Von Raubkopierern, Dongeln aus purem Gold und anderen Autorisierungsschweinereien

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Kennen Sie das Buch “Die Mätresse des Bischofs” von Eckhard Henscheid? Schon im Vorwort klärt der Autor den Leser höflich darüber auf, dass in dem Buch keine Mätressen oder Bischhöfe auftreten und das der Titel nur als Kaufanreiz gewählt wurde. Ähnlich ist es hier (abgesehen davon, dass Sie nichts kaufen müssen): Es folgt kein Insider-Bericht über das Leben eines Hackers, vielmehr sind die unterschiedlichen Autorisierungen das Thema. Dazu gehört jedoch auch ein Rundblick über das Umfeld, das die leidigen Prozeduren hervorbringt …

Früher wurden Musiker häufig von der Plattenfirma über den Tisch gezogen, heute sind es die Hörer selbst, die den Künstlern das Honorar für ihre Arbeit verweigern und sich eine Festplatte nach der anderen kostenfrei mit Sounds füllen. Auch weitgehend unbekannte Bands finden ihre Songs wenige Monate nach der Veröffentlichung auf russischen oder fernöstlichen Servern, sogar umgewandelt in Klingeltöne, völlig egal, ob sich die Musik dafür eignet oder ob es eine ernsthafte Nachfrage gibt. Alles, was auf den Markt kommt, wird raubkopiert und gleich mehrfach zur freien Verfügung hochgeladen. Wer Downloads käuflich erwirbt oder gar physikalische CDs in einem der letzten Plattenläden ersteht, wird in manchen Kreisen schief angesehen und gilt als angestaubter Idealist.

Doch wie wir alle wissen, erliegen auch manche Musiker nur allzu gerne der Verlockung, sich ohne Entgelt mit Software zu versorgen. Die Welt der virtuellen Instrumente und Klangmanipulatoren ist groß, bunt und in der Summe trotz anhaltendem Preisrutsch für viele kaum erschwinglich – zumal die Einnahmeseite auch aus den oben erwähnten Gründen stagniert. Da beißt sich die Katze in den Schwanz.

Zwar gibt es inzwischen auch ein breites Sortiment an Freeware und leistungsstarken Produkten nahe am Nulltarif, doch das Verbotene hat seit jeher seinen besonderen Reiz – und, seien wir ehrlich: Die aufwändig programmierten Tools sind den kostenlosen Versionen immer ein gutes Stück voraus.

In den öffentlichen Foren diesseits der Hacker-Zone wird das Thema Software-Klau weitgehend tabuisiert; Ausrutscher fallen umso dramatischer auf: Vor nicht allzu langer Zeit wurde ein – damals noch – großes deutsches Musikerforum monatelang abgeschaltet, weil die Teilnehmer offenlegten, dass im angeschlossenen Magazin ein Crack eines Plug-ins getestet wurde.

Was den Musikern verwehrt bleibt, nämlich ein effektiver Schutz ihres Eigentums und ihrer Rechte, versuchen Software-Hersteller durch verschiedene Varianten des Kopierschutzes zu erreichen – was letztendlich nicht umfassend funktioniert. In der Praxis geht es vielmehr darum, das Programm so gut zu schützen, dass die Hacker eine möglichst lange Zeit brauchen, um den Schlüssel zu knacken. Und auch für die Käufer sind die Zeiten, in denen man eine rechtmäßig erworbene Software einfach kopieren und einem Freund “leihen” konnte, längst vorbei. So etwas gab es nur in der Steinzeit des Internets.

Dass die Hersteller die Ergebnisse oft jahrelanger Arbeit nicht verschenken können, liegt auf der Hand: Gute Software ist das Ergebnis eines kreativen Schaffensprozesses, der honoriert werden möchte und sollte – und neben dem Aufnahmestudio für Sample-Libraries will auch das ganz banale tägliche Leben finanziert werden. Wer will schon riskieren, unter der Brücke zu schlafen, wie der ambitionierte Musiker (diese Zukunftsvision stammt aus einem Interview mit Manfred Man).

Doch der Musiker, der sein Geld zusammengekratzt hat, um sich endlich das Sequenzer-Programm, den Soft-Kompressor oder die Sound-Library seiner Träume zu kaufen anstatt zu stehlen, wird nun auch noch mit den leidigen Autorisierungsprozessen konfrontiert – die Welt ist eben ungerecht, trotzdem: Verstehen wir auch diesen Teil des Gesamterlebnisses “Ich kaufe mir mein LiebligsPlug-in” als persönlichen Beitrag zum Wohle des favorisierten Herstellers.

0 Kommentare

  1. Ich nutze Cubase nicht nur nicht wegen des katastrophalen Userinterfaces und den tausenden von Fenstern, nein, Dongles bei einer Sequenzersoftware sind der reinste Horror. Wer möchte schon gerne an seinem Notebook immer einen hässlichen USB-Stick kleben haben? Und der Steinberg Key ist kein bisschen besser als der iLok, im Gegenteil, wenn Cubase auch auf den iLok basieren würde, müsste man sich nur einen Dongle kaufen und mit sich herumschleppen.

    Ab Logic Studio 8 ist alles perfekt gelöst: Kein Dongle, nur eine Seriennummer bei der Installation eingeben, die Software muss nicht zwingend registriert werden und man kann die umfangreiche Software verwenden.

    Im Grunde bringen die Dongles ja sowieso keine Sicherheit, wer bei Google nach “iLok Emula***” oder “Cubase Cr***” sucht, wird schnell fündig.

    Und die ehrlichen, zahlenden Menschen, müssen ihre Zeit mit Registrationen, Dongles mit sich herumschleppen, verlieren, vergessen verschwenden.

    Philipp

  2. Hallo Philipp,

    das mit dem Interface ist wirklich Geschmacksache. Ich komme z. B. überhaupt nicht mit Logic zurecht und ich habe es wirklich versucht – schon wegen des genialen Rhodes, das Apple dort mitliefert.

    Cubase und auch Pro Tools bieten für meinen Geschmack einen übersichtlicheren Look. Aber stimmt: Die Autorisierung bei Apple ist maximal anwenderfreundlich. Besser geht es nicht.

    Jörn

  3. Hm, was ist an Logic so schwierig? :D
    Für viele Sachen hätte ich auch gerne Pro Tools, aber ich bin nicht bereit für eine ohnehin schon so teure Software ein extra Audio Interface von Digidesign oder M-Audio zu kaufen…
    Aber Pro Tools hat ja wieder den iLok :(

    Und es sieht ja irgendwie schon bescheuert aus, wenn man an seinem schönen MacBook so n monströsen iLok hängen hat, der wohlmöglich noch durch sein wulstiges Ende den Zugang für einen anderen, großen USB Stecker, wie z.B. einen UMTS Stick belegt.

    Philipp

  4. Für Logic spricht noch etwas anderes – ein Punkt, den andere Firmen nicht immer bieten können: Kompatibilität zu neuen Betriebssystem-Versionen. DAS ist für mich sehr wichtig – viel wichtiger, als ein zusätzlich anzuschaffendes Audiointerface, oder ein blöder Dongle.

  5. @pmenzel96:

    Das ist doch völliger Blödsinn!

    Häng dich jetzt mal nicht so weit aus dem Fenster, deine ganz private Meinung ist lange nicht allgemeingültig. Es darf nicht sein, dass man unwissend denunziert und propagiert.

    Warum hat Apple den früheren Logic-Dongle wohl entfernt? die wollen ihre überteuerte Hardware verkaufen! Schau dich doch nur mal um: die meisten Apple-Musiker haben einen iMac o.ä., denn das ist gerade bezahlbar. Dann einfach das Logic mit Seriennummer vom Kumpel oder aus dem “Netz”, und man hat sein rechnerbasiertes komplettes Tonstudio, ganz “ohne zusätzliche Kosten”…
    Dein Kommentar entbehrt jeder Vernunft, ich gehe mal davon aus, auch hinsichtlich deines jugendlichen Fotos, dass deine Namensendung “96″ dein Geburtsjahr ist.
    Der Cubase-Dongle ist z.B. eine der einfachsten Möglichkeiten, eine rechtlich korrekt erworbene Software auch zu nutzen: man kann zudem Cubase/Nuendo so viel man will überall auf jedem System (Mac+PC) installieren, Dongle rein, fertig! Etwas einfacheres gibt es nicht.
    (Anmerkung: Wer auf sein Haustürschlüssel nicht aufpasst, ist ja auch selber dran Schuld.)

    Aufwändiger und absolut nerviger ist das NI-Verfahren, mit dem ewigen online-registrieren und kopieren etc. Und das ist da nur auf 3 Rechnern möglich.
    Auch sitzt man ja nicht an mehr als einer DAW gleichzeitig. Eben.

    Dein Alter mit Zahl “96″ in Verbindung mit deiner Erwähnung der Emul*** und Cra**-”Optionen zeigt mir insgeheim auf, was du wirklich an korrekt lizensierten Softwares auf deinem Rechner hast. Als du auf die Welt gekommen bist, war ich zu diesem Zeitpunkt schon 8 Jahre (!) beruflich im Audiobereich unterwegs, ich weiss also wovon ich spreche. Neben dem Betrieb eines eigenen größeren Tonstudios mache ich auch Software-Schulungen. ich kenne jede erdenkliche DAW sehr genau und teste diese ebenso intensivst. Logic aber besitzt eine der ältesten Audioengines die es gibt, es klingt immer nach “Mitte-90er-Plastik”. und der Audiobereich ist selbst autkell auf Logic 9 immer noch sehr, sehr mies. Die paar sinnvollen Plugins, ES2 oder EXS24 wie EVB3 sind da noch vorzuheben, aber der Rest ist wie auch viele übergestylte Effekt-Plugins wirklich nur Durschnitt. Die restlichen Synths wie ES1 etc. sind kaum zu gebrauchen, das EVP88 klingt viel zu weich und synthetisch, und wann soll man bitteschön ein Clavinet oder den sehr speziellen Sculpture einsetzen? eben.
    Man kauft sich sowieso lieber passende Drittherstellerplugins hinzu. Denn zu unterschiedlich sind Geschmäcker und Musikrichtungen (!). Samplitude, Sonar, Cubase haben allesamt aktuell viel mehr Vorteile als Logic. Fakt.
    Wer natürlich nur ein paar Loops hin und herkopiert, oder einfache Home-Dance/HipHop-Sachen macht, für den reicht Logic mit dem dämlichen unprofessionellen 1-Fenstergefrickel (tja, man will ja Apple-Books verkaufen!) und dem unübersichtlichen altbackenen Environment wie auch der schlechten Audioenigen (Plastiksound, zu viel bass, fehlende Höhen!) natürlich lässig aus.
    und das sage ich als großer heimlicher Logic-Fan (habe angefangen mit Notator in den 80ern)

    Marcus.

  6. @Marcus

    Wenn Du schon persönlich beleidigend Deine Meinung vertrittst und Usern vorwirfst, gecrackte Software zu nutzen, wäre es höflich, dies entweder mit Klarnamen zu tun oder dich als User unserer Community sichtbar zu machen oder uns wenigstens über einen Link (z. B. zu Deiner Studiowebseite, welches Du ja zu haben scheinst) an Deinem allumfasseden Wissensreichtum aus der Audiobranche teilhaben zu lassen, die ja schon ins Jahr 1988 zurückzureichen zu scheint.

  7. Zum Thema iLok:
    So wie ich es verstanden habe, ist Zero Downtime keine Versicherung gegen einen Verlust (verlieren oder Diebstahl), sondern nur eine Überbrückung bis zur Reparatur bzw. zum Austausch eines eingeschickten, defekten Dongles?!

  8. @jürgen
    Das ist richtig. Zero Downtime dient nur der Überbrückung.
    Ergänzung zum iLok: Im Gegensatz zum Steinberg eLicenser kann man auf dem iLok keine Lizenzen löschen. Löschen ist sinnvoll, wenn z.B.
    a) Alt-Software auf dem neuen Rechner nicht mehr läuft, weil der Hersteller den Support für die aktuellen Betriebssysteme eingestellt hat oder
    b) im Fall von Demo-Lizenzen von Produkten, die man nicht erwirbt oder
    c) wenn man Lizenzen von einem iLok auf einen anderen Verschiebt (dann bleiben die nicht mehr gültigen Alt-Lizenzen auf dem Ursprungs-iLok platzraubend stehen.

  9. Mein iLok ist schon recht wertvoll geworden; oft nervt mich der Gedanke, das Ding könnte verschwinden! Das NI Service Center finde ich recht gut, da gab es kein Problem beim Umstieg auf einen neuen Computer.

  10. Typisch…. prangert man das SW-Authentisierungswesen an, kommt man gleich in den Verdacht Crackware zunutzen.
    Dies zieht sich komischerweise durch alle Musikerforen.
    Wieso schaffts die SW-Industrie nicht die ganzen illegalen Download-Portale zu brandmarken.

    Oder seh ich das bisl blauäugig…..

    Fazit -> der Ehrliche ist der Dumme.

    In dem Falle bin ich gerne dumm.. ;)

  11. Das Thema Raubkopieren ist sicherlich ein heißes Eisen – mit Tradition: Geklaut wird, seit es Software gibt. Neben dieser illegalen Methode, sein Arsenal an VIs und Plug-ins zu vergrößern und dem ehrlichen Kauf von Software im Volumen von mehreren tausend Euro gibt es aber auch Alternativen: Ein wachsendes Angebot an Freeware oder Low-Budget-Produkten, die nicht schlecht sind. Auch wenn sie nicht an die teure Software herankommen reicht das für mehr als nur für den Einstieg. Einen Überblick erhält man z.B. auf kvraudio.com. Wer einen umfangreichen Sequencer braucht aber kaum etwas ausgeben will, sollte sich mal Reaper ansehen.
    Wenn man bedenkt, mit welchen Mitteln vor 10 oder 20 jahren noch Musik gemacht wurde, weiß man, dass eine Beschränkung der Möglichkeiten durchaus kreativitätsfördernd sein kann. Damals mußte man aus einem Sampler noch wirklich das letzte herausholen und hatte die Funktionen komplett im Griff. Heute weiß man gar nicht mehr, welches Instrmuent man zuerst ausprobieren soll, welches Knöpfchen man als nächstes dreht und was die Sachen, die man da hat, eigentlich alles können. Die Ausnutzung der Software liegt in der Regel weit unter 50% des Potenzials – je mehr man hat, desto niedriger und desto mehr wird man vom Wesentlichen abgelenkt. Vor ein paar Monaten kontaktierte mich jemand, der meinte, er hätte sich eigentlich alles, was es so gibt irgendwo beschafft – jetzt wollte er ein paar Tipps, was er davon wieder von seiner Festplatte löschen kann und was etwas taugt. Nebenbei stellte sich heraus, dass einige geknackte Software nicht wirklich funktioniert – das hatte er vorher nicht bemerkt, weil er keine Zeit hatte, sich die Sachen näher anzusehen/anzuhören.

    Fazit: Ehrlich kaufen muß nicht gleich das Konto komplett leeren. Ein überquellendes Arsenal von VIs und Plug-ins bremsen eher die Kreativität. Lieber ein paar ehrlich erworbene, wirklich gute Produkte und dazu funktionierende Freeware. Oder einen der großen Sequencer – die haben heute schon so vieles an Bord, dass man damit sehr sehr weit kommt, ohne großes Drumherum. Unsere Tests sollen dabei helfen, dass sich jeder das für ihn Richtige aussucht.

    Holger.

  12. Egal welchen Comp oder EQ man nutzt. Wenn man ihn nicht bedienen kann spielt der Preis keine Rolle.

    Nachdem man an seinem Synth die 3000 Sounds durch hat, kauft oder crackt man sich einen Neuen.

    Die Grundlagen wollen heute anscheinend nicht mehr erarbeitet werden.
    Man protzt lieber mit Equipment.
    Ich hatte früher alleine für die Tasten-Instrumente einen 32/8 Mixer.
    Da haste dir deine Sounds selbst programmiert und wusstest um die Stärken und Schwächen deiner Geräte.

    Und da mussteste noch spielen können, ob mit oder ohne Midi.
    Ein Minimoog, Hammond oder ein Piano musizierten nicht von allein.

    Richtige Orchester spielten da noch -> nix Plastikkonserve

    Mittlerweile kann jeder Mausklicker und Step by Stepper mit Soundlibs etc…klanglich Hochwertiges abliefern.

    Heute halten die Beethoven für nen Maler und einen Dreiklang für einen Algorithmus aus dem DX7…. ;)

    In einer Gesellschaft, in der Musik (Kultur allgemein) keinen oder fallenden Stellenwert hat, stellen auch Musiker / Musikinstrumente ob Hard – oder Software keinen Wert mehr dar…..

    Das macht einen traurig, manchmal auch wütend.

  13. @Jupp: Starkes Statement – und ich sehe das weitgehend genauso. Musik hat aber immer Probleme mit dem (finaziellen) Wert gehabt. Ruhm und Geld haben viele Musiker ganz schlecht verkraftet und einige das Leben gekostet. Da hat man es heute besser :-) – denn in den letzten Jahren hat sich die finanzielle Krise der Branche extrem verschärft.
    Und ja, unsere Medien-Informationsgesellschaft verblödet imer mehr zu einem lustigen Musikantenstadl.
    Wer heute ins Musikmachen einsteigt, hat kein Klavier, sondern eine DAW als Instrument – sehr verführerisch sind die vielen automatisierten Klangerzeuger, die darauf laufen. Wenn ich heute als Teenager einsteigen würde, wüßte ich auch nicht, wo ich anfangen soll. Lernen von Instrumenten ist ja erstmal immer unbequem – da rutscht man schnell ab, wenn es scheinbar auch ohne geht.
    Dem Überangebot an sagenhaft gut klingenden Klangerzeugern, die gestalterische Möglichkeiten eröffnen, von denen man früher nicht mal geträumt hat, steht eine Masse von eindimensionaler, phansasieloser oder halbfertiger Musik gegenüber, die das Netz überschwemmt. Frische Ideen sind Mangelware, und das, obwohl die heutige Technik so viel hergibt. Irgendwas läuft hier schief.
    Andererseits hat Musik für jeden, der sich damit auseinandersetzt, einen uneingeschränkt hohen Wert: Das Eintauchen in die Klangsynthese eines Synthesizers oder das Experimentieren mit abgedrehten Effekten sind ein Erlebnis für sich, selbst wenn am Ende keine Werke entstehen, die reif für die Veröffentlichung sind.
    Wenn man Geld in die Anschaffung von Software steckt, dann investiert man zuerst einmal in sein persönliches Klang-Universum. Der Unterschied zwischen Musik machen und Musik hören ist, dass man beim Machen mitten im dynamischen Prozess ist und beim Hören lediglich Beobachter. Musik sollte man machen, um Klänge und Grooves zu hören, die man sonst nicht hören würde. Das Gestalten selbst kann kein anderer stellvertretend erleben.
    Die Mehrzahl der Produkte, die wir hier auf Apfelwahn testen, sind ihr Geld allemal wert, weil sie geeignet sind, diesen Prozess zu erweitern.
    Kauft man sich solch ein Produkt, gibt also etwas dafür her, dann bestätigt man auch für sich selbst, dass diese Neuerwerbung einen Wert hat. Man wird sie nicht so schnell beiseite legen, sondern sich intensiver damit auseinandersetzen und mehr von ihren Möglichkeiten profitieren.
    Klaut man sich am laufenden Band Software, dann erscheint alles beliebig und kaum der Mühe wert, näher betrachtet zu werden. Man entwertet nicht nur die Arbeit des Programmierers, sondern auch die eigene Verwendung des Produkts. Wenn man sich alles (umsonst) leisten kann, verlieren die Dinge schnell ihren Reiz oder behalten ihn gerade mal für einen Tag, denn jeden Tag gibt´s was Neues.

    Holger

  14. Naja, Ruhm, Geld und Charakter das klappt in den seltensten Fällen.. :D

    Alleine die ganzen Bänker und sonstigen Moneymakers, mit ihren “verdienten” Boni könnten alleine die Musikwelt finanzieren. Die spenden aber sicher alles für wohltätige Zwecke… ;) …. sorry für OT.

    Diese ganze SW-Welt hat doch einen Reisenvorteil. Du kannst dir von fast jedem Teil ein Demo aus dem Netz ziehen. Da merkt man doch das eine Grosszahl der ganzen Plugs e gleich oder ähnlich klingt.
    Nach der dritten Emulation von einem 1073er oder 670er muss man doch erkennen wo es hinläuft.
    Zumal ein Grossteil der User die Originale zum Vergleich e nicht hat. Dann vergleichen sie PlugIn mit PlugIn. :D
    In den meisten Fällen reichen da die DAW internen Effekte vollkommen aus.

    Auf der anderen Seite werden mit Ein – und Mehrtägigen Mix und – Mastering Seminaren den Usern die Einfachheit der Digitalen Musik-Welt suggeriert.
    Das man schlechte Kompositionen/Arrangements oder Recordings damit nicht in Griff bekommt interessiert da nicht.
    Womit wir wieder bei den musikalische Grundlagen wären.
    Lieber noch eine Classik Lib oder ein Effektbundle für 1000€ gekauft/gecrackt…. Error sag ich da bloss.

    Ist doch logisch das die jedem Spruch von sonem (selbsternannten) Mix und Mastering Guru aufsaugen, und unbedingt dessen Equipment in Software benötigen.
    Man schaue sich z.B.: nur mal diese Waves Artist Signature Collection von Kramer, Maserati oder Chris Lord-Alge an.
    Wir haben diese auch im Bundle mit drin…. ich kenn allerdings niemand der die Teile benutzt. Die Typen selbst bestimmt auch nicht.. ;)

    So -> ich geh jetzt Orgel spielen :D

  15. @ Jupp: O.k., allein die Masse an virtuellen Kompressoren, EQs und Reverbs bewirkt, dass viele ähnlich klingen, schon allein nach dem Prinzip der Gauss´schen Glockenkurve/Normalverteilung. Es gibt aber Highlights, wie z.B. den Softube Trident A-Range EQ, die Waves V-Series EQs oder die Abbey-Roads EQs, die eine persönliche Note mitbringen. Bei den Reverbs ist es der IRCAM Verb, der nach meiem Empfinden alles andere, was es virtuell zu haben gibt, schlägt – na gut, das Lexicon PCM Bundle ist da vielleicht auf Augenhöhe, bietet aber einen anderen Programmieransatz, klingt definitiv anders und kostet etwa doppelt so viel. Bei den Synthesizern ist es das DCAM-Bundle von FXpansion oder auch der kürzlich getestete Tone2 Electrax oder der Largo – allesamt Klang-Labore zum Schnäppchenpreis; da braucht man keinen Crack, sondern kauft sich eines davon und arbeitet monatelang damit, bis man es wirklich beherrscht und die Möglichkeiten ausgelotet hat. Bei den klassischen Sample-Libraries ist es die VSL-Collection mit dem neuen Vienna Instruments Pro-Player, dessen DIVISI- und Humanizing-Funktionen ein ganz neues Echtheitsgefühl hervorbringen. Ein Test folgt in Kürze.

    Ich sehe es also nicht so, dass alles Virtuelle eine graue Suppe ist, und es egal ist, welches Produkt man herauslöffelt.

    Die Waves Signature Series sind meiner Ansicht nach dafür gedacht, mit wenigen Mausklicks einen überdurchschnittlich guten, zum Instrument passenden Channel-Strip anzubieten. Gut für Leute, die schnell arbeiten müssen oder für solche, die eigene Plug-in Konfigurationen nicht in gleicher Qualität zusammenstellen können, weil die Erfahrung oder die Plug-ins fehlen. Der Vocal-Strip von Jach Joseph Puig ersetzt bei mir frühere aufwändige Kombinationen mit dem Noveltech Character, EQ-Korrekturen und Kompressor. Man muß bei den Signature-Plug-ins ja auch nicht alle Module eines Channel-Strips einschalten und kann beispielsweise Delay, Doppler und Reverb extern hinzufügen. Cubase 6 bietet übrigens alternativ eine Reihe von Channel-Presets für denselben Zweck: Schnelles Arbeiten bzw. Grundlage für eigene Konfigurationen, nicht zuletzt sind diese Presets auch Lern- und Übungsbeispiele für Einsteiger.

    Den Wert von Schulungs-Seminaren kann ich nicht bemessen – habe nie an einem teilgenommen. Ich denke aber, dass man dort einige Tricks und Funktionen erlernen kann, die man vorher nicht kannte. Außerdem trifft man auf Gleichgesinnte und ein Austausch kann ja auch immer neue Aspekte bringen. Das Homrecording-Studio von heute sollte man im Ganzen als ein Instrument betrachten, warum sollte man dessen Beherrschung nicht in Lernkursen perfektionieren?

    Die anderen Grundlagen, erstmal Keyboard, Schlagzeug, Bass, Gitarre spielen lernen, zumindest so weit, dass man die Grundbegriffe von Beats und Harmonien umsetzen kann und ein Gefühl für die Instrumente bekommt, sollte auch Pflicht sein. Musiker, die nur noch lernen, wie man Loops einsetzt oder einen Arpeggiator programmiert, können kaum auf einen Reichtum an musikalischen Gestaltungsmöglichkeiten zurückgreifen und sind in ihren Ausdrucksformen zwangsläufig eingeschränkt. Spezialisiert man sich mit solchen Einschränkungen auf ein passendes Genre (Techno, Minimal & Co) geht das vielleicht noch einigermaßen in Ordnung.

    Im Laufe meiner Beschäftigung mit Musik habe ich mit einiger Verwunderung beobachtet, wie aus Plattenauflegern international gefeierte Musiker wurden. Der DJ-Kult blieb mir lange ein Rätsel, bis ich auf einer Rave-Party in den 90ern mitbekommen habe, welche Kraft von archaischen Sequencerlinien + Groove-Box ausgehen kann. Trotzdem bin ich immer noch der Meinung, dass man sich als Musiker ein breiteres Spektrum an Ausdrucksmöglichkeiten erarbeiten sollte, denn nach der tausendsten Rave-Pary wird´s dann doch langsam langweilig.

    Holger

  16. Hallo Holger,

    mein letztes Statement kommt vielleicht zu pessimistisch daher.

    Bei Softube und AbbeyRoad stimme ich dir zu.
    Bei den Waves die API-Collecte. Da sind die EQs klasse, endlich mal ein Plug-EQ das auch greift.

    DCAM gefällt mir jetzt überhaupt nicht. Da ist der Korg Dino – Legacy Analog immer noch ne Empfehlung.
    Für den Largo hat der PT-User seinen Hybrid und für Kontakt – Structure und Xpand.
    Mit dem Lexicon PCM-Bundle macht man sowieso nichts falsch… ;)

    Wer bei uns – DJs, Rapper und HipHopper – als Musiker bezeichnet wird mit 4 wöchigem hören des WAR-Requiems von Britten bestraft… :lol:

    Kannst du bitte mehr Absätze in deine Texte setzen, oder diese grosszügiger gliedern ?
    Ich tu mir da – altersbedingt – immer bisl schwer…danke.

  17. Danke Holger…

    Hallo Jörn,

    bei der Digitalen sind die M1 Pads und Motion Sounds klasse.

    Aber da überschneidet sich Soundmässig vieles mit der HW die hier noch rumsteht.
    Obwohl, z.Zt. grade nur 49€. Da könnte man eigentlich schwach werden.. :D

    • Also ich finde diese Korg-Sachen total klasse. Auch diese alten Wavestation-Sounds finde ich wieder faszinierend. Und diese ganzen Analogsachen aus der Korg-Historie – einfach toll. 49 Euro? Da zögerst du noch? Warum?! :-)

  18. @Jupp
    Ich denke, dass unsere Ansichten nicht weit auseinanderliegen. Persönliche Favoriten bei Plug-ins und VIs fallen eh unter das Thema Geschmacksache.

    Sehr schön – Dein Kommentar zu den Rappern; die hatte ich ganz vergessen.

    Dann bis zum nächsten Mal.

    Holger.

  19. Ich schlage mich seit meinem 1600.– Dollar schweren Kauf meiner WAVES-PlugIns nun zum DRITTEN Mal für mehr als eine Woche damit herum, dass mein funktionstüchtiger und grün leuchtender iLok seine Aufgabe wieder einmal NICHT erfüllt.
    Ich denke PACE ist eine Firma voll unfähiger halbbatziger Hobbyprogrammierer, welche sich vielleicht besser dem Gartenbau oder dem Umweltschutz verschrieben hätte. Wobei die Mitarbeiter von WAVES wiederum vermutlich sehr gut in die Administration eines arktischen Staates passen würde, weil dort die Ansprüche der Kunden vermutlich sogar für solche Faulpelze wie die, zu bewältigen wären.
    Ich möchte mich an dieser Stelle bei allen Hackern bedanken, die jahrelange Arbeit investieren um jahrelange Arbeit verfügbar zu machen, auch für die Leute die den Anstand haben und dafür bezahlen würden.

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