Test: Camtasia 2018

Im letzten Jahr haben wir den Video-Editor Camtasia 9 ausführlich getestet und waren begeistert von der intuitiven und schnellen Bedienung und dem Funktionsumfang. In diesem Test schauen wir uns die Neuerungen der brandneuen Version Camtasia 2018 an.

Übersicht

Die Software Camtasia von der Firma TechSmith bietet genau genommen zwei Produkte in einem: Einen großartigen Screen-Recorder und einen intuitiven Video-Editor. Seit Jahren zählt Camtasia zu den Marktführern in diesen Bereichen. Sollte Ihnen Camtasia noch völlig neu sein, finden Sie HIER den ausführlichen Test zur Vorgängerversion Camtasia 9 (Windows).

Camtasia 2018 weist einige Neuerungen und Detail-Verbesserungen auf, ändert aber glücklicherweise nicht grundlegend etwas am bewährten Design und Workflow. Das empfinde ich als sehr positiv, da man als erfahrener Camtasia-Nutzer ohne jegliche Probleme auf die neue Version umsteigen kann. In diesem Test stellen wir die Neuerungen gegenüber der Vorgängerversion vor.

Installation

Bedienung & Tutorials

Der ungefähr 500 MB umfassende Download geht zügig vonstatten. Die Installation war so schnell abgeschlossen (innerhalb weniger Sekunden), dass ich mich erst einmal vergewissert habe, ob das Programm auch ordnungsgemäß installiert wurde… ja, alles bestens. Die Autorisierung erfolgt mit Seriennummer und Onlinezugang und ist schnell und problemlos erledigt.

Zur Auswahl steht die Software in den Sprachen Deutsch, Englisch und – das ist neu – Japanisch. Für Herbst 2018 ist auch eine französische Version angekündigt. Nach der Installation kann die Software nicht auf eine andere Sprache umgeschaltet werden. Das ist vor allem dann ärgerlich, wenn man Tutorials nur in englischer Sprache findet und dann in seiner deutschen Version nach den entsprechenden Begriffen sucht. Aber das ist nicht wirklich ein Problem: TechSmith bietet wieder ganz vorbildlich ausführliche Tutorials sowohl in deutscher als auch in englischer Sprache an. Die Videos sind komplett kostenlos und frei zugänglich, auch vor dem Kauf. Sie haben jeweils eine Länge von wenigen Minuten, sind anschaulich erklärt und bauen logisch aufeinander auf. Bei den Videos gibt es meist gleich noch die Projektdatei zum Download, so dass man alles selbst ausprobieren kann. Hier sind die deutschen Tutorial-Videos zu finden: https://www.techsmith.de/tutorial-camtasia.html

Wie bei der Vorgängerversion auch gibt es wieder eine 30-tägige Testversion.

Neuerungen in Camtasia 2018

Bibliothek – jetzt auch für Mac

Warum Bibliotheken?

TechSmith schreibt: „Wer regelmäßig Videos erstellt, muss die Möglichkeit haben, bestimmte Elemente wie Intros, Video- und Audioclips, Bilder und Callouts immer wiederverwenden zu können – ohne dabei stets bei Null anzufangen.“ Und genau dabei hilft die komplett überarbeitete Bibliothek, die in der Mac-Version nun zum ersten Mal auch verfügbar ist.

Wie funktioniert die Bibliothek?

Die Camtasia-Bibliothek ähnelt der Clip-Auswahl, aber ihre Medieninhalte sind in allen Projekten verfügbar. Die Medien, die man zur Bibliothek hinzufügt, können für alle Projekte auf diesem Rechner genutzt werden.

Wie schon in der Vorgängerversion findet der Nutzer in der Bibliothek von Camtasia 2018 bereits zahlreiche Intros, Symbole, Musiktitel, untere Bildschirmdrittel und vieles mehr. Durch einen Doppelklick auf ein Medienelement wird die Vorschau angezeigt. Um es in einem Projekt zu nutzen, zieht man es auf die Timeline.

Unterschiedliche Bibliotheken anlegen, importieren, exportieren & durchsuchen

Neu ist, dass man nun unterschiedliche Bibliotheken anlegen kann. So kann man die Medien sortieren, so dass z. B. eine Bibliothek nur die Medien für den eigenen YouTube-Kanal enthält. Das ist auch sehr praktisch, wenn mehrere Nutzer Videos erstellen, so dass jeder die gleichen Intros, Einblendungen etc. verwendet. Bibliotheken können auch exportiert und importiert werden, so dass diese Nutzer auch an unterschiedlichen Rechnern mit denselben Medien arbeiten können.

Zur weiteren Sortierung können in jeder Bibliothek Ordner und Unterordner angelegt werden, in die Medien per Klicken und Ziehen verschoben werden können.

Die Bibliotheken sind jetzt auch durchsuchbar – eine sehr willkommene Funktion!

Schemas

Was sind Schemas?

Mit einem Schema kann das Aussehen von Anmerkungen, Callouts und Textelementen ganz einfach geändert werden – auch projektübergreifend. TechSmith erklärt: „Mit Camtasia 2018 können User ihre bevorzugten Farben und Schriften für Callouts, Intros und weitere Elemente als bestimmte Designschemas definieren. Damit stehen für unterschiedliche Videoprojekte die jeweils passenden Stilvorlagen jederzeit zur Verfügung und müssen nicht pro Video einzeln erstellt werden. Die Funktion gewährleistet ein einheitliches Design und Branding von Videos.“

Wie funktionieren Schemas (Erstellung & Anwendung)?

Im Schema-Manager können vorhandene Schemas angezeigt, bearbeitet und umbenannt werden. Außerdem kann man hier neue Schemas erstellen. Pro Schema können bis zu 5 Farben (Vordergrund, Hintergrund 1, Hintergrund 2, Akzent 1, Akzent 2) und bis zu 2 Schriftarten festgelegt werden.

Zuerst wählt man das betreffende Element aus. Nach dem Öffnen des Dropdown-Menüs „Schema auswählen“ …

… wählt man im Dropdownmenü des Eigenschaftenfensters das passende Schema aus (1). Sofort ändern sich die Schriftarten und Farben des ausgewählten Elements. Diese können dann einzeln weiter angepasst werden, wobei im jeweiligen Schema nur die vorgewählten Farben und Schriftarten zur Verfügung stehen (2).

Das Ergebnis jeder Anpassung ist immer gleich auf der Leinwand zu sehen (3).

Ein Schema kann auf mehrere ausgewählte Elemente gleichzeitig angewendet werden. Von diesem Zustand …

… zu diesem …

… kommt man mit drei Mausklicks!

Auch die mitgelieferten Medien wie Intros und Lower Thirds können mit Schemas ganz einfach an das eigene Branding angepasst werden.

TechSmith Assets (kostenlos)

Wie schon die Vorgängerversion bietet auch Camtasia 2018 seinen Nutzern wieder eine große Auswahl an lizenzfreiem Videomaterial zur beliebigen Verwendung. Dazu gehören personalisierbare Intros, Outros, Bauchbinden (Einblendungen am unteren Bildschirmrand), animierte Hintergründe, Symbole und Musiktitel.

Die Vorschau und Integration ins Projekt wurde eben im Abschnitt Bibliotheken schon beschrieben.

Hier ein Beispiel. Diese Lower Third …

habe ich innerhalb weniger Minuten in dieser Lower Third verwandelt, indem ich den Text durch Doppelklick und Texteingabe geändert, die Farbe mit den oben erklärten Schemas an mein Branding angepasst und das Camtasia-Logo durch mein Logo ersetzt habe. Die Animation der Schrift habe ich im entsprechenden Menü noch leicht verändert.

Ohne Vorlage hätte ich das nur mit einem enormen Zeitaufwand hinbekommen.

Die Musik stammt auch aus der lizenzfreien Camtasia 2018 Bibliothek. In meinen Videos verwende ich als Musiker natürlich meine eigene Musik, aber im Falle des Falles sind einige Clips frei verfügbar.

TechSmith Assets (kostenpflichtig als Abo)

Für 194,42€ jährlich erhalten Nutzer das „TechSmith Assets Abo“, das unbegrenzt Zugriff auf weitere 600.000 lizenzfreie Inhalte wie Intros und Outros, Hintergründe, Bauchbinden, Bildmaterial, Musik und mehr ermöglicht. Das Abo erlaubt dem Nutzer eine pauschale, unbegrenzte Nutzung aller verfügbaren Inhalte.

2 neue Verhalten (Behaviors)

Verhalten ist die Art wie Elemente auf dem Bildschirm erscheinen, was sie dort während ihres Aufenthalts tun und wie sie wieder verschwinden (einblenden, reinrutschen, hüpfen …). Die Anzahl der Verhalten wurde in Camtasia 2018 von 9 auf 11 aufgestockt, so dass es jetzt noch etwas mehr Abwechslung gibt. Durch die Editierbarkeit der Verhalten lassen sich unzählige individuelle Effekte realisieren.

Bearbeitung und Produktion mit 60 FPS (Frames per Second)

Ab Camtasia 2018 ist auf die Bearbeitung und Produktion mit 60 FPS möglich. Die entsprechende Einstellung erreicht man über eine Klick auf die Leinwandoptionen (die Prozentzahl ganz oben in der Mitte) > Projekteinstellungen > Framerate.

Verbesserungen bei Bearbeitung und Produktion

Laut TechSmith wurde die Software insgesamt optimiert. Es wird eine Verkürzung der Produktionszeit um bis zu 50 Prozent versprochen. „Signifikante Verbesserungen wurden auch bei der Videokodierung und -produktion vorgenommen, was zu einer besseren Vorschauleistung des Editors und schnelleren Videoproduktionszeiten führt.“ Auch wenn es schwer fällt, das genau zu vergleichen, habe ich auf jeden Fall eine spürbare Verkürzung der für die Videokodierung benötigten Zeit bemerkt.

Fazit (Update 2018)

An meinem durchweg positiven 2017er-Fazit hat sich nichts geändert. Zur 2018er-Version gibt es Folgendes zu ergänzen:

Die Schemas sind eine willkommene Neuerung, die das Branding der eigenen Videos mit wiederkehrenden Schriften & Farben noch einmal vereinfacht. In Verbindung mit dem schon bekannten Speichern von bearbeiteten Clips (Intros, Endings, Titel-Einblendungen) als Vorlagen lässt sich so sehr schnell ein einheitliches Aussehen & Feeling der eigenen Videos realisieren.

Der Workflow und die Performance wurden noch einmal verbessert, wobei keine Umgewöhnung notwendig ist: Die neu gestaltete äußerst praktische Bibliothek ist jetzt über einen eigenen Menüpunkt erreichbar und erleichtert die Suche und Organisation von Medien noch einmal.

Die Performance beim Rendern ist noch einmal verbessert worden.

Die beiden neuen Verhalten sind eine nette Ergänzung, aber nicht unbedingt essentiell.

Für Mac und Windows ist die 2018er Version endlich komplett kompatibel.

Nach mehreren Monaten mit Camtasia bin ich immer noch begeistert vom intuitiven Arbeiten mit der Software und vermisse keine einzige Funktion, die die sündhaft teuren Profi-Programme bieten.

Die kostenlose Demo-Version von Camtasia 2018 ist 30 Tage lang funktionsfähig und kann nach Erstellen eines kostenlosen Nutzerkontos (keine Kreditkarte notwendig) hier heruntergeladen werden (Windows & Mac): https://www.techsmith.com/
Antesten wärmstens empfohlen!

Plus (Update 2018)

  • Schemas
  • Bibliothek stark verbessert, Bibliothek jetzt auch in der Mac-Version
  • Bearbeitung und Produktion mit 60 FPS (Frames per Second)
  • TechSmith Assets (kostenlos)
  • TechSmith Assets (kostenpflichtig als Abo)
  • 2 neue Verhalten
  • Performance & Rendern noch schneller
  • Komplette Kompatibilität zwischen Mac- & Windows-Version
  • Workflow und Optik unverändert zur Vorgängerversion

Minus (Update 2018)

  • Tastaturbefehle immer noch unvollständig und nicht individuell einstellbar

Preis

  • Einzel-Lizenz: ca. 200,-
  • Update von Vorgängerversion: ca. 100,-
  • Rabatte: Multiuser-Lizenzen, Akademische Versionen

System-Voraussetzungen

Windows

  • Microsoft Windows 7 SP1, Windows 8.1, und Windows 10 (erforderlich: 64 Bit Versionen). Empfohlen: Windows 10.
  • 2.0 GHz CPU mit Dual-Core Prozessor (empfohlen: 2.8 Ghz 6. Generation Intel® Core™ i5 Prozessor mit 4 CPU Cores oder mehr, bzw. vergleichbarer AMD Prozessor)
  • Eine integrierte Grafikkarte ist ausreichend, die Darstellung von 4K und/oder 60 FPS-Medien wird jedoch durch dedizierte Grafikkarten noch besser unterstützt.
  • Mindestens 4 GB RAM (empfohlen: 16 GB oder mehr)
  • 2 GB freier Speicherplatz für die Programminstallation
  • Bildschirmgröße 1024×768 oder größer
  • Microsoft .NET 4.6.0 oder neuere Version (enthalten)
  • Windows-kompatible Soundkarte, Mikrofon und Lautsprecher (empfohlen)
  • Windows N benötigt das MediaFeature Pack für Windows N

Mac

  • Mac Computer mit Intel® Core™ i5 Processor mit 4 CPU Cores (empfohlen: 2.8 Ghz Intel® Core™ i5 Prozessor mit 4 CPU Cores oder besser)
  • MacOS 10.11 oder neuer (Rendering wird auf externen USB-Bildschirmen nicht unterstützt)
  • 4GB RAM (empfohlen: 8GB RAM oder mehr)
  • Mindestens 4GB freier Speicherplatz