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Test: Cinesamples Hollywoodwinds

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Komponist Mike Patti und sein Team von Cinesamples haben einen interessanten Ansatz für ihre Holzbläser-Bibliothek Hollywoodwinds gewählt: Eine Library ohne Einzelinstrumente, die den Fokus auf temposynchrone Effekte, Texturen und Tonleitern legt. Auf sparsamen 4 GB Festplattenplatz bietet das Produkt für Native Instruments’ Kontakt-Engine Instrumente mit zwei Mikrofonpositionen, die sich auf drei Kategorien verteilen: Die “Keyboard Patches”, “Scales and Rips” sowie “Textures and FX”.

Installation und Autorisierung

Die Installation läuft, wie von Kontakt-Instrumenten gewohnt, reibungslos und schnell. Dank der verlustlosen Komprimierungsmöglichkeiten der Kontakt-Dateiformate passt die gesamte Library auf eine einzige DVD. Der Kontakt-Player ist, falls noch nicht vorhanden, ebenfalls von der DVD zu installieren.

Zur Autorisierung wird das Native Instruments Service Center benutzt, wo lediglich der Registrierungscode eingegeben werden muss.

Interface und Technik

Cinesamples Hollywoodwinds

Neben den bei allen Kontakt-Bibliotheken ähnlichen Bedienflächen bietet Hollywoodwinds zusätzliche Möglichkeiten, die Instrumente anzupassen. So passt sich die Abspielgeschwindigkeit in der Plug-In-Version nicht nur an das Host-Tempo an, sondern ist zusätzlich auch manuell einstellbar. Die Dropdown-Schaltfläche ermöglicht einen schnellen Zugriff auf Voreinstellungen wie beispielsweise die doppelte oder halbe Host-Geschwindigkeit. Im “Mixing”-Bereich kann der Anteil der beiden Mikrofonpositionen Close und Stage bestimmt werden. Auch hier gibt es Voreinstellungen: Nur Stage, nur Close, die “Bias”-Einstellungen (Verhältnis 2:1) und “Full” mit beiden Positionen auf 100 %. Auch der interne Equalizer greift auf Presets zurück, sodass mit einem Klick beispielsweise der Höhenbereich abgesenkt oder verstärkt werden kann. Mit den Presets soll ein komfortables Arbeiten erreicht und der Workflow optimiert werden – das ist Cinesamples gelungen.

Cinesamples Hollywoodwinds

Eine Besonderheit in Hollywoodwinds ist die “Notation View”. In dieser Ansicht wird bei jedem Tastendruck die jeweils abgespielte Passage in Notenschrift angezeigt. Einerseits dient das der Orientierung und kann andererseits den Alltag professioneller Komponisten erleichtern, die ihre Werke für ein Orchester als Partitur aufbereiten müssen. Leider steht diese Funktion nur bei den Patches im “Scales and Rips”-Verzeichnis zur Verfügung. Bei den teils komplexeren Strukturen der “Textures and FX”-Kategorie fehlt die Notenansicht.

Keyboard Patches

Das “Keyboard Patches”-Verzeichnis bietet 14 Instrument-Variationen, die jeweils in drei Versionen vorliegen: Jede der beiden Mikrofonpositionen einzeln und eine Version, in der die Positionen kombinierbar sind. In diesem Verzeichnis befinden sich die Patches, bei denen (im Gegensatz zu Tonleitern und Effekten) einzelne Töne oder Akkorde spielbar sind; Instrumentnamen ohne eine Artikulation wie “Legato” oder “Staccato” dahinter bezeichnen immer ein Sustain-Patch:

  • Tutti
  • Tutti Legato
  • Tutti Legato MOD atk
  • Tutti Staccato

Die Töne der Tutti-Instrumente liegen auf der ganzen Klaviatur verteilt. Bei jedem Tastendruck klingen alle Instrumente, deren Reichweite den gespielten Ton einschließt. Einzelnes Ansteuern beispielsweise der Klarinetten ist nicht möglich.

Im folgenden Audiobeispiel sind “Tutti Staccato” und “Tutti Legato” zu hören. Die Staccato-Tuttis scheinen mir etwas zu lasch – sowohl bei Full-Mikrofonierung …

… als auch bei Close-Mikrofonierung.

  • Octaves
  • Octaves Legato
  • Octaves Legato MOD atk
  • Octaves Staccato

Octaves-Instrumente beanspruchen zwei Oktaven auf der Klaviatur. Ein Tastendruck bewirkt hier, dass jedes Instrument den angeschlagenen Ton in einer anderen Oktave spielt, was einen breiten, kräftigen Klang zur Folge hat.

  • Maj & Min Triads
  • Maj & Min Triads Legato
  • Maj & Min Triads Legato MOD atk
  • Maj & Min Triads Staccato

Hierbei handelt es sich um Dur- und Molldreiklänge. Die Klaviatur ist hier in zwei Bereiche zu je 20 Halbtönen unterteilt. Der linke Bereich spielt den Durdreiklang auf Basis der gespielten Note, der rechte den Molldreiklang.

  • Unison Tremolos
  • Chordal Tremolos

Die Unison Tremolos bezeichnen Tremolos auf derselben Note, die Chordal Tremolos sind als Tremolo gespielte Akkorde. Im Audiobeispiel werden die Unison Tremolos angespielt.

Scales and Rips

In diesem Verzeichnis befinden sich hauptsächlich Tonleitern. Zur Verfügung stehen Dur-, harmonisch Moll-, natürlich Moll-, Oktatonische-, Chromatische- und Ganzton-Skalen zur Verfügung. Jedes Patch widmet sich einer Tonleiterart. Innerhalb des Patches wechselt man die Tonart mittels Keyswitch. Die spielbaren Tasten bestimmen dann, welche Form die gespielte Tonleiter haben soll. Tonleitern lassen sich beispielsweise von oben nach unten über zwei Oktaven, hoch und wieder runter, von Grundnote zu Grundnote oder von Quinte zu Quinte spielen. Die Variationen sind zahlreich und praxistauglich: Dank der sehr guten Temposync-Funktion passen die Skalen in jede Geschwindigkeit.

Harmonisch Moll-Tonleiter in verschiedenen Variationen, 140 BPM:

100 BPM:

Zusätzlich zu den Skalen findet man hier noch Rips, also kurze und sehr schnell gespielte Passagen mit Verzierungscharakter.

Tonal Rips:

Textures and FX

Dieses Verzeichnis ist voll von inspirierenden Effekten und ganzen Passagen, die einem allesamt irgendwie bekannt vorkommen. Stellenweise fühlt man sich an John Williams erinnert, der von Flötisten und Flötistinnen auf der ganzen Welt bewundert und verflucht wird, weil er besonders an die Holzbläser-Sektion hohe Anforderungen stellt. Mike Patti hat sein Versprechen, sich bei Hollywoodwinds auf moderne Rhythmen und Texturen zu beschränken, die in der modernen Filmmusik üblich sind und für den zeitgenössischen Komponisten alltagstauglich sind, meiner Meinung nach gehalten und die hohen Erwartungen bestätigt.

Die “Textures and FX”-Instrumente verzichten auf Keyswitches. Bei jedem C des spielbaren Tonumfangs beginnt innerhalb eines Patches eine neue Passage, die auf den folgenden Tasten der Oktave in jeder Tonart spielbar ist. Die einzelnen Passagen eines Instruments passen zusammen – drückt man dieselben Noten in mehreren Oktaven gleichzeitig, erreicht man einen homogenen Klangcharakter.

Cluster Chords & Flutters:

Random Staccato Patterns:

Marching Patterns:

Lydian Thirds:

Soundqualität

Alle Samples in Hollywoodwinds zeichnen sich durch einen klaren Klang aus. Mit den integrierten EQ-Voreinstellungen lassen sie sich unkompliziert an jeden Kontext anpassen, sodass sie weder im Mix untergehen noch zu kräftig wirken. Die Mikrofonpositionen sind sehr gelungen: Die Close-Position klingt trocken und kräftig, die Stage-Position spiegelt den Klang der Halle gut wider und klingt stimmig. Auch das Loopen der Textures ist gelungen und größtenteils fehlerfrei; nur bei einer einzigen Note ist mir eine kleine Unstimmigkeit aufgefallen. Spielt man die Textures und Rips bis zum Ende ab, klingen sie schön aus. Nur bei einem vorzeitigen Ende des Playbacks bricht der Klang abrupt ab und verrät den Mangel an Release-Trails. Diese Unzulänglichkeit geht im Mix mit anderen Instrumenten allerdings unter und fällt dann nicht weiter auf – notfalls lässt sie sich mit einer Prise Hall kaschieren.

Die Hollywoodwinds klingen hervorragend. Unerwünschte Hintergrundgeräusche oder falsche Noten gibt es nicht. Die Library ist voll und ganz praxistauglich.

Bei den Keyboard Patches fällt auf, dass die Velocity-Range zwar praxistauglich gestaffelt ist, allerdings kein Round Robin zur Verfügung steht. Bei den Oktaven fällt das weniger auf, die Staccato-Tuttis leiden jedoch merklich darunter.

Abschließend

Hollywoodwinds ist ganz klar eine Ergänzung für bestehende Libraries. Ein ganzes Holzbläserstück damit zu realisieren, würde schwer fallen – diesen Anspruch erhebt das Produkt aber auch gar nicht. Im Zusammenspiel mit anderen Klängen sorgt Hollywoodwinds für das “gewisse Etwas”: Die Verzierungen und Effekte wirken im richtigen Kontext grandios.

Die Keyboard-Patches, allen voran die Tuttis, wirken wie eine Dreingabe. In meinen Augen sind sie ganz klar die Schwachstelle an Hollywoodwinds. Hält man sich aber das Konzept vor Augen, wird schnell klar, dass sie nicht das Herzstück der Library bilden sollen. Für Einstreuungen und kurze Passagen im Hintergrund eignen sich besonders die Oktaven und Dreiklänge.

Das gefällt mir nicht

Dass die Notation View bei den Textures nicht verfügbar ist, scheint mir unverständlich. Die Noten lagen für die Aufnahmen sowieso vor – weshalb beschränkt man sich bei dieser Funktion dann auf die Skalen? Für diese gute Idee hätte ich mir eine bessere Umsetzung gewünscht, die beide Effekt-Verzeichnisse berücksichtigt.

Will man die Tutti-Instrumente im Vordergrund der Orchestration benutzen, stößt man schnell an die Grenzen der Library. Diese Patches sind die einzigen, deren Klang mich nicht überzeugt – und somit die Außenseiter der Library.

Das gefällt mir

Als zusätzliche Library für Verzierungen, Effekte und eine besondere Note gefällt mir Hollywoodwinds außerordentlich gut. Mit wenig Speicherplatz und geringen Anforderungen an den Arbeitsspeicher erhält man einen Quell der Inspiration: Aus den zahlreichen Textures entstehen schnell Ideen für ein Stück, die sich dank des großartigen Workflows (vereinfacht durch die Voreinstellungen für jeden einstellbaren Parameter) flink umsetzen lassen.

Dominik Raab

Systemanforderungen Mac OS X

  • System 10.5 / 10.6
  • Intel Core Duo 1,66 GHz.
  • 2 GB RAM
  • 4 GB Speicherplatz für die Library
  • Kontakt Vollversion oder mitgelieferter Kontakt Player (1 GB Speicherplatz für Player)

Systemanforderungen Windows

  • Windows XP / Vista /Win7
  • Pentium oder Athlon XP 1,4 GHz.
  • 2 GB RAM
  • 4 GB Speicherplatz für die Library
  • Kontakt Vollversion oder mitgelieferter Kontakt Player (1 GB Speicherplatz für Player)

Preis

  • 229 Euro

Vertrieb

Hersteller

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Autor: Dominik Raab

Film-Fan, Orchester-Liebhaber, Soundtrack-Freak. Schwerpunkte: Klassik, Rock, Film- und Trailermusik

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