Cubase Pro 9 – Sentinel, die Blacklist und mögliche Folgen für Cracks

Was ist mit Cracks?

Dieses heiße Eisen wird auf seriösen Seiten gerne ausgeblendet. Als Testautor hat man in der Regel auch keine Erfahrung damit. Ich selbst hätte ganz abseits moralischer Bedenken eine Höllenangst, meine schöne Workstation mit virenverseuchter Software zu gefährden. Hersteller von Workstations warnen sehr eindringlich vor Cracks und berichten, dass regelmäßig virenverseuchte Rechner, bei denen nichts mehr rund läuft, als Pseudo-Reklamation zurückgeschickt werden. Die Garantie greift in solchen Fällen nicht, und der Support wird verständlicherweise nicht gewährleistet.

Zum Moralischen. Mal ehrlich: Es gibt heute tonnenweise Freeware und einen fortschreitenden Preisverfall bei den Plug-ins, der sich vor allem in pausenlosen Sonderangeboten niederschlägt. Beispiel: Den Noveltech Vocal Enhancer gab es kürzlich bei Plugin Alliance für 9 Dollar quasi geschenkt. Waves ist mit Sonderaktionen auch äußerst agil. Viele andere Hersteller halten mit oder bieten ihre Plug-ins zu überschaubaren, teils sagenhaft günstigen Konditionen im Monats- oder Jahresabo an (EastWest, Slate Digital, Softtube).

Bei solchen Gelegenheiten kann man sich mit exzellenter Software versorgen – und man muss nicht alles haben. Hall, Delay, Amp/Speaker-Simulator, Effekt-Suite, Mastering-Suite, Vintage EQ und Kompressor – das alles braucht man nicht in zig Versionen. Testberichte und demos helfen dabei, die richtigen Plug-ins für die eigenen Anforderungen zu finden. Mit Reaktor von Native Instruments kann man sich selbst seine Effekte und Instrumente basteln. E-Pianos, Synthesizer, Chöre etc. braucht man auch nicht in unbegrenzter Anzahl – und, wie oben bereits erwähnt – sollte man nicht per se einen Bogen um die On-Boad-Mittel von Cubase machen, sondern in diese erst einmal tiefer eintauchen. Das kann zu einer recht erfreulichen Entdeckungsreise werden.

Abgesehen davon möchte man doch, dass die Quintessenz der eigenen Kreativität, also die Musik, die man veröffentlicht, gewürdigt und auch bezahlt wird. Das geht den Entwicklern von Software auch so, die heutzutage ebenfalls eine außergewöhnliche Kreativität entfalten und inspirierende Tools konstruieren. Trotzdem kommen (abhängig von der Wirksamkeit des Diebstahlschutzes) auf ein verkauftes Plug-in bis zu neun Cracks oder mehr. (Diese Zahlen wurden uns von einem Entwickler berichtet und haben uns schlicht umgehauen. Der betreffende Entwickler hat den Umfang der illegalen Versorgung auch nur mitbekommen, weil sich die Cracks automatisch mit Update-Abfragen bei ihm meldeten).

Also: Was macht Sentinel mit den Cracks? Verständlicherweise findet sich im Web diesseits des Darknet nicht viel Information. Wer will sich in den Foren schon als Crack-Besitzer outen? Offenbar kann das Reaktivieren geknackter Plug-ins durchaus fehlschlagen und diese Meldung auftauchen:

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Der Screenshot stammt aus einem Thread, der dieses Thema behandelt. Dort waren auf die Frage nach dem Umgang von Sentinel mit Cracks auch folgende Antworten zu finden, die ich hier ihrer Originalität halber zitiere:

„Wenn du gecrackte PlugIns nutzt, zerstört Sentinel direkt deine Festplatte.“

„Wenn gecrackte Software auf der Blacklist landet, so ist das völlig ok.
Wenn Steinberg das beabsichtigt hat, Daumen hoch.“

Zum Umgang mit Cracks durch Sentinel finden sich einige Spekulationen, die allerdings logisch klingen. Dort heißt es, dass Steinberg kein Eigeninteresse daran haben könnte, speziell Cracks von Drittanbietersoftware zu erkennen und zu schützen. Umgeht der Crack lediglich die Autorisierung ohne dabei in den VST-Programmteil selbst einzugreifen, wird er nach dieser Annahme auch nicht auf der Blacklist landen. Verletzt der Crack den VST Code und ist damit quasi „unsauber programmiert“ oder handelt es sich um eine veraltete gecrackte Version, sieht die Sache vermutlich anders aus.

In wenigen Fällen werden Cracks aber offenbar auch von Usern verwendet, die ein Plug-in gekauft haben, bei dem der Hersteller den Support eingestellt hat und noch nicht einmal mehr eine Legacy-Version zum Download anbietet (Beispiel: Chandler Limiter/Compressor TG12413, Abbey Road RS124 Compressor). Sollte unter unseren Lesern jemand sein, der zu dieser Gruppe zählt und mangels anderer Alternativen einen solchen Crack unter Cubase 9 verwendet, so kann er oder sie gerne einen Kommentar hinterlassen.

Im nächsten Beitrag geht es um das neue Ein-Fenster-Layout mit der Lower Zone.

Bis dahin – Viel Spaß mit der Musik,

Holger Obst.