
Kürzlich haben wir EZKeys von Toontrack getestet, eine Komponier- und Arrangiersoftware, die es ermöglicht, auch ohne Kenntnisse der Harmonielehre runde bis extravagante oder jazzige Akkordfolgen und Begleitungen zu erstellen. Als Klangquelle dient ein gesampeltes Piano. Eine Auswahl an fertigen, nach Stilen geordneten Vorlagen dienen als Starthilfe. Daneben ist es auch möglich, eigene Akkorde oder Akkordfolgen als MIDI-Files zu importieren und harmonisch zu verarbeiten. Wie wir noch sehen werden, kann EZkeys auch mit Arpeggien und kleinen mehrstimmigen Melodiemustern umgehen, was die Sache noch spannender macht.
Grundsätzlich ist die Software benutzernah programmiert und nicht schwierig zu bedienen. Trotzdem wird dieses Tutorial vor allem Einsteigern helfen, sich schneller zurecht zu finden. Daher gehen die Erläuterung bis ins Detail.
EZkeys läuft sowohl als eigenständiges Programm als auch unter kompatiblen Hosts (AU, VST, RTAS). Die Benutzung im Kontext mit einem Sequencer wird die häufigste Art der Anwendung sein, weshalb sich dieses Tutorial auch gezielt damit beschäftigt. In unserem Fall ist der Host Cubase 6.5 auf einem Mac. Die Vorgehensweise unter einem anderen Sequencer und auf einem anderen Betriebssystem sollte weitgehend identisch sein.
1. Starten von EZkeys
Nach dem Starten des Sequencers lädt man EZkeys als Instrument in einen freien Slot.

Eine Instrumenten- bzw. MIDI-Spur wird angelegt. Da EZkeys per default mit dem Preset Grand Piano / Standard startet, genügt ein kurzes Anspielen über die Tastatur, um festzustellen, dass die Zuweisung von MIDI- In- und Output der Aufnahmespur des Sequencers richtig eingestellt sind. Bei Cubase (wie bei fast allen Hosts) geschieht dies automatisch (und wird bei Cubase im Inspector angezeigt):
2. Das Klangrepertoire und die Grundeinstellungen
Es ist kein Fehler, sich mit dem Grand Piano zunächst einmal vertraut zu machen und ein wenig herumzuspielen. Der Klang ist voll und für Pop-Produktionen allemal ausreichend dynamisch. Wer noch höhere Ansprüche stellt und beispielsweise Wert auf verschiedene Mikrofonpositionen oder eine höhere dynamische Auflösung legt, kann entsprechende externe Klangerzeuger, sei es Hardware oder Software, später nach dem Export von MIDI-Files aus EZKeys einsetzen. Mehr dazu in Abschnitt 3.
Zu Beginn sollte man sich mit den diversen Presets vertkaut machen. Über den Library-Browser in der Kopfzeile lassen sich diverse Flügelvorlagen auf Basis eines Steinway D laden. Deren Klang ist mal direkter, drahtiger, mal voluminös, mal mit dezentem Hall versehen. Die Namensgebung hilft bei der Auswahl. Wer jenseits üblicher Klavierklänge experimentieren will, dem sei “Electric Dirt” empfohlen, einem angezerrten Lo-Fi-Sound mit Chorus-Effekt. “Horror Score” liefert ein Bar-Piano mit Stimmungsproblemen.

Hat man das Piano seiner Wahl gefunden, so gilt es die Dynamik an das eigene Spiel anzupassen. Dazu hat sich Toontrack etwas ebenso Einfaches wie Hilfreiches einfallen lassen: Wenn man per Klick den “Dynamics”-Deckel links oberhalb der virtuellen Tastatur öffnet, finden sich dort zwei Werteanzeigen: “High” und “Low”. Man klickt auf “Low” und spielt danach eine Taste mit der minimalen persönlichen Anschlagsstärke. Anschließend wiederholt man dies mit “High” (und dem maximalen Anschlag, den man benutzt). So werden gleichzeitig das persönliche Spiel und die Dynamikeinstellung der verwendeten Tastatur eingefangen. In der Regel wird man feststellen, dass der tatsächliche Dynamikumfang, den man benutzt, nicht von 1 bis 127, sondern vielleicht nur von 20 bis 120 reicht.
Die kleine Schaltfläche neben High/Low öffnet eine Kurvendarstellung der Anschlagsstärke…

…die man nun durch vertikales Ziehen der Ankerpunkte von der linearen in eine logarthmische, exponentielle oder andere Kurve mit Wendepunkten umwandeln kann.

Während der Anpassung kann man die Veränderungen im Spielgefühl über die Tastatur ausprobieren. Schließlich ist die persönliche Dynamikkurve noch als User-Preset abspeicherbar.

Nicht unerwähnt soll der Soft-Note-Regler der Dynamikeinstellungen bleiben, mit dem sich allzu deutliche Obertöne in den Griff bekommen lassen. Per Rechtsklick, Anwahl des MIDI-Lean-Dialogs und anschließendem Betätigen eines Hardware Reglers, Faders oder eines Pedals kann dieser sogar einem Controller zugewiesen und später in Echtzeit moduliert werden. Eine Zuweisung zur Anschlagsstärke ist nicht möglich.

Auf der gegenüberliegenden Seite findet sich der Deckel “Tuning”.

Hier lässt sich die Tastatur oktavenweise oder in Halbtonschitten verschieben bzw. über den Cent-Regler eine vom Kammerton A (=440 Hz) abweichende Grundstimmung einstellen. Ob die Dynamics- oder Tuning-Abteilung aktiv ist, erkennt man auch bei geschlossenem Deckel am roten Stern neben der Beschriftung.


Zudem ist der Flügel luxuriöserweise mit drei Pedalen ausgestattet – von links nach rechts finden sich hier:
- ein Dämpfer-Pedal, das die Obertöne eingrenzt und zu einem weicheren Klang führt
- ein Sostenuto-Pedal, welches zuvor gespielte Noten ausklingen lässt, während das Sustain der danach gespielten Noten normal abklingt
- ein Sustain-Pedal, welches bei Drücken alle aktuell gespielten Noten auch nach dem Loslassen der Tasten ausklingen lässt
Auch die Pedale können per Midi-Learn Controllern zugewiesen werden. Wer beispielsweise keine zwei oder drei Sustain-Pdale hat, sondern “nur” ein Sustain- und ein Expression-Pedal, kann den Dämpfer oder das Sostenuto-Pdal ohne weiteres dem Expression-Pedal zuweisen. Der Effekt wird dann aufwärts der halben Reglerstrecke des Pedals aktiviert.

Feinabstimmungen des Klangs lassen sich mit den Reglern im unteren linken Drittel des Interfaces vornehmen. Hier finden sich je nach Preset unterschiedliche Parameter einschließlich einiger Effekte. Ein tieferes Editieren ist nicht möglich. Wer ein komplexes Effekt-Editoring wünscht, wird auf externe Mittel zurückgreifen müssen. Hier ein Beispiel für die internen Parameter:

Ein Bar-Piano-Klang ergibt sich über den Detune-Regler, der sich für eine Steuerung über das Modulationsrad eignet (Rechtsklick/MIDI-Learn/Mod.Rad betätigen). “Detail” betont die Release-Samples. Im Rechtsanschlag erhält das Piano einen vollen Klang, ohne dass hier von einem Beimischen der Raumakustik geredet werden könnte. Im Linksanschlag wirkt es sehr trocken und direkt. Die beiden Regler Sustain-Pedal und Hammer mischen die Nebengeräusche bei, die bei Betätigen des Sustain-Pedals (und nur bei diesem) bzw. durch die Hammermechanik des Flügels entstehen. Ein kräftiges Beimischen ist hier erlaubt und erhöht die Authentizität des Gesamtklangs, ohne dass die Nebengeräusche bewußt werden oder sich störend in den Vordergrund drängen.
3. Die Piano-Begleitmaschine
Zum Einstieg öffnet man den Song-Browser, zentral im unteren Viertel des Interfaces zu finden.

Dieser nimmt nun den oberen Teil der Grafik ein. Obwohl sich im Ordner Music Theorie durchaus Akkordfolgen finden lassen, die als Ausgangsmaterial für eigene Bearbeitungen dienen können, öffnen wir zunächst EZkeys MIDI per Doppelklick. In der zweiten Spalte des Browsers werden nun die Unterordner zu Basic Chords, diversen Stilen sowie FX und Endings dargestellt. Unter Basic Chords finden sich lang ausklingende, einzelne Akkorde, rhythmisch wiederholte Akkorde, sowie aufgelöste Akkorde, bei denen die Noten nacheinander gespielt werden.

Jetzt schnappen wir uns den Single-Chord, Sustained, Variation 1. Dieser kann (wie alle anderen Pattern auch) im Browser vorgehört werden, indem man auf den Play-Button klickt bzw. einen Doppelklick ausführt. Damit das Vorhören bereits bei laufendem Sequencer temposynchron geschieht, deaktiviert man (soweit erforderlich) das Kästchen neben “Preview in original tempo”. Hier darf kein Häkchen erscheinen.

Die Tempo-Felder oberhalb der Preset-Liste betreffen nicht nur das Vorhören, sondern bestimmen auch, mit welcher Länge das betreffende Pattern später in der Timeline (der internen Sequencerspur von EZkeys) erscheint. Wir klicken hier auf 2x. Der Akkord wird nun synchron zum Host-Tempo und mit doppelter Geschwindigkeit abgespielt. Per Klicken und Ziehen transportieren wir unseren Akkord nun in die Timeline:

Die Grundeinstellungen unseres Songs sind im Moment C-Dur, 4/4-Takt, Tempo 100. Damit das EZkeys-Arrangement synchron zum Host-Sequencer läuft, muss “Follow Host” aktiviert sein. Das Feld ist in diesem Zustand dunkelbraun hinterlegt.

Ohne weitere Einstellungen würde nun die Sequenz (die im Moment ja nur aus einem C-Dur Akkord über zwei Takte besteht) nicht nur synchron, sondern auch positionsgetreu zum Host-Seuencer ablaufen, d.h. der Akkord erklingt zum Beginn von Takt 1 des Song-Arrangements, wenn er in der Timeline von EZkeys ebenfalls bei Takt 1 beginnt. Für das wiederholte interne Vorhören und die Arbeit am Arrangement innerhalb von EZkeys klickt man auf den Cycle-Button (mit den entgegengesetzten Pfeilen).

Der schmale rote Balken über der türkisfarbenen Patterndarstellung gibt die Länge der Endlosschleife an und kann per Anfasser an den Ecken vergrößert oder verkleinert werden. Als nächstes nehmen wir die Schere (links neben der Timeline unter Tools) und zerteilen den Akkord mittig. Jetzt haben wir zwei eintaktige C-Dur-Akkorde. Bei Akkorden oder Akkordfolgen, die mit gehaltenem Sustain-Pedal eingespielt werden, wirkt sich jeder Schnitt wie eine Unterbrechung der Sutain-Modulation aus – was in der Regel Sinn macht. Schneiden bedeutet in diesen Fällen also zugleich, dass an der Schnittstelle das Sustain-Pedal losgelassen und anschließend direkt wieder betätigt wird.

Wir wechseln zum Pfeilwerkzeug und klicken auf den Buchstaben C über dem zweiten Akkord.

Es öffnet sich das Akkordbestimmungsfenster, Chord-Selector genannt, welches auf dem Quintenzirkel aufbaut. Zentral bleibt der Bick auf den Akkord in der Timeline frei; mittig oben erscheint der Grundakkord der gewählten Tonart. In unserem Fall C (Dur).

Im inneren Kreis finden sich die zu den Dur-Akkorden korrespondierenden Moll-Akkorde. Um aus dem zweiten C-Dur-Akkord in unserer kleinen Sequenz A-Moll zu machen, klicken wir einfach auf das “Am” unterhalb des C. Unsere Sequenz besteht nun aus zwei Akkorden. Beim Zerschneiden hat EZkeys berücksichtigt, dass der lang gehaltene C-Dur-Akkord nach der Hälfte seiner Dauer bereits leiser klingt. Das führt nun dazu, dass das C in forte, das Am in Mezzoforte, also mit geringerer Anschlagsstärke gespielt wird. (Soweit gewünscht kann dies schon vor dem Exportieren korrigiert werden – dazu später mehr.)
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Nun wählen wir per Rechtsklick den ersten Akkord aus und wählen im sich öffnenden Kontextmenü “copy”.

Wir bringen den Positionszeiger (kleines schwarzes Dreieck im Taktlineal) auf Takt 3 und wählen per Rechtsklick aus dem Kontextmenü “paste”.

Auf dieselbe Weise kopieren wir den A-Moll-Akkord auf Takt 4. Unser Arrangement sieht nun so aus:

Die Akkordwiederholungen ändern wir anschließend folgendermaßen: Wir klicken auf das C des zweiten C-Dur-Akkords und wählen aus dem Quintenzirkel ein F. Analog verfahren wir mit dem zweiten Am, aus dem ein Dm wird:

Die Sequenz hört sich nun so an:
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Da wir im Chord-Selector nur Akkorde innerhalb der orange eingefärbten Felder ausgewählt haben, die Akkorde im Rahmen einer geradlinigen, wenig verspielten oder gar jazzigen Akkordprogession bereitstellen, klingt diese Akkordfolge recht konventionell. Dass dies nicht so bleiben und schrittweise gesteigert werden kann, zeigen die nächsten Arbeitsschritte:
Zunächst zeichnen wir durch Klicken und Ziehen einen Rahmen um die vier bestehenden Akkorde, die wir damit alle zusammen auswählen, und kopieren diese in gewohnter Manier auf Takt 5 bis 9. Den Wiedergabebereich (Cycle) ziehen wir entsprechend nach:

Wir wandeln die nächsten vier Akkorde durch Anklicken der Buchstaben und Auswahl aus dem Chord-Selector wie folgt um:

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Im nächsten Schritt verdoppelt wir die Sequenz noch einmal und beschäftigen uns wieder mit den letzten vier Akkorden. Diese sollen nun jazzig bis “schräg” klingen und dem Ganzen ein bedeutungsschwangeres Ende verleihen. Die Ausgangsbasis für die letzten vier Akkorde ist G/Em/D/A. Aus dem G machen wir über den Chord-Selektor G7, indem wir die Septime aus der Auswahl oberhalb des Quintenzirkels anklicken. Das Feld mit der 7 wird nun etwas dunkler und damit hervorgehoben, im zentralen Akkorfenster sehen wir, dass aus dem G ein G7-Akkord geworden ist.

Den nächsten Akkord, Em bauen wir komplett um in F6 …

… aus dem vorletzten Akkord machen wir ein G und wechseln den Basston von G in E. Dazu klappen wir das Details-Menü über die zentrale Schaltfläche des Quintenzirkels auf und stellen den Basston im kleinen orangefarbenen Kästchen von G auf E. Dazu transponieren wir den Akkord um eine Oktave durch einen Klick auf das Plus-Feld ganz innen/oben in der Kreisgrafik. Dort wird aus der Null eine Eins.


Den letzten D-Dur-Akkord wandeln wir in A mit zusätzlicher None und ebenfalls um eine Oktave transponiert um:

Unsere vollständige Sequenz sieht nun so aus…

… und hört sich so an:
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Wie man sieht, ergeben sich schnell längere Akkordfolgen. Um auch bei mehr als 16 Takten den Überblick nicht zu verlieren und bei Bedarf Detailarbeit leisten zu können, gibt es für die Timeline eine Scroll- und Zoomfunktion (rechts neben der Timeline)…

…sowie einen Schieberegler darunter:

Als praktisch, besonders beim Experimentieren, erweist sich die Undo/Redo-Funktion, erreichbar über die beiden Mini-Tasten mit Pfeilsymbol:

Durch einen Rechtsklick auf die türkisfarbenen Akkorfelder in der Timeline erreicht man den Properties-Dialog. Hier können Akkordeigenschaften eingegeben werden, beispielsweise zu welchem Songabschnitt der Akkord gehört:

Er wird dann entsprechend eingefärbt. Auch eine Transponierung um Halbtonschritte oder um (bis zu 4) Oktaven kann hier alternativ zum Details-Fenster des Chord-Selectors vorgenommen werden.
Vorhin hatten wir festgestellt, dass beim Schneiden von Akkorden die zweite Hälfte automatisch mit weniger Anschlagsstärke ausgestattet wird. Wer dies ändern will oder wer mehr Dynamik ins Spiel bringen will, kann über den Velocity-Regler die Anschlagsstärke eines jeden Akkords feinjustieren. Das Setzen von Akzenten verstärkt die Ausdruckskraft einer Sequenz.
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Um mit der Patternfolge im Sequencer weiter zu arbeiten, wird diese exportiert. Dies geschieht einfach durch Klicken und Ziehen: Man markiert per Auswahlrahmen alle Akkorde, die exportiert werden sollen, sodass diese hell dargestellt werden, und zieht diese dann in eine MIDI-Spur des Sequencers. Da ist sie:

Hier kann nun im MIDI-Editor weitere Feinarbeit geleistet werden, die mit EZkeys nicht möglich ist, etwa eine Anpassung der Anschlagsstärke einzelner Noten oder ein geringfügiges Verschieben der Notenanfänge, um gegebenenfalls eine zu starke Gleichförmigkeit, die sich aus der Copy&Paste-Arbeitsweise ergeben hat, zu vermeiden.
4. Arbeitsschritte über EZKeys hinaus
Außerdem eröffnet sich nun die Option, die Akkorde durch einen anderen Klangerzeuger abspielen zu lassen. Solange EZkeys noch aktiv ist, empfiehlt es sich allerdings, die Akkorde in der Timeline per Rechtsklick und Mute-Befehl stummzuschalten, sonst hört man Originalsound und Alternative gleichzeitig.

Andersherum kann es natürlich auch reizvoll sein, den Sound zu doppeln. Hier das Ergebnis aus EZkeys Grand Piano Standard zusammen mit einem E-Piano-Sound aus dem Clavia Nord Stage.
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Grundsätzlich eignet sich das exportierte MIDI-File aus EZkeys zum Anspielen aller Arten von Tasteninstrumenten, einschließlich synthetischer Klangerzeuger. Unter Umständen muss die Anschlagsstärke angepasst werden. Aber auch andere Instrumente können durch das File sinnvoll angespielt werden. So kann man es beispielsweise auf mehrere Spuren kopieren, pro Spur jeweils nur eine Note pro Akkord beibehalten und die anderen stummschalten oder löschen und sich aus mehreren Solisten ein Bläserensemble zusammenbasteln. Nachträglich eingespielte Modulationen (Vibrato) erhöhen das Echtheitsgefühl.
Etwas schwieriger wird es, wenn man das File auf Gitarren übertragen will. Die Notenabfolge eines klassischen Tastaturakkords entspricht nicht der Notenfolge auf dem Griffbrett. Einige virtuelle Gitarren bieten allerdings einen Chord-Modus, der das Keyboard-Spiel automatisch und realitätsnah auf das Griffbrett überträgt. Es bleibt noch die Nachbildung des Strummings: Bei einer Gitarre werden nie alle Saiten gleichzeitig, sondern mit einem je nach Tempo und Spielweise unterschiedlich starken Zeitversatz angeschlagen. Je nachdem, in welcher Richtung man die Saiten anschlägt (aufwärts/abwärts bzw. upstroke/downstroke) klingen die tiefen Saiten zuerst oder zuletzt. Entsprechend empfiehlt es sich, ein wenig Feinarbeit im MIDI-Editor zu leisten und die Notenanfänge innerhalb eines jeden Akkords zu staffeln. Allerdings gibt es auch hier Gitarrensoftware, die auch für dieses Problem eine benutzerfreundliche Lösung in Form eines Strumming-Algorithmus bereithält, sodass über einen Regler die Geschwindigkeit des Strummings gesteuert werden kann.
Für das folgende Audiodemo habe ich eine Gitarre aus Chris Hein Guitars benutzt (sowohl die automatische Übersetzung vom Keyboardspiel auf ein Griffbrett, als auch ein Strumming-Regler sind hier vorhanden) und Struming und Vibrato über Controller moduliert. Abgesehen vom Rhythmus unterstützt im Hintergrund noch das bereits bekannte E-Piano des Nord Stage das Geschehen:
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5. Das Füttern von EZkeys mit eigenen Pattern
Zurück zu EZkeys. Den Song Browser kann man als reichhaltige Bibliothek nicht nur für fertige Songs, sondern auch für einzelne Fragmente betrachten, welche man durch Kopieren und harmonische Bearbeitungen mittels Chord Selector in unzählige Kombinationen überführen kann. Doch es geht auch in der anderen Richtung: Man erstellt im Sequencer ein MIDI-Piano-Pattern, exportiert dies in EZkeys und macht dort daraus ein komplettes Arrangement.
Wer weder als Pianist geübt ist, noch sich mit Harmonielehre beschäftigt hat, erlebt es vielleicht des öfteren, dass ihm eine Idee, eine kurze Akkordprogression gelingt – doch diese in eine komplexe harmonische Abfolge zu überführen und einen ganzen Song daraus zu machen ist eine Herausforderung. Mit EZkeys geht das ganz einfach – hier ein Beispiel. Zunächst unsere kurze Passage, die für’s Mitmachen auch als MIDI-File per Rechtsklick und “Ziel speichern unter” heruntergeladen werden kann:
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Selbst erstellte MIDI-Pattern exportieren wir aus dem Sequencer heraus auf einen beliebigen Platz unserer Festplatte bzw. in einen neuen Ordner “Eigene MIDI Pattern für EZkeys” (wenn wir dies öfter machen wollen). Soweit der Sequencer diese Funktion bereitstellt, können hier alle MIDI-Befehle, die wir nicht brauchen (beispielsweise systemexklusive Daten), deaktiviert werden. Von dort aus kann das MIDI-File dann in die Timeline gezogen werden. Beim Import fragt EZkeys, ob es an die eingestellte Grundtonart angepasst werden soll, was wir an dieser Stelle verneinen. An anderer Stelle wäre es dadurch möglich, Fragmente aus fremden Projekten einzubauen und diese automatisch an die gewünschte Tonart anzupassen. In der Timeline angekommen, sieht unsere Passage so aus:

Wir kopieren die komplette Passage. Im angehängten Duplikat verschieben wir über den Chord-Selecor jeden einzelnen Akkord um eine Quinte, klicken also immer auf das rechte Nachbarfeld zum Original. Aus G wird D…

…aus Bb add9 wird F add 9, aus Dm7 Am7:

Das Ergebnis:
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Um am Ende eine kleine Steigerung zu erzielen, transponieren wir die letzten drei Akkorde wie gehabt über die +/- Tasten zentral im Chord-Selector oder über das Properties-Menü (Rechtsklick). Den letzten Akkord Am7 trennen wir mit der Schere ab und duplizieren ihn. Dem Duplikat fügen wir über die Taste 9 oben im Chord-Slector unter Details eine None hinzu und transponieren ihn nochmals um eine Oktave. Das Ergebnis sieht nun so aus…

…und hört sich so an:
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Wer bis hierhin mitgemacht hat, sollte nun alle grundlegenden Funktionen von EZkeys im Griff haben und, was das Experimentieren mit Harmonien und eigenen MIDI-Pattern betrifft, auf den Geschmack gekommen sein. In diesem Sinne: Viel Spaß beim Komponieren und Arrangieren.
Holger Obst
Ergänzende Links:
- Das Mitmach-MIDI-File (Bitte Rechtsklick und “Ziel speichern unter” verwenden)
- ReleaseTime-Testbericht zu EZkeys von Andi Saitenhieb
- Weitere Toontrack-Artikel auf ReleaseTime
- Herstellerwebseite von Toontrack

