Mit Sprengstoff ist ja bekanntlich nicht zu spaßen und so ist auch der der Valley People Dyna-mite nichts für Schöngeister. Die Experten von Softube haben den Dynamics-Klassiker aus den 80ern nun mit einem Plug-in gewürdigt und dieses längst vergessene Schätzchen ins neue Jahrtausend geholt.
Die Spezialität des Dyna-mite sind extremere Limiting-Aufgaben, aber auch als Expander oder De-Esser lässt sich der Dyna-mite gut gebrauchen. Den Dyna-mite gibt es für Mac OS X und Windows als AU-, VST- und RTAS-Plug-in.
Installation
Die Installationsfiles bekommt man auf der Webseite von Softube, das Image ist schnell geladen und installiert.
Autorisation
Die Autorisation erfolgt über den iLok, passender Key und Account bei ilok.com werden vorrausgesetzt.

Interface
Der Dyna-mite orientiert sich optisch am Hardware-Original, hier haben sich die UI-Designer von Softube bis ins kleinste Detail inspirieren lassen. In’s untere Drittel des Plug-ins hat man eine interaktive Benutzerführung gepackt, welche die Arbeit mit dem Plug-in durchschaubarer machen soll (was auch gut funktioniert).

Die Oberfläche empfinde ich als sehr gut aufgeräumt: Links befinden sich die Regler für Treshold und Release, darauf folgt der Detector Source Switch. In der Mitte liegt eine LED-Kette, die Gain Reduction-Werte visualisiert. Im rechten Teil geht es weiter mit Mode Switch und Detector Type, Range und Output bilden das Ende des Regelkreises.

Funktionsweise des Plug-ins
Der Dyna-mite wurde als Limiter und Expander designt, kann aber auch als Gate oder zum Ducking missbraucht werden. Er arbeitet Mono und Stereo, in der Stereoversion verhält er sich so, als wenn beim Original Stereo Couple aktiviert ist. Zwischen den Grundfunktionsweisen Limiter und Expander kann man mit dem Mode-Schalter wechseln. Mit den überschaubaren Parametern lässt sich die grundlegende Funktion schnell einstellen und mit den Goodies des Dyna-mite fein tunen. Möchte man mit dem Dyna-mite als Limiter arbeiten, empfiehlt es sich zunächst Release, Range und Output auf Neutral-Stellung zu bringen. Mit Detector Source und Detector Type kann man den Dyna-mite auf das Programmmaterial anpassen, je nach dem, ob man einen schnelleren oder langsameren Attack benötigt. Treshold, Release und Output sind dann wie gewohnt einzustellen. Fängt das Signal an zu pumpen, geht man mit der Releasezeit wieder auf längere Werte. Der Dyna-mite verfügt über die von Valley People entwickelte Anticipatory Release Consumption, welche den Input analysiert um die Releasekurve dynamisch anzupassen. Damit werden negative Effekte eingedämmt. Der Range-Parameter kommt immer dann hilfreich, wenn man die maximale Gainabsenkung begrenzen, oder verschiedene Bereiche definieren möchte, in denen der Limiter arbeitet. Somit lassen sich zum Beispiel Drums stark bearbeiten, wobei man jedoch die Transienten durchlassen kann, um Druck und Attack zu bewahren.
Der Expander-Modus ist immer dann hilfreich, wenn man Signale unterhalb des eingestellten Tresholds (als Alternative zum Noise Gate) begrenzen möchte. Sehr oft wirkt der Expander homogener und im Gesamtkontext weniger wahrnehmbar als ein Noise Gate. Auf Snare Drums finde ich den Expander z. B. oft musikalischer als ein plumpes Gate, das mir eine schöne Snare zu harsch abschneidet. Möchte man mit dem Dyna-mite aber doch mal härter ans Werk gehen, wählt man als Detector Type Gate. Mit einer schnellen Attackzeit wird im Expander Mode die Ratio auf 1:20 gesetzt. Verwirrend ist vielleicht zu Anfang, dass die Gatefunktion auch im Limiter Mode arbeitet, hier aber natürlich entsprechend in umgekehrter Richtung. Im Expander Mode macht das Gate zu, d. h. der Pegel wird reduziert, sobald das Signal unter den Treshold fällt. Im Limit Mode wird die Ratio auf negative Werte gesetzt, 1:-20, was bedeutet, sobald das Signal den Treshold übersteigt, wird der Pegel reduziert. Hier lassen sich dann wieder Klangexperimente wagen, die weit über das normale Maß und den eigentlichen Anwendungszweck des Plug-ins hinausgehen.
Neben diesen beiden Grundfunktionen versteht sich der Dyna-mite auch auf De-Essing. Hierzu lässt sich die Detector Source im Limiter Mode auf DS-FM stellen, was dazu führt, dass die hohen Frequenzen im analysierten Signal geboostet werden, um eine bessere Erkennung zu gewährleisten. Das eigentliche Signal bleibt davon aber unbeeinflusst. Damit lassen sich zum einen S-Laute in Vocal Tracks entschärfen, im Peak Modus bekommt man aber auch so recht gut zu dominante Becken in einer Drumgruppe in den Griff.
Durch den Side Chain-Eingang (Det auf ext) lassen sich mit dem Dyna-mite Duckinganwendungen realisieren, die von zweckmäßigem für Voice Over bis hin zu kreativen Anwendungen reichen können. Beim Dyna-mite lässt sich über den Rangewert einstellen, wie weit das zu duckende Signal abgesenkt werden soll, was in der Praxis zu anderen Geräten eine richtige Erleichterung darstellt.
Unter Mac OS X hält der Dyna-mite einige Nettigkeiten bereit, welche die Arbeit mit dem Plug-in erleichtern.
Mouse Wheel Control hilft, die Parameter ohne wildes Mausgeruckel einzustellen, und Softube benutzt auch die z. B. bei Logic-Usern verbreitete Konvention, dass durch Alt + Klick der Wert eines Parameters wieder auf die Ausgangsstellung zurückfährt.
Soundqualität
Vor allem auf Drum Tracks finde ich den Dyna-mite sehr gelungen, verhilft er doch vielen kritischen Signalen zu einer ungewohnten Präsenz im Mix. Solo mag der Sound vielleicht beim ersten Hören etwas ruppig erscheinen, das Plug-in ist kein Schönfärber. Im Gesamtkontext kommen die Signale aber gut durch. Vielmehr hat der Dyna-mite einen charakterstarken Sound, der aber weit davon entfernt ist „Everybody’s Darling“ zu sein.
Sounddemos
Zu Anfang ein unebarbeiteter Drumloop.
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Hier ein Beispiel für eine gängige Limiteranwendung.
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Im folgenden Beispiel habe ich mit Detection Mode auf peak und dem sehr deutlich die Attackphasen herausgearbeitet.
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Nimmt man nun das Range Feature hinzu bekommt die Becken wieder geglättet.
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Im folgenden Beispiel habe ich die De-Esser-Funktion des Dya-mite dazu benutzt, die Becken im Drumloop zu unterdrücken.
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Nehmen wir mal an, die Hi-Hat in dem Drumloop wäre ein Störsignal. Mit dem Dynamite im Expander Mode und Detection Mode auf avg lässt sich diese schon sehr weit unterdrücken.
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Gehen wir nun mit der Detecton Source auf Gate, lässt sich die Hi-Hat hart herausgaten.
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Hier was aus der Abteilung “weird limiting”, mit negativen Ratio-Werten.
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Hier ein statisches Pad.
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Führt man eine Hi-Hat Spur über den Side Chain-Eingang dem Dyna-mite zu, erzielt man rhythmische Gate-Sounds.
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Das gefällt mir nicht
Natürlich orientiert sich Softube beim GUI Design haarklein am Original, die vielen Einstellmöglichkeiten, die auf wenige Regler verteilt sind machen aber natürlich das Einstellen des Plug-ins nicht unbedingt einfach. Hier wäre weniger Originaltreue vielleicht mehr gewesen.
In der Outputstufe hätte ich mir evtl. noch etwas mehr Dampf gewünscht, da könnte für mich noch etwas mehr gehen.
Das gefällt mir
Softube haben sich an ein charakterstarkes Stück Hardware heran gewagt, das durch individuellen Sound überzeugt. Der Dyna-mite ist bestimmt nicht der Dynamikprozessor, den man sich als erstes zulegt, vielmehr ist er eine willkommene Ergänzung zum täglichen Dynamikeinerlei. Dezentes Verdichten ist nicht unbedingt die große Stärke des Dyna-mite, der Name ist vielmehr Programm und durchaus ernst zu nehmen. Trotz der etwas ruppigen Grundausrichtung klingt das Plug-in auf besondere Weise warm und homogen.
Heiko Wallauer
Systemanfoderungen Mac OS X
- Mac OS X 10.4 oder neuer
- Mac: G4 oder neuer
- 512 MB RAM
- VST, AU oderr RTAS kompatibler Host
- iLok USB key
Systemanforderungen Windows
- Windows XP oder neuer
- Windows: PIII oder neuer
- 512 MB RAM
- VST oderr RTAS kompatibler Host
- iLok USB key
Preis
- 170 Euro
Hersteller
Vertrieb
