Test: EastWest ProDrummer Teil 1

Nachdem die kürzlich erschienene Library Stormdrum 3 sich auf Percussion aller Art konzentrierte, liefert EastWest mit dem ProDrummer ein waschechtes Schlagzeug – oder besser gesagt: mehrere davon. Neben produktionsfertigen Drums sind ein Velocity-Prozessor, ein ausgewachsenes Effektpaket und mehr als 14.000 MIDI-Grooves an Bord.

Recording: EastWest ProDrummer

 

Überblick

Aktuell stehen zwei Libraries für ProDrummer zur Verfügung, beide mit Samples in 24 Bit Auflösung und 44,1 kHz Samplerate:

Volume 1, produziert von Mark Stent und Doug Rogers, wiegt annähernd 55 GB. Steven Sidelnyk, als Drummer unter anderem mit Madonna, Seal und Massive Attack unterwegs, spielte Schlagwerk von Drum Workshop, Slingerland, Gretsch, Ludwig, Yamaha, Orange County und Zildjian ein.

Volume 2, produziert von Joe Chiccarelli und Doug Rogers, kommt auf rund 33 GB. Instrumente von Ludwig, Tama, Slingerland, Gretsch, Istanbul and Zildjian wurden in drei verschiedenen Räumen aufgenommen und von Matt Chamberlain eingetrommelt.

Sowohl Mark Stent als auch Joe Chiccarelli sind hochdotierte Produzenten und Toningenieure in Personalunion, deren Kundenkartei sich wie ein Who is Who der Rock-Pop-Elite liest. Doug Rogers ist der Mann von EastWest mit umfassender Erfahrung in Sachen Sample-Libraries und wurde für seine Arbeit dutzendfach ausgezeichnet. Wer EastWest Instrumente, nicht zuletzt Stormdrum 3 kennt, wird auch beim ProDrummer eine exzellente Audioqualität erwarten – wir werden sehen und hören, ob dieses Prädikat auch hier zutrifft.

ProDrummer ist mit zahlreichen Spielweisen für jedes einzelne Schlaginstrument ausgestattet. Auch Besen kommen zum Einsatz. Es versteht sich von selbst, dass alle Schläge über Velocity-Layer verfügen. Auch Round Robins (alternierende Wiederholungssamples) sind an Bord. Um das Kit den Ressourcen und Anforderungen anzupassen, stehen verschiedene Komplexitätsstufen zur Verfügung (Lite, Normal und Powerful System).

Beide Volumes bieten über den Mixer differenzierte Gestaltungsmöglichkeiten, die damit anfangen, dass jede Trommel und jedes Becken einen eigenen Kanal für die Direktmikrofone hat.

ProDrummer_Bild2

Hinzu kommen die Kanäle für Overhead- und Raum-Mikrofone, sowie patch-spezifische Kanäle mit fertigen Effektsignalen, die sich zum Beimischen eignen: Ein Kanal summiert die Übersprechungen, ein weiterer liefert beispielsweise ein überkomprimiertes Signal mit pochendem Attack, ein anderer ein raues, verzerrtes Signal, welches, dezent beigemischt, den Klang etwas voller und wärmer macht.

Die Kits werden mit einer fertig konfigurierten Mixereinstellung einschließlich Effektanwendungen sowie einer Voreinstellung des Velocity Processors geladen. Zur Auswahl stehen verschiedene Konfigurationen. Man kann sofort loslegen, indem man entweder selbst eintrommelt, sei es über die Tastatur oder über Drum-Pads, oder indem man sich der Groove-Library bedient: Über einen komfortablen Browser mit Attribute-Suchfunktion und Vorhörfunktion navigiert man durch den immensen Pool an MIDI-Pattern. Dieser findet sich übrigens in vollem Umfang als Beipack zu jedem der beiden ProDrummer-Sets. Kauft man also nur eines davon, so stehen dennoch alle MIDI-Grooves zur Verfügung.

ProDrummer_Bild3

Abseits fertiger Lösungen bietet ProDrummer jedoch auch reichliche Möglichkeiten der Individualisierung: Das Kit kann Instrument für Instrument individuell zusammengestellt werden. Der bereits erwähnte Velocity-Procesor erlaubt eine Anpassung des anschlagsdynamischen Verhaltens.

Jeder Kanalzug des Mixers verfügt über ein eigenes Insert-Effektrack:

ProDrummer_Bild4

Neben dem SSL Kanalzug mit Filter, Vierband-EQ, Kompressor, Gate/Expander und Transient Shaper, einem Faltungshall und zusätzlichem Bus-Kompressor ist ein Amp-Simulator für destruktive Sounds an Bord, sowie das fabelhafte Omicide-Modul, welches weit vom klassischen Drum-Mix wegführt, und das wir uns später noch genauer ansehen und anhören werden.

Rein funktional bleiben also kaum Wünsche offen. Was nicht geht, ist ein Verbiegen der einzelnen Schlaginstrumente, etwa per Hüllkurven-Adaptationen, Samplestart-Offset oder gar Funktionen, die in Richtung Physical Modelling gehen.

ProDrummer 1 und 2 sind für je 249.- US$, als Bundle für 349.- US$ und in der Composer Cloud als Abo für ein monatliches Taschengeld zu haben (zusammen mit aktuell 48 anderen EastWest/Quantum Leap – Libraries). Via Composer Cloud besteht sogar die Möglichkeit einer kostenlosen, zeitlich begrenzten Nutzung – ideal, um sich selbst ein Bild zu machen. Kein anderer Hersteller bietet eine derart umfangreiche Sample-Library als Demo an.

 

Installation

Zur Installation über die Composer Cloud finden Sie auf releasetime.de einen separaten Beitrag. Man benötigt zur Freischaltung einen iLok Account, nicht zwingend einen physikalischen iLok. Die (kostenlose) EastWest-Play-Engine in Version 4 stellt den Sample-Player für ProDrummer und läuft auf Mac und PC in den Formaten VST, AU, RTAS, AAX sowie Standalone in 32 und 64 Bit.

 

Klangangebot Volume 2

Hier geht es zunächst um das zweite Volume des ProDrummers, also um Joe Chiccarellis Beitrag zum neuen Produkt.

Über den Browser bieten sich eine ganze Reihe von Kits an. Diese unterscheiden sich

  • in der Auswahl der Trommeln und Becken,
  • der verwendeten Mikrofone, deren Platzierung und im Resultat der Art und Anzahl der Mixer-Kanäle,
  • der verwendeten Vorverstärker und
  • der Spezialeffekte (wie etwa Verzerrer), die in Form weiterer Mixer-Kanäle beigemischt werden können. Hier handelt es sich also nicht um Insert-Effekte, sondern letztlich um Samples, die unter Verwendung von Effekten zustande gekommen sind (siehe auch Kapitel Überblick).

Neben den Hybrid Kits geht es um drei unterschiedliche Räume, in denen das Schlagzeug abgenommen wurde (Kits 1-3). Die Hybrid Kits kombinieren Drums aus diesen Räumen und verzichten folgerichtig auf Raum- und Ambience-Mikrofone im Mixer; Overheads sind jedoch auch hier an Bord.

ProDrummer_Bild5

Die Titel der Kit-Instrumente informieren über den Inhalt. Die Schrift ist lesbar aber nicht komfortabel groß und wird bei Mitmusikern der älteren Generation den Griff zur Lesebrille auslösen. Das Fenster ist weder in der inneren Spaltenaufteilung noch in seiner Gesamtgröße skalierbar. Vereinzelt muss man Scroll-Balken bedienen, um alles bis zum letzten Buchstaben lesen zu können.

Neben ressourcenschonenden Lite- und allumfassenden Powerful-System-Versionen gibt es auch Normalausstattungen. Je nach Leistungsfähigkeit des Systems oder Anspruch an die Vielfältigkeit der Drums wählt man zwischen diesen drei Versionen:

  • Lite beschränkt sich auf die wichtigsten Spielweisen. Die oberen zwei Oktaven der Normal-Patches (hier finden sich beispielsweise Kantenschläge) sind nicht dabei. Auch die Ausstattung mit anschlagsdynamischen Layern und Round Robins ist reduziert.
  • Die Powerful-System-Versionen bieten neben der Vollausstattung mit Round Robins auch bei einigen Artikulationen Double-Hits (der Schlag wird doppelt ausgeführt, beispielsweise wie es beim echten Spiel passiert, wenn der Stick mit Pressing gespielt wird und beim Zurückschwingen des Fells eine zweite Berührung stattfindet).
  • Die Normal-Versionen liegen dazwischen.

 

Pro Drummer in der Praxis

Anstatt akribisch, nüchtern und technisch die einzelnen Komponenten auseinanderzunehmen (Mixer, Grooves, Drumauswahl), starten wir mit einigen Kits aus dem Browser und streifen dabei automatisch die Gestaltungsmöglichkeiten von ProDrummer.

Wir beginnen mit dem „EWPD Joe C Kit 1 Big Gated Toms PS“ (Kit 1 bedeutet, dass das Kit in Raum 1 aufgenommen wurde, PS steht für Powerful System). Zur Verwendung kommt ein einfacher Rock-Groove und ein Fill aus der Grooves-Library:

 

Das klingt satt und druckvoll. Was es mit den Gated Toms auf sich hat, wird klar, wenn man diese auch spielt:

 

Da geht es richtig zur Sache. Wirft man einen Blick in den Mixer, wird schnell ersichtlich, warum das so ist:

ProDrummer_Bild6

Der SSL Kompressor und Transient Shaper lassen grüßen. Hinzu kommen mit „Shotgun“ (Attack-Effekt-Samples mit prägnantem, knalligem Hit) und „Dist.“ (verzerrte Samples) Mixer-Kanäle zum Einsatz, die den Toms weiter auf die Sprünge helfen. Auch haben wir hier ein Beispiel für Doppelschläge der PS-Versionen: Das am höchsten gestimmte Tom liefert einen solchen Doppelschlag.

Nicht zuletzt kommt im Summenausgang zusätzlich der Bus-Kompressor zum Einsatz und macht noch mehr Dampf:

ProDrummer_Bild7

Dieses Beispiel zeigt deutlich, dass der Sound der ProDrummer-Presets bis in die Haarspitzen und zielgenau gestylt ist. Da wo „Big Gated Toms“ drauf steht, sind auch genau solche drin – herrlich und in voller Pracht. Solch knallige Toms habe ich schon lange gesucht.

Nach kurzer Einarbeitung findet man sich mit den einzelnen Komponenten und deren Zusammenwirken (Instrumentenauswahl, Mixereinstellungen, Effekte) gut zurecht und kann die Presets auch als Ausgangsbasis für individuelle Anpassungen nutzen.

Mal schauen, wie die Hippy Drums PS klingen. Schon wieder die Luxusvariante „Powerful System“, da sich inzwischen herausgestellt hat, dass mein Testsystem (Spezifikationen im Anhang) auch bei geringer Latenz (rund 7 ms) dem Leistungshunger des ProDrummer ganz gut standhält – oder andersherum: Die CPU-Last liegt in der Spitze bei 30%, Peaks allerdings bei bis zu 70%.

African Pop Mixed Groove fühlt sich bei 126 BPM am wohlsten (lässt sich allerdings als MIDI-Groove artefaktfrei und praktisch unbegrenzt verlangsamen oder beschleunigen).

 

Auch grafisch wird etwas geboten: Hatte ich schon erwähnt, dass sich beim Playback die Felle der Trommeln bei jedem Hit bewegen, die Fußmaschinen arbeiten und selbst die Becken schwingen, wenn sie gespielt werden?

Eine individuelle Einstellung des Velocity Processors gehört, wie bereits erwähnt, zum Klangdesign vieler Kits. Der Velocity Graph veranschaulicht die aktuelle Einstellung:

ProDrummer_Bild8

Es wird Zeit, sich dieses nicht ganz unwesentliche Modul näher anzusehen. Zunächst: Der Velocity Prozessor wirkt sich immer auf das gesamte Kit aus. Individualisierte anschlagsdynamische Einstellungen für einzelne Trommeln oder Becken bietet ProDrummer nicht.

Welche Wirkung der Velocity Prozessor entfaltet, wird klar, wenn man ihn ausschaltet. Denn dann hört sich der zuletzt gehörte Groove so an:

 

Mit dem MakeUp-Regler fährt man regelrecht durch Klangfarben von dezent und zurückhaltend bis zu knallig und dominant – wunderbar. So etwas geht nur, wenn reichlich Velocity-Layer an Bord sind – was hier der Fall ist. Dass dezente Darbietungen auch ihren Reiz haben können, soll folgendes Audiodemo zeigen:

 

Was macht also dieses Ding, dass offensichtlich kein weiterer Audio-Kompressor ist? Wie schon angedeutet, steuert man hier das anschlagsdynamische Verhalten der Drums. Das Prinzip kennt man ja von allen möglichen Tasteninstrumenten, allen voran die Pianos. Beim ProDrummer ist dieses Konzept jedoch erheblich erweitert worden und auf die Bedürfnisse eines Schlagzeugers ausgerichtet. Der Velocity-Prozesssor des ProDrummers funktioniert wie ein Kompressor, bewirkt aber eine Anpassung der MIDI-Velocity-Daten und damit eine transformierte Auswahl der dynamisch gestaffelten Samples.

  • Threshold legt den Velocity-Wert fest, ab dem die Auswahl anschlagsdynamische gestaffelter Samples durch den Ratio-Parameter beeinflusst werden.
  • Ratio bewirkt, dass die Anschlagsdynamik in reduzierte oder erhöhte Werte umgerechnet wird (Skala 0,000 über 1,000 bis 8,000). Eine Ratio von 0 bedeutet, dass die Anschlagsdynamik oberhalb des Thresholds keine Auswirkung hat und dort immer der Velocity-Wert 127 ausgegeben wird. Ratio = 1 bedeutet einen linearen Anstieg der Velocity, und zwar unabhängig vom Threshold: Bei Ratio = 1 bleibt der Threshold Regler ohne Wirkung. Eine Ratio über 1 flacht die anschlagsdynamische Kurve oberhalb des Threshold ab – bis dahin, dass diese kaum noch Auswirkungen auf die Dynamik hat, nämlich bei Ratio = 8.
  • Wie bei einem richtigen Kompressor interagieren Ratio und Threshold. Die Steilheit der anschlagsdynamischen Kurve hängt also vom Zusammenwirken beider Parameter ab. Daher ist die Anzeige über den Graphen, die dieses Zusammenwirken abbildet und sofort erkennbar macht, sehr hilfreich.
  • Makeup verschiebt die ganze anschlagsdynamische Kurve vertikal. Ein Makeup-Wert unterhalb der Mittelstellung führt dazu, dass eine niedrige Anschlagsdynamik gar keinen Sound mehr auslöst. Ein maximales Makeup drückt die Anschlagsdynamik an den oberen Rand. Egal, wie soft oder hart man anschlägt, klingt jetzt alles so, als ob der Drummer brachial zu Werke ginge.

Zur Verdeutlichung ein Screenshot mit Extremwerten:

ProDrummer_Bild9

Hier spielt sich alles im mittleren Dynamikbereich ab. Der Drummer spielt unter diesen Bedingungen extrem gleichmäßig und setzt kaum dynamische Akzente. Obwohl Threshold auf Minimum steht, bewirkt Makeup eine Verschiebung bis zu Messoforte. Die hohe Ratio bügelt die Kurve glatt.

Unser letztes Demo hört sich mit dieser Einstellung so an:

 

Extreme Einstellungen des Velocity Prozessors können dazu führen, dass einige Instrumente/Hits aus dem Rahmen fallen (wie im letzten Audiodemo). Solche Ausreißer bekommt man jedoch über den Mixer schnell wieder unter Kontrolle.

Ich lade das nächste Instrument, mit dem wir uns in den zweiten Raum begeben, Room Studio 2 Booth. Dieses Mal lade ich die Normal Version, denn zuletzt habe ich festgestellt, dass der Einsatz von mehr Trommeln, also ein dichteres Playback, meine CPU bei den Powerful-System-Instrumenten doch ins Schwitzen bringt: Bei Leistungspeaks sind Knackser aufgetreten. PS ist also auf meinem System ab einer mittleren Komplexität nichts für´s Einspielen mit geringen Latenzen. Multithreadig wäre hier angesagt, aber so etwas bieten derzeit die wenigsten Instrumente oder Plug-ins, und Cubase 7 verlagert die gesamte Berechnung eines Instruments (hier: die komplette Play-Engine) auf einen Kern.

Mal schauen, wie es mit der Mikrofonierung aussieht. Wir werfen einen Blick auf den Mixer:

Hier gibt’s jetzt neben den bekannten mOH auch mRoom und einen rätselhaften Tape Room. Ein Blick in das Manual löst das Rätsel: Es stellt sich heraus, dass eine ganze Menge Schlaginstrumente über eine J37 Bandmaschine aufgenommen wurden. Respekt! Da hat man sich aber wirklich Arbeit gemacht – und einen waschechten Analogsound eingefangen.

Man sollte diese Tape-Kanäle übrigens nicht zusammen mit den Close-Mics verwenden, da es durch die Bandlaufschwankungen der J37 in Kombination mit den Close Mics zu unerwünschtem Phasing kommen kann.

Das „m“ bei mOH und mRoom bedeutet übrigens, dass es sich in diesen Fällen um Mono-Kanäle handelt.

ProDrummer_Bild10

Jetzt wäre es wirklich schön, wenn man diesen Mixer aufziehen, also das Interface nach rechts skalieren könnte. Geht aber nicht. Es bleibt das Scrollen.

In der Tat hören sich die Instrumente schön trocken an – nicht desto trotz fleischig und fett. Das Dry Kit ist eine gute Wahl, wenn man externe Effekte und Raumsimulatoren hinzuziehen möchte.

Für aufwändige Bearbeitungen mit externen Effekten bieten sich die zehn Stereo-Ausgänge an. Jeder Kanal des Play-Mixers kann einem individuellen Stereoausgang zugeordnet werden, sodass auch über den Sequencer eine detaillierte Abmischung stattfinden kann.

 

Das Angebot an Drums

Klickt man im Player Menü auf die Taste „Drums“, so erscheinen rund um die Abbildungen der Instrumente Auswahlrahmen, über die man zu Aufklappmenüs kommt. Und hier sucht man sich die gewünschte Trommel, die Hi-Hat oder das Becken aus. Am größten ist die Auswahl an (acht) Snares:

ProDrummer_Bild11

Nach der Auswahl kann es ein paar Sekunden dauern, bis das nächste Instrument geladen ist. Schließlich wollen Artikulationen, Mikrofonpositionen, Velocity-Layer und Round Robins ins RAM befördert werden. (Per default arbeitet die Play Engine mit einer Mischung aus RAM und Disk-Streaming). Neben einer Tama Snare stehen Modelle von Craviotto, mit und ohne Teppich und mit Besen gespielt zur Verfügung.

Alle Snares klingen detailreich, klar, ab mittlerer Anschlagsstärke knallig und akzentuiert, sehr präsent, und mit ansprechendem Volumen. Flache, körperlose oder verwaschene Sounds finden sich hier nicht.

Im folgenden Audiodemo hören Sie einige der Artikulationen der Craviotto Birch (Medival Wood) Timeless Timber Brush:

 

Hier die Tama Snare mit sehr schönen Rolls:

 

Ideal wäre ein Skript, welches dafür sorgt, dass die Rolls bei einem anschließenden Hit sofort stoppen (so wie das Ausklingen einer Open Hi-Hat bei anschließenden Spielen eines Hits oder einer Pedal-Hi-Hat gestoppt wird). Den finalen Schlag am Ende eines Rolls bietet jedoch nur das Roll-Sample selbst, wenn die Note bis zum Ende gehalten wird.

Zu den anderen Instrumenten: Die Ludiwg Toms klingen voll, satt und frisch. Einzel- und Doppelschläge stehen zur Verfügung.

 

Warum es für das kleine Hängetom im Gegensatz zum zweiten Tom und dem Standtom keine mit dem Besen gespielte Artikulation gibt, bleibt rätselhaft.

Beim Blech wird die oben abgebildete Auswahl lückenlos mit der Besen-Alternative ergänzt. Im nächsten Audiodemo hören Sie die Toms, Crash und Ride-Becken mit Besen gespielt:

 

Auch hier war wieder der werksseitig vorgegebene Velocity Prozessor dabei. Zum Vergleich noch einmal ohne:

 

Bevor wir zum Volume 1 kommen, hier noch der EastWest Studio2 Live Room (Kit 3) mit dem Instrument „Heavy Industry“:

 

Was ist hier passiert? Ohmicide sorgt für den harten, destruktiven Sound:

ProDrummer_Bild12

Ohmicide ist ein Vierband Dynamik/Distortion-Prozessor. Verzerrung/Sättigung, Gate-Effekt und Feedback sind pro Band einstellbar. Die Bänder können sehr schmalbandig eingestellt werden. Mit entsprechender Vorverstärkung und Rückkopplung ergeben sich schrille, schreiende, auf´s Heftigste destruktive Effekte: Ohmicide kann sehr verstörende Wirkungen entfalten. Ein Limiter am Audioausgang kann nicht schaden, bevor man mit diesem Teufelswerkzeug loslegt.

 

Etwas schade ist, dass innerhalb von Ohmicide weder eine Steuerung via Lerndialog über externe MIDI-Controller möglich ist, noch Reglerbewegungen als Automation aufgezeichnet werden können. (Möglicherweise geht das mit der Vollversion von Ohmicide als eigenständigem Plug-in. Ohmicide wird von Ohmforce als „bestes Verzerrer-Plug-in auf Erden“ für 99.- EUR angeboten. Eine Testversion gibt’s auch.)

 

Zwischenfazit

Die Produzenten Joe Chiccarelli und Doug Rogers sowie Matt Chamberlain an den Drums haben eine erstklassige Arbeit abgeliefert: Diese Drums gehören klanglich zum besten, was die virtuelle Welt der Sample Libraries zu bieten hat. Die Drums klingen voll, prägnant, detailreich und transparent. Mittels Velocity Processor wechselt man im Nu zwischen sanften und knallig-harten Spielweisen. Die Audioqualität ist Spitzenklasse.

Die Auswahl an Artikulationen deckt auch seltene Spielweisen ab.

Fertige Presets liefern Vorlagen für unterschiedliche Genres und Anforderungen an den Drum-Sound, müssen kaum noch angepasst werden und ermöglichen einen schnellen Einstieg.

Über den Mixer kann der Sound differenziert eingestellt werden. Eine umfangreiche Mikrofonierung und zusätzliche Effekt-Samples in eigenen Kanälen eröffnen ein weites Feld der Gestaltungsmöglichkeiten.

Als Besonderheit wurden viele Instrumente zusätzlich über eine J37-Bandmaschine aufgenommen – genau genommen handelt es sich hier um einen Studer tube J37 Analogrekorder . Die analogen Tape-Sounds stehen in Form separater Mixerkanäle (mit der Kennzeichnung J37 oder Tape) alternativ zur digital aufgezeichneten Direktmikrofonierung zur Verfügung.

Mit dem Amp-Simulator und Ohmicide als Extra-Effekt sind auch destruktive und extrem verfremdete Klänge möglich – für Hardcore-Drums, Lo-Fi oder Beat-Experimente. Über die Einzelausgänge des Mixers können auch komplexe Bearbeitungen mit externen Mitteln stattfinden.

Die Ausstattung mit Velocity-Layern erlaubt ein nuanciertes anschlagsdynamisches Spiel, Round Robins sorgen für Abwechslung, sodass sich insgesamt ein lebendiger Drumsound ergibt.

Die Vollausstattung der Power System – Instrumente wird ihrem Namen gerecht. Für eine Echtzeitperformance mit niedriger Latenz braucht man dann eine SSD-Festplatte für schnelles Streaming und einen schnellen Prozessor. Mit der Lite- oder Normal-Version kommt man aber auch mit weniger luxuriösen Workstations zurecht und kann beim Bouncen oder beim Mixdown immer noch zur PS-Version wechseln.

 

Ausblick

In Kürze erscheint der zweite Teil des ProDrummer Tests auf releasetime. Dann schauen wir uns Volume 1 an, welches allein angesichts der Datenmenge von rund 55 GB umfangreicher ausgestattet ist. Wir werfen auch einen genaueren Blick auf die Auswahl an Grooves und deren Handling sowie auf den Effektblock, mit dem man als Insert jeden einzelnen Mixer-Kanal getrennt bearbeiten kann.

Hersteller: EastWest

Produktseite

Öffentlichkeitsarbeit und Marketing: Music Marcom

Testsystem:

  • PC Intel Core i7 3930K, Windows 7, Cubase 7, Motu 828 mKII;
  • Testprojekt Cubase: 44,1 kHz Samplerate, 24 Bit Auflösung
  • alle Audiodemos in 128 k mp3

 

Add a Comment

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.