Test: SPL Channel One MKII 2950 Premium

Der Channel One gehört zu den Produkten, die Geschichte geschrieben haben. Rund um den Globus hat sich dieser universelle Röhren-Vorverstärker in wenigen Jahren etabliert und wird von Vokalisten und Instrumentalisten gleichermaßen geschätzt. Eigentlich gibt es bei einer lebenden Legende nicht mehr viel zu testen, doch für alle die, den Channel One noch nicht persönlich erlebt haben, wollen wir ihn hier unvoreingenommen unter die Lupe nehmen. Seit Mitte 2009 steht die silberfarbene zweite Generation des Erfolgsprodukts bei den Händlern. Dabei setzt SPL ohne Einschränkung auf die bewährte Technik. Lediglich das Design der Frontpartie wurde überarbeitet und den aktuellen Produktenreihen angepasst.

Überblick

Unser Testkandidat ist ein einkanaliger Channel-Strip mit Vorverstärkung für einen Mikrofon- und einem Instrumenteneingang. Das Signal durchläuft hinter dem mit einer Röhre bestückten Preamp einen De-Esser, einen Kompressor, ein Noise-Gate, eine Equalizer-Abteilung und als Sahnehäubchen eine FET-Distortion.

SPL Channel One-

 

Auf der Rückseite steht ein Insert-Weg und ein zusätzlicher Eingang für ein Playback bereit. Der Mikrofoneingang in XLR-Ausführung und ein Line-In in Klinkenausführung für Instrumente und Audiosignale aus dem Rechner befinden sich ebenso auf der Rückseite.

 

Frontseitig gibt es einen High-Z-Eingang (Klinke) für den Anschluß einer E-Gitarre oder eines E-Basses. Alle Eingänge sind symmetrisch ausgeführt. Für den Sänger oder Instrumentalisten gibt es zudem die Möglichkeit der Direktkontrolle über einen frontseitig angeschlossenen Kopfhörer.

Erster Eindruck

Der Channel One MKII 2950 Premium beansprucht wie sein Vorgänger zwei Höheneinheiten eines 19-Zoll-Racks. Die silbern schimmernde Frontpartie aus gebürstetem Aluminium vermittelt den Eindruck von Noblesse. Sie ist reichlich mit Reglern und Tastern bestückt, ohne daß es für die Bedienung zu eng oder unübersichtlich würde. Alle Regler und Taster sind – wie von SPL gewohnt – einwandfrei verarbeitet. Die Regler laufen butterweich und zugleich mit einem ausreichenden Widerstand, um bei versehentlicher Berührung nicht verstellt zu werden. Die beleuchteten Taster rasten sauber ein.

Die Ausstattung im Detail

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Gehen wir die Frontpartie von links nach rechts durch: Hier trifft man zunächst auf die beiden Potentiometer der Vorverstärkung für das Mikrofon (+8 bis +68 dB) und das Line-In (-12 bis +22dB) / Instrumentensignal +4bis +39dB ), daneben einen Taster zur Wahl dieser beiden alternativen Betriebsarten. Unter dem SPL-Logo sind drei weitere Taster angebracht: Hier aktiviert man die 48-Volt Phantomspeisung für den Betrieb eines Kondensatormikrofons, dreht die Phase um und aktiviert bei Bedarf einen Trittschallfilter, der tieffrequente Störgeräusche außen vor lässt. Hinter einem vergitterten Fensterchen ist die Röhre gut geschützt untergebracht.

Als nächstes folgt der De-Esser, der auf den Einsatz bei Gesang abzielt und mit einem Regler auskommt. Der De-Esser arbeitet nicht mit Kompressionstechnik, sondern mit dem Prinzip der Phasenauslöschung, ein De-Essing-Prinzip, das sehr unauffällig arbeitet. Drei Regelvorgänge sind signalabhängig automatisiert: Zischlauterkennung, Auslöschung und Eingangspegelregelung, wobei Letztere schwankende Mikrofonabstände ausgleicht. Daher muss nur noch die Reduktionsintensität eingestellt werden. Innerhalb des Frequenzbereichs, in dem Zischlaute auftreten können, werden diese von De-Esser quasi gesucht und abgefangen. Oberhalb des Reglers gibt es einen Einschalter für das De-Esser-Modul sowie einen Insert-Taster, der in Verbindung mit dem rückwärtigen Insert-Anschluß (Send/Return) steht und zwei Funktionen erfüllt: Das Einschleifen externer Effekte oder die Ausgabe des reinen Vorverstärkersignals ohne die Einbindung der folgenden Module.

Der Kompressor basiert auf der Doppel-VCA-Schaltung, auf die wir bereits beim Test des Transpressors gestoßen sind und kommt mit einem Regler aus, der die Intensität der Kompression bestimmt; technisch ist hier Threshold- und Ratio-Regelung verknüpft. Proportional zur Verringerung des Thresholds wird auch die Ratio erhöht. Die Attack- und Releasezeit ist nicht justierbar, sondern passt sich automatisch an das Eingangssignal an. Eine plötzliche Veränderung der Dynamik des Eingangssignals, wie sie beispielsweise bei T- oder P-Lauten im Gesang vorkommt, wird auf diese Weise berücksichtigt. Mit einer fest eingestellten Attack- und Releasezeit herkömmlicher Kompressorschaltungen wäre dies nicht möglich. Der Kompressor arbeitet mit einem Threshold zwischen 0 und –32dB und gehört zur Klasse der Soft-Knee-Kompressoren. Make-Up-Gain dient dazu, das durch die Kompression in der Lautstärke reduzierte Signal wieder anzuheben.

Auch das Noise-Gate beschränkt sich auf einen Regler, mit dem der Schwellenwert eingestellt wird, bei dessen Unterschreiten das Gate aktiv wird und so mit Nebengeräuschen behaftete Pausen im Gesang oder beim Gitarrenspiel stummschaltet.

Ein Equalizer darf bei einem Channel-Strip nicht fehlen. Der Channel One bietet drei Eingriffsmöglichkeiten in das Frequenzspektrum: Zwei semiparametrische Filter für die Tiefen und Mitten sowie ein Glockenfilter (“Air Band”) für den oberen Frequenzbereich, das bei 17,5 kHz. arbeitet. Das Filter ist sehr breitbandig mit einer Anhebung ab ca. 2 kHz. ausgelegt. Da es so weit nach oben verschoben ist, wirkt es akustisch wie ein Shelf-Filter aus. Semiparametrisch bedeutet, dass beim Low- und Mid-Band-Filter die Centerfrequenz und der Grad der Anhebung/Absenkung des Signals einstellbar ist. Die Filtergüte bzw. Flankensteilheit, also die Bandbreite, in der das Filter zupackt, ist fest vorgegeben. Die Regelbereiche der Filter überlappen sich. Die tiefen Frequenzen lassen sich mit dem Low/Mid-Filter von 30 bis 700 Hertz um 14 dB anheben oder absenken, die Mitten mit dem Mid/High-Filter zwischen 680 und 15.000 Hertz um 12dB, das Air Band um 10dB.

Die auf Transistortechnik basierende FET Distortion fügt harmonische Verzerrungen hinzu. Dezent eingesetzt, lässt sich einer Stimme damit mehr Präsenz verleihen. Im Verbund mit einer Gitarre am High-Z-Eingang kann es auch mal kräftig zur Sache gehen. Die Verzerrung erreicht dabei einen vergleichsweise warmen Klangcharakter.

Ausgangsseitig gibt es neben dem obligatorischen Output-Regler einen Kopfhöreranschluß mit zusätzlichem Playback-Regler. Hierüber ist es möglich, dem Kopfhörersignal das am rückwärtigen Playback-Eingang eingespeiste Signal zuzumischen. Dadurch bietet der Channel One eine praxisnahe latenzfreie Kontrolle für den Sänger bzw. Instrumentalisten mit als einfach einzurichtende Monitorfunktion.

 

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