Test: Spectrasonics Omnisphere 2

Die allgemein hohe Anerkennung von Omnisphere 1 und nicht zuletzt das erstklassige Marketing hat die Spannung bis zur Veröffentlichung von Omnisphere 2 stetig steigen lassen. Kommt hier der ultimative virtuelle Klangerzeuger? Wir haben uns Omnisphere 2 genau angesehen.

Recording: Spectrasonics Omnisphere 2

Hinweis: Das oben abgebildete Startfenster zeigt Trilian-Patches auf, die nur bei einer vorhandenen (und nicht zum Lieferumfang gehörenden) Trilian-Installation erscheinen. Soweit Trilian-Sounds bei den Audiodemos verwendet wurden, habe ich das kenntlich gemacht.

Zusammenfassung
  • 95%
    Audioqualität - 95%
  • 100%
    Angebot an Presets / Vielseitigkeit - 100%
  • 100%
    Optionen für eigene Klanggestaltung - 100%
  • 90%
    Preis-Leistungsverhältnis - 90%
  • 85%
    Bedienkomfort - 85%
  • 100%
    Kreativpotential, innovativ - 100%
95%

Auf den Punkt gebracht

Das enorme Kreativpotential, das in vielen Instrumenten der Library steckt, sucht seinesgleichen. Eric Persing und seine Crew haben sich in puncto Klangdesign selbst übertroffen.
Man wird trotz der umwerfenden Werkssounds nicht lange warten, bis man eigene Klangkreationen entwirft. Lange nächtliche Klangforschungen sind vorprogrammiert.
Omnisphere 2 kann man definitiv nicht als „Schnäppchen“ bezeichnen, doch in Anbetracht der Qualität und des Leistungsumfangs ist Omnisphere 2 ohne Zweifel jeden einzelnen Cent wert.

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Inhaltsverzeichnis

1. Rückblick
2. Überblick
3. Installation
4. Browser und Klangangebot
4a. Der Multi Browser
4b. Der Patch Browser
5. Bearbeitung von Klangquellen
6. Die Filter
7. Die Modulationsmatrix
8. Das Orb
9. Der Arpeggiator
10. Die Effekte
11. Der Live-Mode
12. Der Stack-Mode
13. Audio Import
14. Latch- und Trigger-Mode
16. Bedienung, Bugs, Systemlast
17. Fazit

 

1. Rückblick

Spectrasonics Mastermind Eric Persing blickt auf eine lange Karriere als Studiomusiker, Komponist, Produzent und nicht zuletzt als Sounddesigner zurück. Von 1984 bis 2005 arbeitete er als Chef-Sounddesigner für Roland Japan. Kaum eine klangerzeugende Roland-Hardware, sei es ein Synthesizer, Sampler oder eine Drum-Machine, entstand in dieser Zeit ohne Eric Persing – Sounds. Hinzu kamen einige thematisch spezialisierte Sample-Libraries für Roland.

1994 gründete Persing mit Spectrasonics ein eigenes Unternehmen und entwickelte nach Sample-Libraries wie etwa Distorted Reality 1 und 2 die virtuellen Klangerzeuger Atmosphere, Stylus, Trilian und Omnisphere. Der Klang aller dieser Instrumente trägt die unverwechselbare Handschrift von Eric Persing: Sie produzieren einen effektvollen, bisweilen spektakulären, durchsetzungsfähigen und meist transparenten und klaren Sound. Ob Lo-Fi oder Hi-Fi, fast immer sind sie das Ergebnis kreativen, einfallsreichen auch eigenwilligen Klang-Designs.

Auch die Architektur ist keine Nachahmung anderer etablierter Mitbewerber, sondern setzt im Gegenteil eigene Akzente, liefert innovative Funktionen, die man anderswo vergeblich sucht und die Vorbildcharakter haben. Beispiele sind etwa die Anpassung der Mikro-Rhythmik zwischen verschiedenen Grooves, die mit Stylus RMX (aber auch zwischen Stylus und Omnisphere im Austausch) möglich ist, oder das algorithmisch definierte Klangfeld-Morphing mit Orb bei Omnisphere, welches anders als ein klassisches XY-Pad zyklische Soundfahrten ermöglicht.

Mit Atmosphere knüpfte Eric Persing an die kreativen Sounds und Klangcollagen von Distorted Reality an. Atmosphere lieferte zahlreiche inspirierende und komplexe Klänge und Klangverläufe, die vielfach für sich alleine bereits Mini-Kompositionen darstellen. Einige dieser Klänge finden sich auch in Omnisphere 2 wieder.

Omnisphere 1 erweiterte das Atmosphere-Konzept um zahlreiche neue Klänge und Funktionen wie etwa dem bereits erwähnten Orb. Neben dem Repertoire an spektakulären Pads und Effektklängen aller Art hielt nun auch die rhythmische Seite mit Beats, Grooves, Arpeggios und Sequenzen Einzug.

 

2. Überblick

Omnisphere 2 beinhaltet neben den zahlreichen Neuzugängen die komplette Omnisphere 1 – Bibliothek. Omnisphere 2 ist achtfach multitimbral: Acht Patches können als Multi über individuelle MIDI-Kanäle gespielt, als Velocity-Layer übereinandergelegt oder als Splits bestimmten Tastaturzonen zugewiesen werden. Im Live Mode können acht Patches per Key-Switch umgeschaltet werden.

Acht Stereo-Ausgänge erlauben die separate Abmischung der Patches und das Konfigurieren von Multis für Mehrkanalprojekte. Pro Patch stehen zwei Sounds als Layer zur Verfügung.

Nach wie vor ist Omnisphere eine riesige Fundgrube für filmmusikreife, praktisch fertig produzierte Klänge, die einfach nur noch eingesetzt werden wollen – oder als Grundlage für eigene Klangexperimente dienen, denn Gestaltungsmöglichkeiten für eigenes Klangdesign stehen reichlich zur Verfügung. Ganze 4500 neue Sounds ergänzen das ohnehin nicht gerade schmalbandige Repertoire des Vorgängers. Insgesamt stehen mehr als 12.000 Sounds zur verfügung. Rund 50 GB Samples und Wellenformen stellen schon rein mengenmäßig eine beachtliche Größe dar.

Da ist es beruhigend, dass der Browser überarbeitet wurde und nun über eine Sound Match – Funktion verfügt, die zu einem bereits gewählten Klang passende weitere Patches sucht. Die vergrößerte Oberfläche integriert zudem einen ständig verfügbaren Mini-Browser.

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Einen deutlichen Zuwachs an den sogenannten psychoakustischen Klängen, hunderten Circuit Bend Samples sowie ominösen „Melodic Cave Stalactites Soundsources“ machen neugierig.

Hierzu haben sich Eric Persing und Stephane Pigeon in eine radioaktive (!) Höhle begeben und mit Holzschlegeln den Stalaktiten melodiöse Klänge entlockt.

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Wie dem Klang anzumerken ist, ging man dabei einigermaßen behutsam vor:

 

Viele Ambient-Aufnahmen anderer Anbieter, die unter ungewöhnlichen Bedingungen entstanden sind, leiden unter unerwünschten Nebengeräuschen und Rauschen. Davon ist beim vorliegenden Sound nichts zu hören. Dazu ist auch noch ein tonal spielbares Instrument entstanden. Eine echte Meisterleistung.

Es versteht sich seit Omnisphere 1 jedoch von selbst, dass nicht nur Filmmusikkomponisten auf ihre Kosten kommen: Auch an Rhythmik ist neues Material hinzugekommen, zu finden in der Kategorie ARP + BPM. Der Fokus liegt hier bei EDM. Omnisphere goes Club/Dance.

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Zur Auflockerung ein weiteres Audiodemo: Poppie Pluckers mit ORB-Modulation:

 

Hier sind zwei Layer im Einsatz: Eine Wellenform und Jupiter 8 – Samples:

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Die Liste der Neuerungen ist lang. Hier einige Highlights, die ich oben noch nicht erwähnt habe:

  • Neben dem enormen Zuwachs an Werksklängen gibt es 400 neue DSP Wellenformen für den Synth Oszillator.
  • Neu für Omnisphere ist die Wavetable-Synthese. Durch jede Wellenform kann jetzt gemorpht werden.
  • Eigene Audiodateien können in beliebiger Länge importiert werden.
  • Ein Granular-Algorithmus erlaubt tiefe Eingriffe in die Klangfarben. Für seinen Einsatz sollen vor allem die neu hinzugekommenen gesampelten Phrasen geeignet sein.
  • Die Modulationsmöglichkeiten sind mit neuen Modulationsquellen und -zielen erweitert worden.
  • Die Effektauswahl ist mit 25 neuen Modulen erheblich erweitert worden. Speziell einige Amp/Speaker-Simulationen dürften nicht nur für rockige Sounds gut sein, sondern auch spannende Lo-Fi-Experimente ermöglichen. Pro Patch können bis zu 16 Effektmodule eingesetzt werden – da kann manche CPU ins Schwitzen geraten. Angenehm und bei virtuellen Synthesizern nicht überall üblich ist, dass alle Effektparameter moduliert werden können.
  • Acht neue Filtertypen sind an Bord, darunter Resonatoren.
  • Klangquellen können rückwärts abgespielt werden

 

3. Installation

Nach dem Erwerb erhält man eine Seriennummer, die man im Spectrasonics Download-Manager einträgt. Das Upgrade von Omnisphere 1 umfasst 18,6 GB (Downloadgröße), die gesamte Library belegte auf unserem Testsystem nach dem Upgrade rund 59 GB. Dies steht in einem gewissen Widerspruch zur Herstellerangabe mit einem Festplattenbedarf von 50 GB für die Komplettversion.

Der Unterordner Soundsources beansprucht mit 57 GB den Löwenanteil. Hier wiederum finden sich die Schwerpunkte bei den Abteilungen „Psychoacoustic“ mit 19 GB und „Synthesizers“ mit 12 GB. Alle anderen Ordner liegen im einstelligen GB-Bereich. Der Ordner „InstrumentMultisamples“ ist seltsamerweise leer. Das bedeutet jedoch nicht, dass keine Multisample-Instrumente vorhanden sind. Das Gegenteil ist der Fall: Im nächsten Kapitel werden wir auf einige aufwändig konstruierte und RAM-fressende Superklänge mit fortgeschrittenem Sample-Management stoßen.

Je nach Geschwindigkeit des Internetzugangs und der Wahl des Updates oder Komplettpakets kann der Download Stunden oder Tage dauern. Laut FAQ-Seite des Herstellers steht das Upgrade derzeit nur als Download zur Verfügung, die Komplettversion für Neueinsteiger zusätzlich als Box mit acht DVDs. Über den Spectrasonics Techshop können registrierte Nutzer Omnisphere 2 gegen eine vergleichsweise moderate Zuzahlung zusätzlich zum Download und den DVDs auch in anderer Form ordern, etwa auf einer USB-Festplatte.

Der Download des Upgrades vollzog sich in unserem Fall ungebremst mit der maximal zur Verfügung stehenden Geschwindigkeit unseres Internetzugangs. Der Spectrasonics Server erwies sich trotz vermutlich starkem Zugriff wenige Tage nach Veröffentlichung des Produkts nicht als Flaschenhals.

Auf der Festplatte werden vier Ordner angelegt. Die anschließende Installation erfolgt in der Reihenfolge dieser vier Ordner, also in vier Schritten, wobei Schritt 3 lediglich von Trilian-Besitzen, Schritt 4 nur von Besitzern der Bob Moog Tribute Library vollzogen werden muss. Diese anderen Spectrasonic-Instrumente werden dadurch zu Omnisphere 2 kompatibel.

Spectrasonics warnt ausdrücklich vor ernsthaften Systemproblemen für den Fall, dass Schritt 3 und 4 vorgenommen werden, ohne dass Trillian oder die Bob Moog Tribute Library installiert sind. Es folgen weitere Warnungen, etwa Ordner zu verschieben oder den STEAM-Ordner des Downloads, der den Inhalt der Library beherbergt, manuell zu verschieben. Auch wird darauf hingewiesen, dass ein Zurück zu Omnisphere 1 problematisch ist, da der Inhalt der alten Library überschrieben und modifiziert wird. Sicherheitshalber solle man eine Kopie des Omnisphere 1 STEAM-Ordners anlegen.

In der Summe erwecken diese eher unüblichen Warnhinweise die Befürchtung, dass sich die Installation als fragiler Prozess erweisen könnte, und man hofft nur, dass alles gut geht. Es läuft jedoch, das sei vorweggenommen, alles glatt.

Also – packen wir´s an. Im Ordner Step 1 – Software Upgrade finden sich zwei Unterordner, Mac und Windows, mit den jeweiligen Setup-Programmen.

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Während der Installation kann man sich entscheiden, ob die 32 oder die 64-Bit-Version installiert werden soll. Auch der Zielordner für das Plug-in kann gewählt werden. Auf unserem Testsystem wurde er automatisch richtig erkannt. Welche Plug-in Formate installiert werden, kann man hingegen nicht entscheiden. Auf unserem Testsystem (mit Cubase 7) wurde neben der VST-Variante unnötigerweise auch RTAS und AAX installiert.

Step 1 ist damit erledigt. Nun geht es weiter mit Step 2 – Data Upgrade. Hier findet sich neben dem Mac- und Windows- auch der STEAM-Ordner. Diesen Ordner sollte man unbeachtet lassen und erst recht nicht auf die Idee kommen, seinen Inhalt manuell in den (bei Omnisphere 1 Besitzern) bereits vorhandenen STEAM-Ordner zu kopieren. Das erledigt alles das Data-Setup-Programm.

Auf unserem Testsystem wurde der vorhandene STEAM-Ordner automatisch gefunden. Falls nötig, kann man hier auch den Pfad eingeben.

Step 3 (Trilian Library Update) bewirkt, dass Trilian-Instrumente (Spectrasonics Bass-Library) innerhalb von Omnisphere 2 geladen werden können. Für das Trilian Update aus Omnisphere 2 ist mindestens die Version 1.4 von Trilian erforderlich.

Beim ersten Start dauert es ungefähr 40 Sekunden, gefühlte 5 Minuten, bis das Instrument auf dem Bildschirm erscheint. Es öffnet sich der Challenge-Response Autorisierungs-Dialog. Über den User-Account erhält man umgehend den Response-Code, der etwa eine halbe Buchseite füllen würde. Zum Glück muss man ihn nicht abschreiben oder auswendig lernen, sondern per Copy & Paste im VSTi einfügen. Anschließend schließt und öffnet man die Instanz (was dieses Mal lediglich zwei Sekunden in Anspruch nimmt). Das war´s.

Beim ersten Versuch, einen Sound zu laden erscheint diese Meldung:

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Huch? Ich klicke auf o.k. und hoffe, dass Omnisphere dieses Problem selbst löst. Und ja, da scheint so zu sein. Wozu der Dialog überhaupt nötig ist, bleibt schleierhaft.

Neben dem Download bietet Spectrasonics (bzw. die Einzelhändler) inzwischen die komplette Produktpalette auch auf USB-Festplatten an (s. Pressemitteilung aus Dezember 2015).

 

4. Browser und Klangangebot

Omnisphere bietet einen Multi-Browser, einen Patch-Browser und einen Soundsource Browser, außerdem mehrere Aufklappmenüs mit Presets, etwa für den Arpeggiator oder temposynchrone, rhythmische Modulations-Hüllkurven mit zahlreichen Ankerpunkten.

Bevor man mit dem Surfen durch die Library anfängt, lohnt es sich, einen kurzen Blick auf die Browser-Settings zu werfen:

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  • Hier kann die Vorhörfunktion Auto-Play (mit wählbarer Note und Länge) eingeschaltet werden. Wie wir noch sehen werden, kann man hierauf gut verzichten, vor allem, wenn man im Settings-Menü „Streaming“ angeklickt hat.
  • Progressive Loading ermöglicht ein Spielen des gewählten Presets, auch wenn die Samples noch nicht vollständig geladen sind.
  • Browser Synchronisation bewirkt, dass die eingestellten Attribute gleich bleiben, wenn man während des Browsens zwischen verschiedenen Parts oder Layern wechselt.
  • Category Sensitive Attributes sorgt dafür, dass beim Wechseln von Kategorien jeweils die voreingestellten sinnvollen Attribute verwendet werden. Will man bei einer einmal eingestellten Attribute-Kombination bleiben, sollte man diese Funktion ausschalten. Beispiel: Sie möchten nur Omnisphere 2 – Sounds angezeigt bekommen. Dies erreichen Sie über das Attribut „Version“. Um Ihr Ziel zu erreichen, nehmen Sie „Version“ als Attribut einer der vier Browser-Spalten und schalten die Funktion Category Sensitive Attributes aus. Die anderen drei von Ihnen gewählten Attribute bleiben nun allerdings ebenfalls fixiert.

 

4a. Der Multi Browser

Über den Multi-Browser werden mehrere Instrumente geladen, die dann über separate MIDI-Kanäle angesprochen werden können.

Anstelle einer Vorhörfunktion gibt es eine kurze Soundbeschreibung.

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Lädt man ein Multi, so werden die zuvor geladenen Instrumente ohne Vorwarnung überschrieben. Lädt man ein neues Patch, so sollte man unbedingt darauf achten, zuvor einen leeren Slot oder ein Instrument, welches ausgetauscht werden soll, anzuwählen. Das versehentliche Überschreiben bereits konfigurierter und nicht abgespeicherter Patches bedeutet den Totalverlust der vorangegangenen Arbeit, da es keine Undo-Funktion gibt.

Beim Ausprobieren des Multi-Browsers fiel ein erster kleiner Bug auf: Nachdem ich zunächst ein Bass-Multi geladen hatte, wurde dessen Grafik auf der Main-Page auch für die später geladenen Sounds angezeigt, obwohl diese mit einem Kontrabass nichts mehr zu tun hatten. Big Berthas Lead ist ein Club-Trance-Multi und bedient sich analoger Wellenformen.

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Der Fehler verschwand nach einem Neuladen des Cubase-Projekts (Testsystem s. Anhang).

Unter den Multis gibt es neben Split- und Layer-Sounds (Stacked) auch Velocity- und Modulation-Wheel-Crossfades. Die hier angezeigte Auswahl an Velocity-Crossfades ist allerdings nicht besonders groß:

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Bei den Big Bottle Hits Harmonics zeigt die Darstellung im Stack-Menü, dass hier bei höheren Anschlagsstärken zwei weitere Sounds hinzugemischt werden.

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Hier ein kurzes Audiodemo mit den Big Bottle Hits Harmonics, bei dem ich die Anschlagsdynamik zum Setzen von Akzenten verwendet habe:

 

Die Big Bottle Hits Harmonics verwenden nur drei Instrumente, bieten sich also zur Aufrüstung mit weiteren Sounds in den Slots 4 bis 8 an. (Bei eingeschaltetem Stack Mode reicht ein einfaches Laden der Patches in leere Slots nicht. Zusätzliche Klänge müssen danach im Stack-Menü hinzugefügt werden. Mehr dazu am Ende des Tests im Kapitel Stack Mode.)

Das Preset Sleep Dep FX (es heißt wirklich „Dep“ und nicht „Deep“) zielt auf Backgrounds für Filmmusik. Hier erfolgt die Soundauswahl über die Anschlagsdynamik.

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4b. Der Patch-Browser

Zunächst lohnt es sich, einen kurzen Blick auf die Browser-Settings zu werfen:

Um die riesige Auswahl in den Griff zu bekommen und zielgerichtet suchen zu können, stehen vier Attribute in Spalten bereit. Die Attribute können kombiniert, alternativ oder auch im Ausschluss verwendet werden. Es ist also möglich, sich beispielsweise Instrumente aus der Familie der akustischen Gitarren anzeigen zu lassen, die sich für Balladen eignen, jedoch alle Mandolinen auszugrenzen.

Hier ein Ausschnitt zum Angebot an String Machines:

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Die möglichen Attribute:

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Um die Lieblingssounds besser wiederzufinden, bietet sich die Rating-Funktion an. Bis zu fünf Sternchen können vergeben werden. Im Mini-Browser wählt man Sort by: Ratings, schon hat man die persönlichen Favoriten auf dem Bildschirm.

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Das Klangangebot ist ebenso riesig wie außergewöhnlich, eine Kombination mit Seltenheitswert: Wo man auf eine große Masse an Klängen trifft, zappt man sonst eher ungeduldig durch die Presets, bis an den richtigen Klang gefunden hat. Bei Omnisphere 2 ist das nicht so: Sehr schnell schon bleibt man bei einem Sound hängen, schaut sich an, wie er gemacht ist und versucht sich vielleicht an ersten Modifikationen. Vieles wirkt neu, frisch, unerhört ungehört und inspirierend. Man neigt dazu, sich die Klänge auf der Zunge, oder besser: im Ohr zergehen zu lassen, was nicht zuletzt daran liegt, dass viele Patches über ein erlesenes Klangdesign mit sich entwickelnden, transformierenden und detailreichen Klängen verfügen. Auf diese Weise könnten Tage, wenn nicht Wochen vergehen, bis man das Potenzial an Werksklängen einigermaßen ausgelotet hat.

Eine virtuose Fingerfertigkeit ist dabei häufig nicht gefragt. Es reicht, ein paar Tasten zu halten oder Akkorde zu wechseln und dem zu lauschen, was sich da entfaltet. Wenn es einen Nachteil dieser in hohem Maße kreativen Sounds gibt, dann den, dass sie im Gegensatz zu knackigem Rohmaterial manch anderer Klangerzeuger bereits eine Richtung vorgeben und nicht unbedingt viel eigene Kreativität einfordern. Dass man trotzdem auch kreativ weitgehend ungebremst loslegen kann, werden wir im Verlauf des Tests noch sehen, Stichwort: Sample-Optionen, Oszillator-Funktionen, Modulationsmatrix, Effekte.

Eric Persing und seine Co-Artisten beherrschen beim Klangdesign auch die Kunst der Leere: Klänge, die das gesamte Frequenzspektrum für sich alleine beanspruchen und weitere Instrumente von vorneherein ausschließen, sind eher selten. Anstatt dessen trifft man auch auf brüchige Sounds, in deren Klangevolution regelrechte Löcher gefräst sind.

Attack the Massive ist solch ein Sound. Wunderbar rau, analog, atmosphärisch und mit viel freiem Raum:

 

Über Sound Match bietet sich eine weitere Such-Option an: Hier werden zu einem bereits gewählten Klang passende andere Instrumente angezeigt. Dabei kann es sich sowohl um ähnliche Alternativklänge als auch um ergänzende weitere Sounds handeln. Die Auswahl ist in der Regel üppig, die Funktion praxisnah.

Drei der mittels Sound Match zu Attack the Massive angezeigten Klänge habe ich hier zu einer neuen Geräusch-Textur übereinandergelegt. Die Titel sagen, wie bei vielen Presets, schon einiges über den zu erwartenden Klang aus: Glitching on the Radio, Glitching Calmness und Broken Circuits 2.

 

Glitching the Radio benutzt nur einen Layer. Über den Soundsource Browser habe ich „Grandma Dreams of Opera“ hinzugefügt:

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Omnisphere 2 bietet aber nicht nur abgedrehte Texturen und Effekte, sondern auch bodenständige Sounds, klassische gesampelte Instrumente, analoge und digitale Synthesizer.

Neu hinzugekommen ist das Ethno-Instrument Meldive Islands, welches ein gläsernes Gamelan (mit Velocity-Layern) und einen experimentell gezupften und gestrichenen Bass (mit mehreren Round-Robin-Samples) kombiniert. Während das Gamelan den Grundklang bestimmt, liefert der Bass Anschlags-Nebengeräusche. Das Patch beansprucht erstaunliche 2,8 GB Arbeitsspeicher. (Wem das zuviel ist, der kann im Brower eine persönliche Lite-Version generieren lassen. Ob Round-Robins und Legato-Samples und ab welcher Anschlagsstärke Velocity-Layer verwendet werden, kann genau definiert werden.)

 

Dabei kommen diverse Effekte auf Layer- und auf Patch-Ebene zum Einsatz: Die Gamelan-Hits laufen über ein temposynchrones Echo, der Bass über einen Chorus und Stereo-Verbreiterer, beide zusammen benutzen Hall, Kompressor und Equalizer. Wer den Sound also trocken haben möchte, schaltet Echo und Hall aus und verkürzt die Release-Zeiten der beiden Layer.

Genau das habe ich für das folgende Audiodemo gemacht und die nun recht knackige und trockene Kreuzung aus Gamelan und Kontrabass für tonale Percussion genutzt. Den Rhythmus erzeugt der interne Arpeggiator, bei dem ich die Notenlänge der Steps und (sehr geringfügig) den Swing-Faktor mit einem LFO moduliert habe, um den Rhythmus abwechslungsreicher zu machen.

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Als zweiten Klang habe ich Analogue Drama, ebenfalls ein Neuzugang in Omnisphere 2, benutzt: Hier kommen Wellenformen analoger Synthesizer (Prophet und Oberheim) zum Einsatz:

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Ein Analogbass, der eine Komposition schon fast alleine bestreiten kann, ist der Deep Delirium Bass aus der Kategorie Electronic Mayhem (ebenfalls ein Neuzugang):

 

Liquid Sequence, Kick Me, Velocity Electrodrums (mit zusätzlichem Granular-Effekt), der schneidende Solo-Synth Cut Through the Club (der mich an den Jomox Sunsyn erinnert) und Crackle Bass (allesamt neu in Omnisphere):

 

Die Sounds, die auf Samples oder Wellenformen analoger Synthesizer zurückgreifen, sind vom Feinsten: Extrem detailliert, präsent und mächtig. Sie können mit angesagten Spezialisten auf diesem Gebiet locker mithalten.

Beim Sweep-Sound Drama King, der sich sehr gut als Opener eignet, kommen JD 800 und Oberheim-Wellenformen zum Einsatz:

 

Oberheim SEM und Jupiter 8 – Samples:

 

Im nächsten Audiodemo kommen wiederum Analogsounds zum Einsatz. In der Reihenfolge ihres Auftretens:

Der Effektsound am Anfang greift auf ein Moog Modular – Sample zurück. Der nach frühen Computersounds klingende Beat stammt von einem Casio SK 1 aus dem Jahre 1985 ergänzt durch ein knarziges Roland SH 101-Arpeggio.

 

Eine Kombination aus Korg MS 20 Puls-Wellenform und Streicher-Samples des Roland Juno 60:

 

Claps, die mit Rauschgenerator-Wellenformen erzeugt werden plus Preset KrafTwerk 2, ein Rhythmus, der die Welleformen von Noise- und Sinus-Oszillatoren nutzt:

 

Die zuvor verwendeten Patches klingen zusammen so:

 

Solche Kombinationen beanspruchen nicht wenig Rechenleistung. Auf unserem Testsystem erreichte die CPU-Leistungsanzeige etwa 70 Prozent mit Peaks bis zu 95%. Die Puffergröße habe ich dabei auf 128 Samples eingestellt, was zu einer Gesamtlatenz von etwa 6 ms führt. Eine Instanz von Omnisphere wird immer nur von einem Kern berechnet.
Testweise habe ich eine zweite Instanz von Omnisphere mit dem identischen Multi geladen, alle MIDI-Spuren dupliziert und das Mini-Arrangement doppelt abgespielt. Die CPU-Leistungsanzeige wies erwartungsgemäß in etwa die selben Werte wie beim Einsatz nur einer Instanz aus (weil die beiden Instanzen nun von zwei Kernen berechnet werden).
Arbeitet man an komplexen Arrangements und benötigt zum Einspielen niedrige Puffergrößen für ein Echtzeit-Feeling, so empfiehlt es sich, gegebenenfalls mehrere Instanzen von Omnisphere zu laden, und damit den Leistungshunger auf mehrere Kerne zu verteilen. Bei Multis, die auf den Live-Mode oder den Stack-Mode zugreifen, ist das allerdings nicht möglich.

Will man speziell mit gesampelten oder über Wellenformen nachgebauten analogen Legenden arbeiten, so erreicht man eine entsprechende Auswahl, indem man im Browser die Attribute Type → Analog Classics sowie Model verwendet. Auch Virus und Dave Smith´ Mopho sind mit dabei.

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Kommen wir zu weitren samplebasierten Naturinstrumenten, die in Omnisphere 2 neu hinzugekommen sind:

Unter Bells and Vibes finden sich einige ethnische Instrumente, wie etwa die Zim`bira, die durch Anschlagen oder Zupfen von an einem hölzernen Resonanzkörper befestigten Metallzungen gespielt wird. Die Instrumente sind aufwändig gesampelt: Es kommen Velocity-Layer, Round-Robin-Samples und Release-Samples zum Einsatz.

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Der Klang ist ebenso transparent wie zart und detailreich:

 

Im Menü Soundsource Zoom hat man zudem noch die Gelegenheit, die in der Lautstärke regulierbaren Release-Samples auszutauschen (in der folgenden Abbildung allerdings einschließlich der Trilian-Release-Samples, die nicht zu Omnisphere 2 gehören):

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Über Transition Time bestimmt man, wie lange das Sustain-Sample ausklingt, nachdem das Release-Sample gestartet wird.

Hier die Alternative mit dem Rubi Moon Vibraslap Release:

 

Lieblich und nostalgisch klingen die Patches In Memorium 1 und 2. Hier wird die Zim`bira mit einem Plattenspielerrauschen und Knistern kombiniert.

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Ein LFO mit Zufallswellenform moduliert dezent das Fine-Tuning beider Layer, was zu dem herrlich leiernden Klang führt.

 

Eine wunderschöne Spieluhr liefern auch die Samples des Hohner Guitaret, ebenfalls mit Velocity-Layern, Round Robins und Release-Samples ausgestattet.

 

Unter den Neuzugängen der Kategorie Bells & Vibes finden sich des weiteren eine Reihe von Effektklängen: Im weiten Raum schwebende, teils verfremdete Kirchenglocken beispielsweise.

 

Diese Klänge ergänzen die bereits in Omnisphere 1 enthaltenen Naturinstrumente wie Klangschalen, Glas-Vibraphon, Glocken in allen möglichen Variationen, vom Glockenspiel bis zu Domgeläut.

Bereits Omnisphere 1 hat bewiesen, dass man nicht nur Gitarren, allerlei ethnische Zupfinstrumente und Pianos mit dem Bogen spielen kann, sondern auch Wäscheständer und Fahrräder. Entstanden sind dabei neben verfremdeten Naturinstrumenten auch (Pseudo-) Walgesänge und zahlreiche atmosphärische, tonal spielbare Klänge mit sich ständig wandelndem Obertonspektrum.

Omnisphere 2 führt diese Reihe außergewöhnlicher Experimente fort. Beginnt man in alphabetischer Reihenfolge, so wird man von einem bellenden Cello (Bark Cello) begrüßt. Es folgt ein mit dem Bogen gestrichener Hut.

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Im folgenden Audiodemo spielen beide im Duett. Der Hut übernimmt dabei die kürzeren Noten in höheren Lagen.

 

Mit ein paar Handgriffen kann man aus dem Hut auch einen Lo-Fi-Beat machen: Hierzu habe ich als Releasesample einen Kaffeekannen-Hit hinzugefügt und den Sound mit einem per LFO temposynchron modulierten Filter versehen. Der LFO regelt den Cutoff und produziert damit die Bassdrum. Damit ein Beat daraus wird, habe ich den Arpeggiator eingesetzt und die Hüllkurve des gestrichenen Huts auf ein Sustain von 350 ms mit einem Release von 65 ms gekürzt.
Ein zweiter Sound auf der Basis gestrichener Kalimbas fügt dem kratzigen Beat verstörend röchelnde Anti-Streicher hinzu.
Schließlich habe ich noch die Game Noise Snare aus Omnisphere 1 eingesetzt. Modifiziert mit dem neuen Resonator + – Filter aus Omnisphere 2 bekommt sie einen trocken klatschenden Sound.

 

Auch die Kategorie Distortion hat Zuwachs erhalten. Die verzerrten Klänge greifen in der Regel auf entsprechende interne Effekte zurück, wie etwa beim Preset Fuzz Crunch Guitaret, welches Samples des Hohner Guitaret aus dem Jahre 1963 benutzt. Bei dem Instrument handelt es sich um ein kleines elektrisches Daumenklavier.

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Das Patch benutzt knapp zehn Sekunden lange Sustain-Samples als Round Robins, Velocity Layer und Release-Samples. Etwas mehr als 1 GB Arbeitsspeicher sind dafür nötig. Der Klang ist entsprechend abwechslungsreich und lebendig.

Neben dem Flame-Effekt, der hier gleich zweifach in Serie geschaltet verwendet wird …

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… kommt der Ringmodulator des Oszillators zum Einsatz, um ein Feedback zu simulieren:

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Der Sound Bad Dreams DR, ebenfalls unter Distortion zu finden, liefert wiederum einen filmmusikalischer Background der besonderen Art. Im Sample dieser Klangkollage mit lediglich 5,7 MB Speicherbedarf sind sämtliche Effekte bereits enthalten.

 

Auch der Brutal Moog bringt die Effekte in Samples gegossen bereits mit:

 

Während man unter Arpeggios und Beats reichlich Neuzugänge findet, darunter Gefälliges …

 

… Wuchtiges …

…Verspieltes …

 

und Monströses …

 

gibt es bei der Electro Percussion nicht so viel frisches Material. Beschränkt man die Auswahl auf Omnisphere 2, so kommt man an dieser Stelle ausnahmsweise ohne Scrollen zurecht:

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Die Velocity Electrodrums haben Sie bereits bei einem der ersten Audiodemos gehört.

Electronic Mayhem (Elektrochaos) gibt es nun mehr als je zuvor. Vor Oskar Matzerath wird gewarnt:

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„Leg Dich mit diesem Kind nicht an …“

Modulationsrad und Aftertouch? Soso, das probieren wir doch gleich mal aus. Eine Komposition in C-Dur:

 

Der Sound besteht aus zwei Layern, Broken Bells (Synthesizer-Sample) und Haunted Harpsichord, zu deutsch: ein ruheloses oder auch übel heimgesuchtes Cembalo, welches hier die piepsigen, eiernden höheren Tonlagen beisteuert, eingeblendet per Modulationsrad..
Aftertouch steuert den Main-Filter (1) – Cutoff und das Finetuning, das Modulationsrad blendet nicht nur das heimgesuchte Cembalo ein, sondern wirkt auch auf den Variant-Parameter des Main-Filter (2, dessen Cutoff und steuert die Effekte Chorus/Echo und Imager (Stereoverbreiterung). Bei der Gelegenheit werfen wir gleich einmal einen Blick auf die Modulationsmatrix, die pro Layer 24 Modulator-Zielparameter-Verknüpfungen zulässt. Wir kommen später noch darauf zurück.

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Autoren des Sounds sind Sun Dust und Pendle Poucher. Was die Beiden bewogen hat, den Sound nach Grass´ Figur aus der Blechtrommel zu benennen, bleibt ihr Geheimnis. Ich hätte unter diesem Titel eher wildes Snare-Geklapper, markerschütternde, schrille Schreie und zerspringene Gläser erwartet; ungeachtet dessen habe ich dem Preset gleich mal fünf Sterne vergeben, damit ich es über die Favoriten-Suchfunktion schneller wiederfinde.

Hier die Neuzugänge der Kategorie Ethnik World:

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Mit Maldives Islands habe ich weiter oben schon experimentiert. Die handgefertigte Hang Drum aus der Schweiz haben bereits andere Sounddesigner entdeckt. Die bislang aufwändigste Sample-Library einer Hang Drum stammt von Soniccouture und wird unter der Bezeichnung „Pan Drums“ angeboten.
Die Spectrasonics Version nutzt vielfache Velocity Layer, Round Robins und drei Mikrofonpositionen bei insgesamt lange ausklingenden Samples. So werden beinahe 2 GB Arbeitsspeicher eingefordert.

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Zusätzlich gibt es alternative Spielweisen in eigenen Patches, darunter das Anschlagen mit Fingerkuppen, Besen, Holzschlegeln und Kaffeezuckerpäckchen. Auch Wirbel werden geboten.

Was ich noch nicht wusste: „Hang“ hat nichts mit Hängen zu tun (ich habe mich immer gefragt, wo da was hängt bei der Hang Drum), sondern kommt vom dem Schwitzerdütsch´schen „Hang“, was einfach mit „Hand“ zu übersetzen ist. Die Mikrofonpositionen kann man mischen und bei Bedarf auch noch Release-Samples (anderer Instrumente) hinzuschalten:

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Die Hangdrum lässt sich sehr ausdrucksstark, lebendig und nuanciert spielen und steht dem Spezialisten von Soniccouture (der immerhin 99.- EUR kostet) in Nichts nach. Im Gegenteil: Die Spectrasonics-Version klingt durch ein etwas markanteres Attack (beim Spiel mit Schlegeln) präsenter und insgesamt etwas obertonreicher und transparenter. Auch reicht sie weit in den Bassbereich und produziert hier einen wunderbar vollen, dunklen, schwebenden Ton. Die Verfügbarkeit von drei Mikrofonpositionen ist einzigartig. Mit Omnisphere – Modulationen und Effekten sind darüber hinaus eigenständige Experimental-Modelle der Hang Drum möglich. Allerdings fällt mir erstmalig ein unerwünschtes Nebengeräusch, nämlich tieffrequentes, leises Hintergrundgeräusch auf, welches jedoch mit einem Filter problemlos beseitigt werden kann, ohne, dass der Klang des Instruments darunter leidet.

Unter Bass Instruments finde ich nur die externen Trilian-Sounds. Natürlich gibt es in Omnisphere reichlich Patches, die als Bässe genutzt werden können, sie sind aber dieser Kategorie nicht zugeordnet.

Unter Guitars gibt es keine Neuzugänge. Die Gitarren-Patches aus Omnisphere 1 decken das Spektrum akustischer und elektrischer Gitarre einschließlich Flamenco-Sounds und einiger angezerrter E-Gitarren ab. Die Gitarren bieten ohne Ausnahme eine überzeugende Audioqualität und eignen sich für einfache Begleitungen oder auch Melodien. In puncto Ausstattung liegen sie auf dem Niveau der Sample-Libraries ausgewachsener Hardware-Workstations. Die Patches beanspruchen zwischen 50 und 200 MB. In der Regel sind sie nur mit wenigen Velocity-Layern ausgestattet und verfügen nicht über Round-Robin-Samples, was zu Lasten der Lebendigkeit und des Abwechslungsreichtums geht. Im Gegensatz zur oben beschriebenen Hang Drum wird das Niveau von Spezialisten unter den Sample-Libraries nicht erreicht. Man sollte allerdings nicht vergessen, dass solche Spezialisten, wie etwa Chris Hein Guitars oder die Real-Guitar-Kollektion von Musiclab ab 300.- Euro aufwärts zu haben sind.

Unter Hits and Bits findet sich eine Zusammenstellung meist kurzer Effektsounds, vielfach durch Wellenform-Oszillatoren erzeugt. Die Klänge eignen sich sowohl zur Bereicherung eines EDM-Beats als auch zum Setzen von Akzenten bei der Filmmusik oder der Spielevertonung. Daneben trifft man auf ein paar lang ausklingende Patches. Eines davon ist Dirty Bomb, ein bedrückendes Klangerlebnis …

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… im folgenden Audiodemo zusammen mit Centipede Cascade (ebenfalls aus Hits and Bits):

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Per Modulationsrad steuert man die bei Dirty Bomb Filtercutoff, -resonanz sowie die Frequenzmodulation sehr dezent. Es hört sich nicht nach den üblichen Filtersweeps, sondern nach subtilen Klangmalereien an.

 

Human Voices: Omnisphere 1 präsentierte hier eine Rundumversorgung mit Vokalgesängen, eine Vielzahl diverser Männer-, Frauen- und gemischter Chöre mit Aah-, Uuh-, Mmmh-Gesang in Piano, Mezzoforte und Forte sowie Akkord- und Intervall-Patches, einen Gregorianischen Chor, Gospel-Vocals, mongolische Obertongesänge …

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… typische Pop-Backgroundchöre, wie man sie in den 90er Jahren gerne verwendet hat, zahlreiche Jazz-Stacks („da du da ba bu dej“) und einige verfremdete Electro-Stimmen.

 

Diese riesige Auswahl ist natürlich immer noch an Bord. Ähnlich wie bei den Gitarren trifft man auf viele reizvolle Patches mit erstklassigem Sound. Die Funktionalität von Spezialisten (wie etwa der Voice of Rapture Reihe von Soundiron) wird nicht erreicht; dafür ist die Omnisphere-Engine auch nicht gemacht.

Für Omnisphere 2 hätte ich mir persönlich eine kleine Kollektion an Phrasen gewünscht, die auch für eine Bearbeitung mit dem Granular-Algorithmus (zu dem wir später noch kommen) interessant gewesen wären.

Es gibt jedoch nur zwei atmosphärische Vocal-Effektpads: In Excelsis und Requiem. Diese können jedoch durch eine eigentümliche Stimmung zwischen sakral und morbide überzeugen:

 

Neu ist die Kategorie Kalimbascope. Hier trifft man auf zahlreiche experimentell gespielte Kalimbas, M´biras und artverwandte ethnische Zupfinstrumente. Die Zim´bira haben wir schon zu Beginn dieses Tests kennengelernt. Viele der Instrumente eignen sich für zarte Melodien, etwa im Bereich Filmmusik/Naturdokumentation, für kleine Ornamente vor einem texturalen Klang. Auch findet man eine ganze Reihe von Instrumenten, die sich als Spieluhren einsetzen lassen. Einige Instrumente sind sehr aufwändig gesampelt (ähnlich wie die bereits bekannte Hang Drum).

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Lebendige Colorierungen entstehen dadurch, dass Spiel-Nebengeräusche und individuelle Attacks eingefangen und per Round Robin Samples abwechslungsreich eingeflochten werden. Dabei spielen die experimentellen Anschlagstechniken eine wesentliche Rolle: Es ist klar, dass mit Stahlfeder und Magnet angestrichene Metallzungen einer M´Bira anders klingen, als bei gleichmäßigem Spielen mit Fingerkuppen und Daumen.

 

Hier werden die Metallzungen einer Marimbula …

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… mit einer Glaskerze gerieben, was einen gespenstischen Klang erzeugt:

 

Einen satten Bass und schmatzende Attacks liefert die Mar `mbola aus Puerto Rico:

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Die Neuzugänge in der Kategorie Keyboards sind überschaubar:

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Das Ambient Space Piano klingt wunderbar weich und schwebend und eignet sich für verträumte Momente:

 

House Piano Brite ist ein knochentrockenes, blechernes Klavier und klingt ein wenig hässlich, speziell zubereitet für EDM-Style, dort will man ein Klavier so.

Unter Noisescapes findet man eine Reihe von Geräuschtexturen, oft mit tonalem Anteil, vielfach mit Rückwärts-Samples. Hier kommen wiederum die Filmmusik-Komponisten auf ihre Kosten, speziell wenn es um Spannung, Weltraumabenteuer und Horror geht.

Vier neue Orgeln sind an Bord. Darunter eine Tanzsaal-Version aus den 50ern und eine kräftig röhrende Hammond für derben Rock. Äußerst gelungen und klanglich auf dem Niveau von Spezialisten.

Unter Pads und Strings findet man eine ganze Reihe von neuen Patches, überwiegend effektvoll und synthetischen Ursprungs.

Heaven´s Shores:

 

Und plötzlich taucht dann doch noch ein Kontrabass auf:

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Die nächste Kategorie, Percussive Organic, beinhaltet die bereits bekannten Stalaktiten der radioaktiven Höhle. In der Kategorie finden sich noch einige andere ausgefallene Klänge mit perkussivem Attack und tonalem Decay.

Co-Sounddesigner Diego zupft hier an einer nicht näher spezifizierten Eigenkonstruktion, die etwa so aussieht wie ein großer, ungleichmäßig geformter, prähistorischer Bogen aus dem Waffenarsenal von Mammutjäger.

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Der Sound wurde gleich mit zwei Mikros aufgenommen und klingt ohne die internen Effekte so:

 

Mit dem neuen Envelope Filter, der Stompbox und der Amp-Simulation Boutique wird’s richtig funky:

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Das nächste Patch liefert verfremdete Gitarrenklänge für nostalgische Szenen:

 

Nostalgisch und experimentell wird es auch in der Kategorie Retro Land. Circuitrix Computer:

 

Hier wurde ein Radiosample zu einem brüchigen Klang verarbeitet:

 

Man trifft auf autonome Melodieklänge, die ihre Klangkulisse selbst generieren, wie etwa Dolby´s Guitaret:

 

Weniger außergewöhnlich sind die String-Machines, bei denen in der Regel Synthesizer-Wellenformen eingesetzt werden. Die Klänge haben zwar einen deutlichen Vintage-Charakter, heben sich aber nicht von zahlreichen Retro-String-Sounds manch analog-virtueller Synthesizer ab.

Deutlich beeindruckender sind die Synth-Bässe: Hier finden sich knarzende, sweepende, hämmernde und blubbernde Exemplare, oft fett, satt und mit überzeugendem Analogsound. Diese Qualität und Vielfalt setzt sich bei den Synth Mono, Synth Pluck, Synth Poly und Synth Sweep fort. Omnisphere schließt hier auf zu den aktuellen Spezialisten für virtuell-synthetische Klänge:

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Stimmbare Oszillator-Wellenformen mit Gestaltung der Wellenform sind dabei nur eine Seite, die umfangreichen Modulationsmöglichkeiten und Effekte die andere. Frequenz- und Ringmodulation für harsche Verfremdungen, Waveshaper für raue und harte Klänge, Unisono mit Detune für breite, schwebende Sounds sind die klassischen Optionen. Entsprechend sind die virtuell-analogen Sounds von Omnisphere sehr gut, aber grundlegend oftmals nicht wirklich neu. Wer auf diesem Gebiet bereits gut aufgestellt ist, wird manche bekannte Klangfarbe wiederfinden.

Hier mal etwas, was damit nur am Rande zu tun hat:

 

Texturen gibt es in der Kategorie „Playable“ und „Soundscapes“. Was nicht bedeutet, dass die Soundcapes reine Geräusch-Kollagen wären. Hier finden sich auch tonale Elemente, nur sind die Klänge nicht für Melodien oder Akkordbegleitungen prädestiniert. Muss ich es überhaupt noch erwähnen? Filmmusikschaffende kommen voll und ganz auf ihre Kosten und werden von einem Leckerbissen zum nächsten zappen. Selbstverständlich reicht die Anwendung auch über dieses Metier hinaus: New Age, Meditation, Ambient werden ebenso umfangreich bedient.

Ein wunderbar verträumtes, ruhiges Pad ist gleich der erste unter den Neuzugängen: Bells from Beyond. Bei der Klangquelle, die sich dahinter verbirgt, handelt es sich allerdings nicht Kirchenglocken, sondern abermals um Instrumente aus der Familie der M´biras. Im folgenden Audiodemo habe ich Bells from Beyond zusammen mit den „playable Textures“ Breath of Life und Bells of Apprehension eingesetzt.

 

Kaum zu glauben, aber bei Breath of Live kommt nicht etwa ein Rauschgenerator, sondern eine gewischte Hang Drum (die kennen wir ja schon) zum Einsatz.

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Die Bells of Apprehension (Glocken der Vorahnung oder auch der Besorgnis) sind auch nicht auf Glocken, sondern auf einen bearbeiteten Rattle-Loop und eine rückwärts abgespielte Marimbula zurückzuführen. Die Spectrasonics Crew geht offensichtlich äußerst kreativ mit ihrem Samplepool um.

In der Kategorie Transitions findet man Klänge, die nicht nur zum Übergang zwischen zwei Szenen oder Passagen eines Songs benutzt werden können, sondern auch als Intro, Outro oder für sich stehende Effektsounds eine gute Figur machen. Es kommen sowohl synthetische als auch verfremdete gesampelte Klänge zum Einsatz. Filtersweeps, Pitch-Shifting Effekte, Rückwärtssamples sind auch bei Spectrasonics gängige Methoden, solche Sounds zu formen. Doch auch hier fördert der Einfallsreichtum der Sounddesigner und die Liebe zum Detail Klänge zutage, wie man sie sonst nicht antrifft. In Omnisphere 2 ist die Anzahl der Transitions mehr als verdoppelt worden.

Unter Trons and Optical sind Mellotron-Streicher, -Flöten und Chöre hinzugekommen …

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… zusätzlich zu den bereits aus Omnisphere 1 vorhandenen 41 Patches. Die Auswahl an Mellotron-Klangvarianten ist damit rekordverdächtig groß. Dem Original getreu sind die Samples nicht geloopt und brechen nach acht Sekunden ab. Das Mellotron mit Celli und Violins im Split-Betrieb beansprucht beschauliche 45 MB Arbeitsspeicher. Velocity-Layer und Round-Robins sind hier nicht gefragt.

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Gleichlaufschwankungen und andere Artefakte des Originals sind das Salz in der Suppe. So kommt ein überzeugender Retro-Sound der vordigitalen Ära zustande, und man fühlt sich sofort an die Mellotronsounds namhafter Rock-Bands der 60er (beispielsweise King Crimson) oder auch an billig produzierte Filmmusik dieser Zeit erinnert. Im direkten Vergleich mit einem Mellotron-Spezialisten (Troontrack Mellotron für EZkeys) fällt auf, dass das Spectrasonics-Modell voluminöser und runder, die Toontrack-Version archaischer und damit vielleicht auch noch etwas authentischer wirkt. Das Spectrasonics-Mellotron kann man mithilfe des bereits per default installierten Effekts Valve Radio jedoch zusätzlich altern lassen.

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Im folgenden Audiodemo habe ich den Effekt von 0 auf 100% hochgefahren.