Bei Brainworx ist man dieses Jahr unermüdlich bei der Arbeit: Neben erstklassigen EQs hat man vor kurzem das ausgezeichnete Tool Shredspread vorgestellt, und schon steht uns das nächste Plug-in zum Test zur Verfügung. Beim bx_XL handelt es sich um einen Masteringlimiter, der Lautheit ohne Kompromisse verspricht.
Meist wird man beim Mastern von Tracks eher früher als später mit dem Umstand konfrontiert, dass man mehr Lautheit im Vergleich zu Referenzproduktionen erreichen möchte. Schon länger befinden wir uns mitten im Loudness War, was bisweilen perverse Blüten treibt, und auch nicht vor etablierten Acts Halt macht. So ein Negativbeispiel ist für mich die Death Magnetic von Metallica. Mag man es einer Hinterhofcombo noch verzeihen, wenn das erste Streben darauf zielt, lauter als die Konkurrenz zu sein, so kann ich das bei erfolgreichen Acts nicht nachvollziehen. Produktionen werden schlicht auf Lautheit getrimmt, Einschränkungen durch Artefakte oder gar Verzerrungen oder zu sehr eingeschränkter Dynamikumfang nimmt man oftmals ganz bewusst in Kauf. Man macht eben laut(er), weil alle das tun. Zeit also mal das Lenkrad in die andere Richtung zu drehen. Genau das haben sich die Leute bei Brainworx mit dem bx_XL vorgenommen.
Beim bx_XL handelt es sich um einen Limiter, der sich bei der Signalverarbeitung dem M/S-Verfahren bedient. Nach der Matrizierung in M und S werden nicht, wie konventionell, rechter und linker Kanal bearbeitet, sondern Mitten(Summen)- und Seitensignal (Differenzsignal). Dies erfordert eine etwas andere Herangehensweise, die sich dadurch erlernen lässt, dass man Mischungen, die man in links/rechts gemastert hat, mit dem bx_XL bearbeitet und gegeneinander abhört oder unser Tutorial durcharbeitet.

Installation und Autorisation
Wie bei Brainworx üblich, wird zur Autorisation der iLok-Key benutzt. Nachdem man die Lizenz von seinem iLok-Account auf den USB-Key übertragen hat, findet man das passende Diskimage bei Brainworx auf der Webseite, alles ohne größere Umwege. Der bx_XL ist schnell runtergeladen und installiert – und dann auch gleich einsatzbereit. Den bx_XL teste ich in der nativen Version als Audio Unit Plug-in, mit Logic 9 und Live 8 als Hosts, unter Mac OS X 10.5.8.
Interface
Die GUI verfolgt den bekannten Brainworx-Stil weiter, auch wenn ich der Meinung bin, dass man gerade bei den letzten Plug-ins an der optischen Umsetzung etwas gefeilt hat. Irgendwie wirken der Shredspread und jetzt auch bx_XL optisch etwas runder als die ersten Brainworx Plug-ins. Wie immer aber bei Brainworx gilt, dass die Funktion das Design vorgibt. Das heißt, der User wird nicht mit pseudo-analog-vintage-Mojo-Knöppen geblendet, sondern freut sich über gut lesbare Parameteranzeigen und schlüssige, einleuchtende Bedienfunktionen.

Im oberen Viertel begegnen wir vier Metern, die uns über das Verhältnis von …
- Mid Lo und Mid Hi
- Mid und Side
- Corellation und Balance
… Auskunft geben.

Die Einstellmöglicheiten für das M/S-Limiting sind klar strukturiert und in Mid Lo, Mid Hi und Side unterteit.

In der Mastersektion finden wir neben Gain Boost und Treshold, die mit den entsprechenden Parametern in den einzelnen Kanälen verkoppelt sind, eine ausgefuchste Solosektion, mit der man sowohl linken und rechten Kanal als auch das Mitten- und Seitenkanal isoliert abhören kann. Ebenfalls verfügt die Solosektion über eine ausgeklügelte Auto Solo-Funktionalität, die ein korrektes einstellen der Parameter unterstützt.

Die Input/Output-Sektion ermöglicht es, sowohl im Eingang Pegelverhältnisse von rechtem und linken Kanal sowie im Ausgang Panning von Mitte und Seite anzupassen.

Am Ende der Signalkette findet sich noch der M/S Summing Amp, welcher die drei Singale, also Mid Lo, Mid Hi und Side wieder in ein Stereosignal zusammenführt. Mid und Side können mit einem Link-Button verkoppelt werden, so dass sich Pegeländerungen auf beide Parameter gleichmäßig auswirken.
Möchte man auf der anderen Seite zum Beispiel Einfluss auf die Stereobreite nehmen, lässt sich dies beim bx_XL durch drehen am S-Regler recht einfach bewerkstelligen.

Der L/R Stereo Peak Stop Limiter ist ein klassischer Peak-Limiter, der dem M/S-Processing nachgeschaltet ist und der primär dazu dienen soll, dass keine Verzerrungen, z. B. durch harte Transienten auftreten. Besser ist es auf jeden Fall, wenn man den Peak Stop Limiter nicht allzu oft bemüht. Springt er ständig an, sollte man besser weiter vorne in der Prozesskette nach idealeren Einstellungen suchen.
Für Pegelanpassungen im Ausgang hat der bx_XL noch einen Pegelsteller spendiert bekommen, der +/- 6 dB regelt. Mit allzu beherztem Boosten sollte man allerdings vorsichtig sein, da man sonst Gefahr läuft, schnell ins Clipping zu laufen. Ich sehe den Outputregler eher als Tool, wenn man ein Master mit einem bestimmten Pegel, z. B. -0,2 dB abliefern muss. Denn bestenfalls sieht es ja so aus, dass das Signal den Peak Stop Limiter mit 0 dB verlässt, mit der Outpustufe regelt man dann auf die gewünschten -0,2 dB ein.
Die drei Kanäle Mid Lo, Mid Hi und Side sind von den Bedienelementen her gleich aufgebaut und bieten dieselben Parameter. Je weiter man den Gain Boost hochtreibt, desto größer wird die Gain Reduction des Limiters, wenn das Signal den Treshold übersteigt. Dieser lässt sich ebenfalls über einen Slider einstellen. Um das Geschehen auch zu visuell anzuzeigen, bekommt jeder Kanal ein Gain Reduction Meter mit, welches sich zum Glück eindeutig ablesen lässt und keinen Raum für freie Interpretationen lässt. +2 dB bedeutet, dass unser Signal +2 dB über dem Treshold liegt, somit findet eine Gain Reduction von 2 dB durch den Limiter statt.

Die Attackzeit des Limiters lässt sich zwischen 0.1ms und 1.5ms wählen, was für Masteringanwendungen durchaus ein gut gewähltes Zeitfenster ist. Die Releasezeit ist weitaus großzügiger definiert und reicht von 0.01ms bis zu generösen 999ms.
Bestimmt fragt ihr Euch schon die ganze Zeit, wo denn das XL im Namen her kommt. Nun, der Brainworx-Limiter verfügt über eine XL-Sektion, um den Sound richtig groß werden zu lassen. Denn die XL-Algorithmen können dem Signal jeder Sektion Obertöne hinzufügen. Dabei geht XL aber nicht so plump vor wie ein Enhancer oder Exciter, sondern klingt um einiges dezenter und seidiger. Während Mischungen, die hart im Limiting sind und vielleicht noch über die Maßen durch einen Enhancer gedreht wurden, mitunter sehr hart und steril klingen, macht die XL-Schaltung fast schon einen Analog-like Sound.
Wie wir es von Brainworx mittlerweile gewohnt sind, verfügt auch der bx_XL über den Monomaker. Der Monomaker eliminiert bis zur Grenzfrequenz tiefe Signalanteile im S-Signal und strafft das M-Signal. So beugt man geschickt Phasenproblemen vor und erhält in der Summe ein klarer definiertes und durchsetzungsstarkes Lowend, ohne am EQ drehen zu müssen. Mit einem Slider kann man beim bx_XL die Crossoverfrequenz zwischen Mid Lo und Mid Hi frei wählen. So lässt sich die Arbeitsweise des Limiters sehr gut auf unterschiedliches Programmmaterial anpassen, je nachdem, worauf der musikalische Fokus liegt.

Wie es sich für ein Profi-Tool gehört, verfügt auch der Brainworx bx_XL über einen Sidechain, der es ermöglicht verschiedene Quellen als Keysignal zu wählen. Die Möglichkeiten sind hier sehr vielfältig und umfassen Mid Lo, Mid Hi, eine Kombination aus Mid Hi und Mid Lo, Side sowie External, sofern vom Host unterstützt.
Sehr aussagekräftig sind ebenfalls die Stereo Master Output LEDs, die sowohl Peak und RMS Level in linkem und rechten Ausgangskanal anzeigen, zusätzlich aber auch noch Auskunft über die dynamische Bandbreite des Masters geben. Hier gilt: je kleiner der Wert, um so größer die erzielte Lautheit.
Soundbeispiele
Wie immer nun ein Mix ohne Dynamikbeabeitung auf der Summe.
Hier habe ich mit Hilfe der Mid Lo Sektion die tieffrequenten Anteile weiter in den Vordergrund geholt.
Hier werden mit der Mid Hi Sektion die Gitarren präsenter.
Mit der Side-Sektion bekommt das Differenzsignal mehr Lautheit.
Über den S-Regler im Summing Amp lässt sich durch einen höheren Pegel des Differenzsignals die Stereobasis in die Breite fahren.
Man sollte aber den Korrelationsgradmesser im Auge behalten, um zu gegebener Zeit mit dem Mono Maker Phasenproblemen gegenzusteuern.
Bei folgendem Soundbeispiel habe ich versucht, die Lautheit des Mixes zu steigern.
Hier wäre nun fast schon ein Fall von „zuviel des Guten“, bei dem die Meter im Ausgang fest an der 0 dB Marke festgenagelt sind.

Das gefällt mir nicht
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Das gefällt mir
Der bx_XL von Brainworx ist einer der besten Limiter. mit denen ich bisher arbeiten konnte. Durch die äußerst musikalische Herangehensweise an das Thema Limiting hat man bei Brainworx nicht nur ein Dynamiktool programmiert, das laut machen kann – hier werden bisher gekannte Grenzen locker überschritten.
Auch den bx_XL kann man, wie jeden Limiter, in Bereiche fahren, wo es eben nicht mehr schön klingt. Beim bx_XL passiert das aber deutlich später, was gleichbedeutend mit mehr Lautheit ist. Die M/S-Bearbeitung ermöglichet hier viel bessere Eingriffmöglichkeiten als die herkömmliche Herangehensweise der L/R-Bearbeitung. Nützliche Zugaben wie der Monomaker, frei definierbare Crossoverfrequenzen in der Mid-Sektion, der M/S-Summingamp und der Peak Limiter als Abschluss der Signalkette machen aus dem bx_XL einen kompletten Mastering-Limiter.
Eindeutig und ohne Frage ein Redaktionstipp für Brainworx und den bx_XL!
Heiko Wallauer
Preis
- 298 Euro
Hersteller
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6. November 2010 um 11:31 Uhr
Dies ist ein wirklich excellentes Produkt!