Flux sound and picture development ist eine recht junge Company am Plug-in Markt. Trotzdem hat die französische Firma schon eine ansehnliche Anzahl an verschiedenen Dynamikprozessoren sowie einen EQ etabliert, von denen wir nun den Solera II Compressor vorstellen wollen. Ich weiß nicht, ob’s den Franzosen bewusst ist, aber meine erste Assoziation war Emmet Browns Fluxkompensator … Mal sehen, ob uns die Flux Plug-ins auch zurück in die Zukunft holen werden. Schließlich setzt Flux auf Innovation, neue Ansätze und Ideen, statt das ewig gleiche Vintage-Thema durch den Wolf zu drehen.
Installation
Die Files bekommt man auf der Flux Homepage zum Download. Als kleinen Hürde muss man jedoch seinen iLok-Account angeben, um in die passende Sektion durchgelassen zu werden. Vorteil dieses Verfahrens ist jedoch, dass man so auch genau die Plug-ins downloaden kann, die man von Flux auf dem iLok hat. Somit entfällt lästiges Suchen und raten, welche Version denn nun die richtige sei. Was zu Anfang vielleicht nach Pferdefuß aussieht, find ich recht nützlich, schließlich interessiert mich ja nur, was ich auch tatsächlich nutzen kann.
Autorisation
Autorsiert werden die Flux Plug-ins mit dem iLok, den man sich natürlich vorher besorgen sollte, sofern man keinen hat.
Komischerweise und für mich unverständlich gibt es in Sachen iLok immer wieder Beschwerden aus bestimmten Kreisen (völlig wertungsfrei meiner Erfahrung nach Windows-User), für mich ist der iLok das komfortabelste Mittel, um Plug-ins zu verwalten. Die 30 Euro für den iLok hab ich mal irgendwann gezahlt und 30$ für Zero Downtime im Jahr … Sei’s drum, ich geb’ für ganz anderen Schwachsinn Kohle aus
Und wenn der Rechner mal zum MacDoc muss (was mir gerade passiert ist), freut man sich spätestens dann, wenn man den iLok einfach ins Notebook steckt und dort mit den Plug-ins weiterarbeiten kann, ohne sich mit Challange/Response und schwindenden Autorisationen abmühen zu müssen
Interface
Solera II präsentiert sich in einem ästhetisch gelungenen Outfit, das durch stringente Linienführung einen sehr aufgeräumten Eindruck macht. Auf der linken Seite befinden sich die globalen Regler, in der mittleren Sektion die Metering- und Anzeigetools und die für Dynamikprozessoren typischen Parameter, während man an der rechten Seite an den Einstellungen des Sidechain-EQs dreht.

Leider sind in der Plug-in GUI die Meter für Input, Output und weitere relevante Parameter nicht beschriftet, so dass sich, gerade wenn man das erste Mal mit dem Plug-in arbeitet, der eine oder andere Blick ins Manual lohnt. So erfährt man auch, was denn da genau angezeigt wird.
Ebenfalls sollte man beachten, dass die Meter -16dbfs als Referenzpunkt benutzen und eben nicht 0dbfs. Hier sollte man sich also nicht verwirren lassen, zumal die Skalierung reine Definitionssache ist.
Im Grunde handelt es sich beim Flux Solera II um einen Dynamikprozessor mit 4 Einheiten, die das Signal bearbeiten. Solara II bietet dem Benutzer Compressor, De-Compressor, Expander und De-Expander an. Somit empfiehlt er sich zum einen als Masteringprozessor für die Summenbearbeitung oder eben auch als High-End Einheit im Channel Insert zur Bearbeitung von Einzelsignalen. Dabei sollte man bedenken, dass nicht immer viel auch viel hilft, dass heißt, es macht nicht unbedingt Sinn, alle 4 Module zusammen zu nutzen, da einige Funktionen gegenläufig sind. Der Compressor verdichtet natürlich das Signal, währen der De-Compressor hier entgegen wirkt. Genauso wirkt der Expander als Heilmittel gegen Nebengeräusche, während der De-Expander zu einem räumlich offenen Klangbild führt. Insofern sollte man sich überlegen, wo man soundlich hin will, und welches Modul man hierzu nutzen möchte.
Solera II arbeitet nicht nur pegelabhängig, sondern nutzt sowohl Pegelinformationen wie auch den dynamischen Verlauf des Signals, was Ausdruck in einigen Parametern findet, die es so nur bei Flux gibt. Um sich mit der Arbeitsweise des Solera II vertraut zu machen, bietet es sich aber zunächst an, das Plug-in mit den Standardwerten auszutesten. So finden sich natürlich auch beim Solera II Einstellmöglichkeiten für Treshhold, Ratio oder Knee genauso wie Parameter für Attack, Hold und Release. Jeden Parameter für jedes Modul zu beschreiben würde hier wohl den Rahmen sprengen, weshalb ich auf die Alleinstellungsmerkmale des Solera II im Gegensatz zu anderen Dynamikprozessoren eingehen möchte.
Der Solera II verfügt über einen Peak Detection Amount-Regler, der es ermöglicht, den Anteil der Singalspitzen im Analyse-Signal zu definieren, wodurch bestimmt werden kann, wie stark das Plug-in auf Transienten reagiert. Bei perkussiven Sounds oder gesplappten Bässen lässt sich so die Funktionsweise gut anpassen.

Mit Angel’s Share nimmt man Einfluss auf das Regelverhalten vor allem in höheren Pegelbereichen. Denn nicht selten muss man abwägen, wie stark vor allem in höheren Kompressionsbereichen Transienten plattgedrückt werden sollen. Mit Angel’s Share erweitert man die dynamischen Möglichkeiten, da man zum Beispiel bei Drums hohe Compressionsettings bis kurz vor die Pumpgrenze fahren, jedoch genügend Transieten im Klangbild belassen kann. Mit dem Angel’s Share Inverter lässt sich genau dies aber auch umdrehen und in entgegengesetzter Richtung verwenden. Die Hysteresis-Funktion dürfte manch einem aus Dynamic-Hardware bekannt sein. Mit der Hysteresis-Funktion lässt sich die Funktionsweise der Regelverstärker vom Threshhold-Pegel zu einem gewissen Grad entkoppeln, die Wirkungsweise wird musikalischer und passt sich dem jeweiligen Programmmaterial an. Das Konzept erscheint vielleicht im ersten Moment etwas ungewohnt, das Ergebnis überrascht aber mit einem sehr homogenen, gleichsam luftigen Gesamtsound, da man so Pegelausreißer weitaus besser im Griff hat.

Sehr detailliert ist auch die Release-Funktion des Solara II, die dem Benutzer drei unterschiedliche Modi anbietet. Neben Auto und Manual gibt es hier auch einen Advanced-Modus, über den sich Maximal- und Minimalwerte für die Releasekurve definieren lassen.
Arbeitet man im Auto oder Advanced Mode lassen sich auch Dynamic Profiles nutzen, welche das Regelverhalten des Solera II auf den dynamischen Inhalt anpassen, je nachdem, ob man ein universelles Profil benötigt, oder ob man Vocals oder Drums bearbeiten möchte. Ebenfalls gibt es acht unterschiedliche Modi, mit der die Detection arbeiten kann.
Ein schönes Feature am Solera II ist, dass man dem komprimierten Signal das unkomprimierte untermischen kann, wodurch sich sehr aussagekräftige Effekte erzielen lassen. So lässt sich etwa ein Drumset sehr aggressiv komprimieren, durch zumischen des Originalsignals erhält man aber trotzdem einen offenen Sound.
Wie es sich für ein hochwertiges Plug-in gehört, verfügt auch Solera II über Sidechain-Funktionalität, welche sehr opulent ausgestattet ist. Der EQ im Sidechain arbeitet mit drei Bändern, die Filter können folgende Charakteristika annehmen: parametrisch, High Shelf, Low Shelf, High Pass oder Low Pass mit 12 dB Flankensteilheit. Außerdem verfügt der Sidechain über eine Solo-Funktion, mit der sich das Signal vorhören lässt.
Solera II ist multichannel-tauglich, bis zu acht Signale einer Mehrkanalmischung lassen sich mit dem Plug-in bearbeiten. Sinnvollerweise hat man bei Flux daran gedacht, dass man auch Kanäle einzeln bypassen kann, so dass man zum Beispiel durch in Serie geschaltete Instanzen von Solera II den unterschiedlichen Kanälen einer Mehrkanalmischung auch unterschiedliche Bearbeitungen angedeihen lassen kann. Auch auf M/S-Processing versteht sich das Flux Plug-in, ein Feature, welches aktuell wieder einen wahren Boom erlebt.
Als letztes Glied in der Kette verfügt der Solera II noch über einen Clipper, der vor ungewollten Übersteuerungen schützt und dessen Regelverhalten sich über einen eigenen Knee-Parameter einstellen lässt.
Solera II erlaubt es dem Benutzer, zwischen zwei Presets zu morphen und dass ganze dann auch noch zu automatisieren, woraus sich nicht minder vielfältige wie kreative Anwendungsmöglichkeiten eröffnen. Zunächst mag man sich fragen, für was dieses Feature gut sein soll, aber probiert es mal mit modulierenden Sounds aus, da eröffnen sich sehr kreative Klangwelten, die über das reine zweckmäßige komprimieren von Signalen hinausgehen.
Soundqualität
Die Soundqualität von Solera II ist in jedem Anwendungsbereich beeindruckend gut. Sei es nun als Compressor oder Expander, oder jeweils in der entgegen gesetzten Form. Solera II weiß zu überzeugen und verwöhnt die Ohren mit transparentem, durchsetzungsstarken Sound. Auch hohe Compressionsettings klingen nicht mausetot, sondern atmen schön. Der große Regelbereich des Solera II bietet natürlich auch extremere Varianten der Soundverformung an, welche ebenfalls überzeugen können.
Sounddemos
Fangen wir mit einer Bass Drum an. In den ersten beiden Takten hört ihr die unkomprimierte Version, dann wird der Compressor von Solera II zugeschaltet.
Wo wir bei der Bass Drum waren, machen wir mit der Snare weiter.
Hier nun das komplette Drumkit mit dem Solera II komprimiert.
Im folgenden Beispiel hört Ihr eine Einstellung des Compressors, welche das Drumkit schon über das gute, erträgliche Maß zusammenschiebt.
Jetzt regeln wir mit dem Dry Mix-Regler das Originalsignal zu. An den Einstellungen am Compressor wurde zum vorhergehenden Beipsiel nichts verändert. Am Anfang hört Ihr wieder das Drumkit im Bypass.
Das folgende Beispiel zeigt eine Anwendung für den DeCompressor. Es handelt sich um einen fertigen Mix, der schon etwas mehr als 10 Jahre auf dem Buckel hat. Wir haben damals beim Mastering versucht, an die Lautheit von Paradise Lost’s “Draconian Times” heranzukommen. Heute wäre mir das Mastering etwas zu gepresst. Mit dem Solera II erhält der Mix aber wieder etwas mehr “Luftigkeit”, und trotzdem lässt sich noch Lautheit gewinnen.
Wenden wir uns dem Expander zu. Hier eine Bass Drum-Spur, die noch nicht gegated oder sauber geschnitten ist. Am Anfang hört man recht deutlich die Übersprecher der Snare. Mit dem Expander lässt sich nur die Bass Drum freistellen. Im Soundbeispiel gibt es abwechslend den Expander zunächst im Bypass, dann zugeschaltet.
Der DeExpander arbeitet nun genau entgegen dem Expander, holt er doch Umgebungs- und Raumgeräusche und Übersprecher weiter in den Vordergrund. Auch wenn etwas praxisfremd, nehme ich die Bass Drum aus dem vorherigen Beispiel. Mit dem DeExpander lässt sich die Releasephase der Bass Drum betonen, die Übersprecher von Snare und Hi Hat bleiben uns aber erhalten.
Hier noch Compressor und Expander im Zusammenspiel mit der Bass Drum.
Das gefällt mir nicht
Die Meter in Solera II finde ich sehr unübersichtlich gestaltet, da rein intuitiv nicht unbedingt sofort zu erkennen ist, welcher Graph welchen Parameter anzeigt und wie sich diese zueinander verhalten. Da fände ich es besser, wenn man sich die Anzeigen selbst konfigurieren, bzw. einzelne Komponenten ab- und zu schalten könnte. Zwar sollte man Plug-ins mit den Ohren und nicht mit den Augen einstellen, trotzdem finde ich es sinnvoll, wenn man schnell auch mal was optisch erfassen kann. Etwas unglücklich finde ich auch, dass die Attack- und Release-Parameter jeweils nur über recht kleine Bedienelemente einzustellen sind. Da Attack und Release jedoch zu den wichtigen Parametern gehören, sollte man hier bei einem Update nachbessern.
Das gefällt mir
Die Soundqualität überzeugt ohne Kopmromisse. Hier ist der Solera II ganz weit vorne mit dabei. Wer einen hochwertigen Dynamikprozessor für vielfältige Anwendungen sucht, sollte sich den Solera II genauer anschauen. Das Plug-in überzeugt in allen Anwendungsgebieten, wobei ich mal denke, dass der Compressor das Modul sein wird, welches am meisten zur Anwendung kommen wird. Dieser liefert klare, druckvolle Sounds bei ausgezeichnetem Ansprechverhalten. Aber auch als De-Comopressor, Expander oder De-Expander macht das Plug-in eine gute Figur. Durch die Spezialfeatures wie Hysteresis oder Angel’s Share lassen sich sehr individuelle Sounds gestalten, die immer einen Tick interessanter klingen. Hier spielt Solera II seine ganze Stärke aus und verweist manchen Mitbewerber auf die Plätze. Mit Kreativmöglichkeiten wie dem Morphing und dessen Automation erschafft man mitunter Sounds, die man so nicht unbedingt aus einer „Zweckkiste“ wie einem Compressor erwartet. Da macht es natürlich auch Spass, die ein oder andere Stunde allein mit dem Compressor und der Soundlibrary zu verbrigen um mal auszutesten, wozu der Solera II in der Lage ist.
Heiko Wallauer
Getestet habe ich Solera II unter
- Mac OS X 10.5.8 als Audio Unit unter Logic 9 und Ableton Live 8.
Systemvorraussetzungen Mac OS X
- Tiger oder Leopard
- Audio Unit, RTAS, VST
Systemvorraussetzungen Windows
- XP/XP 64, Vista/Vista64
- VST, RTAS
Preis
- 370 Euro
Hersteller
Vertrieb

