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Test: Brainworx bx_shredspread

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Gitarren im Mix richtig dick machen – gerade in härteren musikalischen Spielarten ist dies immer eine Anforderung an die Mischung und den Engineer. Brainworx haben sich mit dem Shredspread genau dieser Thematik angenommen und bieten ein Plug-in an, welches gedoppelten Gitarren das nötige Maß an Durchsetzungskraft verleiht.

Liest man sich mal durch die gängigen Gitarren- und Recordingforen taucht immer wieder die gleiche Frage auf. Plakativ gesprochen: „Wie kriege ich meine Gitarren im Mix so richtig auf die Zwölf?“. Setzen wir mal voraus, dass man über eine sauber gestimmte und gut eingestellte Gitarre und einen passablen Amp sowie das ein oder andere Standardmikrofon (gerne immer noch das SM57 für Rock’n Roll) verfügt, dann ist das Doppeln der Spuren, also das mehrmalige einspielen, übereinanderlegen und schichten von Signalen, bestimmt ein Ansatz. Aber wer kennt das nicht: Da hat man sich in nächtelangen Sessions zu Tode gedoppelt und gefühlte 17,3879 Spuren auf jede Seite des Stereospektrums gelegt, und trotzdem klingt der Gitarrenmix lau und halbgar.

Auf der anderen Seite gibt es da die Gebrüder Young, die schon seit den 70ern ein amtliches Riffbrett nach dem anderen zimmern. Da sind gar nicht so viele Overdubs zu hören, und trotzdem klingen die Gitarren bei AC/DC gleichermaßen direkt wie räumlich, so dass man fast meint, die Röhren in Angus Marshall schnaufen zu hören. Abgesehen davon, dass Malcolm Young spielt wie das personifizierte Schweizer Uhrwerk scheint die Lösung auch in der  Abstimmung der Signale auf der Stereobasis zu liegen. Und genau hier setzt der Shredspread an.

Um gleich ein Missverständnis auszuschließen: der Shredspread ist kein Ampsimulator oder FX-Plugin wie Guitar Rig oder Amplitube, sondern ein Tool zur Positionierung von Signalen auf der Stereobasis .

Installation und Auorisation

Wie immer bei Brainworx ganz einfach: das Disk Image findet sich auf der Webseite zum download, für die Lizenz benötigt es einen iLok-Key mit entsprechendem Account.

Interface

Wow, möchte man sagen, da haben die Brainworx-Leute mal was stylisches abgeliefert, denn die Oberfläche des Shredspread wurde einem Gitarrentopteil nachgebildet plus zwei obligatorischer 4×12-Cabs.  Die virtuellen Cabinets haben aber noch eine sinnvolle Anzeigefunktion, visualisieren sie doch die Einstellung des Spread-Reglers. Die Bedienelemente sind klar angeordnet, die einzelnen Parameter werden über große Potis eingestellt. Man kann schon fast sagen, dass die irgendwie einen „griffigen“ Eindruck machen.

Gäbe es den Shredspread auch als Hardware könnte ich mir vorstellen, wie es sich anfühlt, an den Knöppen zu drehen. Auf der rechten Seite der GUI bekommen wir noch übersichtliche Level-Meter und einen Korrelationsgradmesser spendiert, der Aussage über die Phasenlage gibt.

Funktion

Der Shredspread arbeitet mit M/S-Technik, d. h. das Eingangssingnal wird in Mitte/Seite, bzw. Summe-/Differenzsignal matriziert. Am besten arbeitet der Shredspread in einem Mix-Bus oder einer Subgruppe, d. h. man routet seine gesamten Gitarrensignale mit Panning auf einen Bus, in dessen Insert der Shredspread seine Arbeit verrichtet.  In der Regel legt man im Metal gedoppelte Gitarren hart links und rechts, um einen möglichst eindrucksvollen Effekt zu erreichen. Slayer haben das  vorexerziert, da waren die beiden Gitarristen Kerry King und Jeff Hanneman streng im Stereobild getrennt und die Band so abgebildet, wie sie auf der Bühne steht.

In Logic wird Shredspread wie in der folgenden Abbildung in einen Bus gelegt und von den Einzelkanälen beschickt.

Zum korrekten Einpegeln verfügt der Shredspread über einen Gainregler, mit dem man unter Zuhilfenahme der LED-Meter den für das Plug-in richtigen Pegel einstellt. Mit Shred hat man einen intelligenten One-Knob-EQ an Bord, der so gematcht ist, dass er in den Mitten für die nötige Durchsetzungskraft sorgt, den Höhen aber etwas den harschen Charakter nimmt. Damit ist man bestens bedient um die Gitarre zu veredeln und kann so bei gut abgestimmten Sounds gänzlich auf den Einsatz anderer Frequenzbieger verzichten. Brainworx haben diese Funktion so gut abgestimmt, so dass man ohne größeres Geschraube einen passigen Gitarrenton bekommt.

Die Stereobreite lässt sich mit Spread regeln. Dabei gilt zu beachten, dass das Signal bei 100 % keine Bearbeitung erfährt. Zwischen 101 % und 150 % zieht man das Signal in die Breite, während man es unter 100 % zusammenschiebt, bis man schließlich am unteren Ende der Skala bei Mono angelangt ist. Geht man in die Breite, empfiehlt es sich, den Korrelationsgradmesser im Auge zu behalten, um nicht in Phasenprobleme zu laufen.

Auch der  Shredspread  verfügt über den einzigartigen Monomaker, einen intelligenten Algorithmus, der auch schon in anderen Brainworxprodukten zum Einsatz kam. Der Monomaker funktioniert folgendermaßen: Man stellt eine Grenzfrequenz ein, unterhalb der das Signal auf seine Monoanteile zusammengestutzt wird. Sinnvoll ist das vor allem dann, wenn der tiefere Frequenzbereich Gefahr läuft, aus dem Ruder zu laufen. Denn so kann man die unteren Frequenzanteile sehr klar und straff halten, ohne zu riskieren, dass diese durch Einsatz der Spreadfunktion durch Auslöschungen verwaschen und undifferenziert  klingen.

Was macht man aber, wenn eine Gitarre im Arrangement aussetzt, weil sie grad mal nichts zu spielen hat? Auch dafür hat der Shredspread vorgesorgt. Die Solo Pan-Funktion kann dies abfangen, regelt diese doch das Signal dann immer dorthin, wo der Solo Pan die Position zuweist. Zusammenhängend zu  dieser Funktion arbeitet der Treshold-Regler, der sich auf den Pegelunerschied zwischen linkem und rechtem Kanal bezieht und wie weit die beiden Pegel auseinanderliegen müssen, damit via Auto Mode Spread und Mono Maker bei einem Monosignal deaktiviert werden. Der Hintergrund ist der, dass man nicht ungewollt in Phasenprobleme rennt. Diese Angst ist gar nicht so weit hergeholt, und auch ich wurde schon Opfer dieser Problematik. So habe ich mal den Fehler gemacht, in einem Mix die Gitarren mit dem S1 Stereo Imager in einer Subgruppe bis zum geht nicht mehr aufzublasen. Klang auch alles ganz toll und breit, wenn beide Gitarren zu hören waren. Dummerweise gab es in der Bridge eine Stelle, an der nur die rechte Gitarren spielte, und noch schlimmer: Ich habe das nicht gegengecheckt, weil ich etwas in Hektik war. Also den Mix schnell runtergebounced, CD gebrannt, den Silberling in den Player im Auto gesteckt und auf der Heimfahrt gewundert, weshalb da nun die rechte Gitarren in der Bridge dünn und dosig klingt. Zunächst dachte ich an einen Defekt meines Soundsystems, aber auch die Gegenprobe zu Hause war nicht viel erfreulicher. Da hatte ich also den S1 so überdreht, dass die Frequenzen der Solo-Gitarre an der Stelle ausgelöscht wurden. Mit den intelligenten Funktionen des Shredspread sollte sich dies aber vermeiden lassen. Das funktioniert auch in der Praxis sehr gut – und nicht wundern, wenn der Übergang sehr sanft geschieht. Denn es wurde eine Funktion implementiert, die einen kleinen Fade berechnet, um Knackser und Clips zu vermeiden. Im Mix fällt das nicht weiter auf und man muss den Bus schon Solo abhören, um davon was mitzubekommen.

Soundbeispiele

Hier hört ihr einen ganz konventionellen Mix ohne Shredspread, bei dem die Gitarren hart links und rechts gepannt auf den Summenbus laufen.





Hier ziehe ich den Spread-Regler auf 130 %, was den Sound breiter macht, aber auch zu einem Ungleichgewicht der Phasenlage führt.

Zieht man nun in dem Beispiel mit dem Monomaker auf 204 Hz. nach, werden Phasenprobleme vermieden.

Mit dem Shredregler auf 39 % werden die Tiefmitten betont, der Sound klingt runder.

Im folgenden Beispiel hört ihr was im Normalfall passiert, wenn eine Gitarre wegfällt. Phasengedrehte Anteile der rechten Seite finden sich auf der linken und sorgen für Auslöschungen.

Auf den Logic-Metern sieht das dann so aus.

Obwohl die auf links gepannten Gitarren gemutet sind, hat man trotzdem dort ein Signal, das von der rechten Gitarre herrührt, und welches Phasenauslöschungen provoziert.

Setzt man den Shredspread ein, hat man auch auf der linken Seite Ruhe.

Beim folgendem Beispiel lasse ich den Shreadspread das Signal der rechten Gitarre in die Mitte pannen, sobald der linke Kanal verstummt. Ich habe die Einstellungen bewusst so gewählt, dass das Pannen hörbar bleibt. Im richtigen Leben kriegt man das auch schneller hin.

Hier ein kleines Fragment mit dem Shreadspread auf dem Gitarren-Bus.

Das gefällt mir nicht

Das gefällt mir

Shredspread ist mal wieder so ein Tool bei dem man sich fragt, weshalb es das nicht schon längst gibt. Die Brainworx-Crew hat mal wieder ganze Arbeit geleistet, viel Liebe steckt hier im Detail. Dass man es hier wohl mit Meistern in Sachen Gitarrensound zu tun hat, dürfte unbestreitbar sein. Die haben ihre Mixgeheimnisse so in ein Plug-in gepackt, dass zwar einfach in der Anwendung ist, klanglich und funktionell aber in höchstem Maße überzeugt, denn noch nie war es einfacher, Gitarren richtig rund abzumischen. Egal ob man nun primär im Metal-Bereich unterwegs ist, oder ob man mit flächigen Sounds arbeitet, Shredspread kann hier auf jeden Fall immer sehr gute Dienste leisten.

Meine eh schon überbreiten U2-Delay-Sounds bekamen durch den Shredspread noch mal einiges mehr an Breite bei gleichzeitiger Präsenz im Mix. Shredspread eignet sich also nicht nur für High Gain-Gebolze, sondern auch für cleane Sounds. Überhaupt kann man mit dem Shredspread nicht nur Gitarren aufwerten, auch stark zuggekleisterte Synthiesounds erfahren eine deutliche Verbesserung, was Präsenz und Durchsetzungsvermögen angeht. Der ein oder andere kennt vielleicht diese typsichen Presetsounds, die sich zwar Solo gigantisch anhören, aber den Mix einfach nur zumatschen. In dem Fall kann der Shredspread auch helfen. Alles in allem ist das Plug-in eine runde Sache und für mich ein must-have Tool.

Heiko Wallauer

Systemvorraussetzungen Mac OS X

  • Mac OS X 10.4 oder neuer/höher
  • Intel oder PPC CPU (mindestens 1 GHz.)
  • 256 MB RAM
  • Pro Tools 7.0 oder neuer/höher, bzw. ein VST/AU-kompatibles Host-Programm

Systemvoraussetzungen Windows

  • Windows 2000 oder neuer/höher
  • Intel compatible CPU (wir empfehlen mindestens 1 GHz)
  • 256 MB RAM
  • Pro Tools 7.0 oder neuer/höher, bzw. ein VST-kompatibles Host-Programm

Preis

  • 119 Euro (zzgl. Mwst)

Hersteller

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2 Kommentare

  1. Sehr guter Test!
    Konnte den shredspread kürzlich auch mal ausprobieren und stimme dem Urteil voll zu. Ich bin zwar eher ein Fan von individuelleren Mixmethoden, aber wenn man schnell ein ordentliches Brett oder auch das subtile, gewisse Etwas braucht, ist das Tool genial. Die Programmierung ist ja wie von brainworx gewohnt klasse.
    Das einzige, was mich gestört hat (aber ist vollkommen Geschmackssache) ist das für mich etwas überladene GUI. Sieht zwar toll aus und da haben die brainworker wirklich mal “was blitzen” lassen, aber mir persönlich nimmt der Spaß dann doch zu viel Platz ein – aber ist wie gesagt Geschmackssache und ändert nichts an dem großartigen Plug-in.

    Lob an Heiko!

    • Hi Albie!

      Danke für’s Lob und Deine Meinung!
      Sorry, hab im Moment längere “Reaktionszeiten”, da ich grad Urlaub in den USA mache.

      Stimmt, die GUI ist bestimmt Geschmackssache, aber mir hat’s die optische Umsetzung recht angetan, aber ich kann auch Deinen Standpunkt nachvollziehen.

      Viele Grüße,

      Heiko

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