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Test: VSL Vienna Ensemble Pro

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Die Vienna Symphonic Library ist den meisten Musikern im virtuellen Soundtrack-und Klassik-Genre ein Begriff. Man denkt sofort an hochqualitative Einzelinstrumente, allesumfassende Kollektionen und präzises Sampling. In letzter Zeit machen die Wiener Entwickler aber auch mit ihrem Mixing-Host “Vienna Ensemble Pro” von sich reden. Unsere Frage war, ob die Software unsere hohen Erwartungen erfüllen kann. Die Antwort liefert dieser Test.

Wer auf einem Mac von der fehlenden 64 Bit-Kompatibilität seiner Software-Instrumente genervt ist, bekommt diese Software ebenso als beste Lösung genannt wie derjenige, der projektübergreifende Templates gestalten möchte, um seinen Arbeitsablauf zu verbessern – ganz zu schweigen von denjenigen, die ihre Samples auf mehreren Slave-Computern verteilen und im Netzwerk streamen wollen.

VE Pro ist ein Standalone-Programm, das das Einbinden von Vienna-Instrumenten und Drittanbieter-VSTis erlaubt und mit dem alle eingebundenen Instrumente mit Effekten versehen, gemischt und im Panorama verteilt werden können. Es kann ohne Drittprogramme mit dem Sequencer verknüpft werden und erlaubt somit das Schließen und Öffnen von Sequencer-Projekten ohne erneutes Laden der Samples.
Versionen

VE gibt es in zwei Versionen. “Vienna Ensemble” ist für Besitzer eines beliebigen Vienna-Instruments kostenlos im VSL-Downloadbereich verfügbar und bietet alle Funktionen mit Ausnahme des Netzwerksupports. “Vienna Ensemble Pro” ist kostenpflichtig zu erwerben und bietet neben dem zusätzlichen Netzwerksupport noch das “Epic Orchestra”, eine Sammlung von VSL-Instrumenten, als Gratis-Dreingabe.

Installation

Nach dem Kauf von VE Pro stehen die Installationsanwendung für die Software und die Archivpakete für das Epic Orchestra im Downloadbereich bereit. Die Installation erfolgt automatisch.

Autorisation

Zur Autorisierung ist ein ViennaKey oder ein eLicenser-Dongle gleicher Bauart (z. B. Steinberg-Key) nötig. Kauft man VE Pro im VSL-Shop, erscheinen die Lizenzen (drei Lizenzen für VE Pro zur gleichzeitigen Benutzung auf drei Rechnern und drei Lizenzen für das Epic Orchestra) automatisch im VSL-Profil. Hat man die Software von einem freien Verkäufer erworben, müssen die beim Kauf erhaltenen Codes dort noch eingegeben werden. In beiden Fällen stehen sie dann zum Download mit dem eLicenser Control Center bereit, wodurch sie auf den USB-Key transferiert werden.

Will man die Netzwerkfunktion nutzen, braucht man für jeden Computer einen eigenen USB-Key.

Die Software

VSL Vienna Ensemble Pro

Dreh- und Angelpunkt bei der Arbeit mit VE Pro ist die Serveranwendung. Die Anwendung steht in einer 32 Bit- und einer 64 Bit-Version zur Verfügung. Eine Server-Einheit kann beliebig viele Instanzen enthalten, in denen wiederum die VST-Plug-ins bzw. die Vienna-Instrumente geladen werden. Für 32 Bit-Plug-ins muss ein 32 Bit-Server mit einer 32 Bit-Instanz laufen, bei 64 Bit-Plug-ins funktioniert es analog. Ob der Sequencer, mit dem VE Pro angesteuert wird, in einer 32 Bit- oder 64 Bit-Variante läuft, ist irrelevant, es zählen nur die Plug-ins in den VE Pro-Instanzen.

VSL Vienna Ensemble Pro

In den Instanzen findet schließlich die eigentliche Arbeit statt – das Laden der Plug-ins, das Mixing und das Einbinden der Effekte. In der vertikalen Leiste am linken Rand sind die eingefügten Plug-ins aufgelistet; mit einem Klick auf den Namen kommt man zur Plug-in-Ansicht. Ein Klick auf den Master-Bus oder das Mischpult-Symbol im Buttonmenü oben führt zur Mixer-Ansicht, die auf dem Bild dargestellt ist. Hier befinden sich im Grunde dieselben Buttons und Fader wie links in der Liste, allerdings wesentlich detaillierter und komfortabler. Die Mixer-Ansicht kommt immer dann zum Einsatz, wenn Effekte hinzugefügt oder das Panorama bzw. die Lautstärke verändert werden soll. Hier lassen sich die einzelnen Plug-Ins auch stumm- oder in den Solomodus schalten.

VSL Vienna Ensemble Pro

Bild: Zum Vergrößern klicken

Damit das MIDI-Signal aus dem Sequencer auch in VE Pro ankommt, muss eine Verbindung vom Sequencer zur Software eingerichtet werden. Dafür stellt VSL das VSTi-Plug-in in einer 32 Bit- und einer 64 Bit-Version bereit. Welche Version man hier wählt, hängt allein vom Sequencer ab.

Nach einem Klick auf “Connect” sieht man die Instanzen aller gerade laufenden Server-Einheiten in einer Liste – unabhängig davon, ob sie im 32- oder 64 Bit-Server laufen. Man wählt eine Instanz aus, klickt ein weiteres Mal auf “Connect” und sieht an der grünen Statusschrift, dass der Sequencer mit der gewählten Instanz verbunden ist. Meiner Erfahrung nach ist die standardmäßig gewählte Latenzeinstellung ausreichend. Bei Bedarf lässt sich diese im aktiven Plug-in-Fenster nachjustieren.

Funktioniert das denn?

Mit Drittanbieterprogrammen ist das ja immer so eine Sache. Vor dem Kauf kommen da Fragen auf: Funktioniert das Programm denn mit all meinen Plug-ins? Funktioniert die Anbindung an meinen Sequencer? Halten die Entwickler, was sie versprechen?

Meine Antwort: Ja!

Ich habe VE Pro mit Cubase 5 getestet und hatte keine technische Probleme. Von Logic-, Pro Tools- und Reaper-Usern hört man Ähnliches. Von Marktgrößen wie Native Instruments Kontakt 4 und EastWest PLAY bis hin zu Best Service Engine 2 und diversen Native Instruments-Synthesizern verlief mein Test mit allen mir zur Verfügung stehenden VSTis erfolgreich.

Ein großer Vorteil besteht darin, dass sowohl 32 Bit- als auch 64 Bit-Plug-ins in jeder Sequencerversion laufen. Solange man das richtige VE Pro-Plug-in auswählt, interessiert es den Sequencer schlicht nicht, welche Version das Plug-in hat, das in VE Pro eingebunden ist. Es sendet MIDI-Daten und empfängt Töne, unabhängig von Plug-in-Versionen und Systemressourcen. Die Ressourcenverwaltung läuft über VE Pro, welches in meinen Tests hervorragend mit dieser Aufgabe klarkam.

Die Preserve-Funktion hat sich als wahrer Zeitsparmechanismus erwiesen. Wer viele Projekte mit den gleichen Instrumenten verfolgt, wird diese Funktion lieben. Da VE Pro nicht sequencerintern läuft, ist es mit dieser Funktion möglich, den Sequencer zu schließen (oder abstürzen zu lassen), ohne die Samples aus dem RAM zu verlieren. Man schließt ein Projekt, öffnet das nächste und kann sofort wieder weiterarbeiten. So macht es erstmals wirklich Sinn, sich große Templates mit ganzen Orchestern zu bauen. Egal, welches Projekt man öffnet, man hat die Instrumente nach einmaligem Laden (nach jedem PC-Neustart, versteht sich) immer sofort griffbereit.

Die Instanzen lassen sich einzeln speichern, man kann aber auch die Daten eines ganzen Servers speichern. Da es vom Sequencer abhängt, wieviele MIDI-Verbindungen man zu VE Pro hat (Cubase 5 kann 16 Verbindungen zu VE Pro legen, wie zu jedem anderen VSTi auch) ist es mitunter nötig, mehrere Instanzen zu öffnen. Das wird auch dann nötig, wenn ein Plug-in wie beispielsweise East West Play im VSTi-Format nur einen CPU-Kern gleichzeitig verwenden kann. Große Projekte lassen somit die Notwendigkeit entstehen, mehrere Instanzen auf einmal zu öffnen. Dank der komfortablen Speicherfunktion der Server-Anwendung werden also alle Instanzen im Server gleichzeitig gespeichert und können beim nächsten Serverstart wieder aufgerufen werden.

Die Zugabe – das Epic Orchestra

Käufer der Pro-Version bekommen eine kleine Auswahl des VSL-Instrumentariums geschenkt. Von solchen Dreingaben erwartet man im Allgemeinen nicht mehr als ein wenig Werbung für die “großen Brüder”. Mit bei den meisten Patches drei Velocity-Layern und zweifachem Round Robin ist auch Epic Orchestra nicht mehr als das.

Die Instrumente

  • Appassionata Strings (Stacc, Sus, Sfz, Tremolo, Pizz)
  • Woodwinds (Stacc, Sus)
  • Oboe d’amore (Stacc, Sus, Legato)
  • Cornet (Stacc, Sus, Legato, Portamento)
  • 6 Trumpets (Stacc, Sus)
  • 8 Horns (Stacc, Sus)
  • Timpani Single-Hits
  • Timpani Rolls
  • Percussion

Ein großer Nachteil besteht darin, dass Ensemble-Patches wie die Strings und die Holzbläser nur als Gesamtpatch vorhanden sind. In der Überlappung der Tonbereiche von Viola und Cello ist es beispielsweise nicht möglich, die Viola einzeln zu spielen. Hier wird der Charakter einer Gratiszugabe deutlich spürbar.

Auch an den Velocity-Layern und Round Robin-Alternierungen wurde gespart – schade, denn eigentlich klingen die Instrumente nicht schlecht.

Alle VSL-Instrumente wurden komplett ohne Hall aufgenommen. Die folgenden Audiobeispiele liegen jeweils einmal trocken und einmal mit einem externen Faltungshall vor.

App-Strings_staccato:

App-Strings_sus_fA:

Woodwinds_staccato:

Oboe d’amore perf_legato:

Horns (8) sus:

Timpani rolls:

Abschließend

VE Pro lohnt sich für jeden, der mit dem Gedanken spielt, sich ein Template anzulegen; für jeden, der Probleme mit der 64 Bit-Kompatibilität seiner Plug-ins hat; für jeden, der die Preserve- oder die Netzwerkfunktion nutzen will, um langen Ladezeiten bei jedem Projektwechsel zu entgehen. Die Funktionen des Programms beschränken sich aufs Nötigste – VE Pro kennt seine Aufgabe und meistert sie hervorragend. Das Epic Orchestra ist weit davon entfernt, ein Kaufgrund zu sein, aber wem die Software ihren Kaufpreis wert ist, der wird damit zufrieden sein.

ReleaseTime Award

Das gefällt mir nicht

An VE Pro gibt es nichts, was mir nicht gefällt. Der einzige Nachteil ist, dass ich zwar beliebig viele Instrumente laden kann, aber nicht alle mit Cubase verknüpfen – das ist allerdings ein Nachteil von Cubase und nicht von VE Pro.

Das enthaltene Epic Orchestra wird bei mir wohl nicht zum Einsatz kommen. Es ist mir nicht detailliert genug, das Interface gefällt mir nicht und ich habe bessere Alternativen. Es gilt aber im Hinterkopf zu behalten: Man zahlt nicht für diese Instrumente, sondern für die Software.

Das gefällt mir

Die Entwickler halten alles, was sie versprechen. Ich hätte nicht geglaubt, dass Kompatibilitätsprobleme so einfach zu umgehen sind – ich bin nicht mehr auf die bescheidene VST-Bridge von Cubase angewiesen und muss nicht mehr auf Cubase 32 Bit wechseln, um beispielsweise das großartige World Percussion von evolution series zu benutzen.

Die Preserve-Funktion spart Zeit – das mag nicht allzu großartig klingen, ist aber genau das, was ich mir von VE Pro erhofft habe. Bei großen Projekten mit vielen Plug-ins kommt ganz schön was an Ladezeiten zusammen.

Dominik Raab

Ergänzende Links

Systemvoraussetzungen Mac OS X

  • Mac OS X 10.5.7 oder höher
  • Intel Core 2 Duo/Xeon
  • 1 GB RAM (2 GB oder mehr empfohlen)
  • Funktionierende Gigabit-Verbindung zwischen Master- und Slave-Rechner(n)
  • ViennaKey (Vienna Symphonic Library USB Kopierschutz-Stecker oder anderer eLicenser z. B. von Steinberg oder Arturia)
  • Mit VST/VST3/RTAS (Windows 7/Vista/XP), AU/VST/VST3/RTAS (OS X) kompatibler Host-Sequencer, läuft auch als Stand-alone-Version
  • RTAS-Version benötigt Pro Tools 7.3 oder höher
  • eLicenser License Control Center 6.0.2.7034 oder höher

Systemvoraussetzungen Windows

  • Windows XP 32-Bit, Windows 7/VISTA 32- und 64-Bit Versionen
  • Intel P4/AMD Athlon 64 (und später) mit (Core 2 Duo/Xeon empfohlen)
  • 1 GB RAM (2 GB oder mehr empfohlen)
  • Funktionierende Gigabit-Verbindung zwischen Master- und Slave-Rechner(n)
  • ViennaKey (Vienna Symphonic Library USB Kopierschutz-Stecker oder anderer eLicenser z. B. von Steinberg oder Arturia)
  • Mit VST/VST3/RTAS (Windows 7/Vista/XP), AU/VST/VST3/RTAS (OS X) kompatibler Host-Sequencer, läuft auch als Stand-alone-Version
  • RTAS-Version benötigt Pro Tools 7.3 oder höher
  • eLicenser License Control Center 6.0.2.7034 oder höher

Preis

  • 195 Euro

Vertrieb

Hersteller

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Autor: Dominik Raab

Film-Fan, Orchester-Liebhaber, Soundtrack-Freak. Schwerpunkte: Klassik, Rock, Film- und Trailermusik

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