Der Hersteller Korg lässt den bereits 1999 veröffentlichten Drumcomputer Electribe R wieder aufleben und veröffentlichte im Juni 2010 eine App für das iPad, die dem Gerät nachempfunden ist.
Zusätzlich zu den bekannten Funktionen der Electribe R fügte das Unternehmen für die virtuelle “iElectribe” mit einer Röhrensimulation und der erweiterten Effekt-Sektion zwei populäre Funktionen der neueren Geräte Electribe EMX-1 und ESX-1 hinzu.
Installation & Autorisation
Die Korg iElectribe ist mit lediglich 5,6 Megabyte erforderlichem Speicher sehr klein gehalten und erfordert daher keinen nennenswerten Zeitaufwand zur Installation.
Nach einem Fingertipp auf “Kaufen” im AppStore und einer kurzen Bestätigung wird das Programm wie gewohnt automatisch heruntergeladen und anschließend installiert. Eine zusätzliche Autorisation findet nicht statt.
Interface
Nach einem kurzen Startbildschirm zeigt sich die iElectribe im roten Gewand. Beschriftungen und die Hauptsteuerung der App sind in hellem Grau bis Weiß vom Hintergrund abgesetzt. Über ein verstecktes Menü kann der Anwender ein beliebiges Foto als Hintergrund verwenden und Farbe sowie Deckkraft der Schriften verändern.
Vom Aufbau unterscheidet sich die iElectribe im Vergleich zum Original-Gerät nur wenig: Auf der linken oberen Seite befindet sich die Hauptsteuerung mit dem Display, einem Drehrad zur Programmwahl und der Lautstärkeregelung. Statt dem LED-Display setzt Korg in der App virtuell das zweizeilige LCD-Display der ESX-1 ein. Auch die Effekt-Sektion und die beiden animierten Röhren in der Mitte der Bedienoberfläche stammen aus den aktuelleren Geräten.
Auf der linken Seite befindet sich wie gewohnt der eigentliche Synthesizer mit einem Oscillator, Modulation und einem einfachen Filter.
Die Bewegungen der einzelnen Drehregler können live aufgezeichnet und abgespielt werden, um darüber Motion-Effekte zu erzeugen.
Das untere Drittel der Bedienoberfläche nehmen der Step-Sequenzer und die Pads der einzelnen Instrumente ein. Wie auf der Electribe R kann der Nutzer auch hier maximal vier Takte in einer Sechzehntel-Unterteilung befüllen. An der direkten Eingabe der Pattern-Länge, -Einheit und -Funktionen spart Korg jedoch. Hierfür muss der Anwender zuerst in das Menü gehen, was eine schnellere Änderung der Funktionen erschwert.
Funktionsweise
Im Browser, der sich im Menü befindet und auch durch einen Fingertipp auf das Display des virtuellen Geräts erreichbar ist, befinden sich fünf Banken mit jeweils 32 Patterns. Die ersten beiden Banken sind mit verschiedenen Voreinstellungen belegt. Vorprogrammierte Klänge und Patterns liegen in den Stilrichtungen House, Techno, Minimal, Electronica, Hip Hop, Dubstep, Breakbeat, D&B, Hardcore und Chiptune vor.

Die dritte Bank enthält Vorlagen, damit der Anwender nicht jeden Klang selbst erstellen und mit einem Drumpattern belegen muss. Die Banken D und E sind frei für eigene Patterns. Auch alle anderen Banken kann der Nutzer überschreiben. Über die Einstellungen ist es jederzeit möglich, die Voreinstellungen vom Hersteller zurückzuholen.
Nach der Auswahl einer Voreinstellung, eines Templates oder eines leeren Patterns stehen die einzelnen Instrumente in acht verschiedenen Pads bereit. Die ersten vier Pads sind als “Synth 1″ bis “Synth 4″ bezeichnet und werden über das von Korg bewährte Analog Synthesizer Modeling erzeugt. Diese können in der Synthesizer-Sektion nachbearbeitet werden. Vier weitere Pads sind als offene und geschlossene Hi-Hat, Becken und Clap-Sound vorbelegt. Die Sounds liegen als PCM Samples vor. Der Anwender kann in der Synthesizer-Sektion zwischen vier Samples pro Pad wählen und den Klang des Samples modulieren oder filtern.
In der Synthesizer-Sektion wählt der Nutzer eine Wellenform oder ein Sample aus und variiert es in der Tonhöhe. Diese Quelle kann anschließend durch eine ausgewählte Wellenform, Rauschen, einer Hüllkurve oder über die Funktion Sample & Hold moduliert werden. Stärke und Geschwindigkeit der Modulation sind einstellbar.

Im Bereich “Amp” kann der Anwender zusätzlich einen Hüllkurven-Filter einsetzen, der jedoch in diesem Fall lediglich aus einem Decay-Regler besteht. Die Veränderung der Lautstärke des einzelnen Instruments und die Lage im Stereo-Feld sind ebenfalls möglich. Abschließend lässt sich dem Klang durch Anheben der Bässe mehr Druck verleihen.
Die Programmierung des Patterns gestaltet sich relativ einfach. Zuerst sollte der Nutzer in den Pattern-Einstellungen Tempo, Swing-Stärke, Taktanzahl und Unterteilung einstellen. über den Knopf “Settings” gelangt er dazu in das entsprechende Menü. Wahlweise kann das Tempo auch über die Tap-Taste eingegeben werden.
Die einzelnen Instrumente können entweder aufgenommen oder direkt im Step-Sequenzer eingegeben werden. Gerade durch das Multitouch-Display des iPads ist die Aufnahme unter Umständen sinnvoller. Für den Anwender bedeutet das jedoch viel Übung, da bereits kleine Ungenauigkeiten falsch quantisiert werden. Ein Metronom ist nicht eingebaut.
Die Eingabe im Step-Sequenzer erfolgt wie auf allen Electribe-Geräten pro Takt, die der Nutzer manuell umschalten muss. Auch Akzente können für jedes Instrument einzeln gesetzt werden. Es ist ebenfalls möglich, Akzente für einen oder mehrere Pads abzuschalten.
In der Effekt-Sektion in der Mitte des iElectribe R wählt der Anwender einen systemweiten Effekt aus, der dann über “FX Send” für einzelne Instrumente hinzugeschaltet werden kann. Die Zuweisung von mehreren Effekten ist dadurch nicht möglich. Der Nutzer kann zwischen acht Effekten wie etwa ein mit der Geschwindigkeit abgeglichenes Delay, einer Chorus-Flanger-Kombination oder einem Grainshifter wählen.

Die Anpassung des ausgewählten Effekts erfolgt über zwei Drehregler, dessen Funktionen aber aus der Beschriftung nicht hervorgehen. Daher muss man sich durch Ausprobieren an die sichere Handhabung der Effekt-Regler herantasten. Die Bewegungen der beiden Effekt-Regler sowie alle Regler, die zur Synthesizer-Sektion gehören, können während der Aufnahme aufgezeichnet werden. Dadurch ist es möglich, Klänge zu erzeugen, die sich während des Patterns stark verändern können.
Im Live-Betrieb kann der Anwender über die Mute- und Solo-Taste einzelne Pads im Verlauf des Songs hinzu- oder abschalten. Auch das taktgenaue Laden eines neuen Patterns ist möglich. Patterns, die in Bank A oder B abgespeichert sind, können auch direkt ohne Umgebe über das Menü geladen werden. Über das Drehrad lässt sich jedem der 64 Direktzugriffe ein gespeichertes Pattern frei zuordnen.
Um das Live-Set auch nach dem Auftritt noch einmal hören oder nachbearbeiten zu können, bietet die iElectibe eine Echtzeit-Aufnahmefunktion. Zur Weiterverwendung in DAW-Systemen kann der Anwender auch einzelne Patterns abspeichern. Diese stehen bei der nächsten Synchronisation mit iTunes in der File-Sharing-Option als WAV-Dateien bereit.
Soundqualität / Demos
Über einen guten Kopfhörer klingt die Korg iElectribe unter Hinzugabe der eingebauten Valve Force Röhrensimulation sehr gut und warm. Die Soundausgabe ist jedoch durch das iPad auf einen Frequenzgang von 20 Hertz bis 20 Kilohertz beschränkt, so dass psychoaktustische Signale kaum übertragen werden.
Die Röhrensimulation neigt sehr stark zu Übersteuerungen der Pegelspitzen, deshalb sollte der Nutzer den entsprechenden Regler sehr vorsichtig einsetzen. Das Soundbeispiel zeigt, dass die Verzerrungen ab etwa 60 Prozent auftreten.
Auch im Live-Betrieb macht die iElectribe einen guten Eindruck. Schon allein durch die Mute-Taste lässt sich hier eine schöne Songstruktur herausarbeiten. Die Klänge lassen sich während des Songs gut bearbeiten. Störend fällt jedoch auf, dass bei der Anwahl eines Pads auch in einer Live-Situation der entsprechende Sound erklingt.
Das gefällt mir nicht
Da die iElectribe dem Drumcomputer Electribe R nachempfunden ist, bleibt die App auf dem Stand einer Beatbox der 90er Jahre zurück. Jedoch bessert Korg mit der Röhrensimulation und der Effekt-Sektion des ESX-1 nach und gleicht den Sound so geringfügig an aktuelle Drumcomputer an.
Die Verwendung eigener Samples oder die Veränderung des Sounds durch einen Arpeggiator ist jedoch nicht möglich.
Einige Bedienelemente sind etwas schwerer zugänglich, als es auf dem Hardware-Gerät der Fall ist. Auch die MIDI-Schnittstelle zur Synchronisation mit anderen Geräten oder dem Computer fehl bisher ganz. Hier könnte Korg jedoch mit einem Update unter Verwendung der CoreMidi-Schnittstelle ab iOS 4.2 nachbessern.
Durch die Beschränkungen des iPad ist es außerdem unerlässlich, dass Anwender, die die App in Live-Situationen an eine PA anschließen möchten, einen zusätzlichen Vorverstärker einsetzen. Da Apple den Audioausgang des iPad auf Kopfhörer auslegt, ist das Signal im Line-Betrieb recht schwach und führt schnell zu unnötigem Rauschen.
Das gefällt mir
Die Korg iElectibe R zählt zu den beeindruckendsten Drumcomputern für das iPad und zeigt, dass sich der Tablet-PC sehr gut für professionelle Musik-Anwendungen eignet. Das Multitouch-Display des iPads macht eine gute Bedienung möglich, die der üblichen Hardware in nur wenigen Punkten nachsteht.
Die verhältnismäßig warmen Sounds decken auch für heutige Ansprüche gut viele Stilistiken elektronischer Musik ab. Die einzelnen Klänge können sehr individuell gestaltet werden. Eine besondere Funktion ist die Automation vieler Regler, die selbst in die tristesten Sounds Farbe bringt.
Mirko Schubert
Systemvoraussetzungen
- Apple iPad
- Betriebssystem iOS 3.2 oder höher
Preis
- 15,99 Euro
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