
Die von diversen Herstellern angebotenen Schlagzeug-Libraries werden immer realistischer und enthalten mittlerweile auch fast alle etliche MIDI-Drum-Pattern. Diese decken normalerweise eine große stilistische Bandbreite ab. Wenn man mehrere Songs oder gar ein ganzes Album aufnehmen möchte, ohne selbst Schlagzeuger zu sein, braucht man aber mehr Pattern eines bestimmten Musikstils. Deshalb testen wir diesmal die Drum-MIDI-Paks von Toontrack: Blues-MIDI, Rock-Songs, Songwriter’s Drumpack 1-3 und Songwriter’s Fillpack 1-2.
Installation
Die Installation ist völlig stressfrei: Nachdem man einen User-Account auf der Herstellerwebseite angelegt hat, kauft man ein MIDI-Pack (jeweils 25 Euro), bezahlt es (mit Kreditkarte über PayEx), und dann erscheint es jedes Mal nach dem Einloggen unter „My Products“. Einfach runterladen, exe-Datei ausführen, fertig. Die neuen MIDI-Files erscheinen dann im EZdrummer nach dem Öffnen des Grooves-Fensters als „Add-On Packs“. Natürlich kann man die MIDI-Files auch in einen anderen Ordner ziehen und mit anderen Schlagzeug-Libraries verwenden (dazu später mehr).
Überblick
Blues MIDI

- komplette 12-taktige Chorus-Variationen
- kategorisiert in verschiedene Songs
- Open HiHat / Closed HiHat / Cymbals / Breaks / Intro Fills / Fills / Endings
Rock-Songs

- ca. 450 verschiedene Files
- kategorisiert in verschiedene Songs
- Intro / Verse / Pre-Chorus / Chorus / Bridge / Fills mit diversen Variationen
- komplette Jamtracks der einzelnen Songs
- Ballad- / Halftime- / Midtempo- / Uptempo- / Shuffle-Variationen
Songwriter’s Drum-Pack 1-3

- ca. 450-500 verschiedene Files
- kategorisiert in verschiedene Songs
- Intro / Verse / Pre-Chorus / Chorus / Bridge / Fills mit diversen Variationen
- 3/4, 4/4, 6/8 in Swing und Straight
Songwriter’s Fill-Pack 1-2

Kompatibilität
Die MIDI-Files sind jeweils vorgesehen für 1 Bass-Drum, 1 Snare, 2 Hänge-Toms, 1 Floor-Tom, 2 Crashbecken und 1 Ride. Vorgesehen sind die MIDI-Packs natürlich hauptsächlich für die Toontrack-Produkte „EZdrummer“ und „Superior Drummer 2“.
Bandbreite der Soundbeispiele
Hören wir uns nun als erstes mal die Bandbreite der Grooves an. Ich habe mich willkürlich durch die mir vorliegenden MIDI-Packs geklickt und jeweils eine handvoll der Basis-Beats ausgesucht, die mir besonders gefallen haben. Natürlich gibt es zu jedem dieser Grooves etliche Variationen, Fills, Intros, Endings etc. Doch dazu später mehr.
Rock-Songs
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Blues-MIDI
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Songwriter’s Drumpack 1
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Songwriter’s Drumpack 3
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Das klingt doch schon mal ziemlich gut! Gehen wir einen Schritt weiter …
Kompatibilität mit anderen Drum-Libraries
Ein Fill und ein Groove aus dem Blues-MIDI-Pack mit dem EZdrummer gespielt:
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Aber wie langweilig wäre das Musikmachen denn, wenn man alles nur wie vorgesehen verwenden würde? Dann gäb´s heute keine verzerrten E-Gitarren … (mein persönlicher Alptraum
) Beispielweise bei den Drummern der Abbey Road-Serie von Native Instruments kann man im Tab „Options“ das MIDI-Mapping „EZdrummer“ auswählen. Schauen wir doch mal, ob das klappt …
Dasselbe MIDI-File wie im vorherigen Beispiel, aber mit dem Early Kit des Abbey Road 60s Drummers gespielt:
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Dass man auf diese Weise die Grooves bequem auch in anderer Software verwenden kann, ermöglicht flexible Einsatzmöglichkeiten und Experimente. So kann man beispielsweise ein seit ABBA-Zeiten beliebten Studio-Trick auch mal auf Drums anwenden: Das doppelte Einspielen von Instrumenten. Dazu habe ich einfach das MIDI-File auf eine zweite Spur kopiert und lasse die eine mit dem EZdrummer und die andere mit dem Abbey Road 60s Drummer abspielen:
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Dieses Beispiel mit der kompletten Dopplung klingt vielleicht etwas übertrieben, aber man könnte ja zum Beispiel nur die Bass Drum dopppeln und die restlichen MIDI-Noten aus einer der beiden Spur löschen. Oder oder oder … der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt!
Praxistauglichkeit
O.k., jetzt geht’s ans Eingemachte! Ein paar nette Drum-Grooves zusammenstellen, das ist ja noch nicht so schwer, aber kann man mit den mitgelieferten Variationen zu ein und demselben Groove auch wirklich einen kompletten Song basteln? Um das auszuloten, habe ich mir exemplarisch den Song „Backbeat (Tempo 104)“ aus der Kategorie Shuffle aus dem Blues-MIDI-Paket ausgesucht und präsentiere jetzt die gebotenen Variationen.
So klingt die erste 12-Takt-Variation mit Closed HiHat:
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… und so die zweite:
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Es gibt noch eine Variation mit Open HiHat …
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… und drei Variationen mit Ride:
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Sehr schön! Es werden also in jedem Durchgang andere kleine Variationen gespielt und nicht einfach nur ein Pattern kopiert und die HiHat-Noten auf das Ride transponiert. So würde es ein echter Drummer auch machen.
Typisch für die Stilistik Blues ist natürlich auch, dass der eine oder andere 12-Takt-Chorus mit Stopps gespielt wird (Für die Nicht-Blueser: In den ersten vier Takten werden dabei nur einzelne Schläge gespielt, ab dem fünften Takt geht es „normal“ weiter). Und davon finden wir zu diesem Song gleich vier verschiedene Variationen unter der Bezeichnung „Break“. Logischerweise sind diese MIDI-Loops nur 4 Takte lang. In der Praxis würde man bei einer der oben gezeigten 12-Takt-Variationen die ersten vier Takte abschneiden und die restlichen acht Takte an eines der folgenden Stopp-Chorus-Beispiele ankleben:
Stopp-Chorus 1:
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Stopp-Chorus 2:
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Stopp-Chorus 3:
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Stopp-Chorus 4:
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Klasse! Könnte ich jetzt bitte noch ein paar Fills haben? Kann ich! Um genau zu sein: Es liegen für diesen Song 11 verschiedene Fills vor. Zum einfacheren Einfügen sind diese MIDI-Parts jeweils einen Takt lang, auch wenn der Fill erst später im Takt beginnt. Absolut praxistauglich! Und so klingen die Fills (alle 11 Fills in einem Track, jeweils zwei Zählzeiten Pause zwischen den einzelnen Fills):
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Innerhalb eines Songs finde ich nichts zu meckern, mit den gebotenen Songteilen und Variationen kann man sich wirklich problemlos Schlagzeugspuren zu ganzen Songs basteln.
Dann prüfe ich als Blues-Spezialist noch mal das Blues-Paket auf Herz und Nieren und schaue nach, ob die Jungs von Toontrack auch wirklich an ALLE wichtigen Blues-Stile gedacht haben.
Es gibt diverse Slow-, Midtempo- und Uptempo-Songs, sowohl shuffle als auch straight.
- Blues-Rhumba? Vorhanden.
- Train-Beat? Liegt gleich in zwei Versionen vor (Mid-Tempo und Up-Tempo).
- O. k., jetzt will ich´s aber wirklich wissen! Bo-Diddley-Beat? Auch vorhanden!
Hut ab! Außer den etwas unglücklichen Bezeichnungen einzelner Variationen habe ich an den MIDI-Files beim besten Willen nichts auszusetzen.
Benennung & Sortierung der MIDI-Files
Die Bezeichnung und Einsortierung der einzelnen MIDI-Grooves ist folgendermaßen aufgebaut:
- Hauptkategorie: Ballad / Halftime / Midtempo etc. – alles bestens.
- innerhalb eines Styles: Tempo und Bezeichnung wie „funky“ – auch sehr gut.
- Dann die Einteilung in Song-Teile: Verse, Chorus, Intro. Klasse!
Aber dann kommt’s:
- Die Bezeichnung der einzelnen Variationen innerhalb jedes Song-Parts lauten „Variation 1“, „Variation 2“ usw.
Was soll das denn? Bei der EZdrummer-internen MIDI-Groove-Sammlung ist das vorbildlich gelöst: „Hats 16th Open“ oder „Ride 8th Bell“, teils mit dem Zusatz „Ghost“, wenn Ghost Notes gespielt werden. Warum dieses bewährte Konzept bei den später erschienenen MIDI-Packs nicht beibehalten wurde ist mir ein Rätsel. (Beim Blues-Pack ist das übrigens egal, da es sich (außer bei den Fills und den Breaks) jeweils um komplette 12-taktige Durchgänge handelt und diese innerhalb der Songs in die Rubriken Hats Closed / Hats Open / Cymbals / Breaks / Fills eingeteilt sind.)
Dafür kann man die MIDI-Files und Ordner problemlos umbenennen und umsortieren. Man kann auch eigene Variationen zu einzelnen Songs hinzufügen, sich einen Favoriten-Ordner erstellen, oder einzelne Files (oder ganze Ordner) löschen. Im EZdrummer kann man dazu auch direkt den User-MIDI-Ordner öffnen, indem man auf das kleine Fragezeichen (rechts oben im EZdrummer-Interface) klickt und den Menüpunkt “User MIDI Folder” auswählt.
Beim Umbenennen muss man die Regeln der Ordner-Bezeichnung beachten, damit die Files korrekt angezeigt werden. Das hätte vielleicht im EZdrummer Manual kurz beschrieben werden können. Wünschenswert wäre auch die Möglichkeit, sich einen User-Ordner auszusuchen, damit man nicht für jede Drum-Library die User-Files in den jeweiligen Ordner kopieren muss. (Aber das hat beides nichts mit den hier getesteten MIDI-Packs zu tun.)
Mögliche Einsatzgebiete für die MIDI-Packs
- Drummer-in-a-Box: Zu einem vorhandenen Song lässt sich mit wenigen Mausklicks ein abwechslungsreiches und authentisches Schlagzeug erzeugen. Bei Bedarf können die MIDI-Noten natürlich den eigenen Vorstellungen entsprechend modifiziert werden.
- Jam-Partner / Deluxe-Metronom: Im kostenlosen Stand-Alone-Programm „Toontrack Solo“ kann man einzelne Grooves beliebig lange als Loop abspielen lassen und dazu üben. Das Tempo ist einfach verstellbar und man braucht nicht extra den großen Sequenzer als Host öffnen.
- Mit dem kostenpflichtigen „EZ Player Pro“ kann man anscheinend sogar verschiedene Grooves auf die Timeline ziehen und ganze Schlagzeug-Arrangements erstellen (Das habe ich aber nicht probieren können.)
- Gehörtraining / Erlernen neuer Drum-Grooves: Man kann sich die Drum-Parts als Loop vorspielen lassen und sie heraushören / transkribieren. Anschließend kann man sich die Notation der Files im Sequenzer anzeigen lassen und die Transkription korrigieren. Das ist sowohl für Drum-Programmierer als auch für nicht so erfahrene Schlagzeuger interessant, um sich mit einem bestimmten Stil näher auseinanderzusetzen. (Beim Heraushören von CD hat man keine Möglichkeit, seine Transkription zu korrigieren, und außerdem ist das Heraushören von CD deutlich schwieriger, da die anderen Instrumente mitspielen.)
- Inspiration: Man kann tolle Grooves und Fills entdecken und sich zu neuen Songs oder Song-Parts inspirieren lassen.
Fazit
Diese MIDI-Grooves machen einfach Spaß! Zum Preis von weniger als einer Schlagzeug-Unterrichtsstunde bekommt man professionelle Drum-Files, die grooven, viele Stilistiken abdecken und aus denen sich schnell und einfach komplette authentische Schlagzeugspuren zusammenbasteln lassen. Die passende Variation eines Grooves ist aufgrund der übersichtlichen Kategorisierung schnell gefunden. Man kann sich auch ohne weitere Bearbeitung im Handumdrehen eine abwechslungsreiche Schlagzeugspur zusammenklicken. Falls gewünscht, kann man die Drumgrooves im Sequenzer aber auch nach Herzenslust bearbeiten. Neben den genannten MIDI-Packs gibt es noch etliche weitere, unter anderem Americana, Jazz, Metall, Extreme, Roots und natürlich die bekannten „Monster-MIDI-Packs“ Vol. 1-4.
Das gefällt mir nicht
Klanglich habe ich an den MIDI-Files selbst überhaupt nichts auszusetzen. Ich hätte aber einen funktionalen Verbesserungsvorschlag für den EZdrummer: Einen Preview-In-Original-Tempo-Schalter! Die EZdrummer Vorhör-Funktion passt sich automatisch dem Sequenzer-Tempo an. Das ist klasse und absolut sinnvoll, aber diese Funktion sollte unbedingt auch abschaltbar sein, da man die Songs natürlich auch oft in dem Tempo hören will, in dem sie ursprünglich eingespielt wurden. Außerdem sollten die Bezeichnungen der einzelnen Variationen etwas aussagekräftiger als „Variation x“ sein.
Das gefällt mir
- Übersichtliche Kategorisierung in verschiedene Songs / Styles / Tempi (außer Benennung der einzelnen Variationen)
- Verschiedene Songteile für jeden Groove (Intro, Verse, Pre-Chorus, Chorus, Bridge Ending)
- Diverse Variationen von jedem Groove (Closed HiHat / Open HiHat / Ride mit / ohne Ghost Notes)
- Stilistische Sortierung: Man kauft entweder nur Files zu einem Stil (Rock, Blues, Jazz, Metal, Americana…) oder eine Rundum-Sorglos-Kollektion (Monster-Packs, Songwriter’s Packs). Zusätzlich kann man sich auch reine Fill-Sammlungen zulegen. Vorbildlich!
Andi Saitenhieb
Preis (Stand: Mai 2012)
- 25 Euro pro MIDI-Pack (Download)
Ergänzende Links
- Weitere Toontrack-Tests auf ReleaseTime
- Herstellerwebseite von Toontrack

“Klanglich habe ich an den MIDI-Files selbst überhaupt nichts auszusetzen.”
Hö, wie jetzt?
Hallo Andreas,
vielleicht habe ich mich mit dem Wort klanglich etwas missverständlich ausgedrückt. MIDI-Files selber “klingen” natürlich nicht im Sinne von Sound, denn dafür sind ja die abgespielten Samples verantwortlich.
Aber sie “klingen” im Sinne von grooven (oder oder eben nicht grooven), von der Auswahl der angebotenen Variationen innerhalb eines Grooves und von der Auswahl der angebotenen Songs/Stilistiken innerhalb einer Groove-Sammlung. Und bei all diesen Punkten bin ich begeistert!
Grüße,
Andi
Naja, dachte ich mir schon. Schade, dass die MIDI Files nur für Toontrack sind. Es gibt ja durchaus einen bekannten Hersteller, der verschiedene Formate, sogar einschließlich GM Standard, anbietet. Ein Test dieses Herstellers wäre auch mal aufschlussreich gewesen.
Hallo Andreas,
welchen Hersteller meinst Du denn genau? Es gibt verschiedene Hersteller von MIDI-Packs, neben Toontrack haben z. B. auch xln audio (Addictive Drums) und Groove Monkey MIDI-Drum-Loops im Angebot.
Die hier getesteten MIDI-Drum-Files von Toontrack kann man natürlich – wie im Test mit dem Abbey Road 60s Drummer von Native Instruments gezeigt – natürlich auch mit anderen Drum-Libraries abspielen.
Entweder haben die VST-Drummer gleich ein entsprechendes Mapping mit an Bord oder man bastelt sich z. B. in Cubase selbst eine entsprechende Drum Map. Mit einer solchen Drum-Map kann man jedes MIDI-File auf jede Drum-Library mappen, also auch auf GM. Wenn die eigene Library irgendeine Artikulation nicht enthält (z. B. HiHat 7/8 geöffnet), dann mappt man sie halt auf eine möglichst ähnliche Artikulation (z. B. HiHat Open)
Um es mit den Worten von Alf zu sagen: Null Problemo!
Blues & Gruß,
Andi
Ja, ich meinte Groove Monkee. Ich nutze BFD Eco und dort gibt es keine Möglichkeit, die Sounds entsprechend zu mappen. Als Host verwende ich Reaper, muss mal nachsehen, ob sich das etwas machen lässt.
Gruß,
Andreas