Test: Orchestral Tools Symphonic Sphere

Symphonic Sphere Start

Dem ein oder anderen Musiker sagt der Name Orchestral Tools vermutlich etwas: Das Team um Hendrik Schwarzer trat erstmals mit Orchestral String Runs in Erscheinung – ein durchaus gelungenes Erstlingswerk. An diesen Erfolg möchte man mit Symphonic Sphere nun anknüpfen, einer Sammlung diverser “Odds & Ends” aus dem Bereich sinfonischer Musik. Neben Standardeffekten wie Tremolo- und Trillerartikulationen sollen vor allem eine Harfe mit spielbaren Glissandi sowie der “Trills Orchestrator” das Produkt von der Konkurrenz abheben. Letzterer ermöglicht es, Triller per Angabe von Start- und Endton zu kreieren, statt sich auf unmusikalische Keyswitches zu verlassen.


 

Lieferumfang

Bei Symphonic Sphere handelt es sich um ein Downloadinstrument, also gehört eine gedruckte Anleitung naturgemäß nicht zum Lieferumfang. Etwas überraschender ist die Tatsache, dass Orchestral Tools, eine deutsche Firma, das PDF-Handbuch nur in englischer Sprache zur Verfügung stellt. Jenes beantwortet zwar alle Fragen zur Funktionsweise des Produktes, es ist aber spürbar, dass es nicht von einem Muttersprachler geschrieben wurde. 

Download und Installation

Nach dem Kauf der Library erhält der Nutzer per E-Mail einen Link zu einem Download-Center. Dort stehen eine Installationsanleitung und 16 RAR-Archive zum Download bereit. Es kann immer nur eine begrenzte Anzahl an Dateien gleichzeitig heruntergeladen werden, sodass der Vorgang einige Anläufe benötigt; der Download geht aber – eine entsprechende Internetverbindung vorausgesetzt – mit einer ordentlichen Geschwindigkeit vonstatten.

Ist der Vorgang abgeschlossen, hat man fünfzehn Teile eines gesplitteten Archivs vor sich, das nur einen Klick auf Part eins benötigt, um vollständig entpackt zu werden. Darin befinden sich die Samples. Die sechzehnte Datei beinhaltet die Ordnerstruktur, der nur noch die Samples hinzugefügt werden müssen. Nach der Aktivierung im Service-Center mittels des beigefügten Codes und der Einbindung in Native Instruments’ Kontakt-Engine ist das Produkt benutzbar. 

Inhalt

Die Symphonic Sphere-Library ist nach Instrumentgruppen sortiert und enthält folgende Einträge:

  • Violinen
  • Violas
  • Celli
  • Kontrabässe
  • Holzbläser-Ensemble
  • Harfe
  • Percussion

In den Ordnern befindet sich eine große Bandbreite an Standardartikulationen (Staccato, Pizzicato) und Effekten (Triller, Tremolo) in mehreren Ausführungen (Sul Ponticello, Harmonics). Die Percussion-Abteilung setzt sich größtenteils aus Hits und Rolls zusammen. Sämtliche Instrumente sind in drei Mikrofonpositionen verfügbar: Tree, ORTF und Close. Die Positionen sind in den Patches frei mischbar. Der Gesamtklang ist eher trocken und funktioniert mit einem zusätzlichen Reverb-Plugin am besten. 

Patches

Die Standardartikulationen der Library sind allesamt brauchbar und gut aufgenommen. Besonders gut kommen die Pizzicato-Patches der Streicher zur Geltung. Neben diesen sind die Staccati hier die einzige “Short”-Artikulation, auf Staccatissimo, Marcato und dergleichen wird verzichtet. Das schränkt den Umfang der Shorts etwas ein, die aber ohnehin nicht den Mittelpunkt der Library darstellen.

Pizzicato-Audiodemo:

Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.

Die Effektsektion von Symphonic Sphere ist schon etwas bunter gemischt. Tremolo-Patches sind nicht nur in der Standardausführung, sondern (wie auch die Trills) auch als Sul Ponticello-Version oder als Sweeps vorhanden. Bei Sweeps handelt es sich um eher kurze auf- und abschwellende Passagen. Sie stehen als kurze und etwas längere Version zur Verfügung.

Violas Tremolo (Standard):

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Violinen Tremolo (Sweeps):

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Die Harfe in Symphonic Sphere unterscheidet sich in einem Punkt deutlich von denen in anderen Librarys: Das Einzelton-Patch ist hier nur über die weißen Tasten spielbar. Der Grund dafür ist nachvollziehbar, wenn man sich ansieht, wie eine echte Harfe funktioniert. Pro Oktave sind nicht zwölf, sondern sieben Saiten zu finden, die wie die weißen Tasten auf der Piano-Tastatur funktionieren. Um die “schwarzen” Töne zu bekommen, werden Pedale betätigt, die eine Saite um einen Halbton nach oben oder nach unten modulieren.

Orchestral Tools Symphonic Sphere

Diese Funktionsweise wurde in Symphonic Sphere originalgetreu umgesetzt. Die Pedale können im Interface angeklickt werden, um einen Ton zu modulieren. Die Einstellung von allen Pedalen kann anschließend in einem Slot gespeichert werden, der sie einem Keyswitch zuweist. So wechselt man schnell zwischen verschiedenen Pedaleinstellungen, um beim Spielen flexibel zu bleiben. Auf obigem Screenshot sind die Einstellungen für C-Dur (Slot 1) und C-Moll (Slot 2 und Pedalstellung) zu sehen.

Die Entscheidung, die Harfe auf diese Weise in die Library zu implementieren, hat einen entscheidenden Vorteil: Sind die Pedale erst einmal eingestellt, muss man sich keine Gedanken mehr darüber machen, in welcher Tonart man spielt. Man kann auf den weißen Tasten kreativ werden. Darüber hinaus funktionieren eigene Glissandi um einiges besser, wenn man nur die weißen Tasten braucht. Will man ein Glissando spielen, ist ein Sustain-Pedal Pflicht. Ohne dieses klingen die Samples sofort nach Loslassen der Taste aus. Verzichtet man auf das Sustain-Pedal und zieht im Sequenzer einfach nur die Noten zum gleichen Endpunkt, stört ein aufdringliches Release-Sample das Klangbild, wie in folgendem Soundbeispiel zu hören ist. Mit Sustain-Pedal sind jedoch schöne, makellose Glissandi möglich.

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Für alle, denen das Konzept der originalgetreuen Harfe zu unzugänglich ist, gibt es auch ein reguläres Patch mit weißen und schwarzen Tasten.

Während das oben genannte Patch die Möglichkeit bietet, eigene Glissandi zu erstellen und Einzeltöne zu spielen, beinhaltet Symphonic Sphere auch fertig aufgenommene Glissandi in verschiedenen Ausführungen:

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Das Herzstück der Symphonic Sphere-Library ist allerdings nicht die (zugegeben: sehr schön klingende) Harfe, sondern der Trills Orchestrator. Dieses Tool verbannt Keyswitches sowie auf Ganz- und Halbtöne beschränkte Triller endgültig ins Exil. Hier sind Triller mit einem Umfang von bis zu sieben Halbtönen möglich. Es müssen nur der Start- und Endton gedrückt werden, schon wird das passende Sample abgespielt.

Orchestral Tools Symphonic Sphere

Das Notation View-Fenster in der Mitte des Interfaces zeigt den Triller an, der gerade gespielt wird. Daneben stehen zwei Modi zur Auswahl: “End Tone = Start Tone” und “Start Tone = Always New”. Der erste Modus erlaubt Triller zwischen mehr als zwei Noten. Drückt man beispielsweise zuerst C und D, wird ein Triller zwischen C und D abgespielt – C ist der Start-, D der Endton. Drückt man nun ein zusätzliches E, so ist das D auch ein Startton, nämlich für den Triller zwischen D und E. Im zweiten Modus muss der Startton immer neu gewählt werden. Beide Modi lassen ein Feature schmerzlich vermissen: Zwei aufeinanderfolgende Triller mit gleichem Start-, aber unterschiedlichem Endton sind eher umständlich zu realisieren. Um beim vorigen Beispiel zu bleiben: Möchte man zuerst zwischen C und D, dann zwischen C und E trillern, so muss man C und D drücken, dann loslassen und schließlich C und E drücken. Lässt man das C gedrückt und wechselt nur von D zu E, so erkennt Symphonic Sphere dies nicht und wird stumm. Schnelle Trillerfolgen benötigen wiederum den Einsatz eines Sustain-Pedals, da sonst zu lange Pausen nötig sind, damit der Orchestrator den neuen Akkord erkennt.

Celli Trill Orchestrator:

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Woodwinds Trill Orchestrator:

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Als letzten Eintrag hat Symphonic Sphere schließlich die Percussion in der Liste. Holz und Metall halten sich hier in etwa die Waage; tonale Percussion wie ein Vibraphon findet sich ebenfalls. Die Rolls (etwa bei der Basstrommel) sind über das Modulationsrad steuerbar: Je höher der Wert, desto lauter das Instrument. Besonders in Übergängen zwischen Passagen oder zum Verstärken von schnellen Crescendi eignen sich die Percussion-Rolls bestens.

Percussion Rolls und Hits:

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Editing und Klangqualität

Das Editing der Library ist im Großen und Ganzen sehr gut gelungen. Die zur Genüge vorhandenen Velocity Layers sind perfekt eingebunden und erlauben ein dynamisches Spiel. Ein kleiner Makel findet sich bei diversen Percussion-Instrumenten: Drückt man aus Versehen auf bestimmte Tasten außerhalb des eigentlichen gemappten Bereichs, triggert man unter Umständen einen Roll höchster Velocity-Stufe, der sich nur durch Entfernen des Patches abschalten lässt. Klingt harmlos, ist aber laut und kommt unerwartet.

Auch die Klangqualität ist größtenteils mehr als passabel. Das hochwertige Recording-Equipment ist der Library an jeder Ecke anzumerken. Die Hits der Basstrommel knarzen ein wenig, als habe das Mikrofon etwas zu nah an der Trommel gestanden – bei den imposanten, alles übertönenden Trommeln in aktueller Soundtrack-Musik ist das aber eher ein Feature als ein Makel. Etwas störender sind da die Tastengeräusche der Klarinetten und Oboen im Trill Orchestrator des Holzbläser-Ensembles, die selbst bei heruntergedrehten Close-Mikrofonen noch deutlich zu hören sind, doch auch darüber lässt sich hinwegsehen. 

Abschließend

Alles in allem ist Symphonic Sphere eine durchweg solide Library mit einigen innovativen Ideen, die die Konkurrenz noch nicht bietet. Bestandteil einer Komponisten-Erstausstattung ist das Produkt nicht; es ist eher im Bereich der Ergänzungslibrarys einzuordnen. Die wenigen Editingfehlerchen trüben das Gesamtbild kaum bis gar nicht und die Klangqualität spricht uneingeschränkt für das Produkt.

Das gefällt mir nicht

Dass die Standardartikulationen, allen voran die Shorts, eher Beigabe sind, lässt sich verschmerzen. Angesichts des recht hohen Preises sind der Trill Orchestrator und die pedalbasierte Harfe als einzige Alleinstellungsmerkmale meiner Meinung nach aber etwas wenig. Der Preis bedingt sich aber nicht zuletzt dadurch, dass Orchestral Tools sich entschieden hat, die Library nicht nur für Benutzer einer Kontakt-Vollversion anzubieten, sondern den kostenlosen Kontakt-Player zu unterstützen, wodurch Lizenzgebühren an Native Instruments anfallen.

Das gefällt mir

Sowohl Trill Orchestrator als auch pedalbasierte Harfe sind innovativ und bis auf wenige Einschränkungen gut umgesetzt. Der Klang von Symphonic Sphere überzeugt und auch über die Velocity Layers kann man nicht meckern. Wer das nötige Kleingeld hat und nicht auf Halb- und Ganztontriller beschränkt sein möchte, sollte hier unbedingt zuschlagen.

Dominik Raab


Preis (Stand: April 2012)

  • 399 Dollar (Download)

Ergänzende Links

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