Test: Native Instruments Abbey Road 70s Drums

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Gleiches Konzept, nächste Dekade: nach den Abbey Road 60s Drums schieben Native Instruments nun konsequenterweise die 70s Drums nach. Die 60er-Auflage überzeugte mit authentischem Retro-Sound und Feelling. Schauen wir doch mal, wie es um die 70er bestellt ist.

Wie bei den 60s Drums so haben Native Instruments und Abbey Road auch bei diesem Soundpack auf korrekte Kombinationen von Drum Kit, Mikrofonen, Mischpult und  Bandmaschine Wert gelegt, um ein möglichst authentisches Sounderlebnis zu gewährleisten.

Zur korrekten Funktion des Soundpacks bedarf es auf jeden Fall der Version 4 des Kontakt Players oder des Kontakt Samplers.

Mächtig  ist auch dieses Mal der Download, 6,2 GB Datenmaterial bringen die Leitung zum Glühen. Zum Glück hält die Verbindung zum NI Download-Server, denn es dauert über drei Stunden, bis das Soundpack auf meinem Rechner ist. Zu erwähnen bleibt noch, dass sich das Mac OS X-Image nicht auf FAT32-formatierte Festplatten speichern lässt.

Installation

Entsprechend nimmt auch dieses Mal, wie schon bei den 60s Drums, die Installation mehr Zeit in Anspruch, als man dies sonst bei Kontakt-Soundpacks gewohnt ist. Aber natürlich läuft alles zuverlässig und in perfekter Manier.

Autorisation

Auch hier läuft wieder alles wie gewohnt über das NI Service Center. Aus einer Gewohnheit heraus starte ich den Kontakt Player nach einer frischen Installation immer erst mal im Standalone-Modus und verbinde mich dann über den Activate-Button des frischen Soundpacks zum NI  Service Center. Macht auch immer mal Sinn, hier gleich nach Updates für andere NI Produkte zu schauen.

Interface

Zum Glück möchte man sagen benutzt Native Instruments  bei den 70s Drums genau die gleiche Oberfläche wie bei den 60s Drums. Hat man sich also mal in ein Plug-in eingearbeitet, kommt man auch mit dem nächsten klar.

In drei Teile gliedert sich wieder die Benutzeroberfläche, über die GUI findet man sich in Drum Page, Mixer Page und  Options schnell zurecht

Auf der Drum Page nimmt man Einfluss auf die klangliche Gestaltung der einzelnen Trommeln. Das Überblenden der Mikrofone ist wieder genauso möglich wie das Schrauben am Tuning der Trommeln oder das Zuregeln des  Anteils von Overhead- und Raum-Mikrofonen im Gesamtsound.

Die Mixer Page sieht wieder schwer nach den alten EMI-Pulten aus.

Hier hat man die Möglichkeit Pegel und  Panning zu regeln, Mute und Solo-Buttons gibt es ebenfalls pro Kanal.

Options regelt die Varianzen die den Samples zugegeben werden, eine Art Humanizer-Funktion. Ein “echter” Drummer hat die Eigenart, auch wenn er noch so genau spielt, nie das Fell zweimal gleich zu treffen. Was sich zunächst nach spielerischer Schwäche anhört, bringt aber, in der richtigen Dosis, erst den richtigen Groove. Möchte man also ansatzweise menschliches Spiel aus dem Plug-in herausholen, braucht man hier eine Menge an zusätzlichen Samples für Artikulationen, um den Sound aufzupeppen. Den typisch für den 70er Drumsound ist für mich immer noch der “atmende” Groove, denn wir sind mit den 70s immer noch Jahrzehnte von Pro Tools, Beat Detective und Quantisierung entfernt.

Snare Bleed regelt, wie viele gewollte Übersprecher man mit dem Snare Bottom Mikrofon virtuell aufnimmt. Hat man die Möglichkeit, nimmt man im Studio die Snare mit zwei oder mehr Mikrofonen auf, wobei eines auf das Schlagfell gerichtet ist, während das andere am Resonanzfell und Snareteppich ausgerichtet wird. Beim Mix hat man so den Vorteil, den Sound besser anpassen zu können. Man nimmt aber, vor allem am Snare Bottom-Mikro  auch immer Übersprecher mit auf. Das kann die Bass Drum sein, aber mitunter auch quietschende Ketten von der Fußmaschine. Für natürliches Schlagzeug sind diese Übersprecher aber auch charakteristisch, und in der Praxis wird man das Mikrofon wohl solange hin- und herschieben, bis man die richtige Mischung gefunden  hat. Hier hat man den Bleed Regler, was eine sehr gute Alternative darstellt ;-)

Die Velocity Page liefert bei den 70s Drums die gleichen Möglichkeiten wie schon beim ersten Soundpack aus der Serie, hier wird festgelegt, wie empfindlich das Plug-in auf eingehende Velocitywerte reagiert.

Sound

Grundlage waren dieses mal zwei Drum Kits aus den 70ern, welche die Samples für das Soundpack liefern, und die sich im Plug-in Browser Open und Tight nennen. Zunächst haben wir ein Ludwig Vistalite Kit aus der Mitte der 70er. In den 70ern war man für alternative Werkstoffe offen, manche erinnern sich vielleicht an das Stahlset von Carl Palmer, welches mal lockere 2,5 Tonnen auf die Waage brachte. Beim Vistalite wurden die Kessel hingegen aus Acryl-Kunststoff gefertigt, John Bonham dürfte vielleicht der bekannteste Vistalite-Drummer gewesen sein.

Vistalites liefern einen sehr trockenen Sound, mit betontem Attack. Auf der anderen Seite wird der Sound mitunter aber auch als künstlich und plastikmäßig empfunden, da er die Komplexität des Werkstoffes Holz nicht ganz erreicht. Auf der anderen Seite sind Vistalites aber sehr unempfindlich gegenüber äußeren Einflüssen wie Temperaturschwankungen und halten sehr gut die Stimmung. Das bei Native Instruments abgebildete Set hat die Monster-26″-Bass Drum, 16″ und 14″ Hängetoms und ein 18″ Floortom. Neben der herkömmlichen Aufnahmetechnik wurde das Set mit der Glyn Johns-Methode aufgenommen, bei der ein Overhead über im Center über der Snare Drum positioniert wird, während das andere über dem Floortom sitzt und Richtung Hi Hat zeigt. Mit dem Snare Top- und dem Kick Out-Mikro bekommt man so die Aufstellung, die Mitte der 70er in den Abbey Road Studios recht populär war.

Beim zweiten Kit handelt es sich um ein Premier Set aus den 70ern, wohl der britischste aller Schlagzeughersteller.

Die Kesslegrößen hier sind 22″ für die Kickdrum, 13″ und 14″ für die Racktoms und 16″ für das Floortom.

An Snare Drums hat man die Wahl zwischen einer 14″ Ludwig Supra-Phonic, einer Premier 2000 14″ und einer 14″ Ludwig Black Beauty. Komplettiert wird die Library mit einer Auswahl an Vintage-Becken von Paiste und Zildjian. Natürlich wurde auch dieses Mal wieder mit authentischen Pulten und Bandmaschinen aufgezeichnet, um den passenden Vibe in die Samples zu kriegen.

Als Pult fand bei den 70s Drums ein EMI TG MKIII Verwendung, eine Konsole mit 24 Inputs und 16 Outputs. Als Bandmaschine verwendete man eine analoge 2″-Maschine, ich mutmaße mal eine Studer, gepaart mit einer Dolby A-Rauschunterdrückung und Ampex 456 Tape als Aufnahmemedium. Gewandelt wurde, wie auch schon bei den 60s Drums, über Prism ADA-8 Wandler.

Bei den Mikrofonen hat man bei Abbey Road wieder die Schatzkammer geöffnet und solche Nettigkeiten wie Neumann U67, AKG D20/D30, Neumann U47 FET oder KM 84 herausgeholt. Aber was findet sich an Snare Top des Ludwigkits? Das Shure SM 57, neben seiner Funktion als Mikrofon zur Abnahme von E-Gitarren der Dauerbrenner an der Snare seit 1967.

Soundbeispiele

Hier zunächst das Open Kit/Ludwig Vistalite mit der beschrieben Glyn Johns Mikrofonie, die mit vier Mikrofonen auskommt.

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Das gleich Kit, aber mit Mikrofonierung an den einzelnen Kesseln

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Hier das Premier Schlagzeug, welches sich hinter dem Tight-Kit verbirgt

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Hier ein funkiger Beat aus dem Open-Kit, im zweiten Teil ergänzt um die Cowbell-Percussion.

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Hören wir noch mal in das Tight-Kit rein, hier im zweiten Teil mit Rototoms als Percussion-Element.

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Das gefällt mir nicht

Das gefällt mir

Wie auch schon die 60s Drums können mich die Abbey Road 70s Drums von Native Instruments überzeugen. Die Sounds sind authentisch und gut getroffen und atmen den Geist der Zeit, in denen wegweisende Aufnahmen auf den Weg gebracht wurden. Mit der Vielzahl der Möglichkeiten und Artikulationen, die in dem Plug-in zusammengefasst sind, lässt sich eine große Bandbreite von Stilistiken bedienen – angefangen von Classic Rock, 70er Psychedelic oder Oldschool Funk. In den genannten Stilistiken machen sowohl die Vistalite- wie auch die Premier-Samples eine gute Figur, wobei ich die Premier-Samples eher im Rockkontext sehe, durch die attackreicheren Sounds finde ich die Vistalitesounds für Funk geradezu prädestiniert. Beide Kits werden durch Percussion-Zugaben sinnvoll ergänzt, so das dem ungetrübten 70s Drum-Vergnügen nichts im Weg steht.

Heiko Wallauer

Systemvorraussetzungen

  • KONTAKT 4 PLAYER (Version 4.0.4) oder KONTAKT 4.0.4
  • 6,2 GB freier Festplattenspeicher

Preis

  • 99 Euro

Webseite

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0 Kommentare

  1. Hallo Heiko,
    Ich finde die Sounds ganz fantastisch und deine Beispiele bringen das gut rüber!
    Gruß
    Jürgen

  2. Hallo Jürgen und Jörn,

    danke für Euer Feedback.

    Der Test (bzw. die Tests, auch zu den 60s Drums) hat auch großen Spass gemacht, bzw. war auch mal wieder eine willkommene Gelegenheit, mal wieder in alte Alben reinzuhören.

    Mit den Sounds kann man unheimlich viel machen, die sind nicht so “fertig” wie manch anderes Drum-Plug-in und lassen sich schön mischen.

    Viele Grüße,

    Heiko

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