Test: ProAudioDSP Dynamic Spectrum Mapper V2

Der Dynamic Spectrum Mapper ist ein Dynamik-Tool, das eigene Wege geht und von der Gesangsbearbeitung bis zur Maximierung der Lautheit beim Mastering verblüffend natürliche und ebenso wirkungsvolle Ergebnisse liefert. Wieso ist das so, wie klingt der Dynamic Spectrum Mapper und wie steht es mit der Bedienbarkeit?

 

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Überblick

Wenn Sie im Loudness War ganz vorne mitmischen wollen ohne dabei den Klangcharakter Ihrer Musik zu gefährden, sollten Sie dieses Plug-in unbedingt testen. Ich habe es seit einigen Monaten in Betrieb und greife beim Mastering regelmäßig darauf zurück. Dieser Test ist also ein wenig mit dem Blick in den Rückspiegel geschrieben: Vom Dynamic Spectrum Mapper V2 (im Folgenden mit DSM abgekürzt) bin ich bereits überzeugt, bei anderen Tests arbeite ich mich meist erst Schritt für Schritt an die endgültige Bewertung heran. Aber von vorne:

Der Dynamic Spectrum Mapper wird von Plug-in Alliance vertrieben. Neuerscheinungen auf diesem Plug-in Portal sind aus Erfahrung immer einen näheren Blick wert, denn hier wird durchweg gelungene und oft auch innovative Software angeboten. Und so habe ich vor einigen Monaten auch den DSM als Demo ausprobiert und dann ziemlich schnell zugeschlagen.

Hinter dem DSM steht Paul Frindle, der als Entwickler der SSL E- und G-Konsolen sowie der Sony Oxford OXF-3 Digitalkonsole einer der ganz Großen in der internationalen Recording-Szene ist. Mit dem DSM-V2 betritt er die native Ebene und präsentiert erneut eine innovative Entwicklung, denn der DSM unterscheidet sich deutlich von anderen Dynamikwerkzeugen.

Im Prinzip geht es beim DSM um Kompression, Loudness und Limiting. Anders als herkömmliche Kompressoren greift der DSM aber nicht direkt in das Audiosignal ein. Er benutzt zunächst eine FFT-Analyse mittels Lernfunktion: Über den Button Capture analysiert der DSM die Lautheit bestimmter Frequenzbereiche. Dabei werden bis zu 18 Bänder eingesetzt – und damit weit mehr als bei den üblichen Multibandkompressoren, die zwischen drei und fünf Bändern verwenden.

Den Capture-Taster drückt man ein paar Sekunden, vorzugsweise während des Playbacks der charakteristischen Passage. Will man die Zischlaute von Vocals bearbeiten (Deessing), dann wendet man die Analyse auf genau den Abschnitt an, in dem diese auftreten; will man im Mastering den Sound lauter machen, „captured“ man die lauteste Passage des Stücks.

Der Trick beim DSM ist, dass die klassischen Kompressor-Parameter wie Threshold und Ratio nicht direkt auf das Audiosignal wirken, sondern auf Basis des zuvor extrahierten Dynamik- und Frequenz-Profils ebendieses FFT-File dynamisch modellieren. Auch beim DSM ist ein Threshold vorhanden, dieser wirkt jedoch relativ zum zuvor per capture ermittelten Dynamikspektrum. Das Ergebnis der FFT-basierten Transformation wird anschließend auf das Audiosignal übertragen. Man kann also Klangveränderungen in Echtzeit kontrollieren, obwohl das Audiosignal wie erwähnt nicht direkt bearbeitet wird. Man darf also von einer aufwändigen Berechnung ausgehen, doch die CPU-Last ist, wie wir im Praxisteil noch sehen werden, erstaunlich niedrig.

Die Methode der Kompression via FFT-Analyse bringt einige Vorteile mit sich: Phasenauslöschungen, die bei überlappenden Filterbändern von herkömmlichen Multibandkompressoren auftreten können, werden ausgeschlossen. Kompressionsartefakte wie etwa ein Pumpen, das durch überlaute Signale im Bassbereich ausgelöst wird, bleiben ebenfalls außen vor. Der DSM arbeitet praktisch artefaktfrei – das kann man nicht hoch genug einschätzen.

Um Pegelspitzen abzufangen und Verzerrungen zu vermeiden, ist ein finaler Limiter eingebaut. Bei maßlosen Übertreibungen der Lautheit kommt es dennoch zu Verzerrungen. Das ist aber kein Manko, denn dann hat man sich vom musikalisch Akzeptablen bereits ein gutes Stück weit entfernt. Mir ist auch kein Brickwall-Limiter bekannt, der nicht ebenfalls Verzerrungen produziert, wenn man bis zum Anschlag im roten Bereich operiert. Mir dem DSM kann man die Dynamik auf weniger als 3 dB begrenzen, das ist definitiv mehr als genug, doch der DSM liefert hier anders als die meisten Mitbewerber (vielleicht mal abgesehen vom Brainworx bx_XL) immer noch technisch saubere Resultate. Im Praxisteil kommen wir darauf zurück.

Setzt man den DSM am Ende der Mastering-Kette ein und will in 16 Bit exportieren, hilft ein Dithering-Algorithmus weiter.

Soweit zur grundlegenden Klärung des Unterschieds zwischen einem herkömmlichen Multiband-Kompressor und dem DSM. Der DSM kann jedoch noch Einiges mehr.

 

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