Test: Spectrasonics Keyscape, Teil 1
Erste Eindrücke
Der Start in die Keyscape-Welt gelingt ohne Umwege und Blättern im Handbuch: Über den Browser der linken Spalte wählt man ein Instrument und spielt. Wie bei Omnisphere kann man auch während des Ladens bereits loslegen, da über „Preview“ automatisch eine Basis-Belegung mit Samples zuerst geladen und dann mit weiteren Velocity-Layern und Round-Robins aufgefüllt wird. Selbst beim Laden von einer SSD-Disk kann es eine Weile dauern, bis das Instrument vollständig bereit steht, denn hier wird einiges an Samples in den Arbeitsspeicher verfrachtet – und es sind etliche Schwergewichte dabei, was angesichts der Library-Größe nicht überrascht.
Es spielt eigentlich keine Rolle, mit welchem Instrument man den Rundgang beginnt: Sie sind alle von einem eigenständigen, dynamischen und authentischen Klang geprägt. Wie von Spectrasonics nicht anders zu erwarten, spielt sich die Audioqualität auf allerhöchstem Niveau ab. Ein dezentes Rauschen, kleine Aufnahmepatzer oder Beschränkungen wie zu kurz geratene Sustains sind hier ein Fremdwort. Spectrasonics hat es fertiggebracht, die Patina altehrwürdiger Instrumente abzubilden, ohne dabei aufnahmetechnische Kompromisse einzugehen.
Unter dem Prädikat Retro- und Lo-Fi-Sounds findet man anderswo gerne auch mal eine Klangqualität, die einfach nur verwaschen und schlecht ist. Keyscape beweist eindrucksvoll, dass Retro und Lo-Fi auch in guter Audioqualität, d.h.: reich an Details und Konturen sowie transparent geboten werden kann. Keyscape knüpft damit an einige aufwändig gesampelte Instrumente aus Omnisphere 2 an, die ebenfalls teils alt und fragil wirken und gleichzeitig in allerfeinster Klangqualität erstrahlen.
Vintage-Klangfarben finden sich auch unter den zahlreichen Bearbeitungen der verschiedenen Instrumente. Dort wo „Vinyl“ draufsteht, klingt das Instrument auch wirklich so, als wäre es von einer Schallplatte gesampelt. Und rockige Wah-Varianten stellen jede auch noch so gute Emulation eines Wah-Pedals in den Schatten.
Schon beim ersten Anspielen kommt also pure Freude am Klanggeschehen auf: Man könnte stundenlang bei einem Instrument bleiben, anderseits reizt es natürlich, weiter zu zappen und den nächsten Schatz zu heben.

Der Beat stammte aus Stylus RMX.
Der eingangs präsentierte Yamaha C7 bietet im Preset „Cinematic“ und mit dem Klangcharakter „Soft“ einen wunderbar warmen, schwebenden Klang:
Das Harmochord – Vinyl Vibrato …

… klingt wie von einer Schelllack-Platte.
Der Klangcharakter und die Vinylgeräusche lassen sich einstellen und dosieren:

Das selbe Instrument in der Variation Musette Octaves …
… und als „Ambient Reeds“:

Da komponiert sich das Klanggemälde für die Filmszene fast von selbst. Die Schwebungen sind einfach herrlich und lassen sich per Stereo-Width-Regler enger oder breiter gestalten.

