
Der Brainworx bx_XL präsentiert sich als Mastering-Limiter der neuesten Generation. In der Tat ist das Plug-in reichlich mit Features ausgestattet und unterscheidet sich im Funktionsumfang und in der Ausstattung sehr von den traditionellen Input/Output-Limitern, deren Bedienung sich auf die Definition eines Thresholds und vielleicht noch einer Release-Time beschränkt.
Beim Brainworx bx_XL geht es aber sicher nicht nur darum, an mehr virtuellen Knöpfchen drehen zu können, sondern auch beim Limiting einen Schritt weiter zu kommen: Lautheit ohne Verlust an Lebendigkeit ist das hochgesteckte Ziel. Der Brainworx bx_XL leistet hier ganze Arbeit. Vorausgesetzt, man geht planmäßig vor und justiert die Parameter in der richtigen Reihenfolge. Dann erreicht man Ergebnisse, die mit keinem mir bekannten Limiter machbar sind. Wie man zu einem beeindruckend kraftvollen und zugleich vor Vitalität strotzenden Sound kommt, soll dieses Tutorial Schritt für Schritt erklären. Wer mitmachen möchte findet auf der Brainworx-Seite den bx_XL als Demo-Version.
Schauen wir uns zunächst die einzelnen Bedienelemente und Displays an:
Vier Vergleichsmöglichkeiten zwischen verschiedenen Einstellungen lassen sich in die Slots A bis D laden. Wenn man eine Einstellung gefunden hat, von der man ausgehen möchte, ohne das Setting zu verlieren geht man so vor:
- auf Copy klicken
- auf B Klicken
- auf Paste klicken.
Nun kann man mit dem B-Preset weiterarbeiten.

Direkt darunter befinden sich diese vier Anzeigen:

Die ersten beiden Anzeigen geben das Kräfteverhältnis zwischen
- tiefen und hohen Anteilen des Mittelsignals und
- Mittel- und Seitensignal wieder.
Unerwünschte Laustärkeungleichgewichte zwischen tiefen und hohen Anteilen des Mittelsignals reguliert man über die blauen “Gain-Boost”-Felder,

das Verhältnis zwischen Mittel- und Seitensignallautstärke mit den Reglern ganz rechts in der Abteilung “Summing Amp Gain”:

Eine Anhebung der Lautstärke des Seitensignals gegenüber dem Mittelsignal bewirkt einen Stereo-Verbreiterungseffekt.
Die dritte Anzeige “Correlation” bezeichnet die Phasenübereinstimmung zwischen linkem und rechtem Kanal. Eine negative Korrelation bedeutet, dass sich Anteile des Signals bei Mono-Wiedergabe teilweise bis vollständig auslöschen (Korrelation -1). Das sollten vermieden werden. Auch wer seine Musik in Vinyl gravieren lassen möchte, sollte unbedingt negative Korrelationen vermeiden, da sich diese nicht schneiden lassen. Extrem kritisch wird es bei negativen Korrelationen im Bassbereich – wir kommen gleich noch auf diesen Punkt zurück, wenn es um den “Mono-Maker” geht.
Das vierte Display “Balance” stellt das Lautstärkeverhältnis zwischen linkem und rechtem Kanal dar. Ungleichgewichte können mit den Level-Reglern der Einangskanäle sowie der Panorama-Regler für Mittel- und Seitensignal ausgeglichen werden. (Die blaue Link-Funktion zwischen L- und R-Input dazu deaktivieren.)

Ein großzügig bemessenes Level-Meter gibt Auskunft über das Pegelverhalten in Peak und RMS am Ausgang. Auch die Dynamik wird in Echtzeit dargestellt. Wer einfach höllisch laut klingen will, sollte immer noch eine Dynamik von 6 dB zulassen. Weniger klingt selbst mit dem Brainworx bx_XL unangenehm gequetscht bis angezerrt.

Bei der Analyse des Signals hilft die Pegelanzeige auch in Verbindung mit den Solo-Funktionen der Master-Sektion. Auf Solobetrieb lassen sich sowohl der linke aus auch der rechte Kanal sowie das Mittel- und Seitensignal setzen.

Auch für das Sidechain-Signal, das den Limiter-Betrieb triggert, gibt es ein Hörkontrolle mittels Solo-Button.

Das Triggersignal der Sidechain-Funktion mischt man im Feld “Sidechain-Mix” aus zwei Signalanteilen, die jeweils über ein Pulldown-Menü auswählbar sind:

Grundsätzlich kann auch ein externes Signal für das Sidechaining herangezogen werden.
In Cubase verfügt der bx_XL über den spezifischen Sidechain-Button oben in der Kopfleiste des Plug-ins. Diese Sidechain-Funktion eignet sich vor allem, wenn man den Limiter in Gruppenkanälen einsetzen will (Bsp.: Bassdrum steuert Bass-Limiting). Ein anderer klassischer Fall wäre die Unterdrückung des Mixes durch eine Sprachspur.
Intern kann das Sidechaining innerhalb der drei Bearbeitungskanäle Lo Mid, Hi Mid und Side aktiviert werden.
In dieser Kombination steuern die tiefen Frequenzen das Limiting des Seitensignals …

… und hier ist es genau umgekehrt:

Traditionelle Limiter erfassen immer das vollständige Summensignal. Der bx_XL zerlegt das Audiomaterial in das Mittel- und Seitensignal – und das Mittelsignal nochmals in einen unteren und oberen Frequenzbereich. Hieraus ergibt sich der Vorteil, alle Instrumente, die sich gewöhnlich in der Mitte aufhalten, getrennt zu bearbeiten. Beispiel: Die Bassdrum und die Vocals liegen in der Regel im Hörzentrum mittig. Deren Limiting spielt sich daher in den ersten beiden Kanälen “Mid Lo” und “Mid Hi” ab. Um der Bassdrum einen gehörigen Wumms zu verleihen, kann man diese mit den Limiting-Instrumenten des bx_LX für die unteren Mitten getrennt bearbeiten, ohne gleichzeitig die Vocals, die sich ab ca. 250 Hz bewegen, platt zu bügeln. Man stellt dafür die Crossover-Frequnz zwischen “Mid Lo” und “Mid Hi” auf einen Wert zwischen 60 und 90 Hz. “Mid Lo” betrifft jetzt nur noch die Bassrum (und ggfls. einen Sub-Bass), “Mid Hi” schließt alle anderen Instrumente ein, die ihren Schwerpunkt in der Stereomitte haben.

Ein weiteres Feature, das mir bei Limitern noch nicht begegnet ist, ist der Mono-Maker, zu finden direkt unterhalb der Crossover-Frequenz und ebenfalls mit einer variaben Eckfrequenz ausgestattet. Unterhalb dieser Frequenz wird das Signal nur noch im Mittelbereich und damit mono wiedergegeben. Drei Einsatzgebiete eröffnen sich:
- Der Mono-Maker hilft dabei, mit Phasenverschiebungen im Bassbereich aufzuräumen und verhindert eine instabile Klangwiedergabe über den Subwoofer (Basslöcher ebenso wie plötzliches Dröhnen).
- Auch die bereits erwähnten Schnittprobleme beim Herstellen einer Vinylscheibe (die sich bei Phasenverschiebungen im Bassbereich ergeben) können so sicher umgangen werden.
- Eine dritte Anwendung ist der Monokompatibilitätsvergleich, den man erreicht, indem man den Frequenzslider des Mono-Makers vorübergehend ganz nach rechts zieht. In dieser Stellung wird das komplette Signal auf Mono umgestellt. Alle Instrumente sollten nun noch im gewünschten Lautstäkeverhältnis hörbar sein. Anstelle der Sliderbewegung kann man auch in Mono-Test-Preset der kompletten Limitereinstellng in Slot D laden (wie oben beschrieben). Der Vergleich durch Hin- und Herspringen zwischen dem Mono-Preset und der eigentlichen Mastering-Bearbeitung gelingt so noch besser als durch die Sliderfahrten.
Die Trennfrequnz zwischen Mittel- und Seitensignal des Mono-Makers kann mit der Crossover-Frequenz zwischen Lo- und Hi-Mid-Signalen verlinkt werden. Dies macht dann Sinn, wenn man beispielsweise bei einer Bassdrum-Bearbeitung im Lo-Mid-Bereich zugleich die Wiedergabe der Bassdrum über das Seitensignal vollständig unterbinden will.

Nachdem wir die Oberfläche des bx_XL im Uhrzeigersinn peripher erkundet haben, schauen wir uns, bevor es zum Praxisteil geht, die zentralen Kanäle an. Diese sind (mit Ausnahme des Masterkanals) identisch aufgebaut.
Ganz oben befindet sich der XL-Schalter, der dem Produkt seinen Namen gegeben hat. Die XL-Funktion mischt ungerade Obertöne fünfter Ordnung in das Signal. Bei starkem Limiting hilft dieser Trick, dem Mix wieder leben einzuhauchen: Die Instrumente klingen trotz geringer Dynamik präsent, werden in ihrem Klangcharakter betont und warm gezeichnet (während herkömmliche Limter im Grenzbereich ihrer Leistung oft kalt und hart klingen). Mit dem unter dem kleinen XL-Schalter befindlichen Regler dosiert man die Beimischung der Obertöne. Grundsätzlich steht die Funktion für alle Kanäle zur Verfügung. Ein differenziertes Klangbild erreicht man jedoch in den meisten Fällen, wenn man diese Option nicht über alle Kanäle in voller Pracht einsetzt, sondern gezielt auf die Solo-Stimme oder Soloinstrumente anwendet, die sich im zweiten Kanal “Mid Hi” aufhalten. Auch sollte der Regler nicht zwingend auf die volle Leistung hochgefahren werden. Die 12-Uhr-Position sollte ausreichen. Nebenbei führt das Beimischen von Obertönen auch zu einer subjektiv wahrgenommenen Lautheitssteigerung, ohne dass der Pegel dadurch messtechnisch ansteigt. Die XL-Funktion kann man daher auch sehr gut nutzen, um Laustärkeunterschiede zwischen (beispielsweise) den oberen Mittelsignalen und dem Seitensignal zu korrigieren, ohne mit dem eigentlichen Limiting zu operieren, welches sich aus der Zusammenwirkung von Threshold und Bosst ergibt (wie weiter unten noch ausführlich dargestellt).

Der nächste Regler definiert die Attackzeit des Limiters, also die Dauer, die er benötigt, um auf eine Überschreitung des Thresholds (Schwellenpegel) zu reagieren. Die Attackzeit sollte so gewählt werden, dass unerwünschte Peaks erwischt, andererseits aber die Transienten eines Instruments nicht völlig abgesägt werden. Der Wert hängt also vom individuellen Fall ab. Eine knallige Snare, die im Mix zu stark durchschlägt, braucht sicher eine andere Attackzeit als Gesang. (Jenseits der Anwendung des bx_XL als Mastering-Werkzeug kann er natürlich auch in Subgruppen eingesetzt werden. Gerade bei Drum-Guppen kann man so sehr schön Peak-Probleme abstellen, bevor es zum eigentlichen Mastering geht, und vermeidet später Konflikte mit anderen Instrumenten wie bei dem eben angeführten Beispiel Snare/Vocals). Bei der Einstellung der Attackzeit in den drei Einzelkanälen sollte man nicht vergessen, dass es vor dem Ausgang im Masterbereich noch einen Peak-Limiter gibt, der Peaks, die bis dahin nicht erwischt worden sind, begradigt.
Ähnlich der Attack-Time ist auch das Einstellen der Release-Zeit materialabhängig. Hier geht es um die Dauer, die man dem Limiter einräumt, um wieder in den unlimitierten Normalzustand zurückzuregeln. Stark beatlasiges, schnelles Material benötigt eine kurze Release-Time, damit die Dynamik nicht zusammengequetscht wird, langsame Rock/Blues-Stücke, die von sich aus behäbiger sind, benötigen eine ebenso “behäbige” Release-Zeit. Bei zu langsamem Regelverhalten kann es zum “Pumpen” des Limiters kommen, also einer deutlich vernehmbaren Hüllkurvenschwingung aus Attack und Release, die bei Drum-Kompressionen gerne als Effekt eingesetzt wird, beim Mastering aber nichts verloren hat. Zu kurze Attack- und Relese-Werte führen dazu, dass in einem Zeitfenster von weniger als einer Millisekunde immer wieder das Maximallevel angefahren und eine unmusikalische, abnorme Lautheit erreicht wird, Verzerrungen eingeschlossen. Extremwerte, vor allem in Verbindung mit einem niedrigen Threshold und einem hohen Boost, sollten also auch nur bei extremen Anwendungen eingestellt und im Solo-Modus der Kanäle überprüft werden. Dazwischen gibt es eine breite Spanne universaltauglicher Attack- und Releasezeiten.
Es folgen drei Buttons:
- Active (ist klar, Einschalten des Kanal-Limiters)
- Solo (korrespondiert mit den bereits erwähnten Solo-Schaltern und ist hier noch einmal vorhanden, damit man nicht mit der Maus quer über den Bildschirm rutschen muss) und
- Fader Link (verknüpft Threshold und Boost invers, sodass man bei der Bewegung eines Reglers, beispilsweise des Thresholds, das Limiting in den Mix hineinfahren kann: Je tiefer der Threshold, desto stärker der Boost. Niedriger Threshold und hohe Verstärkung bewirken, dass zuvor leise Signale nun den Maximalpegel erreichen und die Gesamtlautstärke sich erhöht (während die Dynamik, also die Lautstärkeunterschiede im Mix, sich verringert).

Die Mastersektion
Hier werden die drei Kanäle mit den Teilsignalen wieder zusammengeführt. Der Master XL-Button schaltet den Oberton-Modus für alle Kanäle (mit variablem Wert) ein. Sehr schön ist, dass vorherige Einstellungen in den drei Kanälen berücksichtigt werden: Das Verhältnis der Oberton-Beimischung zwischen Lo Mid, Hi Mid und Side bleibt gleich, der Masterregler verringert oder erhöht die Werte proportional. Das gliche gilt für Gain-Boost und Threshold. Hier kommt hinzu, dass Kanäle, bei denen “Fader Link” aktiv ist, über den Gain-Boost bzw. Threshold-Regler des Masterkanals auch so behandelt werden: Eine Erhöhung des Master Gain-Boost bewirkt nicht nur eine Erhöhung des Boost in diesen Kanälen, sondern zugleich eine Absenkung des Thresholds. Alle diese kleinen Feinheiten erweisen sich als sehr durchdacht und praxisnah, sie führen zu einer flüssgen und komfortablen Bedienung.
Womit wir den theoretischen Teil beendet haben und uns an die Anwendungsbeispiele machen. Für dieses Tutorial wollen wir einen fertigen Mix mit dem bx_XL bearbeiten. Dieser klingt momentan noch so:
Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.
Das Spitzenlevel des Mixes liegt bei etwa -0,15 dB. Die einzelnen Instrumente sind bereits mit Kompressoren und EQ – und auch mit (wenig) Effekten versehen. Tempo: 100 BPM.
Den bx_XL legen wir in den letzten Slot der Klangbearbeitungskette des Masterkanals. Hinter dem Limiter liegende Slots sollten nur noch für einen Analyser oder ein Ditheringtool frei bleiben, soweit man diese einbinden möchte. Per default stehen alle Regler in neutraler Position, sodass der Klang nicht verändert wird. Die drei Teilsignalkanäle sind gleichwohl bereits auf “aktiv” geschaltet ebenso der XL-Modus.
Nun nehmen wir die lauteste Stelle unseres kleinen Demomixes heraus. Dafür setzen wir einen Loop von Takt 9 bis 17, wo der Gesang den Pegel ein wenig mehr in die Höhe treibt.
Der erste Arbeitsschritt, die Anpassung der Eingangslaustärke auf 0 dB Peak können wir im aktuellen Fall beinahe überspringen, denn der Spitzenpegel liegt knapp unter 0 dB. Um es ganz genau zu machen, setzen wir das Eingangslevel für die linke und rechte Seite auf + 0,15 dB. Dazu doppelklicken wir auf die dB-Angabe unter dem linken Input-Regler und geben 0,15 dB numerisch ein. Da der Link-Modus zwischen den beiden Reglern aktiviert ist, passt sich die Eingangsverstärkung des rechten Kanals an.

Auch wenn noch kein Limiting stattfindet: Der bx_XL arbeitet bereits. Wenn wir der Reihe nach auf die Solo-Schalter der Mastersection klicken, können wir uns ein Bild davon machen, welche Signalanteile wo liegen. Besonders zwischen Mittel- und Seitensignal ist die Diskrepanz erheblich: Bassdrum, Bass, Snare und Vocals liegen im Mittelsignal, auf dem Seitensignal lediglich Anteile des Halleffektes und höherfrequente Percussion. Es sollte sich so anhören:
- Mittelsignal:
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- Seitensignal:
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Anschließend gehen wir zum Mid-Lo-Kanal, lassen den Loop durchlaufen und ziehen den Regler für die Crossoverfrequenz langsam von links nach rechts und zurück. Wenn wir die Bassdrum vom Bass trennen wollen, müssen wir die Crossoverfrequenz recht tief, ungefähr bei 66 Hz einstellen, denn der Bass bringt seinerseits Subfrequenzen mit, die man knapp darüber noch als Wummern wahrnimmt.

Phasenprobleme haben wir derzeit keine, wie ein Blick auf den Korrelationsgradmesser zeigt, auch wissen wir, dass Bass- und Bassdrum nicht unerwünscht das Seitensignal besiedeln, sodass wir den Mono-Maker ausschalten können.
Bevor wir an den einzelnen Kanälen arbeiten, schalten wir den “Auto Solo”-Modus ein. Dieser setzt automatisch den Kanal, an dem wir arbeiten auf Solo-Betrieb.

Im Solo-Modus kann man die Grenzen des Limitings, also das Auftreten von Verzerrungen, wesentlich besser lokalisieren. Im Bassbreich des Mittelsignals reicht ein Limiting wie hier abgebildet:

Unser Song bringt es mit sich, dass der Limiter kaum aktiv wird. Ursache ist ein schneller Kompressor, mit dem die Bassdrum zuvor bereits bearbeitet wurde. Auch ein Verändern von Attack- und Release ist nicht nötig.
Die “Mid Hi”-Abteilung erlaubt einen stärkeren Einsatz. Attack- und Release-Zeiten können verkürzt werden, um die Hi-Hat etwas herauszuarbeiten.

Der Sound klingt nun etwas hart. Dies ändert sich drastisch, wenn wir den XL-Regler aufdrehen: Um die 60 % sollten reichen, sonst werden hinterher die hier bearbeiteten Signalanteile gegenüber den anderen beiden Kanälen zu dominant.

Im Side-Kanal zeigt sich beim Verschieben des Thresholds im Solobetrieb deutlich, dass etwa -10 dB nicht unterschritten werden sollten, da sonst die Dynamik der hochfrequenten Percussionsounds plattgebügelt wird – und diese macht einen großen Teil des Rhythmus aus. Eine satte Verstärkung um ca 5 dB und auch ein Aufdrehen des XL-Reglers tut dem Signal sehr gut. Die “funky” Elmente des Mixs gedeihen mit einer kurzen Attack- und Releasezeit. Folgende Einstellungen bringen recht gute Ergebnisse:

Jetzt können wir “Auto Solo” wieder ausschalten und uns das Ganze im Verbund anhören. Zum Vergleich mit dem Original klicken wir auf den Bypass-Button oben links. Der Mix klingt wirklich gut, druckvoll, warm, lebendig und eine gehörige Portion lauter. Die Dynamikanzeige pendelt zwischen 4 und 7 dB. Wer es etwas dezenter haben möchte, kann nun mit den drei oberen Reglern der Master-Sektion, XL, Gain Bosst und Threshold, global nachregulieren. Der Sound wird ein wenig natürlicher, wenn wir “Gain Boost” um bis zu 1 bis 1,5 dB zurücknehmen (Linksdrehung). Auch mit den XL-Reglern haben wir es recht gut gemeint und können diese hier übergreifend etwas zurücksetzen, muss aber auch nicht unbedingt sein. Treibt man das Limiting hingegen noch weiter über eine Rechtsdrehung des Gain Boost, so zeigt sich schnell, dass wir einigermaßen zielsicher an der Obergrenze des musikalisch Verträglichen gearbeitet haben. Noch mehr Dampf schadet dem Signal.
Ein Blick in die oberen Analysedisplays zeigt, dass sich das Verhältnis zwischen unteren und hohen Mittelsignalen etwas zu stark zu den hohen Signalen verschoben hat. Dies korrigieren wir, indem wir den XL-Regler des Mid Lo – Kanals auf etwa 40 % stellen. Auch sind die Seitensignale etwas zu laut, was wir mit dem S (Width) – Regler im Modul “Summing Amp Gain” ausgleichen. Eine Stellung bei etwa -2 dB sollte ausreichend sein.

Unser Ergebnis hört sich nun so an:
Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.
Der Brainxorx bx_XL leistet hervorragende Arbeit und macht den Sound nicht nur lauter, sondern sorgt auch dafür, dass die Musikalität, also die Ausdruckskraft und Lebendigkeit des Materials nicht unter die Räder kommt. Er bietet dafür eine Menge von Eingriffsmöglichkeiten, die allesamt sinnvoll und in ihrer Bedienung durchdacht sind: Auch den Workflow haben die Entwickler nicht aus den Augen verloren. Was auf den ersten Blick für einen Limiter etwas überladen oder einfach ungewohnt komplex aussieht, erweist sich als großer Vorteil bei der Detailarbeit. Und ganz nebenbei lernt man bei der Arbeit mit den Solo-Funktionen, dem Mono-Maker und der Crossowver-Frequenz eine Menge über den Aufbau des Stereosignals – ein Gehörtraining ist also gleich mit inbegriffen.
Nach diesem Workshop sollten eigentlich keine Fragen mehr offen bleiben und die Arbeit mit dem bx_XL leicht von der Hand gehen. Ein weiteres englischsprachiges Tutorial als Videostream finden Sie auf der Herstellerseite. Viel Spaß beim Experimentieren mit eigenen Mischungen.
Holger Obst
Ergänzende Links
- Testbericht zu Brainworx XL
- Hersteller: Brainworx
- Produktwebseite Brainworx XL (Link führt zur Version 2)
- Weitere Artikel zu Brainworx
- Weitere Tutorials auf ReleaseTime

Hi Holger,
gutes und detailliertes Tutorial! Ich konnte den bx_XL ja bereits im Vorfeld bei Brainworx im Rahmen des Interviews hören und Dein Tutorial bestätigt meinen guten Eindruck des Plug-ins.
Viele Grüße
Markus
Hallo Holger,
Sehr gute Arbeit.
Das sollten die “Brainworxer” auf ihrer HP verlinken oder als PDF zum Downloaden anbieten.
Lieber Markus, lieber Jupp, danke für´s Lob. Der Testbericht folgt ja noch, aber für meinen Teil ist der bx_XL mit Abstand der beste Limiter, den ich kenne.
Jetzt müßte Brainworx noch ein Tool bringen, mit dem man totgefahrene, also bis an die Schmerzgrenze limitierte Abmischungen, wieder zum Leben erwecken kann. Also eine Art De-Limiter bzw. De-Kompressor.
Viele Grüße,
Andreas.
Hallo, Holger,
ich nutze den BX_XL seit ca. einem Jahr und kann Deine Einschätzungen nur bestätigen.
Leider kann ich weder unter Win7 noch Win8 die Musikdateien trotz neuestem Flashplayer nicht öffnen (“File not found”). Hat Du einen Tip???
Ansonsten bin ich weitere Tests und Tutorials gespannt. Wie wäre es z. B. mit dem Noveltech Vocal Enhancer?
Herzliche Grüße
Wolfgang
Hallo Wolfgang,
durch eine Neustrukturierung der Webseite können bei manchen älteren Artikeln noch einige Links ins Leere führen. Das tut uns leid! Wir haben uns aber über deinen Hinweis gefreut und werden uns heute um die Aktualsierung des Artikels kümmern.
Schau am besten heute Abend nochmal vorbei, dann sollte alles wieder funktionieren.
Beste Grüße,
Albrecht (ReleaseTime.de)
Hallo Wolfgang,
danke für den Kommentar. Es gibt schon weitere tests, nämlich den BX Saturator, ebenfalls eine Empfehlung. Zum Vocal Enhancer: Ich nutze seit Jahren den Noveltech Character (noch auf der Powercore-Plattform) – ein sehr einfach zu bedienendes Plug-In, das sofort Frische und Transparenz in die Vocals bringt. Alternativ dazu gibt es von Waves noch aus den Signature-Series diverse Multieffekte für die Vocal-Bearbeitung, die Vopcels ebenfalls extrem aufmischen können. Hier ist meiner Ansicht nach vor allem das JJP Vocals PlugIn besonders interessant, das aktuell 150 Dollar kostet (das ganze JJP Signature Bundle 250.- Dollar).
Viele Grüße,
Holger.