Test: Softube Trident A-Range EQ

Der Markt an Plug-ins, die legendäre Hardware für die DAW verfügbar machen, wächst beinahe täglich. Auch an Equalizer-Tools, die in digitalisierter Form der Spur ihrer analogen Vorbilder folgen, mangelt es nicht. Doch nicht alles, was auf große Namen verweist, wird dem hohen Anspruch gerecht. Die Wertung „nahe am Original“ die man häufig liest, erweist sich als sehr dehnbar.

Trident1 Kopie

In diesem Test geht um etwas ganz Besonderes: Der Trident A-Range EQ stammt aus der gleichnamigen Konsole (von 1971), die ihrerseits ein heißbegehrtes Stück Studiohardware ist: Nur ganze 13 Exemplare dieses Typs wurden gebaut. Das digitale Baby wurde vom schwedischen Hersteller Softube unter Mitwirkung von niemand anderem als dem Designer der Originalkonsole persönlich, Herrn Prof. Malcom Toft, zur Welt gebracht. Auf der Herstellerseite äußert sich der Professor hoch zufrieden mit dem Ergebnis. Man darf also hoffen, dass es sich bei unserem Testkandidaten tatsächlich um einen würdigen Nachfolger handelt, der sich von der Masse an Produkten abhebt.

 

 

Installation

Der Trident A-Range EQ liegt als VST/AU/RTAS/TDM und VENUE-Plug-in für Mac und PC (Windows XP, Vista) auf der Softube-Seite zum Download bereit. Wer diesen Test audiophil begleiten möchte, kann sich dort ein 20 Tage lauffähiges Demo herunterladen.

Autorisation

Für die Autorisierung benötigt man einen iLok. Nach Anmeldung und Eingabe des License-Codes auf der Softube-Seite wird die Autorisierung zum iLok-Konto geschickt.

Überblick

Die A-Range Konsole wurde in den frühen 70ern für die Londoner Trident-Studios entwickelt. Ein Exemplar erreichte das „Sweet Silence Studio B“ in Dänemark, und aus diesem Modell stammt das Vorbild unseres EQs, genauer gesagt handelt es sich um die Entzerrer der Kanäle 15 und 18, deren Klangeigenschaften für die Emulation herangezogen wurden.

Der A-Range beinhaltet vier EQ-Bänder (High- und Low-Shelving und High- und Low-Mid), flankiert von High- und Low-Pass Filtern. Die gesamte Konsole ist ihrerzeit darauf ausgelegt worden, einen möglichst sauberen Klang mit einem Minimum an Verzerrungen zu generieren. Ungeachtet dessen haben findige Tontechniker herausgefunden, dass bei Extrem-Einstellungen eine typische analoge Anzerung des Signals erreicht werden kann, die für manche Anwendung das Salz in der Suppe ist. Um diese Praxis auch für das Plug-in einzufangen, hat man einen Saturation-Regler hinzugefügt, der beim Original nicht existiert. Der Sinn dieses Reglers ist es, den sehr speziellen Distortion-Effekt des EQs einzufangen, der beim Original entsteht, wenn man die EQ-Bänder stark anhebt und zugleich ein lautes Signal einspeist; das kann ein sehr dominanter Attack einer Bassdrum oder Snare sein, aber auch andere Inputs, beispielsweise eine Gitarre, die hart am Limit gefahren wird.

Diesen Artikel finden Sie auch in unserem kostenloseb iBook Magazin (Heft 2).

 

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Technische Details

Bei den 4 EQ-Bändern handelt es sich um halbparametrische EQs. D.h.: Die Filtergüte ist festgelegt, die Frequenz und die Anhebung/Absenkung des Pegels (jeweils um +/- 15dB) kann stufenlos reguliert werden.

Das High-Shelving-Band verfügt über festgelegte Frequenzen bei 8, 10, 12 und 15kHz, das High-Mid Band arbeitet bei wahlweise 3, 5, 7 oder 9 kHz. Das Low-Sheving Band greift bei 50, 80, 100 und 150Hz, das Low Mid Band bei 250, 500, 1000 und 2000Hz.

Trident 2 Kopie

 

Die 4 EQ-Bänder des Softube Trident A-Range

Die High- und Low-Mid-Bänder weisen eine Glockencharakteristik auf. Bei genauer Betrachtung stellt sich heraus, dass insbesondere diese beiden Bänder ein merkwürdiges Eigenleben führen. Auch wenn beispielsweise der Low-Mid EQ auf 0 steht und lediglich die höheren Mitten geregelt werden, ändert sich das Klangverhalten mit dem Wechsel der Center-Frquez der (eigentlich ausgeschalteten) unteren Mitten. Das Plug-in bildet (laut Hersteller) diese Besonderheiten des Originals minutiös ab.

Low- und High-Pass Filter arbeiten mit 12dB/Okt. Flankensteilheit. Low-Pass: 25, 50, 100Hz; High-Pass: 9, 12, 15kHz. Anders als bei den 4 EQ-Bändern sind hier alle festgelegten Frequenzen gleichzeitig und in beliebiger Kombination einsetzbar, d. h.: der A-Range verfügt über 3 Low- und 3 High-Pass Filter mit je einem on/off-Button.

Als Zugabe gibt es neben dem bereits erwähnten Saturation-Regler einen Phasen-Umkehrschalter und ein Volumenregler für den Output (-30 bis +10dB).

Praxis und Sound

Hürden bei der Bedienung des Plug-ins gibt es sicher für niemanden, der einen EQ von einem Kompressor unterscheiden kann. Der Softube Trident A-Range ist selbsterklärend, und um zu erfahren was er macht, braucht man nicht mehr als zwei gut funktionierende Ohren. Dabei fällt auf, dass man die Fader der vier zentralen Bänder nicht weit bewegen muss, um den charakteristischen Sound des EQs wahrzunehmen. Ein wenig mehr Höhen und eine kleine Korrektur bei den Bässen reichte im folgenden Audiodemo bereits aus: Das Klangbild wird sofort transparenter, organischer, musikalischer; fast meint man, man hätte tatsächlich ein exquisites Teil teuren Analog-Equipments eingeschleift.

Die beiden folgenden Audiodemos zeigen zunächst einen unbearbeiteten Beat, dann den Einsatz unseres Testkandidaten. Die Einstellung entspricht unserer ersten Abbildung ganz oben. Aufgrund der erheblichen Einschränkungen des mp3-Formats werden die Feinheiten der Klangveränderung in den Höhen sicher nicht zufriedenstellend abgebildet – achten Sie daher bitte insbesondere auf die Bass Drum, auf die die Saturation-Einstellung des A-Range anspricht.

 

 

Hier derselbe Beat noch einmal mit etwas übertriebenen Einstellungen, die Bass-Drum und Snare hervorheben:

 

Eine saubere, seidige Zeichnung der Höhen gelingt im Handumdrehen. In den nächsten beiden Audiodemos hören Sie einen Knabenchor aus Omnisphere, wie immer zunächst dry, dann mit dem Trident ARange (Low-Cut bei 25 und 50 Hz, +3dB Shelving-Filter bei 12kHz und ca. +1,5dB High-Mid-Band bei 3Hz):

 

 

Bei etwas schwierigerem Material, beispielsweise einem Mix, den man in vielen Details geradebiegen möchte, kann es passieren, dass man sich beim Trident A-Range zwei bis 4 Bänder mehr wünscht. Für das letzte Audiobeispiel habe ich zwei Instanzen hintereinander gehängt (s. Abbildung). Der Mix stammt aus der Ueberschall Balkan Library und ist zwar sehr lebenslustig und naturnah, jedoch im Sound durchaus würdig, ein wenig aufpoliert zu werden; wieder zunächst trocken:

 

und jetzt mit den beiden A-Range-Instanzen:

Trident3

 

Klonen ist ausdrücklich erlaubt

 

Das gefällt mit nicht

Das gefällt mir

Auch wenn uns für diesen Test keine der dreizehn Originalkonsolen zum Vergleich zur Verfügung stand, kann man sagen, dass der Softube Trident A-Range eine ordentliche Portion Analog-Feeling in die DAW transportiert.

Der EQ klingt täuschend echt nach einem feinen Stück Handarbeit, hat Persönlichkeit und lässt sich nicht zuletzt durch die Saturation-Funktion sehr vielseitig einsetzen. Dabei fällt auf, dass bereits eine geringe Manipulation des Eingangssignals durch den Einsatz der 4 zentralen Filter das Signal deutlich aufwertet, transparenter und organischer macht. Somit sollte man das Plug-in auch da ausprobieren, wo eigentlich keine offensichtliche Korrektur des Frequenzgangs nötig erscheint.

Die Einbindung des Saturation-Effekts ist eine tolle Sache, die über den reinen EQ-Betrieb hinausgeht: Wenn Sie bislang meinten, bereits alles über Ihre Bass-Drums und Snares zu wissen: Mit diesem EQ kommen Sie noch einen Kick weiter. Der A-Range ist sowohl in Einzelkanälen als auch in Gruppen oder beim Mastering immer eine interessante Option.

Die CPU-Last hielt sich auf unserem Testsystem (Intel Mac OSX 0.5.7, Cubase 5.1) in sehr engen Grenzen ( unter 1%), sodass man davon ausgehen kann, dass der EQ auch auf älteren Systemen keine ungebührlich hohe Belastung verursachen wird. Bugs waren während des Tests keine zu verzeichnen.

Holger Obst

Preis

  • 176 Euro

Systemvoraussetzungen native Version

  • Mac OS X (10.4 oder höher), Windows XP oder besser
  • Mac: Intel oder PowerPC Prozessor (G4 oder besser), Windows: PIII oder besser
  • 512 MB RAM
  • VST, AudioUnits oder RTAS kompatibles Programm
  • iLok USB Key und der aktuelle Pace Interlok Treiber

Systemvoraussetzungen TDM Version

  • Pro Tools | HD mit Pro Tools 7.0 oder neuer
  • Das System muss den Pro Tools HD Anforderungen von Digidesign entsprechen
  • Mac OS X (10.4 oder höher) oder Windows XP (oder besser)
  • iLok USB Key und der aktuelle Pace Interlok Treiber

Vertrieb

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