Diese Gitarre ging mir nicht mehr aus dem Kopf – 20 Jahre lang …
Es fing alles damit an, dass mich 1990 mein damaliger Football Coach fragte, ob ich seine SG Restaurieren würde. Gerne nahm ich den Auftrag an und polierte ihm seine kirschrote Rarität auf, stellte Saitenlage und Bundreinheit ein, verkabelte die Tonabnehmer neu, ersetzte einen Poti und schirmte das Elektrofach komplett gegen Netzeinstreuungen ab. Ich hatte ganze Arbeit geleistet, die Gitarre war – bis auf wenige Spielmarken im Lack und leicht eingespielter Bünde – so gut wie neu. Leider hatte die SG einen für mich schwerwiegenden Fehler: mein Coach war Linkshänder! So gerne ich die Gitarre mal so richtig ausgetestet hätte, über ein paar „Plings“ und „Plängs“ kam ich nicht hinaus. Ärgerlich. Sehr ärgerlich.

Doch der Gedanke an die SG ließ mich nicht mehr los. Kein ständiger „Nag Nag“, aber doch immer wieder mal hochkommend. Denn schließlich bin ich ein Les Paul Fan, deren Drei ich mein Eigen nenne. Und dann sind da meine Ibanez Gitarren, die ich seit über 20 Jahren auf der Bühne spiele und deren modernen Sound ich so schätze. Und wenn man schon 15 Gitarren hat, „braucht“ man nicht wirklich noch eine. Trotzdem …
Letztes Jahr fing ich dann an, mal genauer im Web zu schauen, was denn im Moment für eine SG so aufgerufen wird. Bei einem UVP von fast 2.000 US$ waren damals so knappe 1.200 Euro fällig – für meine SG-Favoritin: eine SG Standard Ebony, ohne Tremolo-Gedöns oder anderen Schnickschnack. Ich mag meine Gitarren wie meine Motorräder und meinen Whisky: pur, unverfälscht, just straight Rock’n’Roll.
Manch SG-Fan wird mich jetzt steinigen wollen, warum ich keine Custom in Cherry Red wolle (die Special steht ja nicht wirklich zur Debatte), aber die Antwort ist einfach: 498T in der Bridge-Position, das große Pickguard – das mich irgendwie immer an mein altes John-Wayne-Hemd erinnert – und ein böses Schwarz, das nicht wie eine rote Billigkopie einer Höfner-SG-Kopie aus der Ostzone aussieht …
Sporadische Nachforschungen in einem bekannten Online-Auktionshaus ergaben weiterhin fallende Preise für meine Favoritin. Hinzu kommen mehr und mehr sich verdichtende Gerüchte über finanzielle Schwierigkeiten von Gibson und ein gescheitertes Übernahmeangebot durch Peavey. Als der Preis für die schwarze Schönheit dann unter die 1k-Marke fiel, dachte ich mir „jetzt oder nie“ – also „Jetzt“ …
Gitarrenkauf per Internet; hätte ich auch nie gedacht dass ich so was nur im Entferntesten in Erwägung ziehen würde, aber bei einer Gibson USA Gitarre weiß ich was ich bestelle und hoffentlich auch bekomme. Zahlung per PayPal – was soll schiefgehen?
Tatsächlich trifft mein neues Spielzeug auch bereits nach 3 Tagen wohlbehalten bei mir ein. Ich bin aufgeregt wie eine Jungfrau und freue mich wie ein kleines Kind zu Weihnachten. Gut verpackt wühle ich mich zunächst durch die Kartons bis ich dann endlich den schön im Schlangenleder-Design texturierten Koffer vor mir habe. Ich traue mich kaum ihn zu öffnen.

Dann, nach viermaligem „Schnapp“ der vernickelten Kofferschlösser liegt sie in ihrem weißen Flokati-Polster vor mir: Gibson SG Standard Ebony. Wow!

Behutsam nehme ich sie raus, befreie sie erstmal von dem weißen Staub, der aus der Kofferpolsterung abgeht. Hm. Naja, ist halt fabrikneu, was soll’s. Gereinigt von der Verunzierung betrachte ich die Gitarre von allen Seiten und lasse den makellosen Lack im Licht glänzen …
… Moment mal, makellos? Was ist das denn? Im Gegenlicht erkennt man haufenweise Holzmarken im Lack. Na gut, sieht man wenigsten dass sie keinen Füller als Grundierung benutzt haben, aber ein paar Schichten mehr Lack und immer schön angeschliffen, dann wären da keine Riefen mehr im Holz zu sehen gewesen. Das hab‘ ich bei meinen Eigenbau-Gitarren aber selber besser gemacht. Meine Euphorie zeigt sich leicht eingebremst …
Aber jetzt mal Butter bei die Fische, die SG in ihren natürlichen Lebensraum gebracht – und sie in der Konstellation gespielt, die nur im Himmel oder in der Hölle geschmiedet werden konnte: mit einem Marshall Fullstack, hier dem 2555er Jubilee 100W Top mit passender gerader 4x12er Box (die mit den Greenbackern) und einer 1960er Lead als schräges Pendant. Gitarre angesteckt und per in Effektschleife befindlichen Korg GT1 in Stimmung gebracht – Perfekt!
Gleich mal ein paar von den alten Krachern raushauen: Led Zeppelin’s Rock’n’Roll, Woman from Tokyo und Highway Star von Deep Purple, Hells Bells von … Moment mal, hab’ ich da vorhin nicht ordentlich gestimmt? Kurzer Check: tatsächlich, die G- und die B-Saite hängen zwischen den Tunes. Sowas. Ist mir seit Jahrzehnten nicht mehr passiert. Also noch mal durchstimmen – na also. Und weiter geht’s. Radar Love von Golden Earring, clean mit beiden Hummies gespielt – geiler Sound. Aber schon wieder: bin ich zu blöd zum Spielen oder zum Stimmen? Immer wieder geraten die G- und B-Saite out of Tune. Was ist da los?
Mit jetzt deutlich eingebremstem Enthusiasmus gehe ich in’s Gibson Board, dem Forum für Gibson Gitarren. Und siehe da: ich bin nicht der einzige, der mangelnde Stimmfestigkeit an seiner neuen SG moniert. Und das von einem Hersteller, der für sich in Anspruch nimmt „Only a Gibson is good enough“ …
Was ist los bei Gibson? Immer häufiger liest man die Forderungen von Kunden und Fans, die mangelnde Qualität der Instrumente wieder auf den Stand zu bringen, den man von Gibson gewohnt ist und den man aufgrund des durchaus als „selbstbewusst kalkuliert“ zu nennenden Preisniveaus auch erwarten kann.
Natürlich gibt es Möglichkeiten zur Abhilfe, die Einfachste ist die sogenannte „Nut Sauce“ von Big Bend, die in die Sattelkerben gegeben wird und das Festhaken der Saiten verhindert oder zumindest mindert. Oder aber gleich einen neuen Sattel von Tremnut einsetzen, der aus Teflon besteht und die Reibung auf ein Minimum reduziert. Aber mal ehrlich: wer will sich schon eine Legende von einem renommierten Hersteller für einen (knapp) vierstelligen Betrag kaufen und dann gleich als Erstes dran rumbasteln?
Mein erstes Aufeinandertreffen mit meinem lang gehegten Wunsch war also durchaus dazu angetan zwiespältig zu erscheinen, wenn – ja WENN da nicht dieser Sound wäre, diese Bespielbarkeit, diese Ausstrahlung dieser Gitarre!
Als offizielle Nachfolgerin der berühmten Les Paul hatte Gibson viele Wünsche der Gitarristen in aller Welt berücksichtigt und so die SG leichter gemacht, mit 2 Cutaways versehen, den Korpus abgeflacht und etwas kleiner gestaltet, sowie die vordere Gurtaufhängung wie bei der ES335 auf die Rückseite in die Hals-Mittelachse verlegt. Dies verleiht der SG ein Handling, das man nur als kinderleicht bezeichnen kann.
Hinzu kommt eine famose Bespielbarkeit, die nicht zuletzt von den in der Standard nach wie vor verwendeten runden ´50er Hälsen herrührt, die einen Radius von 12 Inch (30,72 cm) aufweisen. Dass heute etwas dickere Bünde zum Einsatz kommen ist sicherlich nicht Jedermanns Sache, aber da es sich zumindest nicht um Jumbo-Frets handelt, kann man auch als filigraner Gitarrist sehr gut damit leben. Im Grunde sind die verwendeten „medium/jumbo“ Bünde ein ausgezeichneter Kompromiss zwischen Hard’n‘Heavy und Saitenzauberei. Per Hand eingesetzt sind die aus einer Nickel/Silber-Legierung (80/20) bestehenden Bünde für ein langes Gitarrenleben bestens gerüstet und versprechen eine hohe Lebensdauer und geringen Verschleiß.
Insgesamt kann die Verarbeitung der Gitarre – sobald man den ersten Schock hinsichtlich des Finishs überwunden hat – objektiv gesehen als wirklich einwandfrei bezeichnet werden. Keine Grate oder unsaubere Abkantungen der Bünde, das Binding präzise eingesetzt, die Griffbrett-Inlays sauber und ohne wahrnehmbare Erhöhungen oder Einbuchtungen eingelegt, dazu noch die legendäre Krone im Headstock perfekt integriert – eine echte Augenweide und ein wirkliches Erlebnis, diese Gitarre im Arm zu halten und zu spielen.

Auch hinsichtlich der Elektrik gibt es nichts zu beanstanden. Schalter und Potis arbeiten wie nicht anders zu erwarten sauber und ohne zu kratzen, unempfindlich gegen elektrische Einstreuungen sind die beiden „Hummies“ ohnehin. Wenn da nur nicht diese nach wie vor unglückliche Anordnung der Klinkenbuchse wäre! Wer zum Geier kommt auf die Idee, das Teil senkrecht aus der Vorderseite ragen zu lassen? Tradition ist etwas Schönes, aber stures Festhalten an überkommenen oder gar als unbrauchbar erwiesenen Gepflogenheiten zeugt nicht eben von Innovation. Andererseits kann man Gibson wohl kaum ernsthaft einen Vorwurf daraus machen, denn ich höre beinahe die Legionen entrüsteter Puristen und Traditionalisten die da im Chor schallen, dass es dann „keine echte SG mehr“ wäre … schade. Wieder eine verpasste Gelegenheit etwas Tolles noch perfekter zu machen.
An der Mechanik gibt es wie bei Gibson üblich nichts auszusetzen. Die Stimmmechanik arbeitet sauber, präzise und weich – wenngleich nicht ganz so sämig wie man es z. B. von Gotoh her kennt, wo schon alleine das Drehen am Quirl Spaß macht. Leider ist da dieser billig anmutende Sattel, der entweder aufgrund falschen Materials, unsauberer Bearbeitung oder einer Kombination von beidem eine dauerhafte Stimmtreue verhindert. Und hier trifft mich nun der Nachteil des Internet-Kaufs mit voller Wucht: Soll ich mein gutes Stück wirklich wegen diesem Ärgernis auf die postalische Reise nach Köln schicken, wo ich sie erstanden hatte? Wohl kaum. Selbst ist der Guitarero! Schlimm genug, dass ich meine SG schon einmal der unsachgemäßen Handhabung des paketdienstleistenden Transportwesens anheimstellen musste. Nochmal kommt mir das nicht in die Tüte.
Aber andererseits soll die SG möglichst original bleiben. Also erstmal einen Tropfen Nut Sauce investiert – schon viel besser! Die Option Tremnut kann ich mir ja immer noch offen halten.
Jetzt aber das volle Sounderlebnis genießen! Und soviel schon mal vorweg: hier gibt es NICHTS, aber auch GARNICHTS zu kritteln. SG ist nun einmal SG!
In der Halsposition ist der auch aus der Paula bekannte 490R eingesetzt, der den bekannten, weichen und etwas mulmigen Bluessound produziert, so fett, dass man förmlich daran erstickt. Und wenn man dann noch den Overdrive aktiviert, fühlt man sich wie Johnny Guitar Watson persönlich. Der heisere Bariton, den dieser Pickup produziert, hat was Sinnliches.
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Anmerkung: alle Soundbeispiele sind Rohdaten, d.h. sie wurden nicht nachbearbeitet. Nahfeld-Mikro und Raummikro sind im Verhältnis 1:1 abgemischt
Ihm zur Seite steht der von mir so sehr geschätzte und damit favorisierte 498T. Alleine dieser Pickup ist der Grund für meine Wahl der Standard; aggressiv, schneidend, einen förmlich wie eine Raubkatze anspringend, so nur kann ich diesen knallharten Humbucker-Sound beschreiben. Clean gespielt ist er bei maximaler Tone-Einstellung schon beinahe zu scharf, aber mit dem Marshall-typischen Overdrive versehen kann man damit vermutlich Holz, Keramik und Beton schneiden!
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Dazu kommt der unglaubliche Druck, den diese Gitarre hervorzubringen in der Lage ist. Man muss den Amp wahrlich nicht auf Maximum aufdrehen oder mit dem Gesicht zur Box stehen. Einfach die Tatsache, dass die SG und der Amp im selben Raum sind reicht aus, um einen stehenden Ton oder Akkord sich zu wundervollen Obertönen aufschwingen zu lassen – der Traum eines jeden Gitarristen.
Am meisten überraschte mich alten Rocker der Sound, wenn die beiden Pickups clean gleichzeitig aktiviert werden. Eine betörende Mischung des vollen, weichen Baritons des 490R, gepaart mit den klaren Tönen des 498T, die wie schwingendes Glas aus dem Frequenzgemisch herausragen und dem Klang eine Tiefe verleihen, die man am ehesten in einer Kirche erwarten würde.
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Der einzige Aspekt, den man im Auge behalten muss ist eben der unglaubliche Druck, den die SG zu produzieren in der Lage ist. Dieser kann bei verzerrten Akkorden, über die man einen Riff intoniert, fast schon zu einem Soundbrei entgleisen. Hier ist präzise Spielweise angesagt, Anfänger oder Gelegenheitsspieler werden entweder verzückt oder frustriert sein: frustriert weil man nicht hört, ob sie die richtigen Töne kombinieren, oder verzückt weil man garantiert keinen Fehler mehr hört …
Folgendes Sample wurde mit 2 Gitarren aufgenommen, der bereits oben gespielten Overdrive-Version mit dem Hals-Pickup, unterlegt mit Begleitakkorden auf einer zweiten Spur. Hier tritt die ganze Macht dieser Gitarre zu Tage:
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Meine Frau fragte mich, ob ich finde dass die SG ihren Preis wert sei, und trotz der beiden Einschränkungen kann es für mich darauf nur EINE Antwort geben: Jepp!
Abschließend
Die Gibson SG Standard ist eine Gitarre, die jedem Rocker das Herz höher schlagen lässt. Herausragende Bespielbarkeit, Druck in jeder Lebenslage und ein – anders als bei der Paula – recht breites Soundspektrum machen sie in meinen Augen nach wie vor zur ersten Wahl für den klassischen Rockgitarristen. Und schließlich: SG ist nun einmal SG!
Das gefällt mir nicht
- Mangelnde Lack- und Finishqualität
- Billig wirkender Sattel
- Fehlende Stimmtreue
Das gefällt mir
- Form und Shaping
- Sound
- Bespielbarkeit
- Ausstrahlung
Hersteller
Preis
- Ab 949 Euro

die erwähnten Mankos sind bei der Standard heutzutage der Standard.
Hab’ grad’ ‘ne China – Kopie erhalten:Nach PickUp-
wechsel eher besser als meine zwei Jahre alte Gibson. Das sagt in jedem Fall eins: 1000€ bei heutiger Weltmarktkonkurenz ist dreist. Das fand ich auch schon vor zwei Jahren, aber die “Gitarren- Nerd”- Eitelkeit trieb mich zum unbedingten Originalbesitz – wie immer….
…das kenn ich doch noch….aus den 80ern….siehe Ibanez, Tokai, Greco und Co….die mussten sich hinter dem den großen F und G auch nicht verstecken.
Die Marke Gibson hat Legendenstatus. Man hat wirklich das Gefühl, als ruhe man sich darauf recht häufig etwas zu sehr aus. Vergleichbares von Epiphone oder Vintage, über gute Peripherie gespielt, tut es mehr als auch!
Ich freunde mich gerade mit einer Les Paul an, allerdings von Epiphone. Ich brauche den Les Paul-Sound eher als Ergänzung, wie vermutlich hier bekannt ist, liegen meine Präferenzen eher bei der Strat und Tele. Aber auch David Gilmour greift ja ab und an mal zur Les Paul
Insofern macht es für mich keinen Sinn, 3 oder 4-tausend Euro für ein Instrument zu bezahlen, dass nicht so oft zum Einsatz kommt.
Die Epiphone, die ich mir ausgekuckt habe, stammt aus dem Jahr 1998 aus der koreanischen Fertigung und ist wirklich ein gut spielbares und gut klingendes t und vor allem gut verarbeitetes Instrument, dass mit einigen kleinen Mods (PUs, Bridge) richtig zu leben anfängt….ABER mit der Les Paul Custom aus dem Gibson Customshop meines Kumpels Andi kann die leider nicht mit, da fehlt das (auch wenn ich jetzt Jörns Reizwort des Jahres in den Mund nehme, aber hey, wir sind hier immer noch auf einer Appleseite) MAGISCHE.
Der Vergleich ist bestimmt nicht ganz gerecht schließlich kostet das Custom Shop Instrument locker 3500 Euro, aber diemerkt man am Ende doch.
IMO hat Gibson gleich eine ganze Reihe von Problemen, die aber im Grunde alle auf eine Ursache hinauslaufen: die Faszination die von ihren Instrumenten ausgeht und ausging …
Ich besitze im Moment 4 Gibson Gitarren: eine Les Paul Standard Limited, eine Flying V II, eine Les Paul S1 (sehr seltenes Teil aus den 70ern) und besagte SG. Ich kann sagen ich bin ein Fan der Marke, aber keiner mit ‘ner rosaroten Brille. Und genau DA fängt das Problem an: es gibt zu viele Fans, die die Marke regelrecht glorifizieren.
Ich bin u.a. auch im Gibson Owner Forum unterwegs, wo man – angeblich – mit dem CEO Henry Juszkiewicz kommunizieren kann. Dort werden viele kritische Stimmen von Gibson Besitzern laut. Doch leider gibt es noch viel mehr “blinde” Gibson Fans, die keine Kritik an der Marke, ihren Produkten oder deren Geschäftsgebaren zulassen. Das ist mehr als Kontraproduktiv für die Marke, aber leider Tatsache. Manchmal glaube ich, wenn Gibson einen Hals mit Schaumgummi-Auflage rausbringt, werden diese “Hardcorefans” das auch noch gutheissen …
Zudem ruht sich Gibson – wie Uli schon richtig schrieb – zu sehr auf ihren bisherigen Erfolgen aus. Neue Produkte und Innovationen sind Fehlanzeige. Und anstelle von Verbesserungen der erfolgreichen Instrumente bleibt die Qualität bei den erschwinglichen Serien mehr und mehr auf der Strecke.
Andererseits kann man sich – entsprechenden Geschmack bzw. klangliche Vorlieben vorausgesetzt – dem Sound dieser Instrumente kaum entziehen. Ich selbst besitze eine LP Custom Kopie von Ibanez aus dem Jahr 1978 – eine echte 1:1 Kopie, die dann ja auch verboten wurde. Der Sound ist genial und die Bespielbarkeit wie bei der Gibson Paula. Aber es fehlt das gewisse Etwas der echten Custom.
Ich stimme Heiko absolut zu wenn er sagt, dass so ein Instrument für den gelegentlichen Gebrauch völlig überteuert ist. Aber wenn man GENAU diesen Sound haben will, wird man um das Original – leider – nicht herumkommen.
Und genau da sind wir wieder beim ursprünglichen Problem: Gibson kann es sich – im Moment noch – leisten, auch ihren eigenen Qualitätsanspruch zu unterlaufen und dennoch im Markt zu bleiben; einfach, weil nur eine Gibson wie eine Gibson klingt.
Ich glaube, das MAGISCHE an diesen Instrumenten, wie besagter Custom Shop Les Paul, ist:
Schließe ich diese Gitarre an einen hochwertigen Verstärker an, z.B. Vox AC30 oder Marshall JTM45, dann hab ich SOFORT den Sound, den ich von tausenden von Aufnahmen kenne. Dann noch ein Mikrofon vor die Lautsprecher, da tut’s auch das olle SM57, und schon hab ich einen erstklassigen Recordingsound, ohne zusätzliche Effekte, und ohne dass ich einen EQ oder sonstwas bemühen müsste.
Was mir im Moment an Gibson nicht so gefällt: das Angebot wird zu unübersichtlich. Das Portfolio reicht ja mittlerweile von der 375-Euro Melody Maker bis zur 10.000 Euro Les Paul.
Wenn ich mir heute eine neue Les Paul kaufen möchte, wo fange ich da an?
Da gibt’s die Standard, Studio, die VOS, Standard Traditional Pro, Studio 50s Tribute, Tribute, Stusio Deluxe, Custom, diverse Signature- und Artist-Modelle…..als ich anfing, mich für Gitaren zu interessieren, gabs eine Les Paul Standard und eine Les Paul Custom, mehr nicht. Und das hatte der Qualtiät nicht undebingt einen Abbruch getan