überzeegende Ergebnisse.
Die Bedienelemente sind übersichtlich ausgelegt und in Verbindung mit der ausgefeilten Metering-Sektion kommt man so schnell ans gewünschte Bearbeitungsziel.
Die Systemauslastung des EQs liegt gefühlsmäßig etwas höher als bei Standard-Plug-ins, etwa aus Logic und Live, wird aber durch die hochwertigen klanglichen Ergebnisse gerechtfertigt.
Getestet habe ich den bx_hybrid unter MacOs X 10.5.5 auf Apple Logic (als AU) und Ableton Live 8 (als AU und VST), unter beiden DAWs gab es keine Beanstandungen oder Abstürze. Der Preis für die native Version liegt in Deutschland bei 261,80 Euro was für den gebotenen Funktionsumfang und vor allem für die klangliche Qualität des EQs ein exzellentes Preis/Leistungsverhältnis darstellt. Deshalb ist auch unser Redaktionstipp für den bx_hybrid sehr gerechtfertigt, und man wünscht sich noch viele solch hochwertige und innovative Produkte von den Brainworx-Entwicklern.
Heiko Wallauer
Systemvorrausetzungen Mac OS X
- Keine Hersteller-Angaben
Systemvoraussetzungen Windows
- Keine Hersteller-Angaben
Schnittstellen
- AU, RTAS, VST
Preis
- 261,80 Euro (inkl. 19% Mwst.)
- 452,20 Euro für die TDM-Version (läuft auf Mac und PC)
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