
Toontrack ist bekannt geworden mit dem EZdrummer, der ein geniales Konzept verfolgt: Für kleines Geld wird auch dem schlagzeugtechnisch unbedarften Homerecordler die Möglichkeit geboten, amtliche Schlagzeugspuren zu erstellen. Dabei helfen die einfache Bedienung und die mitgelieferten MIDI-Grooves, die vorgehört und per Drag and Drop in den Song integriert werden können. Die EZmix-Reihe verfolgt dasselbe Konzept und liefert die Effekte und Mixer-Presets für’s Abmischen. Nun folgt das erste Piano-VSTi mit demselben Konzept. Lesen Sie im folgenden Test, warum EZkeys Grand Piano mich begeistert.
Installation
Die Installation ist gut erklärt und auch für Nicht-Computer-Experten einfach und schnell erledigt. Man erstellt auf der Webseite des Herstellers einen Nutzeraccount, kauft die Software für 139,- Euro und lädt das ZIP-File (403 MB) herunter. Dann lädt man das Update auf Version 1.01 (49 MB) herunter. Nach dem Entpacken installiert man nacheinander die beiden Files, autorisiert die Installation (dazu braucht man einen Computer mit Internetzugang, es muss aber nicht derselbe sein, auf dem man EZkeys installiert hat) und schon geht’s los.
Wenn man auf der Startseite von toontrack.com unten rechts auf den „Get Started“-Button klickt, sieht man ein Video, das den Autorisierungs-Vorgang genau erklärt. Insgesamt kann man EZkeys mit einer Lizenz viermal aktivieren, wobei zwei Computer gleichzeitig aktiviert sein können. Das ist sehr hilfreich, da man EZkeys so sowohl auf dem Computer im heimischen Studio als auch unterwegs auf dem Notebook nutzen kann. Und wenn man einen neuen Computer kauft, deaktiviert man die Lizenz auf dem alten und aktiviert sie auf dem neuen System.
EZkeys läuft im Stand-Alone-Modus, als VST, AU und RTAS mit 32 oder 64 Bit.
Software-Überblick
Die einzelnen Features
Soundbeispiele
Hören wir uns zuerst einmal den Grundsound von EZkeys Grand Piano anhand von einigen der mitgelieferten MIDI-Files an. Das gibt auch gleich eine gute Übersicht über die Praxisnähe und die Vielfalt dieser MIDI-Files. Gesampelt wurde übrigens ein Steinway-D-Flügel.
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Als nächstes möchte ich zeigen, welche Soundvielfalt man durch die in eingeschränktem Umfang editierbaren Sound-Presets hat:
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Das erscheint mir eher als Spielerei, zumal die Einstellmöglichkeiten ziemlich beschränkt sind. Mit zusätzlichen Effekt-PlugIns erreicht man deutlich bessere Ergebnisse. Aber vielleicht findet jemand diese Sounds auch hilfreich? Schaden tun sie jedenfalls nicht, man kann ja auch nur den Standard-Piano-Sound verwenden, wenn man die anderen Sounds nicht braucht…
Anhand des folgenden Beispiels zeige ich die Bearbeitungsmöglichkeiten der mitgelieferten MIDI-Files. Dazu habe ich mir im EZkeys-Interface selbst ein Blues-Pattern mit wenigen Mausklicks zurechtgebastelt: Das Pattern in das EZkeys-eigene Arrangierfeld in der unteren Hälfte des PlugIns gezogen, den 2. Takt zur IV. Stufe transponiert und die letzten vier Takte abgeschnitten und gelöscht. Von einem weiteren Pattern die ersten acht Takte abgeschnitten und die verbliebenen vier Takte an das vorherige Beispiel angeklebt, um den Intensitätslevel etwas anzuheben. Zum Abschluß noch eins der – leider nicht sehr zahlreichen – Endings angefügt. Dauer der Bearbeitung: Handgestoppte 79 Sekunden!
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Der einzige nennenswerte Zeitaufwand ist also nur das Aussuchen der zu dem jeweiligen Song passenden MIDI-Files, das Bearbeiten selbst ist im Handumdrehen erledigt! Besondere Erwähnung verdient hier noch der Chord-Selector, der auch Nicht-Musik-Theoretikern das Ausprobieren von diversen Akkord-Optionen und -Alterationen per Mausklick ermöglicht. Lobenswert ist auch die zuschaltbare Vorhörfunktion innerhalb des Chord-Selectors.
Als letztes Soundbeispiel möchte ich noch zeigen, wie sich das EZkeys Grand Piano in einen kompletten Band-Track einfügt. Dazu habe ich den eben erzeugten Part nach A transponiert und auf ein kleines Blues-Solo gepackt. Nochmal im Klartext: Das Audio-File war schon fertig aufgenommen, ich habe nur eine MIDI-Spur hinzugefügt und den eben erzeugten MIDI-Part draufgeschoben. Kein EQing, kein Mastering, kein Kompressor oder sonst irgendetwas, einzig die Lautstärkefader habe ich angeglichen!
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Praxis

Ob im Stand-Alone-Betrieb oder als PlugIn in einer DAW: EZkeys macht einfach Spaß! Alle Features sind übersichtlich angeordnet und schnell zu erfassen. Nach dem Öffnen sind die Samples nach wenigen Sekunden geladen (7 Sekunden bei einer SSD mit einer ansonsten nicht mehr ganz aktuellen Hardware).
Man kann die mitgelieferten MIDI-Files gleich in EZkeys selbst bearbeiten (Zerschneiden, Kleben, Einfügen, Löschen, Transponieren). Dabei kann man einzelne Akkorde, einzelne Parts oder gleich den ganzen Song transponieren. Es können beliebige MIDI-Files in EZkeys importiert werden. Diese können dann genauso bearbeitet werden wie die internen Files. Wenn man ein Programm wie Band-in-a-Box oder professionelle MIDI-Files von den eigenen Lieblingssongs besitzt, könnte man also deren Piano-Parts (und natürlich auch die Gitarren-, Bass- oder Bläser-Parts) in EZkeys weiterverarbeiten und anschließend in den eigenen Song einbauen. Wie wäre es zum Beispiel mit dem Original-Piano-Part aus Totos „Hold The Line“, mit wenigen Mausklicks an Tempo, Tonart und Akkordfolge des eigenen Songs angepasst? Die Möglichkeiten sind endlos…
Wer die EZkeys-Library über eine Tastatur spielen möchte, wird folgende Features zu schätzen wissen: Wie ein echter Flügel verfügt EZkeys Grand Piano über drei Pedale, nicht nur über ein Sustain-Pedal. Das integrierte Software-Metronom verfügt über diverse Einstellmöglichkeiten.
Die mitgelieferten MIDI-Files

Dies ist das Feature, das EZkeys Grand Piano von allen anderen mir bekannten Piano-Libraries unterscheidet. Und diese Piano-Parts sind richtig gut! Sie sind interessant, aber nicht so verspielt, dass sie unbrauchbar wären. Da hat sich jemand richtig Gedanken gemacht! Es macht einfach Spaß, sich beim Songschreiben auf der Suche nach einem passenden Klavier-Part durch die Beispiele der entsprechenden Stilistik zu klicken. Den oder die passenden Parts zieht man dann per Drag and Drop in seinen Sequenzer und fertig. Auf Wunsch kann man die Piano-Parts aber auch ausführlich bearbeiten und komplett verändern.
Mögliche Einsatzgebiete für EZkeys
- VST-Instrument: Zu allererst kann man die Sounds von EZkeys natürlich ganz banal mit jedem MIDI-fähigen Keyboard spielen.
- Pianist-in-a-Box: Zu einem vorhandenen Song lässt man sich einen Piano-Part „einspielen“. Die Akkordfolge kann man ganz leicht per Mausklick an den eigenen Song anpassen.
- Gehörtraining oder Erlernen neuer Klavier-Parts: Man kann sich die Piano-Parts, die einem am besten gefallen, als MIDI-File exportieren und in einer entsprechenden Software als Noten anzeigen lassen. Vorher kann man sie natürlich auch nach Gehör nachspielen und dann mit den Noten kontrollieren. Nur Fingersätze muss man sich noch selbst überlegen…
- Inspiration: Man entdeckt tolle Parts und Akkordfolgen und lässt sich zu neuen Songs oder Song-Parts inspirieren. Natürlich werden die Akkordfolgen auch angezeigt, so dass man sie auf Gitarre oder Bass übertragen kann. Eine weitere Inspirationsquelle ist die Chord-Randomize-Funktion, die genau das macht, was ihr Name verspricht: Die Akkorde innerhalb des Files durcheinanderwürfeln. Das Ergebnis gefällt nicht? Mit jedem Mausklick hat man eine neue Akkordfolge…
Ein sehr nützliches Feature ist auch die unscheinbare „Find in Browser“-Funktion: Wenn man etliche Pattern in das Arrangier-Feld in der unteren Hälfte des EZkeys-Fensters gezogen hat, diese dann gekürzt und bearbeitet hat, dann weiß man wahrscheinlich nicht mehr, welcher Takt von welchem Pattern gekommen ist. Um dieses Pattern zu finden, klickt man den Part mit der rechten Maustaste an und wählt die „Find in Browser“-Funktion. Schon öffnet sich im oberen Fenster das entsprechende Pattern, und man kann es noch einmal in der unbearbeiteten Original-Version in den Song einfügen. Sehr praktisch und durchdacht!
Eine weitere sinnreiche Funktion nennt sich „Preview in original tempo on/off“. Damit wählt man, ob das jeweilige MIDI-File synchron zum Tempo der DAW läuft oder in dem Tempo, in dem das File ursprünglich eingespielt wurde. Und schließlich erlaubt das „Favourites“-Fenster das Speichern und Merken der Lieblings-Piano-Parts.
Fazit
Das gefällt mir nicht
Im Stand-Alone-Betrieb ist es ärgerlich, dass gewisse Tastaturbefehle, die heutzutage eigentlich Standard sein sollten, nicht verfügbar sind: CTRL-C, CTRL-X, CTRL-V und Entf um den selektierten Part zu kopieren, auszuschneiden, einzufügen oder zu löschen würden den Workflow hier erheblich erleichtern. Außerdem gibt es nur zu ein paar Songs die passenden Intros. Endings und Spezial-Effekte (Glissando aufwärts und abwärts) gibt es nur eine handvoll. Liebe Toontracker: Bitte zu jedem Grund-Pattern ein paar Intro- und Ending-Variationen anbieten!
Das gefällt mir
Dies ist ein VST-Instrument von Musikern für Musiker! Songwriter und (Home-)Studio-Besitzer können nun Piano-Parts in unterschiedlichen Musik-Stilen mit beliebigen Akkordfolgen im Handumdrehen erzeugen. Wer mag, kann auch selbst in die Tasten greifen und die mitgelieferten Samples spielen.
- Einfache Bedienung
- Geringe CPU/RAM-Auslastung
- MIDI-Library: Viele amtliche Piano-Parts, viele Stilistiken, verschiedene Komplexitäts-/Intensitäts-Stufen, verschiedene Song-Teile (Intro, Strophe, Chorus, Bridge)
- Bearbeitungsmöglichkeiten (Akkordfolge anpassen, Transponieren, Vorhören der Parts direkt im EZkeys-GUI wahlweise im Originaltempo oder im Tempo des eigenen Songs…)
- Der übersichtliche und selbsterklärende Chord-Selector für das Bearbeiten einzelner Akkorde
- Stand-Alone-Betrieb möglich
Toontrack geht mal wieder eigene Wege und bringt mit dieser Mischung aus Piano-Library und Pianist-in-a-Box ein innovatives und praxisnahes Produkt auf den Markt. Profi-Pianisten und Klangästheten, die auf der Suche nach dem bestem Sound und umfassend editierbaren Effekten sind, werden anderswo sicher bessere Angebote finden, doch für die gelungene Portierung des EZ-Konzepts, der souveränen Ausgestaltung und den riesengroßen und unkomplizierten Spielspaß, der so momentan in keinem anderen Produkt zu finden ist, gibt’s von mir den
Was erwartet uns als nächstes? EZkeys B3-Organ? Rhodes? Wurlitzer? MIDI-Style-Packs mit noch mehr Piano-Parts und -Grooves? Wie schon beim EZdrummer gibt es auch bei EZkeys ein Library-Auswahl-Fenster. Zur Zeit findet man dort zwar nur das Grand Piano, aber in der Bedienungsanleitung ist die Rede von der „EZkeys-Produkt-Linie“ und von „EZkeys Upright Piano“ … Es ist zu vermuten, dass andere Hersteller wie schon beim EZdrummer das großartige Konzept aufgreifen und weiter verfeinern werden. Zum Beispiel aus den Abbey Road Drums von Native Instruments wurde Abbey Road Drummer – mit MIDI-Grooves und Mix-Presets! Vielleicht wird aus den „Vintage Keys“ und den „Vintage Organs“ von NI ja bald „Vintage Keyboarder“ und „Vintage Organist“? Die fortwährenden Verbesserungen, die der Konkurrenzkampf hervorbringt, kann uns Musikern nur recht sein. Ich freue mich schon auf die nächsten Libraries in dieser Serie. Und bis es soweit ist, werde ich mit meinem neuen virtuellen Pianisten eine Menge Spaß haben…

Andi Saitenhieb
Preis (Stand: April 2012)
- 139 Euro (Download)
Ergänzende Links
- Hersteller: Toontrack
- Produktwebseite EZkeys Grand Piano
- Weitere Toontrack-Tests auf ReleaseTime

Eigentlich erstaunlich, dass nicht schon früher jemand auf so eine Idee kam.
Eingeschränkt ist dies zwar auch mit den Midi-Files aus den Apple Jam Tracks möglich, aber nicht so komfortabel, wie das anscheinend mit Smart Transopose geht.
Wobei natürlich die beatlelesken Chord Progressions schon frech sind.
Wie sieht es denn z.B. aus, wenn man verschiedene Styles kombiniert?
Bei den Jam Packs ist das z.B. sehr holprig, wenn man z.B. ein ein jazziges Piano für die Strophe und etwas Latin-mäßiges für den Chorus nimmt. Da kommt man meist nicht umhin, an den Übergängen zu arbeiten.
Hallo Heiko!
Warum noch niemand auf etwas so Naheliegendes gekommen ist, das habe ich mich auch gefragt. Andererseits: Das Gitarren-Riff von Satisfaction mit seinen drei Tönen ist auch sowas von naheliegend, das hätte auch jeder drauf kommen können. Sind wir anderen aber leider nicht…
Melodien / Kompositionen und Texte sind geschützt, Akkordfolgen nicht.
Das geht ja auch gar nicht, das es nur eine recht überschaubare Anzahl von Akkordkombinationen (12 Grundtöne, Moll oder Dur, plus ein paar Options-/Alterationstöne) gibt, aber zig Millionen Songs.
Da muss sich ja etwas wiederholen. Die “typischen” Akkordfolgen und Begleitpattern machen ja gerade den Reiz von EZKeys aus: Sie kommen so oder ähnlich in unzähligen Songs vor, und deshalb passen sie auch so schön in die eigenen Songs. Ein “echter” Keyboarder hätte ja auch etwas in der Art gespielt…
Das Kombinieren von verschiedenen Patterns eines Styles geht problemlos (siehe Hörbeispiel mit den verschiedenen Blues & Boogie-Patterns), bei abrupten Style-Wechseln muss man die Übergänge natürlich ein bisschen anpassen.
Im einfachsten Fall schneidet man die letzten paar Töne des ersten Patterns weg (das geht auch in EZKeys selbst, da man reinzoomen und ganz kleine Parts abschneiden & löschen kann), baut in der Drumspur des Sequenzers ein kleines Drumfill als Übergang ein, und dann geht´s im neuen Style mit einem anderen Piano-Pattern weiter.
Blues & Gruß,
Andi
Hi Andi,
Super Test, danke dafür. Das Einzige das mir fehlt ist der Download-Link … oder zumindest der Link zum Hersteller …
Hallo Harry,
da hast Du recht
http://www.toontrack.com/products.asp?item=125
Es gibt auch eine Demo-Version zum Runterladen…
Andi
Geniales Teil
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