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Tutorial: Flux IRCAM Tools Verb

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Vor kurzem haben wir für Sie die IRCAM-Tools des französischen Herstellers Flux getestet. Eines der Highlights des Bundles ist Verb, ein äußerst flexibler Hall mit einer reichhaltigen Ausstattung an teilweise ungewöhnlichen Parametern. In diesem Tutorial soll es darum gehen, eine eigene Raum-Klang-Architektur mit Verb zu realisieren. Wir arbeiten unter Cubase 5.5 auf einem Mac, die Vorgehensweise lässt sich jedoch ohne Weiteres auf andere Systeme übertragen.

Das Tutorial ist einsteigergerecht; auf die Installation und die technischen Hintergründe zu einem algorithmischen Hall im Allgemeinen und Verb im Besonderen wird hier jedoch nicht eingegangen. Mehr darüber finden Sie in unserem Test zu Verb. Wer noch nicht in Besitz von Verb ist, kann das Tutorial auch mit der Demo-Version, die Flux zum Download anbietet, begleiten. Das Audiomaterial, mit dem wir arbeiten, können Sie als Wav-Files hier herunterladen. Der Groove stammt aus der Guru-Library von FXpansion.

Im Cubase-Projekt setzen wir die Einstellungen auf 24 Bit und 44,1 kHz. Samplerate (Menü Projekt->Projekteinstellungen)

Dann laden wir die Wave-Datei “Hurt Like a Bow”, die uns unsere Sängerin Sigrid Havercamp freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat, in eine Mono-Audiospur. Bei Cubase geht das am einfachsten per Drag & Drop aus dem Ordner, in dem Sie die Datei abgespeichert haben.

Anschließend legen wir über Projekt->Spur hinzufügen -> Effektkanal einen FX-Track an, in den wir Verb-i386 laden.

Wir aktivieren Verb und stellen den Pegel im Send-Bereich des Vocaltracks auf 0dB.

Bei unserer jetzigen Einstellung entspricht die Lautstärke, mit der Verb angesteuert wird, dem Pegel der Gesangsspur. Für besondere Effekte (Ausblenden des Direktsignals, während das Hallsignal unvermindert weiter anliegt) kann man diese Abhängigkeit entkoppeln, indem man auf den mittleren der drei Schalter im Send-Bereich klickt (Post Fader -> Pre Fader):

Im Moment brauchen wir das jedoch nicht. Über das kleine “e” wie “edit” öffnet sich das Verb-Interface:

Der dry/wet-Regler steht auf 100 % wet, genau so brauchen wir ihn, denn im Effektkanal benötigen wir nur das Hallsignal.

Bei den aktuellen Einstellungen wäre der Hall für einen Mix ein gutes Stück zu laut und müsste um ca. -10 bis -15 dB angepasst werden. Um Verb kennenzulernen ist die Dominanz des Hallsignals jedoch in Ordnung.

“Hurt Like a Bow” hört sich im Moment so an:

Verb generiert seine Reflexionen aus drei verschiedenen Hallsections, die, wie wir noch sehen werden, hierarchisch und über Meta-Parameter miteinander verknüpft sind. Die Rede ist von den Frühen Reflexionen, auch Early Refections genannt und im Folgenden als ER bezeichnet, den Clustern, die bereits eine höhere Dichte aufweisen als die ER und im Gegensatz zu diesen über die gesamte Halldauer verschoben werden können und dem Nachhall, auch Haupthall, Reverb oder Tail genannt, der sich durch eine extreme Reflexionsdichte auszeichnet. Die Cluster-Abteilung ist eine der Besonderheiten von Verb. Die meisten anderen Hallprogramme beschränken sich auf ER und Tail.

Um sich einen ersten akustischen Eindruck der drei Hallabteilungen zu verschaffen, kann man oben in der Kopfzeile über dem Reflexionsdisplay diese einzeln ein- und ausschalten oder in den Solo-Modus versetzen. Diese Operationen eignen sich in erster Linie für die Kontrolle beim Editieren, insbesondere Cluster sind jedoch auch dazu geeignet, um kurze, unauffällige und den Gesamtsound nicht zudeckende Refelxionen beizumischen, die einer Solostimme mehr Volumen geben können, ähnlich wie eine Dopplung, wie im folgenden Audiodemo zu hören:

Cluster im Solo-Modus

Den Effekt kann man verstärken, wenn man noch die ER hinzunimmt. Das geht nicht mehr über die Solo-Funktion, sondern über ein Ausschalten des Tail. Der High-Density-Button verdichtet die Reflexionen aller drei Abteilungen, erhöht also die Zahl der Reflexionen.

Tail ausgeschaltet, High Density

Neben Anwendungen für Gesang eignen sich solche kurzen ER/Cluster-Kombinationen auch für Drums, insbesondere um die Snare zu betonen oder Toms fetter zu machen. Doch bleiben wir zunächst beim Gesang.

High Density bewirkt nicht nur eine Vervielfachung der Rexlexionen und eine Zunahme der Halldichte, sondern fordert auch mehr CPU-Leistung ein. Eine Verbesserung des Halls ist damit jedoch nicht in allen Fällen erreicht. Ein dichterer Hall hüllt das trockene Signal zwar stärker ein, wirkt oft natürlicher oder wärmer, kann in einem komplexen Mix mit vielen Instrumenten diese jedoch auch zudecken. Die Entscheidung für oder gegen die hohe Halldichte ist daher im Einzelfall abzuwägen. Für die Konstruktion von Räumen lassen wir den High-Density-Mode zunächst ausgeschaltet.

Der Algorithmus, der im Hintergrund arbeitet und die Räume von Verb generiert, berücksichtigt, dass bei Veränderung bestimmter Parameter auch eine ganze Reihe von anderen Werten angepasst werden müssen. Auf der Benutzeroberfläche finden sich die übergeordneten Parameter als Meta-Parameter wieder. Einleuchtend ist, dass die Raumgröße die Verteilung von ER, Clustern und Nachhall grundlegend definiert. Bewegt man den ersten Slider unterhalb des Displays “Room Size”, so führt dies zu einer automatischen Korrektur der ER und Cluster Parameter, deren Regler entsprechend mitziehen. Die Raumgröße lässt sich zwischen 10 und 15.000 Kubikmetern einstellen. Es ist klar, dass bei 10 Kubikmetern die ersten Reflexionen bereits nach sehr kurzer Zeit, genau nach 1,5 ms vom Hörer wahrgenommen werden, während die Laufzeit bei einer Raumgröße von 5500 Kubikmetern bereits 22,1 ms beträgt. Die Verteilung der ER wird im Display angezeigt, die Verzögerungszeiten von der ersten frühen Reflexion bis zur letzten unterhalb der Minimum/Maximum-Fader (untere zentrale Hälfte des GUI, “Time Structure”).

Beginnt man mit der Arbeit an eigenen Räumen, sollte man sich zunächst für die gewünschte Raumgröße entscheiden, bevor man sich an die Verteilung der ER und Cluster macht. Eine nachträgliche Änderung der Raumgröße verstellt nämlich die vorgenommenen Parameteränderungen der ER und Cluster wieder.

Fangen wir also mit 5.000 Kubikmetern an. Diese Zahl kann man auch per Doppelklick auf das Room-Size-Feld eingeben.

Ein großer Raum bewirkt natürlich auch ein längere Abklingphase des Haupthalls. Deshalb setzen wir als nächstes die Decay-Time (oben links) auf 3 Sekunden.

Um die Originalstimme besser von Hintergrund abzulösen, verschieben wir den Start des Nachhalls auf 180 ms über das Feld “Reverb Start”. ER und Cluster sind hiervon nicht betroffen.

Will man vom nüchternen, dokumentarischen Charakter eines Halls mehr in Richtung einer musikalischen Raumgestaltung gehen, eignen sich wellenförmig schwebende Reflexionen sehr gut, um den Sound etwas Lebendiges, Organisches zu geben. Dies kann man mit Verb sehr schön und einfach erreichen, indem man sich an die Verteilung der ER macht. Auch in der Time-Structure-Abteilung findet sich eine hierarchische Parameterstruktur: Eine Veränderung der Minimum-, Maximum- und Distributionswerte (Verteilung) der ER wirken sich auf die Cluster aus. Auch hier ist es also am besten, wenn man erst die ER und dann die Cluster, nicht umgekehrt einstellt. Einen “wellenförmigen” Hallverlauf schafft man bei einfachen algorithmischen Hallprogrammen durch eine entsprechende Konfiguration der Echos, bei Verb durch Bündelung der ER und Cluster wie in der folgenden Abbildung dargestellt:

Unsere Vocals hören sich jetzt folgendermaßen an – achten Sie auf den Nachhall am Ende des Demos, der dezent den Echocharakter der Cluster nachzeichnet. (Der Signalfluss innerhalb von Verb ist ER -> Cluster -> Tail. Die Reflexionen des Nachhalls tragen also die Muster der vorangegangenen Abteilungen in sich.)

Noch deutlicher wird der Effekt im High-Density-Modus und durch eine zusätzliche Betonung der Echomuster im Nachhall. Dies geschieht über den Regler “Reverb Distr.” rechts neben dem Reverb-Start-Slider:

Das nächste große Kapitel sind die Materialeigenschaften eines Raumes. Ob die Wände aus Glas, Holz, Stein oder mit Stoff bezogen sind, hat erheblichen Einfluss auf das Frequenzspektrum der Reflexionen. Verb bietet gleich mehrere Möglichkeiten, sehr gezielt auf das Frequenzspektrum einzuwirken, jedoch keinen globalen “Holz-Über-Glas-Zu-Damastvorhänge-Slider”.

Raumhall wird als kalt empfunden, wenn die hohen Frequenzen genauso lange ausklingen, wie die tiefen. Bei einem “warmen” Hall ist das Gegenteil der Fall, wie in einem Raum, dessen Wände mit Stoff bezogen oder durch Vorhänge verdeckt sind, klingen die hohen Frequenzen schneller ab. In der linken Spalte des GUI geht es genau um dieses Thema. Der übergeordnete Parameter “Decay Time” gibt die grundlegende Halldauer vor, darunter bestimmt man den Faktor für die Höhen, Mitten und Bässe, und noch eine Etage tiefer die Trennfrequenzen zwischen diesen drei Bändern. Per default sind die Höhen bereits auf 50% der Länge der Basis-Halldauer eingestellt, in unserem Fall klingen sie also nur 1,5 Sekunden nach. Diese Einstellung stellt für Gesang einen guten Durchschnittswert dar. Kürzt man die Höhen weiter, wird der Hall etwas dumpf. Die Stimme kann man leicht unterstützen, indem man die Mitten geringfügig verlängert (Faktor 1,3) und die obere Trennfrequenz (Crossover Freq. High) auf 3.000 Hz. begrenzt:

Die zweite Option, auf das Frequenzspektrum Einfluss zu nehmen, eröffnet sich über das Kurvendisplay oben rechts.

In der Room-Ansicht stellt man die Frequenzen des Gesamthalls ein, unter “Early” die der ER, unter “Cluster” nur die der Cluster-Abteilung und unter “Reverb” nur die des Tails. Bei der Bearbeitung der Frequenzen der verschiedenen Reflexionsgeneratoren darf man nicht vergessen, dass man mit einer Veränderung der Kurve auch automatisch die Lautstärke der betreffenden Abteilung anhebt oder absenkt. Über den Regler ganz rechts, “Global Gain” lässt sich die Lautstärke wieder anpassen (und nur bei Bewegung dieses Reglers ändert sich die Darstellung im Zeitverlauf-Display, wo die Höhe der Reflexionsbalken deren Lautstärke wiedergibt).

Für Room, Early, Cluster und Reverb gibt es jeweils drei Frequenzbänder, getrennt durch zwei vertikale Linien, orangefarben und gelb. Wie in der Abbildung oben zu sehen ist, verfügen die Pegellinien über Anfasser-Kästchen, mit denen sie eingestellt werden können. (Sollten die Anfasser-Kästchen einmal nicht auftauchen, klicken Sie einfach in einer anderen Abteilung des GUI auf eine leere Stelle und fahren dann mit dem Mauszeiger zurück ins Kurvendisplay.) Auch die Trennlinien lassen sich durch Klicken und Ziehen verschieben. Die Regler und Werte-Eingabefelder darunter und rechts daneben braucht man also mit Ausnahme des Global-Gain in den meisten Fällen nicht. Für unsere Stimme gibt es hier nicht viel zu tun, denn der Hall klingt so wie er ist schon recht gut. Ein wenig mehr Höhen bei den Frühen Reflexionen und eine kleine Absenkung der Mitten bei Cluster wäre vielleicht eine Option.

Ein lebendiger Raumklang ist ständigen Modulationen durch Temperaturänderungen und Luftbewegungen unterworfen, die auch das Frqeuenzspektrum der Reflexionen betreffen. Die Höhendämpfung durch Luftabsorptionen wird über den Parameter “Air Roll. Freq” eingestellt. Die kleine virtuelle LED (gleichzeitig der Einschalter) über “Air Absorption” sollte leuchten und die Aktivität der Luftdämpfung anzeigen.

Mit Modal Density direkt darunter lässt sich die “Körnigkeit” des Halls glätten. Der Effekt steht in Abhängigkeit von anderen Parametereinstellungen wie Raumgröße und Reflexionsverteilung. Hohe Werte machen den Hall weicher, seidiger und eignen sich gut für unseren Gesang, besonders im High-Density-Mode.

Während in einfachen geometrischen Räumen (Würfel-, Quaderform) auch das Hallsignal die Information der Richtung, aus der das Originalsignal kommt, widerspiegelt, lässt sich in unsymmetrischen Räumen, beispielsweise einem Höhlenlabyrinth, aus dem Hallsignal kaum noch ein Rückschluss auf die Position der Schallquelle ableiten. Diesem Hallverhalten in unsymmetrischen Räumen trägt der Parameter “Diffuseness” (Streuung) Rechnung, der für Cluster und Tail getrennt eingestellt werden kann. Niedrige Werte entsprechen hier einem würfelförmigen Raum, hohe einem Höhlenlabyrinth.

Für unseren Gesang setzen wir die Streuung von Cluster auf 50%, die vom Tail auf 100 %, denn wir wollen es hier etwas Organisch-Labyrinthisches. Unser Minidemo hört sich nun so an:

Nach so viel Arbeit sollte man seine Raumarchitektur erst einmal abspeichern. Das geht bei Verb sehr luxuriös – hier kann man sich neben dem Presetnamen als Autor verewigen, den Verwendungszweck beschreiben oder ein kleines Essay anschliessen. Zum Save-Dialog kommt man über das Feld in der Fußleiste, direkt rechts neben “Copy B”:

Nebenbei stößt man hier auf eine kleine aber feine Ansammlung von Factory-Presets:

Eigene Kreationen machen mit Verb aber definitiv mehr Spaß. Zurück im GUI ist nun der Zeitpunkt gekommen, zum Tagbetrieb zu wechseln. Hinter dem mikroskopischen Sonnensymbol (nur für Adleraugen als solches erkennbar) unter dem Flux-Logo verbirgt sich ein zweites Skin:

Unterhalb der Mondsichel und der Miniatursonne gibt es zwei Zahnrädchen. Wichtig für den näherungsweise latenzfreien Betrieb ist es, hier die Einstellung “try to avoid latency as possible” zu wählen.

Hintergrund dieser unüblichen Latenzanpassung, die bei anderen Plug-ins automatisch vorgenommen wird, ist nach Aussage des Supports, dass Verb (wie auch die anderen beiden IRCAM-Tools Trax und Spat) in Abhängigkeit von der Parametereinstellung unterschiedliche Latenzen produziert, der Host jedoch nur fixe Werte berücksichtigt. Die Einstellung “go always to delay line” arbeitet mit einer solchen festen Latenzvorgabe, die unter Umständen zu unerwünschten Verzögerungen führen kann. Bei Verb mag eine zusätzliche geringe Zeitverschiebung akustisch nicht sofort auffallen, solange man sich im 100 % Wet-Betrieb befindet. Dass die Einstellung “go always to delay line” suboptimal ist, merkt man jedoch, wenn man zu Kontrollzwecken den Dry/Wet-Regler auf 50 % stellt und das Originalsignal des Gesangs zusätzlich über den Ausgang der Gesangsspur wiedergegeben wird. Durch die Verzögerung des Dry-Signalanteils aus Verb kommt es nun zu Phasenauslöschungen und einem Flangingeffekt.

Über den Setup-Button (unterhalb der Zahnrädchen) öffnet sich die Routing-Matrix.

Bei unserem Gesangsdemo, bei dem die MONO-Vocals im Zentrum liegen, bringt es nichts, die Eingangskanäle zu vertauschen. Im Mehrkanalbetrieb hilft die Matrix bei der Anpassung an die In/Out-Konfiguration über Presets.

Als Nächstes nehmen wir uns einen Drum-Groove vor. Als Grundlage habe ich einen Beat aus der GURU-Library verwendet und in drei Spuren zerlegt, die Sie als Wav-Files hier herunterladen und in drei Stereo-Tracks importieren können. Das Tempo liegt bei 100 BPM. Wir widmen uns zunächst dem Track “GuruBeat 3″, richten einen Effektkanal mit Verb ein (wie oben bei unseren Arbeiten am Gesang beschrieben) . Unser Track liefert nur die Claps, die wir mit Cluster-Echos aufpeppen wollen. Dafür schalten wir das Reverb-Modul in der Kopfzeile über dem Reflexionsdisplay aus. Als Raumgröße stellen wir 140 m3 ein, ER und Cluster Parameter wie abgebildet. Zum Schluss heben wir noch die Höhen ab ca. 1700 Hz. nur für die ER an, um den Sound etwas anzuschärfen. Den High-Density-Mode brauchen wir nicht und die Delay-Time mit Unterparametern ganz links ist ausser Betrieb, da sie nur den Nachhall betrifft.

Alle drei Spuren zusammen hören sich nun so an:

Der Effekt auf den Claps könnte noch etwas Modulation gebrauchen, um nicht ganz so gleichförmig zu klingen. Dazu stellen wir unter Cubase die Automationsaufnahme durch einen Klick auf “write” scharf …

… lassen den Loops durchlaufen und verschieben den Paramter Distribution der Cluster Abteilung hin und her.

Die Automationsspur sieht nun folgendermassen (oder so ähnlich) aus:

Die Höhenanhebung der ER automatisieren wir nach demselben Prinzip, durch Bewegen des Anfasserkästchens nach oben und unten:

Unser akustischer Zwischenstand:

Die Bassdrum aus GuruBeat 1 wollen wir etwas im Raum rollen lassen. Dazu legen wir einen zweiten Effektkanal mit Verb an und schicken den Bassdrum-Track über den Sendweg des Kanals zu unserer zweiten Verb-Instanz. Damit wir die Effektkanäle besser auseinanderhalten können benennen wir sie um in VerbClaps und VerbBD (in Cubase per Doppelklick auf das Namensfeld im FX-Kanal (Mixeransicht).

Diesmal nehmen wir nur den Tail, schalten also Easy und Cluster aus:

Als Room-Size nehmen wir ca. 150 m3, Decay-Time 0,92 Sekunden und, ganz wichtig, wir setzen den Reverb-Startpunkt auf ca. 150 ms (das entspricht 1/16tel bei 100 BPM), die Reverb Distribution auf 0,1 (Linksanschlag des Reglers).

Die Bässe heben wir um ca. 5dB an:

Jetzt hört sich unser Beat folgendermaßen an:

Auch hier bringt ein wenig Modulation Leben ins Spiel. Dazu automatisieren wir den Parameter “Reverb Distr.” rechts neben dem Reverb-Start-Slider:

Ein Hall auf GuruBeat2 soll nun für einen satten räumlichen Hintergrund sorgen. Wir legen einen dritten Effektkanal mit einer weiteren Instanz von Verb an, nenne ihn “Verb Guru2″, routen den zweiten Track im Sendweg auf diesen Hall und nehmen innerhalb von Verb folgende Einstellungen vor:

Decay-Time 3,5 Sekunden, Höhendämpfung 0,33x, Raumgröße 145 m3, ReverbStart ca. 320 ms, Reverb Distr. 0,5, ER und Cluster wie abgebildet:

Die Diffuseness von Cluster und Tail drehen wir voll auf, außerdem wechseln wir in den High-Density-Mode.

Kleiner Einschub: Der Parameter Reverb Distr. erweist sich bei der gewählten Konfiguration als sehr mächtig. Wer will, kann hier zwischen scharfen Raumresonanzen und echoähnlichen Tail-Mustern überblenden. Da wir aber schon einiges an Bewegung durch Automation in unserem Beat haben, lasse ich den Regler in der Mittelstellung stehen.

Unser Beat hört sich nun folgendermaßen an:

Eindeutig zuviel des Guten, was den Hall betrifft. Daher regulieren wir die Lautstärke der drei FX-Kanäle nach:

Unser Beat hat durch die Arbeit mit drei Verb-Instanzen eine dynamische Tiefenbewegung erhalten, wie man sie selten findet:

Damit wären wir am Ende unseres Verb-Tutorials angelangt. Sicher haben Sie inzwischen festgestellt, welche enormen Möglichkeiten, auch für ein unkonventionelles Raum-Klang-Design Verb eröffnet. Hat man erst einmal die Parameterhierarchie und die Arbeit mit Meta-Parametern verstanden, erweist sich die Bedienoberfläche als übersichtlich und benutzerfreundlich. Das IRCAM-Tool Spat setzt hier noch einiges drauf – deshalb gibt es dazu ein eigenes Tutorial.

Viel Spaß beim weiteren Experimentieren mit Verb.

Holger Obst

Systemvoraussetzungen Mac OS X

  • Mac OS X – 10.4, 10.5, 10.6 in 32 Bit
  • VST (2.4), AU RTAS (mindestens Pro Tools 7)

Systemvoraussetzungen Windows

  • Windows – XP, Vista, 7 (32 und 64 Bit)
  • VST (2.4), RTAS (mindestens Pro Tools 7)

Preis

  • 827 Euro

Vertrieb

Hersteller

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Autor: Holger Obst

Erste Studioerfahrung zu Zeiten von Atari und Steinberg Twenty-Four. Experimenteller Pop mit Ethno-Einflüssen. Veröffentlichungen bei Magnatune unter dem Namen The Headroom Project. Testautor seit 2006.

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