Test: Era 2 Medieval Legends – Library Check

Vor kurzem haben wir uns auf releasetime in einem ausführlichen Test mit der neuen Software von Eduardo Tarilonte und Best Service beschäftigt: ERA2 – Medieval Legends. Darin geht es um ein Arsenal ausgesuchter Mittelalter- und Renaissanceinstrumente und Sounddesigns. Die Library ist dabei mit der Version 2 auf ein beträchtliches Maß angewachsen, und wir wollen in diesem Artikel noch einmal im Speziellen einen Blick darauf werfen.

Einleitende Worte

Im Haupttest zu ERA2 haben wir die Software selbst und bereits einen ordentlichen Teil der neu hinzugekommenen Instrumente besprochen. Dort gibt es u . a. Informationen zu:

  • Zink (Cornetto)
  • Naturtrompete (Nature Trumpet)
  • Psalter (Bowed Psaltery)
  • Tastenfidel (Nickelharpa)
  • Drehleier (Viola da Roda)
  • Gothic Harp
  • Laute (Medieval Lute)
  • Zweilochflöte (Two Holed Flute)
  • Holzquerflöte (Wooden Transverse Flute)
  • Voices
  • Soundscapes/Sounddesigns
  • Ensemblebeispiele

Da es auf releasetime aber noch keinen Bericht zum ersten ERA gibt, haben wir uns dazu entschlossen, Ihnen in diesem separaten Artikel noch weitere Einschätzungen und Klangbeispiele ausgewählter Instrumente aus fast allen Kategorie anzubieten. Die Sounds stammen dabei direkt aus der ERA2-Library und nutzen den softwareinternen Hall.

 

Die Sackpfeife

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Die Sackpfeife (oder Dudelsack) kommt in ERA2 in den beiden Stimmungen A und D vor. Die Bordunpfeifen lassen sich dabei separat aktivieren und in ihren Lautstärken anpassen. Es existiert aber auch ein eigenes Patch, in dem weitere Bordunklänge zur Verfügung stehen. Da die Sackpfeife mit einem konstanten Luftstrom gespielt wird, sind Notenverzierungen bzw. Ornamente nötig, um die Melodie interessant und lebhaft zu gestalten. In ERA2 gibt es davon eine stattliche Auswahl. Nachfolgend hören Sie die Sackpfeife in der A-Stimmung.

 

Die Schalmei

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Die Schalmei verfügt über ein ähnliches Rohrblatt wie die Sackpfeife. Allerdings wird sie wieder flötenähnlich mit diskreten Luftstößen direkt vom Musiker gespielt. In ERA2 stehen zwei ansprechend gesampelte Vertreter aus der Schalmeienfamilie zur Auswahl: Die Chirimía und die Bombarde. Im Klangbeispiel ist die Chirimía zu hören.

 

Die Barockgitarre

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Das Patch der Barockgitarre ist umfangreich und ermöglicht das Spiel von Solopassagen und Begleitungen. Über Keyswitches lassen sich Akkordgriffe aktivieren, die entweder einmal angeschlagen oder als Loops abgespielt werden können. Letztere wirken zuweilen etwas zu künstlich, und durch ein spezielles Releasesample sind Akkordwechsel nicht in Gänze intuitiv umsetzbar. Abgesehen davon ist das Sampling ausgesprochen gut. Im Audiobeispiel wurde der Akkord- mit dem Solomodus kombiniert und sowohl Sustain- als auch Legatosamples verwendet.

 

Die Sackbut

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Die Posaune aus der Renaissance- und Barockzeit klingt ausgewogen und überzeugend vielschichtig. Man merkt den Samples die relativ schwierige Tonerzeugung an, was den Sound sehr authentisch wirken lässt. Allerdings muss je nach Verwendung einiges an MIDI-Editing angewandt werden, um das gewünschte Klangbild zu erzielen. Denn die Velocitystufen sind (soweit vorhanden) nicht sofort überschaubar und lösen je nach Keyswitch unterschiedlich aus. So werden im Legato-Marcato-Modus selbst bei sehr leicht angeschlagenen Tönen manchmal schon Überblassamples gespielt, während andere Töne das bei gleicher Anschlagsstärke nicht tun. Ist das unerwünscht, müsste man für die Note kurz zu einem „weicheren“ Keyswitch (z. B. nur Legato oder Crescendo) wechseln.

 

Das Spinett

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Die „kleine Schwester“ des Cembalos ist kompakter gebaut und daher auch vom Klang her zwar zurückgenommener, aber dementsprechend unaufdringlicher. Das ermöglicht den Soloeinsatz und gut dosierbare Ensemblebegleitungen. Seiner Bauweise gemäss bietet das Instrument kaum Dynamikmöglichkeiten, da die Saiten gezupft und nicht wie bei der Pianofamilie angeschlagen werden (durch die Möglichkeit der dynamischeren bzw. vor allem leiseren Tonerzeugung erhielten Letztere übrigens auch ihren Namen). Dennoch reagiert das ERA-2-Spinett auf Anschlagsstärken mit einer gut umgesetzten Quasi-Zupfgeschwindigkeit. Das Sampling ist sehr solide, auch wenn ich mir trotz der Kompaktheit des Instruments ein wenig mehr Flexibilität bei der Stereofonie gewünscht hätte. Dafür ist das Scripting wieder hervorragend: Werden gehaltene Tasten losgelassen, ertönt ein gut abgestimmtes Releasegeräusch (zu hören am Ende des Klangbeispiels).

 

Die Basscitole

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Die Citole (mir auch bekannt als Cistola) besitzt einen Resonanzkasten, der denen von Streichinstrumenten ähnelt, wird aber gitarrenähnlich gespielt. In ERA2 steht eine Basscitole zur Verfügung, die vom Klang her schon sehr stark an eine Gitarre angelehnt ist. Citolen, die ich bisher gehört habe, klangen eher dünn und besaßen nicht viel Sustain – ein schwieriger Sound. Umso besser, dass die hier angebotene Variante dahingehend mehr Vielfalt bietet, auch wenn das Repertoire an ähnlichen Instrumenten (Laute, Barockgitarre) schon recht umfangreich ist. Auch hier werden wieder Solo-Keyswitches und Akkordmodi angeboten. Letztere funktionieren zuverlässig und unkompliziert und sind im folgenden Klangbeispiel zu hören.

 

Das Organetto

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Das Organetto beschreibt zum einen eine Art Vorläufer des Akkordeons und existiert daher auch in ähnlicher Bauweise; es ist aber andererseits prinzipiell als ein tragbares orgelähnliches Instrument zu verstehen. Als solches ist auch die in ERA2 verwendete kompakte Architektur üblich, wie sie oben abgebildet ist. Neben dem Diskant wird auch eine Oktave als Bassbegleitung angeboten. Tasten- und Klappengeräusche lassen sich in der Lautstärke wieder bequem editieren.

 

Die Fidel

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Die spätmittelalterliche Fidel (zur Abgrenzung von jüngeren Instrumenten manchmal auch als Fidula bezeichnet) bietet Legato und Staccato und ein sehr schönes Vibrato, das mit dem Modulationsrad aktiviert wird. Dieses Vibrato setzt erst am Ende einer längeren Note ein und wirkt dadurch gut dosiert. Über die Anschlagsdynamik lässt sich das Ziehen des Bogens von ruhig bis kräftig beeinflussen, und beim Legatospiel wird der nachfolgende Ton dem Bogenzug entsprechend zweimal gespielt, wenn die Taste lange genug gehalten wird. Wann der Wechsel stattfindet kann leider nicht beeinflusst werden. Außerdem schießen die Legatosamples manchmal etwas über das Ziel hinaus. Das fiel mir aber nur beim C als wirklich störend auf. Im Audiobeispiel ist der gemeinte Ton am Ende separat zu hören.

 

Das Virginal

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Das Virginal stammt aus der gleichen Instrumentengattung wie das Spinett. Ein Konsens bezüglich der historischen Einordnung ist nicht einfach, da nicht klar ist, wann die Unterschiede zwischen beiden Instrumenten ausreichten, um eine Trennung zu rechtfertigen. Das Aufkommen des Virginals wird auf das Ende des 15. Jahrhunderts datiert, wohingegen manche Quellen das erste echte Spinett erst im 17. Jahrhundert belegt haben wollen. Wie dem auch sei: Das ERA2-Virginal klingt hervorragend. Gerade in den Basslagen ist der Klang voll und körperhaft, trotz des eher kleinen Instruments. Die Releasesamples sind dafür etwas gewöhnungsbedürftig und leicht aufdringlich; das ist aber Geschmacksfrage. Ich habe mich bei dem Klangbeispiel dazu entschlossen, diese Samples gänzlich zu deaktivieren.

 

Die Tromba Marina

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Die Tromba Marina, ein Quasi-Nachfolger des älteren einsaitigen Trumscheits, lässt sich über gut zwei Oktaven chromatisch spielen. Da die Tonerzeugung aber baubedingt auf der Naturtonreihe beruht, sollte man für ein authentisches Spiel darauf achten, nur entsprechende Töne zu verwenden. Man könnte gerade für solch ein Tieftoninstrument etwas mehr Kraft in den Bässen einfordern; die Tromba Marina verfügt aber über keinen großen Resonanzkasten, weshalb der Sound so durchaus in Ordnung geht. Im Audiobeispiel sind alle angebotenen Artikulationen vertreten (zu Demonstrationszwecken wurde auf eine korrekte Spielweise verzichtet).

 

Viola da Gamba

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Die Viola da Gamba ist ein sehr schönes Violinenpatch. Man darf zwar nicht zu viel Umfang hinsichtlich Artikulationen und Spielmöglichkeiten erwarten, aber das Gebotene überzeugt durchaus und bietet schöne Klänge. Es existieren zwei Bauformen: Tenor und Bass, wobei letztere mit weniger Artikulationen und auch sonst etwas dünner auskommen muss. Leider sind beim Scripting hier Abstriche zu machen, da bei den Artikulationen Pizzicato und Staccato überlagerte (also gebundene) MIDI-Noten wieder normale Legatoartikulation auslösen – die Noten müssen also immer getrennt gespielt werden. Dieser Umstand ist beim Pizzicato noch zu verkraften, allerdings ist so bei schnellen Staccatopassagen nur der Anklang der Samples zu hören, was unnatürlich und atonal klingt. Dieses Problem tritt nicht bei der Bassviola auf.

 

Die Blockflöte …

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… oder in schickem Englisch: Renaissance Recorder. Das Trauma vieler Musikvorschüler entpuppt sich in ERA2 als solide gesampeltes und mit ausreichend Artikulationen ausgestattetes Softwareinstrument. Es stehen Varianten in Sopran-, Alt-, Tenor- und Bassbauweise zur Verfügung, die alle hervorragend klingen und dokumentieren, dass die Blockflöte durchaus ein wunderschönes Instrument ist.

 

Die Zither

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Die Zither sollte hinlänglich bekannt sein. Im Vergleich zu dem restlichen Instrumentenensemble ist sie relativ jung und zeichnet sich durch einen ausgesprochen schönen Klang aus. Leider gibt es keine bequeme Möglichkeit, gespielte Töne zu dämpfen, sodass stets volles Sustain zu hören ist. Will man hier variabel sein, muss man auf eine Automation der Samplehüllkurve im Main-Fenster zurückgreifen.

 

Die Tin Whistle

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Die Tin Whistle: Ein relativ junges Flöteninstrument, welches zumeist aus einem Metallröhrchen (Messing) oder Kunststoff hergestellt wird. Den lauten und schrillen Klang werden Familienmitglieder und Nachbarn verfluchen, bis man gelernt hat, dem Instrument mit richtiger Atem- und Fingertechnik jene wunderbaren Töne zu entlocken, für die die Tin Whistle heute so gemocht wird. Der Vorteil an ERA2 ist, dass man sich die Übungsphase sparen und direkt mit amtlichen Sounds loslegen kann.

 

Die Harfe aus der Frührenaissance

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Diese Harfe unterscheidet sich kaum von der in ERA2 eingeführten Gothic Harp. Beide besitzen einen nahezu identischen Tonumfang und der Klang ist ebenfalls recht ähnlich. Zum Vergleich folgen zwei Klangbeispiele: Das erste zeigt die im Haupttest besprochene Gothic Harp, während das zweite Audio die Renaissanceharfe demonstriert.

 

Abschließend

Auch dies stellt nur eine Auswahl der Instrumente dar, die ERA2 – Medieval Legends nun mittlerweile anbietet. Eine detaillierte Einschätzung zur Software, weitere Klangbeispiele sowie unsere Bewertung finden Sie im Testartikel.

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