Test: Tone2 Ultraspace

Der Raumsimulator Ultraspace tritt an, nicht nur nahezu jede akustische Umgebung zu modellieren, sondern auch neue, einzigartige Ambience-Effekte zu generieren, das Ganze in höchster Audioqualität. Eine Modulkombination mit Hall, Multitap-Echo, Gate und Ducking will dies ermöglichen.

Recording: Tone2 Ultraspace

Am Anfang stand die Forschung:
Die Algorithmen sündhaft teurer Hardware-Hallerzeuger wurden von Tone 2 analysiert, deren Stärken sollen schließlich im halbmodularen, kristallklar und luxuriös klingenden Ultraspace vereinigt worden sein. Ultraspace sei in der Lage, die Vorbilder zu ersetzten – so der hohe Anspruch des Herstellers, der ungläubige Nutzer einlädt, seine Aussage zu überprüfen.

Was liegt da näher, als Sie einzuladen, unseren Test anhand der Demo-Version zu begleiten.

 

Installation

Nach dem Erwerb erhält man per Email eine Setup-Datei, mit der das Programm installiert wird, sowie ein Keyfile, welches als Soft-Dongle fungiert. Im Anschluss an die Installation sollte man das Keyfile in den selben Ordner schieben, in dem sich auch das Plug-in befindet. In unserem Fall wurde Ultraspace automatisch unter Programme → Steinberg → VST Plug-ins installiert und von Cubase sofort gefunden. Im VST-Plug-in-Ordner wird, etwas ungewöhnlich, auch das englischsprachige PDF-Handbuch abgelegt.

Die Installation verläuft reibungslos. Die einzelnen Schritte werden zudem im Handbuch ausführlich erläutert. Soweit überhaupt noch Klärungsbedarf besteht, findet man dort jede notwendige Hilfe. Um das Plug-in vor Raubkopierern zu schützen, wird die Email-Adresse des Käufers als Wasserzeichen in den unteren Rand der Benutzeroberfläche geschrieben.

 

Erste Eindrücke

Wer direkt loslegen will, kann auf satte 150 Presets zurückgreifen. Aber wo ist der Browser versteckt? Das klassische Aufklappmenü in der Kopfzeile des Plug-ins (unter Cubase) ist etwas unkomfortabel. Hier muss gescrollt werden.

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Klickt man hingegen in das virtuelle LCD Display, dort wo „MIX Welcome“ steht, so hat man das gesamte Arsenal der Werksvorlagen im Überblick:

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Die Namensgebung der einzelnen Presets geben Auskunft über den empfohlenen Anwendungszweck – die Palette ist breit aufgestellt. Ob es auch so klingt, wie es heißt, wollen wir gleich einmal ausprobieren.

Wir starten mit zwei Loops aus der Drum-Library von Ueberschll. Die Drums sind angenehm trocken und daher für unseren Zweck gut geeignet. Hier ohne Ultraspace:

 

Nun mit dem Preset Fat Drums 1

 

Die Module Echo und Hall waren hier beteiligt.

Mit dem Preset Room klingt es folgendermaßen:

 

Mit DUP Beat 1 wird es schon etwas experimenteller:

 

Wie wäre es mit einem DUB-Delay?

 

Schnell erwacht der Spieltrieb. Mit ein paar Handgriffen mache ich aus dem DUB-Delay, bei dem der Hall noch nicht eingeschaltet ist, einen Kellersound. Dafür nehme ich einen Hall mit wenig Decay aber einer zum Rhythmus passenden Vorverzögerung. Schließlich dämpfe ich die Höhen bei Echo und Hall, justiere den Mix-Regler …

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… und erhalte folgenden Klang:

 

Die Veränderungen von Presets gelingen spielerisch, auch ohne einen Blick in das Manual zu werfen. Bei den kleinen Exkursionen durch die Parameterlandschaft ergeben sich schnell interessante Raumklänge.

Ganz nebenbei stolpere ich über einen kleine, wenn auch nicht wesentliche Eigenart: Nachdem ich das DUB-Delay verändert habe, speichere ich es (über den Cubase-Dialog in der Kopfzeile des Plug-ins) ab, lade anschließend ein anderes Werkspreset aus Ultraspace und kehre dann wieder zum DUB-Delay zurück. Zu meiner Überraschung wird nun meine veränderte Version geladen.

Nach Rückfrage beim Hersteller hat sich ergeben, dass Cubase bei Plug-ins mit Presets im klassischen fxb-Dateiformat immer die gesamte Bank im Projekt mit abspeichert. Dadurch werden Veränderungen an Werkspresets innerhalb eines Projektes beibehalten. Es handelt sich hier also nicht um einen Bug von Ultraspace.

Der nächste Beat stammt aus dem Repertoire von Groove Agent 4, zunächst ohne Ultraspace:

 

Und nun mit dem Preset MIX Reverb Dup 1, welches eine Ambience hinzufügt:

 

Der Klang ist schön rund, der Raum angenehm organisch, warm, offen und unaufdringlich. Perfekt.

Bevor es an in die Details geht, noch ein Versuch mit Gesang. Dazu nehme ich vier kurze Phrasen aus der Sample Library Soundiron Voice of Gaia – Strawberry; hier trocken:

 

Mit dem Preset Reverb Hall 10 findet sich auf Anhieb ein ausgewogener, warm klingender großer Raum, der die Stimme wunderbar trägt:

 

Mit REV Arena Warm klingt der Gesang beinahe verloren in unermesslichen Weiten. Man beachte den feinen Ausklang der Hallfahne:

 

Nach diesen ersten positiven Eindrücken schauen wir uns die Module im einzelnen an.

 

Die zentrale Steuerung

Links oben befinden sich in der Nachbarschaft des virtuellen LCD-Displays einige grundlegende Funktionen.

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  • Mit den Pfeiltasten steppt man alternativ zum Browser durch die Presets.
  • Über Routing wechselt man zwischen der seriellen und der parallelen Schaltung der Module Reverb und Delay. Im seriellen Betrieb durchläuft das Signal zunächst den Hall und wird dann zum Multitap-Echo weitergeleitet. Das Echo kann in diesem Betrieb also nicht für die Erzeugung früher Reflexionen eingesetzt werden.
  • Im parallelen Betrieb ist es hingegen möglich, eine zeitliche Reihenfolge von (frühen) Echos und später einsetzendem Nachhall herzustellen, indem man den Einsatz des Haupthalls mittels Predelay-Regler verzögert. Anders als im wirklichen Leben, in dem die Echos sich bei (frequenzabhängig) abklingender Amplitude zu einem diffusen Raumklang verdichten, erreichen diese dann jedoch unverhallt den Audioausgang.
  • Über File erreicht man ein Aufklappmenü zum Laden und Abspeichern von Presets (Bänke und individuelle Presets), Rückstellung und Zufallsgenerator für Hall- und Echo-Modul sowie einen Link zur Herstellerseite.

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  • Zum Laden und Speichern muss man allerdings erst einmal durch das Ordnersystem zum persönlichen Zielordner navigieren.
  • Über Shop erreicht man ebenfalls die Herstellerseite – hier landet man im Update-Bereich und kann sich nach zusätzlichen Preset-Bänken umsehen.
  • Sehr praktisch ist der direkte Zugriff auf das englischsprachige PDF-Handbuch über die Help-Taste.
  • Mittels Edit wechselt man zwischen der vollen Darstellung der Bedienoberfläche und einer reduzierten, platzsparenden Version.

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So kann man Ultraspace gut in Reichweite platzieren und bei Bedarf direkt in die Editierung einsteigen.

Mit den Reglern im Mix-Bereich justiert man

  • die Balance zwischen unbearbeitetem und Effektsignal,
  • die Ausgangslautstärke sowie
  • die Stereobreite zwischen Mono (Linksanschlag des Surround-Reglers), klassischem Stereo-Signal (12-Uhr-Stellung) und maximal erweitertem Stereosignal (Rechtsanschlag). Um die Monokompatibilität zu erhalten, wird nur das Effektsignal beeinflusst.
  • Zehn virtuelle LEDs signalisieren die Lautstärke des Ausgangssignals.
  • Die Monitor-Buchsen dienen keiner modularen Verkabelung. Klickt man hierauf, so wird das Ausgangssignal unabhängig von der Stellung des Mix-Reglers auf 100% Wet gestellt – solange man die Maustaste gedrückt hält. Diese Funktion dient der schnellen Kontrolle des Effektsignals während des Editierens.
  • Im unteren Bereich des LCD-Displays werden die Funktion und Werte des Reglers angezeigt, über den man mit der Maus fährt.

 

Das Multitap-Echo

Sechzehn für den linken und rechten Kanal unabhängige, temposynchrone Echos können mit individueller Lautstärke eingezeichnet werden. Wer die Segmente durchzählt, wird feststellen, dass es 17 sind: Der erste Balken greift ohne Verzögerung, stellt also kein Echo dar.

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Die Temposynchronisation reicht von 1/16tel bis zu zwei Takten. Innerhalb der mittels Time-Regler eingestellten Zeitspanne wird die gesamte Echo-Sequenz durchlaufen. Kurze Zeitwerte eignen sich für Slap-Back-Echos oder die Simulation kleinster Räume. Per Feedback-Regler werden die Echos wiederholt und die Reflexionen (bei kurzen Echos) verdichtet. Höhere Zeitwerte eignen sich für groovige, sequenzielle Echos. Wechseln sich die Echos für den linken und rechten Kanal ab, ergibt sich ein Ping-Pong-Delay.

Hier noch einmal der bereits zu Beginn verwendete Beat mit einem solchen Ping-Pong-Echo. Der im Parallelmodus betriebene Hall fügt zusätzliche Reflexionen hinzu; das Ducking-Modul sorgt dafür, dass die markanten Hits des Beats nicht durch die Echo- und Halleffekte überlagert und verwischt werden:

 

Als ultrakurzes Slapback-Echo:

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Zusammen mit diesem Hall:

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Mit dem Detune-Parameter verstimmt man die Delays und erreicht so einen breiteren Sound.

Für die folgenden Audiodemo habe ich wieder einen Beat aus Steinbergs Groove Agent 4 benutzt:

 

Das Multitap-Delay ist wie folgt eingestellt und produziert ein Ping-Pong-Echo:

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Detune liegt knapp unter 10%.

 

Hohe Detune-Werte eignen sich, wenn man kleine Ambiences generieren will, wie etwa mit dieser Einstellung:

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Die Regler High- und Low-Damp bewirken hier, dass die Echos im Verlauf an Höhenreichtum und Bässen verlieren. Im Gegensatz zu diesem sukzessiven, dynamischen Eingriff in das Klanggeschehen bewirken das High- und Low-Cut Filter eine statische Begrenzung des Frequenzspektrums am Ausgang des Delaymoduls.

Dreht man den Detune-Regler zurück, so ergeben sich bei hohen Feedback-Werten Resonanzen – was seinen eigenen Reiz hat:

 

Der Hall

Der algorithmische Hall verfügt neben dem obligatorischen Mix-Regler, mit dem das Verhältnis zwischen unbearbeitetem und Hallsignal bestimmt wird, über

  • Size: die Raumgröße (2 bis 50 Meter),
  • Decay: die Ausklingzeit (im Rechtsanschlag bei 100% ergibt sich ein unendlicher Hall),
  • Diffusion: bestimmt die Dichte der Reflexionen von körnig bis sanft, ausgewogen und reichhaltig
  • Predelay: eine Vorverzögerung. In großen Räumen treffen die Reflexionen erst nach einer deutlich hörbaren Verzögerung beim Hörer ein, da der Schall eine Weile braucht, um von den Wänden zurückgeworfen zu werden: Beträgt der Weg von der Schallquelle zur reflektierenden Fläche und von dort weiter zum Hörer beispielsweise etwa 34 Meter, so liegt die Verzögerung bei rund 100 Millisekunden.Natürlich kann man das Predelay auch als rhythmischen Hallkomponente verwenden. Zwar ist das Predelay nicht in Notenlängen einstellbar, bei laufendem Beat gelingt es dennoch problemlos, eine zum Groove passende Einstellung zu finden. Dabei sollte man sich allerdings nur auf das eigene Gehör verlassen, nicht auf die vertikalen Linien im Wellenformdisplay des Hallmoduls, denn diese stellen kein am Tempo ausgerichtetes, sondern ein in 100 Millisekunden unterteiltes Raster dar.
  • High Damp und Low Damp reduzieren den Höhen- und Bassreichtum im Verlauf der Reflexionen zunehmend. Der Einfluss dieser Parameter ist also zeitabhängig (wie beim Multitap-Delay).Eine starke Höhendämpfung führt zu einem wärmeren Klang der Ambience und reduziert zugleich die Ausklingzeit des Halls, so wie es dicke Vorhänge oder stoffbezogene Möbel in realen Räumen bewirken.Eine Bassdämpfung eignet sich hingegen zur Simulation von Räumen mit Steinwänden oder großzügigen Glasflächen/Fensterfronten.
  • Wie schon beim Multitap Echo stellen High- und Low-Cut statische Filter dar, die das Ausgangssignal des Reverb-Moduls begrenzen können, etwa um Resonanzen im Bassbereich oder unnatürlich scharfe Höhen auszuschließen.
  • Swirl fügt der Hallfahne eine subtile bis deutliche Modulation hinzu. Soll eine Raumsimulation realistisch wirken, reicht eine Swirl-Stärke zwischen 10 und 20 Prozent. Swirl simuliert sozusagen alles, was einen natürlich vorkommenden Raumklang zeitlich moduliert: Insbesondere Bewegungen von im Raum befindlichen Objekten, Luftbewegungen, aber auch Temperatur- und Luftkonsistenzschwankungen (Staubpartikel, Feuchtigkeit) führen im realen Leben dazu, dass kein Raum statisch klingt. Ein klassischer Faltungshall kann diese Dynamik der Raumakustik im Gegensatz zu einem algorithmischen Hall nicht bieten.

Will man eine natürlich klingende Ambience generieren, sollten die Parameter Size und Predelay einigermaßen zueinander passen. Ein Raum mit fünf Metern Länge kann über kein Predelay von 200 Millisekunden verfügen. Auch das Decay sollte nicht zu hoch eingestellt werden, es sei denn, man möchte eine Art Tunnelakustik entwerfen.

Die Bass- und Höhendämpfung modelliert die Materialeigenschaften der reflektierenden Flächen.

Im folgenden Audiodemo hören Sie noch einmal den bereits bekannten Beat. Ultraspace habe ich nach viert Takten eingeschaltet. Es soll ein gut gedämmter Raum simuliert werden:

 

Reduziert man die Höhendämpfung und zugleich die Raumgröße, so klingt es eher nach Badezimmer:

 

Den Eindruck eines kleinen, gekachelten Raumes kann man noch weiter verstärken, indem man das Multitap-Delay mit niedrigen Time-Werten hinzuzieht:

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Abseits von Beats liefert Ultraspace klassische Halleffekte. Nach kurzem Experimentieren habe ich eine Art Kathedrahlenhall entworfen …

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… passend zu den in Latein vorgetragenen Versen des Opernbasses Joseph Trumbo (aus Soundiron Voce of Rapture – The Bass):

 

Dass eine Kombination aus Hall und Multitap Echo nicht nur Beats, sondern auch klassischen Instrumenten gut tun kann, zeigt folgendes Beispiel:

Zum Einsatz kommt Native Instruments Session Strings Pro. Folgende Ultraspace-Einstellung habe ich verwendet:

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Ultraspace habe ich über eine Animation des Mix-Reglers langsam eingeblendet.

 

Das Gate Modul

Mit dem Gate-Modul kann man, wie sollte es anders sein, abgesägte Halleffekte für Drums realisieren. Attack, Hold und Release beschreibt dabei die Hüllkurve (in Hundertstel Sekunden einstellbar), die den Effektklang durchlässt, sobald der Schwellenwert (Threshold, in dB) überschritten wird. Bei der Einstellung des Thresholds hilft eine blaue LED-Kette.

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Den Gate-Reverb Sound kann man dabei mit dem Hold-Regler sehr gut gestalten: Kurze Hold-Zeiten können benutzt werden, um die Drumhits breiter und fetter zu machen, längere Hold-Zeiten führen zu den klassischen Gate-Halleffekten.

Im folgenden Audiodemo habe ich die Hold-Time langsam hochgefahren:

 

Mit dem Attack-Regler ist es zudem möglich, ein kontinuierliches Hochfahren des Reverbs zu gestalten, sodass der Eindruck eines Rückwärts-Halls entsteht.

 

Das Ducking Modul

Eine sehr praktische Sache ist das Ducking-Modul. Es unterdrückt die Lautstärke des Effektsignals immer dann, wenn das Originalsignal einen bestimmten Schwellenwert überschreitet. So können auch starke Echo- und Halleffekte genutzt werden, ohne dass das Originalsignal hiervon komplett überlagert wird. Der Klang wird voller ohne an Transparenz zu verlieren.

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Wie beim Gate hilft auch hier eine blaue LED-Kette, den richtigen Wert zu finden: Die Kette sollte sich beim Playback bewegen. Die Empfindlichkeit des Ducking stellt man über den Level-Regler ein. Mittels Limit besteht die Option, die Unterdrückung des Effektsignals einzuschränken, sodass etwa bei sehr lauten Passagen des Originalsignals ein völliges Ausblenden des Effektes vermieden wird.

Um das Ducking zu demonstrieren, fahre ich beim folgenden Audiodemo den Level-Regler langsam hoch. Sie hören also zunächst, wie Echo und Hall zunehmen und in Konkurrenz mit dem Originalsignal geraten. Mit dem Eingreifen des Duckings wird das Problem des zu vollen Mixes schnell und einfach gelöst. Zum Ende hin fahre ich das Ducking-Level bis zum Maximum hoch.

Zum Einsatz kommen einige Loops aus Ueberschall-Libraries (VLP 1, Guitar), der Scarbee Rickenbacker Bass von Native Instruments und für die Gitarre als Effekt Trash 2 von iZotope.

 

Zum Vergleich hier der letzte Abschnitt ohne Ducking …

 

… nahe an einem Hall- und Echo-Chaos.

 

Bedienung

Die Bedienung geht schnell von der Hand; einen Blick in die Bedienungsanleitung benötigt man kaum. Ungeachtet dessen ist diese ausführlich und lesenswert. Die Unterschiede zwischen den Damp- und Cut-Filtern, die Arbeitsweise des Duckings und ein paar nützliche Anwendungstipps bleiben sonst vielleicht unentdeckt.

Wer sich mit anderen algorithmischen Hallerzeugern auskennt, sucht bei Ultraspace vergeblich die Early Reflections (frühe Reflexionen). Dem Höreindruck nach scheinen diese Bestandteil des Hall-Algorithmus zu sein. Das Multitap-Echo ist hierfür nicht prädestiniert und vom Signalfluss her auch nicht geeignet.

Das Experimentieren mit den Parametern; die Kombination von Hall und Multitap-Echo macht Spaß. Da vergisst man fast, dass es 150 gut gemachte Presets gibt.

 

Audioqualität und Ausstattung im Marktumfeld

Die Qualität des Halls muss sich auch vor potenten Mitbewerbern deutlich höherer Preisklassen nicht verstecken. Das Hallmodul in Ultraspace klingt je nach Einstellung dicht, transparent, hell und glasklar oder auch warm und ausgewogen. Auch das Echo macht eine gute Figur, und beide zusammen erweisen sich als ein Kreativ-Duo, welches manchen Mitbewerber das Fürchten lehren kann. Insgesamt ist der Klang voll und rund.

Auch in der Preisklasse oberhalb von 200 EUR trifft man mitunter auf solide und anerkannt profitaugliche native Hallerzeuger, die es mit Ultraspace weder klanglich noch in puncto Vielseitigkeit aufnehmen können und die obendrein schwieriger zu bedienen sind.

Wer mehr als ein Zehnfaches des Preises unseres Testkandidaten investieren will, wird allerdings auch Reverb-Software finden, die es erlaubt, Räume noch differenzierter zu gestalten und einen noch feineren, runderen Raumklang erzeugt.

Ob sündhaft teure Hardware nun tatsächlich überflüssig wird, sei dahingestellt.

 

Systemlast

Wie vom Hersteller versprochen, geht Ultraspace ausgesprochen schonend mit der CPU um. Darüber dürfen sich speziell Besitzer älterer Rechner freuen – zumal deren Betriebssysteme ebenfalls unterstützt werden.

Während des Tests gab es keinen einzigen Freeze, Absturz oder einen Bug, der die Arbeit behindern würde.

 

Fazit

Das Marktsegment Hall und Echo ist nicht gerade dünn besiedelt. Wer hier Aufmerksamkeit erregen will, muss schon etwas Besonderes bieten. Und das ist Tone2 mit Ultraspace gelungen: Die Kombination von Multitap-Echo und algorithmischem Hall stellt ein vielseitig verwendbares Werkzeug unter den Zeitverzögerungseffekten und Raumsimulatoren dar.

Die Stärken von Ultraspace liegen zum einen in den temposynchronen, zeichenbaren Echoabfolgen mit Ping-Pong-Option, mit denen man selbst einfach gestrickte Beats, Arpeggien und Sequenzen aufwerten und spektakulär in Szene setzen kann.

Zum anderen sind auch die klassischen Hallanwendungen in guter Qualität ohne Lernaufwand realisierbar: Vom gekachelten Mini-Badezimmer über die Kathedrale bis zur Fußball-Arena lassen sich zahllose Zwischenstationen eindrucksvoll akustisch gestalten – und durch die Dämpfungsfilter quasi mit Materialeigenschaften von Glas über Stein bis zu gepolsterten Wänden versehen.

Sehr praxisnah und sinnvoll ist auch die Ducking-Funktion, die es leicht macht, eine Ambience deutlich vernehmbar in Szene zu setzen ohne das Originalsignal zu überlagern. Die leidige Suche nach der richtigen Balance zwischen Effekt und Original hat ein Ende.

Nun provoziert Tone2 allerdings mit der eingangs zitierten Werbung den Vergleich mit teuren Hallerzeugern jeglicher Art, vom guten alten Lexicon bis zum IRCAM Verb. Ist Ultraspace nun das ultimative Ambience-Tool, welches alle Mitbewerber in Schranken weist?

Klare Antwort: Nein – aber Ultraspace dürfte beinahe jedes Arsenal an Hallerzeugern und Echos sinnvoll aufrüsten und ergänzen, selbst wenn man gut ausgestattet ist. In puncto Audioqualität, Dichte, Ausgewogenheit, Echtheit geht man hier keine Kompromisse ein. Mit dem Multitap-Echo und dem Ducking-Modul kann Ultraspace zudem einiges, was selbst teure Mitbewerber so nicht zu bieten haben.

Wer in Raumsimulatoren noch nicht investiert hat, findet in Ultraspace einen hochwertigen Allrounder, der zusätzliche Anschaffungen in diesem Bereich erst einmal überflüssig macht.

Für alle Spielarten des Rock und Pop ist Ultraspace eine sehr gute Wahl; Dance & Club-Geners profitieren zudem vom Multitap-Delay.
Was die Kaufentscheidung begünstigen dürfte, ist der geradezu sensationell günstige Preis, für den man einen Hallerzeuger dieser Qualität bislang kaum erwerben konnte.

Wie sich das Produkt im Vergleich unter 14 Hallerzeugern geschlagen hat, erfahren Sie hier.

Best Value Award

Plus

  • innovative Kombination aus Multitap-Echo, algorithmischem Hall, Gate und Ducking
  • gute Hallqualität
  • vielseitig verwendbar
  • einfache Bedienung
  • geringe CPU-Last
  • Unterstützung älterer Betriebssysteme
  • zahlreiche nützliche Presets
  • hervorragendes Preis-Leistungs-Verhältnis

Minus

  • AAX-Format nicht unterstützt

Preis: 59.- EUR

Systemvoraussetzungen

  • PC: Windows XP / ME / 7 / 8 / 10 / Vista (32 bit und 64 bit)
  • Formate PC: 32-bit VST, 64-bit VST
  • Mac: ab Mac OSX 10.5
  • Formate MAC:VST, AU in 32 und 64 Bit.
  • Unterstützung von Touchscreens

Hersteller
Tone 2

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