Test: Exponential Audio Nimbus

Die Effekte, speziell die Reverbs von Exponential Audio haben sich in der Branche einen Namen gemacht und zählen zu den besten nativen Raumsimulatoren. Für unseren ersten Test eines Plug-ins des Herstellers haben wir uns mit Nimbus die Weiterentwicklung des PhoenixVerb herausgegriffen. Nimbus soll vor allem auf natürlich klingende Räume generieren.

Exponential Audio Nimbus empfiehlt sich genreübergreifend für Musik, darüber hinaus für Post-Production.

Recording und Studiotechnik

Die Philosophie hinter Nimbus und der Anspruch des Herstellers

Eines der wesentlichen Merkmale von Exponential Audio Software erkennt man auf den ersten Blick: Auf aufwändige Grafiken wird zu Gunsten einer übersichtlichen, nüchternen Oberfläche verzichtet. Zur Philosophie von Exponential Audio gehört es erklärtermaßen, auf unnötiges Beiwerk, welches Rechenleistung beansprucht, ohne den Klang dabei zu verbessern, zu verzichten. So grenzt man sich von „fotorealistischen Grafiken, die eine Menge DSP-Power einfordern“ ganz bewusst ab. Und um Sie nicht auf die Folter zu spannen: Es ist in der Tat so, dass Nimbus sich ausgesprochen genügsam verhält und wenig CPU-Leistung beansprucht. Somit kann dieser Reverb auch live und bei Bedarf mit mehreren Instanzen eingesetzt werden – eine Auszeichnung, die man gerade unter den aktuellen Raumsimulatoren nicht jedem Mitbewerber verleihen kann. Hier gibt es Kandidaten, die mit weit ausschlagenden Peaks fast einen ganzen Kern (mit 3,4 GHz) für sich beanspruchen und für den Live-Einsatz kaum in Frage kommen.

Die spartanische 2D-Grafik von Nimbus ist meiner Ansicht nach durchaus gefällig und nicht zu technisch. Immerhin gibt es eine regenbogenfarbene Darstellung des Frequenzspektrums in Echtzeit. Der vergleichsweise geringe Anspruch an die CPU wird aber nicht nur an dem Verzicht aufwändiger Grafiken liegen, sondern auch an der Kunst, leistungsfähige Hall-Algorithmen zu entwickeln, die die Quadratur des Kreises schaffen und authentisch klingende Räume berechnen, ohne die CPU zum Glühen zu bringen. Wer einmal mit 3D-Grafik gearbeitet hat, weiß, dass die Verteilung von Licht im Raum mit den zahllosen sich überlagernden Reflexionen und Brechungen auch heute noch zu ewig langen Renderzeiten führen kann. Obwohl zwischen Schall und Licht physikalisch Welten liegen, trifft das Prinzip der über die Zeit hinweg zunehmenden Streuung und Färbung von Reflexionen auch hier zu. Daher gibt es vereinzelt Reverbs, die das Prinzip des Raytracings (Strahlenverfolgung) aus der Grafik anwenden und auch auf dem Audio-Rechner die Grenzen moderner CPUs ausloten.

Die oben erwähnte Quadratur des Kreises hingegen haben bereits die legendären Halls von Lexicon und Eventide geschafft, die mit – aus heutiger Sicht – Steinzeit-CPUs organische, musikalische Räume zur Verfügung stellten, die auch heute noch gefragt und inzwischen ebenfalls als native Plug-ins zu haben sind. Michael Carnes, Gründer von Exponential Audio, war lange Zeit Entwickler bei Lexicon und hat maßgeblich am 960L, dem PCM96 und den Lexicon Plug-ins mitgewirkt.

Exponential Audio geht es aber gerade nicht darum, diese legendären Reverbs, die tatsächlich nicht nur viele Pop-Produktionen, sondern auch Hörgewohnheiten prägten, nachzuahmen. Das Unternehmen hegt vielmehr den Anspruch, zeitgemäße Rechenleistungen für eine bessere Raumsimulation zu nutzen. „Besser“ bedeutet hier zunächst: näher an der physikalischen Realität. Ob das gelingt und auch besser klingt, soll Bestandteil dieses Tests sein.

 

Installation

Nimbus läuft auf dem Mac ab 10.8 und auf dem PC mit Win 7 aufwärts. Es stehen die Formate AAX, VST 2 und VST 3 sowie AU ausschließlich in 64 Bit zur Verfügung. Die Lizenz muss auf einen iLok 2 oder 3 geschrieben werden und kann damit mobil verwendet werden. Der Rechner kann jedoch anders als bei den meisten über das iLok Konto lizenzierten Plug-ins nicht als Lizenzträger verwendet werden.

 

Nimbus im Überblick

Nimbus ist, wie bereits erwähnt, eine Weiterentwicklung des PhoenixVerb und liegt in den Formaten Mono, Mono zu Stereo und Stereo vor. Schon auf den ersten Blick erkennt man, dass PhoenixVerb deutlich weniger Parameter anbietet:

Zum PhoenixVerb heißt es, dass dieser nicht die Tonhöhenschwankungen und periodischen Artefakte anderer algorithmischer Halls aufweist und insgesamt einen klareren, im besten Sinne unauffälligen Raumklang bereitstellt. Insbesondere kleine Räume sollen teils „unhörbar“ sein, womit gemeint ist, dass der Raumeindruck vom Hörer nicht mehr als Effekt wahrgenommen wird, so wie wir im täglichen Leben meist den Raumklang nicht bewusst erleben. Schaltet man den Hall aber aus, so wird deutlich, dass etwas Wesentliches fehlt.

Diese Eigenschaft hat auch Nimbus. Laurie von 8Dio zunächst ohne Effekt …

 

… und hier habe die Sängerin in einem Wohnzimmer platziert:

 

Es geht natürlich auch ästhetischer, beispielsweise mit einer mittelgroßen Halle. Beachten Sie die organisch schwebenden, dichten und seidigen Reflexionen in der Hallfahne:

 

Und noch eine Nummer größer:

 

Das Abklingen der Hallfahne hört sich sehr ausgewogen an. Der Hall wirkt dabei weder statisch noch übertrieben und unnatürlich wogend.

Die wichtigsten Parameter von Nimbus sind alle über eine Oberfläche erreichbar. Nimbus soll leicht zu bedienen sein. Für den Einstieg und die schnelle Bereitstellung aller möglicher Räume dienen rund 1200 Presets, die übersichtlich nach Kategorien sortiert sind.

 

Besonderheiten von Nimbus

Intelligente Methode zur Schonung der CPU

Nimbus ist wie erwähnt nach unserem ersten Eindruck nicht besonders rechenintensiv. Als VST 3 – Plug-in pausiert Nimbus sowieso, wenn kein Eingangssignal anliegt und die Hallfahne abgeklungen ist. Darüber hinaus hat sich der Hersteller eine intelligente Lösung für einen Rechen-Cut einfallen lassen: Über die T-Taste rechts unten im Spektrogramm kann man ein Hall-Level definieren, bei dem der Reverb komplett heruntergefahren wird und dann keinerlei Rechenleistung mehr beansprucht:

Bei -108 dB dürfte es auch bei leisen Passagen kaum auffallen, wenn die Hallfahne ausgeblendet wird. Die Schwelle lässt sich schrittweise bis zu -48 dB anheben. Die Funktion ist besonders interessant, wenn die Signale öfter pausieren und ein Hall mit langer Ausklingzeit verwendet wird. Sobald ein Eingangssignal anliegt, wird der Hall automatisch wieder eingeschaltet.

 

Überarbeitete Phoenix Algorithmen

Die Hall-Generatoren von Phoenix wurden überarbeitet. Der Hall soll nun (noch) besser klingen. Die Frühen Reflexionen können bei Nimbus detaillierter eingestellt werden als beim PhoenixVerb. Auch die EQ-Optionen wurden erweitert.

Warmer Hall

Ein Overdrive sorgt dafür, dem Hall mehr Wärme zu verleihen. Diese Funktion findet man im Warp-Menü, zusammen mit Kompressor/Expander. Hier geht es um die Simulation von Vintage-Reverbs.

Dynamische Hallunterdrückung

Bei lauteren Abschnitten werden speziell die tiefen Frequenzen im Hall heruntergefahren, um ein dominantes Dröhnen im Raum zu verhindern. Das ist quasi eine weiterentwickelte Form des Duckings, mit dem einige wenige andere Reverbs ausgestattet sind, und hilft dabei, den Klang transparent und offen zu halten.

Rhythmische Reverbs

Im Gegensatz zu Phoenix verfügt Nimbus über ein wahlweise temposynchones Pre-Delay.

Drei Reflexions-Module

Das Aufkommen und die Verteilung der Reflexionen wird in den Modulen Attack, Early und Tail definiert.

Filter

Die Frequenzen von Early und Tail können mit Multimodefiltern gefärbt werden. Am Eingang steht zudem ein High Cut Filter bereit.

Nimbus hat noch mehr zu bieten. Bevor wir uns die Details ansehen, werfen wir einen Blick auf die Presets.

 

Produktionsfertige Vorlagen für alle Zwecke

Das Angebot an Presets ist ausgesprochen reichhaltig. 1200 Presets sind für einen Hall ungewöhnlich. Dass hier so viel Auswahl zusammengekommen ist, liegt auch daran, dass Nimbus die unterschiedlichsten Räume erzeugen kann. Die große Auswahl dürfte zudem eine Erleichterung für alle Toningenieure darstellen, die unter Zeitdruck arbeiten und es begrüßen, wenn sie nicht an zahllosen Knöpfen drehen müssen, um den passenden Raumklang zu erzielen. Bei Nimbus reicht ein Eintrag ins Suchfeld, etwa „Drums“, schon wird ein Drum-Preset geladen. Die anderen Presets mit „Drums“ im Namen erscheinen auf der Dropdown-Liste.

Im Falle der Drums ist die Auswahl nicht so riesengroß:

Unter den Vorlagen finden sich aber noch viele andere Räume, in denen man sein Schlagzeug platzieren kann. Das Angebot unter „Percussion“ ist riesig.

In welche grundsätzliche Richtung es gehen soll, definiert man in einem Aufklappmenü.

Dazu klickt man auf „Search Results“ …

… und hat dann schon fast die Qual der Wahl:

Hier finden sich die klassischen Hall-Algorithmen und Platten-Emulationen, aber noch einiges mehr. Drums und Percussion dürften mit kleineren bis mittleren Räumen und ebensolchen Plattenhalls gut klingen, ebenso mit Presets aus „Driven“ und „Dynamic“, vor allem, wenn die Bassdrum über die oben beschriebene Dynamik-Funktion in Schach gehalten werden soll.

Unter Instrumental findet man instrumentenspezifische Halls; Tempo liefert temposynchrone Predelays. Für Percussion und Vocals gibt es gleich eine eigene Preset-Bank. Effect liefert abgedrehtes, Live Recording bietet Vorlagen für die Bühne. Hier findet man sogar Presets für bestimmte Mikrofon-Positionen in spezifischen Räumen oder für die Mikrofonabnahme bestimmter Instrumente.

Eigene Presets kann man mit Schlüsselbegriffen wie „Drums, Small Room, Compression, Tempo Sync“ abspeichern. Sie landen im User-Ordner und werden später über den Browser wiedergefunden, ohne quer durch die Rechnerhierarchie navigieren zu müssen.

Im Such-Feld kann man übrigens mehrere Begrifft mit einem Plus-Zeichen dazwischen eingeben, auch mit einem Minus-Zeichen, falls man Halls mit einem bestimmten Tag aus der Suche heraushalten will.

Hören wir uns einige Presets an, um uns einen Eindruck von den Qualitäten des Nimbus zu verschaffen. Zwischendurch habe ich auf Bypass geschaltet, um den Dry-Wet-Vergleich zu ermöglichen.

Das Preset Small Dark Chamber mit einer Gitarre von NI Session Guitarist Strummed Acoustic 2:

 

Der Wet-Regler stand auf 63%. Für andere Hallerzeuger wäre das zu viel. Bei Nimbus gibt sich der Hall immer noch unauffällig und verstellt nicht den Klang.

Ein Hall aus der Kategorie „Dynamic“: „8th Note Ducking Chamber“:

 

Ob ein Hall unter ungleichmäßigen, zu dünnen oder gar scheppernden Reflexionen leidet, lässt sich am besten herausfinden, wenn man ihn mit isolierten, impulsbetonten Signalen konfrontiert. Ein Snare-Hit oder ein aufgeräumter Beat sind dafür geeignet. Ich kann mich noch gut an die ersten bezahlbaren digitalen Reverbs (damals unter der magischen 1000-Mark-Grenze) Ende der 80er Jahre erinnern, die ganz schreckliche Rappelkisten waren und dazu auch noch erheblich rauschten. So etwas findet man heute kaum noch. Dennoch meistern die Reverbs auch heute noch die Impulssounds unterschiedlich gut (wie man auch bei unserem großen Hall-Vergleichstest hören kann).

Hier zunächst der Originalsound (Elektron Analog Rytm):

 

Der Hall „Small Percussive Plate“ mit 37% Mixanteil:

 

Das klingt sehr sauber und ausgewogen. Einzelne Reflexionen nimmt man nicht wahr. Zum Vergleich die Impulsantwort eines EMT 250 Plattenhalls aus Audio Ease Altiverb. Die Abklingdauer habe ich durch eine Stauchung des Plattenhalls bei Altibverb angeglichen:

 

Ich höre kaum einen Unterschied, was bedeutet, dass das Plattenhall-Preset von Nimbus gelungen ist. Es klingt eine Spur runder und kompakter als die Impulsantwort von Altiverb. (Altiverb habe ich zum Vergleich herangezogen, da dieser Faltungshall meiner Ansicht nach die Räume und Hallgeräte am besten dokumentiert.)

Ein Plattenhall von Nimbus mit längerer Ausklingzeit:

 

Dabei kommt die dynamische Unterdrückung zum Einsatz. Der Bassdrum-Schlag wirkt dadurch sehr plastisch und freigestellt.

Fährt man den Regler „Tail Supress“ hoch, so wird das Freistellen der Bassdrum deutlicher. Der Hall fährt dann nach dem Bassdrum-Hit hörbar verzögert wieder hoch. Solche Effekte kann man auch mit einem temposynchronen Delay verbinden und dazu noch den gesamten Hall per Predelay später einsetzen lassen.

Die Hallfahne tritt dann zeitversetzt und isoliert vom dazugehörenden Instrument aus. Mit einem steilflankigen Bandpass-Filter kann man dem Hall noch eine tonale Dimension verleihen. Drums beginnen zu atmen.

 

Hier spielt noch eine Snare mit (Clavia Nord Drum 3P):

 

Die Auswahl an Presets für Percussion ist umfangreich. Man blättert durch mehrere Seiten dieser Art:

Die meisten Presets liegen in mehreren Varianten vor: Dark oder Notch weist auf den Einsatz von Filtern hin, Narrow oder Wide bezeichnet die Form des Raumes (Stereobreite). Viele Presets liegen mit unterschiedlicher Stereobreite und Filtervarianten vor, was die Gesamtzahl von 1200 Presets etwas relativiert. Ungeachtet dessen ist das Angebot üppig. Man kann bei laufendem Playback im Browser mit den Pfeiltasten der Tastatur navigieren. Die Presets werden sofort geladen und können vorgehört werden.

Hier spielt ein Groove aus Toontracks Superior Drummer 3 in einer größeren Halle.

 

So klingt eine „echte“ Halle aus Altiverb 7:

 

In puncto Natürlichkeit kann die algorithmisch erzeugt Halle von Nimbus zweifelsfrei mithalten. Der Hall wirkt wieder gut ausbalanciert, rund und stimmig, etwas dichter als bei der Altiverb-Halle. Bei großen Hallen wie der „Large Neutral Hall“, wird das ausgewogene Abklingen noch deutlicher:

 

Kirchen und Kathedralen dürfen bei einem Hall nicht fehlen. Gibt man bei Nimbus „Church“ als Suchbegriff ein, so erhält man diese Auswahl:

Ich finde, da kann man sich nicht beklagen. In eine Kirche gehört eine Orgel, und eine solche probieren wir jetzt aus. Die Large Stone Church mit dem Organum Venezia von Best Service:

 

Algorithmische Reverbs benutzen für Kirchen gerne wogenden Schwebungen in der Hallfahne. Diese können dann auch schon einmal leicht eiern und Tonhöhenschwankungen beinhalten. Das ist bei dem verwendeten Preset von Nimbus nicht der Fall. Die Schwebungen wogen hier deutlich gleichmäßiger, verhaltener und weniger gefärbt ohne dabei unmusikalisch oder unorganisch zu wirken.

Native Instruments Una Corda mit dem Hallpreset Large Chamber / Swell Chamber Notch

 

 

Soniccouture The Hammersmith im „Medium Chamber Wide“:

 

Architektur und Bedienung

Für das erste Kennenlernen bietet es sich an, die Tooltips zu aktivieren. Findet man beim Zappen durch die Presets einen Hall, der besonders gefällt, so kann man diesen einfach durch Klicken auf „Favorite“ als Lieblingshall markieren. Im Browser gibt es eine Favorites-Kategorie.

Über den kleinen Taster unterhalb von Preferences, links oben in der Ecke, skaliert man die Ansicht bzw. springt zwischen zwei Größen. Ein Klick mitten in das Display aktiviert das (etwas stilisierte) Echtzeit-Spektrogramm, das sicher keinen aufwändigen Analyser ersetzen soll aber dennoch gut geeignet ist, die Auswirkungen der Arbeit an den Filtern zu erkennen. Zum Abgleich werden hier auch die Kurven der Multimode-Filter bzw. EQs angezeigt.

Ein Klick auf den Nimbus-Schriftzug öffnet eine Info-Seite. Hier kann man nachsehen, ob man die aktuelle Version benutzt oder ob ein Update verfügbar ist (vorausgesetzt, man ist online). Hier öffnet man auch das PDF-Manual.

Nimbus bietet vier grundlegende Hallstrukturen: Plate 1 und 2, Chamber und Hall, die man im Attack-Menü anwählt. Plate 1 und 2 liefert einen dichten Hall, färbt deutlicher als die klanglich neutralen Chamber-Modelle und eignet sich vor allem für Drums und Percussion. Chamber ist universell einsetzbar. Mit Chamber kann man unter anderem sehr authentische kleine bis mittlere Räume wie Wohnzimmer etc. bauen. Ideal auch für dokumentarisch wirkende Räume bei der Filmvertonung / Post Production. Die Struktur Hall eignet sich für klassische Instrumente, auch für Pads und Gesang.

Die Festlegung auf eine Hall-Grundform bedeutet bei Nimbus keine grundlegende Einschränkung: Für die Formung des Raumes und die Färbung des Raumklanges bzw. für das Simulieren von Materialien bietet Nimbus zahlreiche Parameter, sodass man auch die Vorlage „Hall“ für eine imposante Percussion-Performance verwenden kann, ohne Gefahr zu laufen, von vorneherein alles falsch gemacht zu haben.

Wir haben beim Hersteller nachgefragt, ob es sich bei Plate 1 und 2, Chamber und Hall um grundlegend verschiedene Algorithmen handelt und erhielten die Antwort, dass Nimbus insgesamt auf einem komplexen Algorithmus (für alle Räume) aufbaut, der unterschiedliche Strukturen zulässt.

Die wichtigsten globalen Einstellungen findet man mittig:

  • den Dry/Wet-Regler,
  • die Vorverzögerung (wahlweise temposynchron),
  • die globale Halldauer
  • und mit dem Trim-Regler eine globale Lautstärkeanpassung.

Rechts daneben schaltet man zwischen den Menüs Attack, Tail, Early und Warp um. Warp muss erst eingeschaltet werden, damit Einstellungen erfolgen können. Im Moment ist Warp ausgeschaltet und die Tail-Ansicht geöffnet. Wie schon erwähnt: Warp ist dafür gedacht, Nimbus in ein Vintage-Hallgerät zu transformieren, also eine grundsätzliche Entscheidung.

Sofern man mit temposynchronen Verzögerungen für das Pre-Delay und das Reverb Delay arbeiten will, schaltet man hier zwischen einem User-Tempo, welches man über TAP selbst einklopfen kann, und zwischen der Synchronisation zum Host-Tempo um:

Räume erhalten ihren Klang nicht nur durch die Form und Größe, sondern auch durch die verwendeten Materialien. Diese bewirken, dass Frequenzen im Verlauf der Reflexionen unterschiedlich absorbiert werden. Stoffbezogene Wände in einem Theater oder in einem mit Polstermöbeln ausgestatteten Wohnzimmer bewirken beispielsweise, dass hohe Frequenzen schneller absorbiert werden als tiefe Frequenzen. Räume mit großen Fensterfronten haben einen helleren Klang. Metallische Räume (von der Blechdose bis zum Öltank) verfügen oft über auffällige Resonanzen.

Um den unterschiedlichen Materialien Rechnung zu tragen, sind Raumsimulatoren mit Equalizern und Dämpfungsfiltern ausgestattet. Nimbus ist hier sehr breit aufgestellt und bietet vielfältige Optionen, das Signal zu färben. Nimbus verfügt unter anderem über drei Equalizer:

  • Der erste filtert das Eingangssignal. Seine Kurve wird im Display weiß dargestellt.
  • Der zweite wirkt auf die Early Reflexions (blau).
  • Der dritte EQ färbt bei Bedarf die Hallfahne (orange).

Die drei Filter sind identisch aufgebaut und verfügen über sechs wählbare Charakteristika: Hoch- und Tiefpass mit 6 und 12 dB Flankensteilheit, Notch und Bandpass. Die letzteren Beiden sind vollparametrisch. Mit einer hohen Flankensteilheit (Q-Faktor) lassen sich auch starke Resonanzen erzielen. Die Eckfrequenzen aller Filter reichen zudem von 30 bis 20.000 Hz. Damit hat man alle Mittel für eine Färbung des Raumklanges zur Hand.

So umfangreich die Equalizer-Abteilung auch ausgestattet ist, kann sie dennoch eine echte Frequenzabsorption durch Materialien nur eingeschränkt simulieren. Viele native Reverbs belassen es dennoch bei Equalizern vor oder hinter dem Reverb. Nimbus verfügt im Gegensatz dazu über Dämpfungs-Filter im Tail-Modul (Tail = Hallfahne). Anders als bei den drei Equalizern, die das Signal nur einmal durchläuft, führt die Dämpfung dazu, dass das Signal im zeitlichen Verlauf zunehmend an Höhen verliert und kommt der physikalischen Realität dadurch näher. Bei höhenabsorbierenden Materialien nimmt der Pegel des hohen Frequenzspektrums mit jeder Reflexion ein weiteres Mal ab.

Die Dauer von Reflexionen im tiefen und mittleren Frequenzspektrum stellt man über die Regler Xover Frequency (Trennfrequenz zwischen mittleren und hohen Frequenzen von 20 Hz bis 4 kHz) und Low-Mid-Balance (links der 12-Uhr-Position längeres Ausklingen der tiefen Frequenzen, rechts dieser Position längeres Ausklingen der hohen Frequenzen) ein.

Der Regler Damp Frequency (20 Hz bis 20 kHz) definiert die Frequenz, oberhalb derer die oben beschriebene Dämpfung stattfindet. Der Damping Factor bestimmt die Stärke der Unterdrückung des Frequenzbereichs oberhalb der Damp Frequency.

Für diesen Groove von Soniccouture Electro Acoustic …

 

… habe ich diese Einstellungen auf Basis des Modells Large Chamber verwendet …

… um einen warmen, großen Raum zu erzeugen.

 

Auch die Größe des Raumes spielt für den Frequenzgang eine Rolle: Kleine Räume klingen mittiger, quasi etwas höher gestimmt als große und weite Räume.

Hier die selben Einstellungen mit einem kleinen Raum von fünf Metern Länge:

 

Die Form des Raumes ergibt sich

  • durch das Basis-Raummodell (Plate, Chamber, Hall),
  • den Parameter Raumgröße (in Metern)
  • und einer fünfstufigen Breite von Narrow bis Wide.

Wide eignet sich für cineastische, überdimensionale Räume, kann aber unter Umständen zu Problemen mit der Monokompatibilität führen. Der Hersteller empfiehlt eine Überprüfung mittels Analyser.

Im unteren Bereich des Tail-Moduls findet man die eingangs erwähnte und bereits demonstrierte dynamische Steuerung, daneben die Vorverzögerung nur für die Hallfahne, die also zusätzlich zum Predelay verwendet werden kann.

Der Aufbau des Halls beginnt im Modul Attack:

Attack definiert die Impulse, die den Raumsimulator anregen.

  • Plate 1 und 2, Chamber und Hall legt die interne Struktur des Halls fest.
  • Mit den Parametern Diffusor Size und Diffusion legt man die Oberflächenbeschaffenheit der Wände (Größe von Details) und die daraus resultierende, dosierbare Diffusion.
  • Envelope Attack definiert, ob die den Hall auslösenden Impulse linear ansteigen, abfallen oder mit gleichmäßigem Pegel verlaufen. Ansteigende Attacks verstärken den Eindruck von Weite und Tiefe des Raumes bzw. entfernter Wände, während abfallende Attacks nahe Wände suggerieren.
  • Envelope Time definiert das Zeitfenster der Attacks von 10 ms bis zu 250 ms und trägt mit zur Wahrnehmung der Raumgröße bei: Kurze Attackzeiten eignen sich für kleine Räume.
  • Envelope Slope fügt eine Höhendämpfung hinzu und bewirkt, dass die Attacks sukzessive an Höhen verlieren, was durch eine rote Einfärbung visualisiert wird. Hier haben wir also nochmals einen Einfluss auf die Raummaterialien und die Färbung des Raumklanges.

Alle Parameter interagieren miteinander und erschaffen zusammen die Ausgangsbasis für den Raumklang. Hier hören Sie den bekannten Beat mit dem Modell Plate 2, geringer Diffusor-Größe, linear abfallenden Attacks und Höhendämpfung:

 

Und hier mit linear ansteigenden Attacks ohne Höhendämpfung:

 

Die Unterschiede zwischen den beiden letzten Audiodemos kommen alleine durch die Formung der Attacks zustande. Alle anderen Parameter (EQs, Early-Reflections, Tail, globale Parameter) sind identisch.

Die unterschiedlichen Attacks führen in der psychoakustischen Wahrnehmung zu unterschiedlichen Raumformen. Linear abfallende Attacks suggerieren kompaktere Räume, linear aufsteigende Attacks bewirken, dass sich der Hall langsamer aufbaut und vermitteln den Eindruck größerer, tieferer, auch leerer Raume (mit weniger absorbierenden Gegenständen). Dieser Eindruck kann sich allerdings durch entsprechende Einstellungen im folgenden Early-Modul und in der Hallfahne noch deutlich ändern.

Ähnlich wie im Attack-Modul lassen sich auch die Frühen Reflexionen formen: Early Attack blendet zwischen linear abfallenden oder ansteigenden Reflexionen stufenlos über; in der 12-Uhr-Position bleiben alle Echos auf dem selben Level. Early Time reicht von 10 ms bis zu 250 ms.

Early Slope fügt eine dosierbare, zunehmende Höhendämpfung hinzu. Auch hier geht es wieder um grundlegende Klangeigenschaften und eine Simulation von Materialien. Will man gläserne Wände oder Beton simulieren, sollte man die Höhendämpfung nicht oder nur sehr vorsichtig einsetzen.

Die zeitliche Abfolge der Echos ist nicht gleichmäßig. Hier kann man nicht beliebig im Display Echobalken malen, sondern ist auf fünf Basis-Verteilungen angewiesen: Phoenix, Nimbus 1 bis 4 und Vintage. Vintage operiert mit der geringsten Anzahl von Frühen Reflexionen:

Der Hall wirkt dadurch nicht etwa rappelig, sodass man einzelne Reflexionen heraushören würde, sondern offen und transparent. Bei dem aktuellen Drum-Groove ist mein Favorit Nimbus 2:

Hier habe ich mir eine Art Wohnzimmersound gebastelt. Der Raum misst nur 5 Meter. Die Basis.-Struktur ist Plate 2. Die frühen Reflexionen steigen über 83 ms mit geringer Höhendämpfung an:

 

Wählt man für Attack und Early Reflections im Pegel ansteigende Echos und mit einem Zeitfenster von 70 ms aufwärts, ergibt sich eine Art Rückwärts-Hall, den man mit einem temposynchronen Predelay auch als pulsierenden Effekt verwenden kann.

Hier habe ich zusätzlich noch steilflankige Notch-Filter für Early Reflections und Tail eingesetzt:

 

Und es gibt noch ein weiteres Modul, das Einfuß auf die Klangfarbe des Raumes hat: Das Warp-Modul. Beim Warp Modul geht es vor allem darum, ältere Reverb-Hardware zu simulieren.

Dazu muss man wissen, dass frühere Hall-Hardware mit geringeren Wortbreiten und mit Verzerrung zu kämpfen hatte. Außerdem setzten die Hersteller eine Kompression der Hallerzeugung voran. Diese Eigenschaften werden im Warp-Modul nachgebildet. Will man Vintage-Hardware simulieren, bietet es sich an, im Early Modul zudem das Vintage-Pattern zu verwenden.

Die erste Zeile mit vier Reglern stellt den Kompressor dar. Mit dem Compression-Regler hebt man den Pegel an und steuert in Kombination mit dem Threshold den Grad der Kompression, mit Attack (2 bis 50 ms) und Release (30 ms bis zu 15 sek.) den zeitlichen Verlauf.

Der Kompressor verfügt außerdem über eine optionale Soft-Knee-Schaltung mit mehreren Stufen. Soft Knee bewirkt, dass die Kompression bereits bei Pegeln unterhalb des Thresholds einsetzt (entsprechend vermindert) einsetzt. Die Kompression wirkt dadurch unauffälliger und weicher.

Der Limiter bewirkt, dass Spitzenpegel am Eingang des Kompressors abgefangen werden. Ohne Limiter kann es bei entsprechender Verstärkung zu Übersteuerungen und Verzerrungen führen, da der Kompressor zu langsam reagiert, um Peaks durch Impulse bzw. Transienten abzufangen. Mit dem Cut-Regler wird Rauschen herunter geregelt, das durch die Kompression bei entsprechend hoher Verstärkung in leisen Passagen auftreten kann (Downward Expander).

Die Pegelreduzierung durch den Kompressor wird ganz links am Rand durch eine kleine Pegelanzeige visualisiert.

An Verzerrungstypen steht Warm 1 und 2 sowie Crush zur Verfügung. Hier geht es um analoge Wärme und eine leichte Anzerrung, nicht um einen Lo-Fi-Verzerrer-Effekt. Wie erwähnt: Ziel dieser Option ist das Simulieren älterer Hall-Hardware. Mit Overdrive Xov stellt man die Frequenz ein, unterhalb derer das Signal verzerrt wird. Die Spanne reicht von 45 Hz bis zu 4 kHz. Drive definiert die Stärke der Verzerrung, und mit High Passthru legt man fest, ob das unverzerrte Signal oberhalb der Trennfrequenz (Overdrive Xov) mit Originalpegel (0 dB), leiser (bis -69 dB) oder gar nicht (off) durchgelassen wird.Will man die Overdrive-Schaltung außen vor lassen und nur die andren Optionen des Warp-Moduls nutzen, so stellt man den Overdrive-Regler auf off.

Die Wortbreite reicht stufenweise von 12 bis zu 24 Bit plus Float (Fließkommaberechnung). Über Clear stellt man die Warp-Parameter auf einen neutralen Wert zurück. Warp Trim dient der finalen Pegelanpassung am Ausgang des Warp-Moduls. Mittels copy und paste kann man Warp-Einstellungen auf ein anderes Preset übertragen.

Hier hören Sie den bereits bekannten Beat mit einem Plattenhall mittlerer Größe, zunächst ohne das Warp-Modul:

 

Jetzt mit Warp-Modul:

 

Verwendet habe ich diese Einstellungen:

Über Attack kann man sehr schön regeln, inwieweit die Transienten freigestellt werden. Bei einem minimalen Attack von 2 ms werden alle Hits vom Hall überlagert. Schon bei einem Attack von 10 ms werden die Anschläge der Drums deutlicher hörbar.

Warm 2 und eine geringe Höhendämpfung (hier oberhalb von 1200 Hz) simuliert zusammen mit einer 16-Bit-Berechnung bei unserem Beispiel die Wärme, eine subtile Anzerrung und die eingeschränkte Wortbreite einer älteren Hall-Hardware.

Für das nächste Audiodemo habe ich die Warp-Einstellungen noch ein wenig „dramatisiert“ und Crush als Overdrive-Typus verwendet, Drive hochgefahren und die Höhen stärker abgedämpft. Außerdem habe ich im Early-Modul das Pattern Vintage verwendet (zuvor stand es noch auf Phoenix), was dazu führt, dass die Reflexionsdichte insgesamt geringer wird.

 

Der Unterschied der beiden letzten Audiodemos besteht vor allem im dichteren oder weniger dichten Reflexionsmuster. Regelrecht archaisch mit entsprechenden Verzerrungen und grob wirkenden Reflexionsmustern klingen auch höhere Werte für Drive und geringe Wortbreiten nicht. Es geht hier also nicht um einen Lo-Fi-Hall. Auch mit dem Warp-Modul bewegt man sich noch auf edlem Vintage-Niveau.

 

Weitere Audiodemos

Bevor wir zum Fazit kommen, möchte ich noch ein paar weitere Anwendungen von Nimbus demonstrieren.

Zunächst geht es darum, einen cineastischen Raumklang zu erzielen. Dazu verwenden wir das Symphony Series Brass Collection von Native Instruments und Soundiron:

Zunächst die Nah-Mikrofonierung der Blechbläser, die bereits über einen gewissen Raumanteil verfügt:

 

Mit dem Preset „Warm Neutral Hall (Wide)“, welches auch das Warp-Modul verwendet:

 

Dieser Hall klingt richtig edel, angenehm voll und warm. Ich möchte behaupten, dass solch eine fein gezeichnete Raumsimulation es locker mit der Edel-Hardware vergangener Jahre aufnehmen kann. Das Warp-Modul soll ja dazu beitragen genau solche Hardware zu imitieren:

Large Premium Hardware Hall (ebenfalls mit Warp-Modul und 18 Bit Wortbreite):

 

Pushback Hall (Wide):

 

Das selbe Preset mit Gesang (Best Service / Eduardo Tarilonte: Shevannai):

 

Mit dem Preset Large Church (Back):

 

Large Church Narrow:

 

Gesprochene Phrasen, ebenfalls aus Shevannai, zunächst das trockene Original:

 

Nimbus kann auch kleine Räume überzeugend natürlich darstellen. Das Preset „In the Nursey“:

 

Das ist genau die Anwendung, die der Hersteller mit „unhörbare Räume“ meint: Der Hall fällt bewusst nicht auf. Lässt man ihn weg, merkt man jedoch, dass etwas Wesentliches fehlt.

Das nächste Preset habe ich selbst gebastelt. Es klingt, als ob die Stimme nahe am Hörer positioniert wäre, während man im Hintergrund das verhallte Signal über Lautsprecher hört:

 

Es kommt jedoch keine Speaker-Simulation zum Einsatz. Den reduzierten Frequenzgang der Pseudo-Lautsprecher habe ich mit steilflankigen Glockenfiltern (Bandpass) für Early und Tail erreicht, dazu kommt noch etwas Höhendämpfung im Tail. Den weiten Raum mit Echo-Hall erreicht man über Pre-Delays (global und für den Tail).

Hier habe ich den Hall eingeblendet und dabei den Q-Faktor des Bandpass-Filters des Tails animiert (gegen Ende es Demos von schmalbandig zu weit und wieder zurück):

 

Weiterführendes: Surround und Animation

Nimbus ist zwar kein Surround-Reverb, es gibt jedoch eine Anzahl von Front- und Rear-Varianten der selben Räume, die man in zwei Stereo-Effektwege laden kann und damit den Hall für die Front- und die rückwärtigen Surroundkanäle verwenden kann. Damit ergibt sich beim Zusammenmischen ein stimmiger Surround-Hall. Solche Presets kann man auch für eigene Surround-Entwürfe als Ausgangsbasis verwenden.

Wer Raumübergänge oder Spezialeffekte einbauen möchte, kann diverse Parameterveränderungen als Automation aufzeichnen, etwa eine Umgebung von einem dumpfen in einen hellen Klang überführen.

Das dürfte besonders bei Szenenwechseln für die Filmvertonung der Fall sein. Auch die Raumgröße oder die Predelay-Zeit kann verändert werden. Während Veränderungen der Raumgröße in Echtzeit bleibt der natürliche Klang erstaunlicherweise weitgehend erhalten. Rasche Veränderungen von Predelays bei laufendem Playback führen im Gegensatz zu anderen Reverbs oder Echos weniger zu Tonhöhenveränderungen und Glitches, eher zu Timestretch-Effekten.

 

CPU-Last

Nimbus gehört – wie bereits eingangs erwähnt – zu den modernen Raumsimulatoren, die vergleichsweise genügsam mit der CPU umgehen. Obwohl im Hintergrund sicher mehr berechnet wird als die CPUs in legendärer Vintage-Hardware verkraften mussten, gelingt diese Prozedur auch bei langen Hallzeiten und dichten Reflexionsmustern ohne CPU-Peaks, auch bei geringen Latenzen. Dazu dürfte die wenig aufwändige Grafik und das Abschalten des Halls bei Unterschreiten eines Minimum-Pegels beitragen. Nimbus ist damit im Gegensatz zu manch anderem modernen Mitbewerber livefähig – falls erforderlich auch in mehreren Instanzen. Angesichts des exzellenten Raumklangs eine Meisterleistung!

 

Fazit

Exponential Audio Nimbus gehört ohne Zweifel in die Referenzklasse der nativen Raumsimulatoren. Die Stärke des Halls ist das authentische, natürliche Verhalten der Reflexionen im Raum. Kleine Räume gelingen ebenso überzeugend wie große Hallen, Kathedralen oder überirdische Hyper-Räume. Auch Plattenhalls werden bestens simuliert. Diesem Hall zuzuhören, wie er Gesang oder Instrumente mit luftigen, schwebenden und sanft wogenden Hallfahnen veredelt, ist ein Genuss. Dabei schafft es Nimbus, angenehm dichte und seidige Schwebungen zu erzeugen, ohne den Mix zu verstellen. Die speziellen Dynamikwerkzeuge im Tail-Modul helfen dabei, den Direktschall der Instrumente frei zu stellen.

Vergleicht man Nimbus mit legendären Raumsimulatoren aus der Blütezeit der großen Hardware-Reverbs, die es inzwischen teilweise von den Herstellern selbst als Software gibt, so klingt Nimbus ausgewogener, runder, seidiger, offener und natürlicher. Vergleicht man ihn mit den besten Faltungshalls, so kann man mit Nimbus ähnliche natürliche Räume erschaffen, wie sie von der Top-Faltungstechnik dokumentiert werden. Der Vorteil bei Nimbus ist, dass man hier deutlich mehr Einfluss auf die Formung des Raumes hat. Vergleicht man Nimbus mit anderen weiterentwickelten algorithmischen Reverbs, so schneidet Nimus durch eine detailreiche aber dennoch übersichtliche Bedienung und eine erstaunlich moderate CPU-Last besser ab.

Nimbus lässt bei der Raumformung kaum Wünsche offen: Die formbaren Verlaufsmuster von Attacks und Early Reflections und die vielfältigen Eingriffe in die Klangfarbe des Raumes sind in dieser Form meines Wissens einzigartig: Die Kombination aus drei parametrischen Equalizern plus Dämpfungen und Crossover-Frequenzen für die Abklingzeit der Hallfahne und den Wirkungsbereich des Warp-Moduls eröffnen eine breit angelegte Raumarchitektur.

Wer den Hallsound der 80er und 90er Jahre wiederfinden will, trifft bei Nimbus mit dem Warp-Modul das passende Werkzeug. Auch bei den Early Reflections findet man ein Vintage-Pattern mit entsprechend ausgedünntem Reflexionsmuster.

Rhythmische Hallanwendungen und Effekthalls ergeben sich zum einen durch temposynchrone Pre-Delays, einmal global und dann nochmals für die Hallfahne, zum anderen durch Filter mit wahlweise hohen Resonanzen (Bandpass- und Notch-Charakteristik). Damit lasen sich auch irreale Räume konstruieren. Lediglich die eiernden Blechkanister-Räume, die einige aktuelle Kandidaten produzieren, wenn man die Raumgröße extrem klein und die Halldauer lang wählt und dann noch Filterresonanzen einsetzt, sind mir mit Nimbus nicht gelungen.

Unterm Strich ist Nimbus ein sehr edler, vielseitiger Raumsimulator, der auch noch livetauglich ist und zu einem moderaten Preis angeboten wird. Ein Antesten der Demo-Version kann ich nur empfehlen.

Testautor: Andreas Ecker

Plus:

  • exzellenter, ausgewogener und natürlicher Raumklang
  • umfangreiche Ausstattung mit EQs, Dämpfung, Crossover-Frequenzen bei der Hallfahne
  • zusätzliches Attack-Modul
  • Warp-Modul für authentischen Vintage-Hall
  • zahlreiche, gut sortierte Presets
  • geringe CPU-Last
  • fairer Preis

Minus:

System:

Mac ab OS X 10.8

PC ab Win 7

Formate: AAX, VST, VST 3, AU

ausschließlich 64 Bit

Achtung: iLok 2 oder 3 erforderlich (iLok Konto reicht nicht!)

Preis: 193.- EUR (UVP, Stand: Februar 2018)

Hersteller: Exponential Audio

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