Test: Sugar Bytes Egoist

Egoist vereint einen Slicer mit Sequencer, einen virtuell-analogen Bass mit Bassline, eine samplebasierte Drummachine und einen Multieffekt-Sequenzer zu einer in ihrer Form einzigartigen Groovebox. Wir haben die vielseitige Rhythmus- und Soundmaschine im Detail getestet, wie immer mit zahlreichen Screenshots und Audiodemos.

Recording und Studiotechnik

Vorweg: Unser Test beinhaltet auch Tipps zur Bedienung, sodass Sie ihn gut mit der Demo-Version begleiten können.

 

Überblick

Um loszulegen füttert man Egoist mit einem Sample. Das kann auch ein längerer Audioclip sein, auch aus dem mitgelieferten Werksrepertoire. Dieses Rohmaterial zerlegt man in bis zu 16 kleine Schnipsel, die Slices. Jedes Slice kann in Abspielrichtung, Tonhöhe, Attack, Decay und Lautstärke individuell gestaltet werden. Die Abfolge der Slices ergibt eine Sequenz, die Teil des Egoist-Patterns ist. Die Slices-Sequenz kann wiederum über globale Parameter (u. a. Tonhöhe, Notenlänge) verändert werden.

Den zweiten Teil des Egoist-Patterns übernimmt der virtuell-analoge Bass. Seinen Sound produziert ein Oszillator mit Sägezahn- oder Rechteckwelle, ein resonanzfähiges Multimodefilter mit drei alternativen Charakteristika sowie ein Sättigungstool/Verzerrer (Drive). Klassische Synth-Basslines à la TB-303 oder SH-101 sind zügig erstellt. Der Bass spielt passend zum wählbaren Grundton seine Linie in Dur oder Moll.

Slice-Sequenz und Bassline werden bei Bedarf durch eine kleine Drummachine ergänzt, das Beat-Modul: 15 Kits, 96 Samples pro Kit, mehr als 1000 gesampelte Kicks, Snares, offene und geschlossene Hi-Hats stehen zur Wahl. Hier finden sich auch elektronische Percussion, die dann in die Kick-, Snare- und Hi-Hat-Slots geladen werden.

Alle drei Sequenzen, also Slicer, Bassline und Beat können über einen Effekt-Sequenzer durch den Wolf gedreht werden. Sieben Effekte können nacheinander oder gleichzeitig verwendet werden. Wer Sugar Bytes Turnado oder Effectrix kennt, ahnt vielleicht schon, was sich hier auftut. Die Effektsequenz ist für alle drei Klanggeneratoren gleich, wird also quasi über einen Send-Weg angesprochen. Die Effekt-Regler kann man jedoch animieren und über externe Controller steuern, also den Effektanteil für Slicer, Bassline und Beat fließend verändern oder ein/ausschalten.

Alle Sequenzen können ihre eigenen Längen und ihre eigenen Tempo-Unterteilungen haben. So lassen sich auch polyrhythmische Pattern erstellen – oder Klangfolgen, die sich praktisch nie wiederholen. Jedes Pattern verfügt über eine eigene Grundgeschwindigkeit, die (relativ zum globalen Tempo) in Notenwerten (auch triolischen und zzgl. Swing-Faktor) eingestellt wird.

16 übergeordnete Patterns mit einem individuellen Mix aus spezifischen Slice-Sequenzen, Basslines, Drumgrooves und Effektsequenzen können direkt über C1 bis Dis 2 abgerufen werden. Welche Module im aktiven Pattern mitspielen und ob diese über die Effektkette laufen, stellt man ganz oben in der Kopfzeile ein. Dort befindet sich ein Mini-Mixer:

Würfeln kann man auf allen Ebenen: Falls die Kreativität mal versagt, lassen sich Slice-Sequenzen, Basslines, Beats und Effektkonfigurationen auch zufällig erstellen.

Werksvorlagen gibt es für Slice-Sequenzen, Bässe, Drum-Kits und natürlich auch als globale Presets einschließlich fertiger Songs.

Für ein hierarchisches Arrangement gibt es Patterns, Parts und Songs. Damit erreicht Egoist die Architektur komplexer (und teurer) Rhythmus-Maschinen.

MIDI-Learn everywhere: Überall, wo ein Fader oder Regler Einfluss auf den Klang nimmt, kann man diesen auch midifizieren – also einem externen Controller zuweisen – in der folgenden Abbildung nach einem Rechtsklick auf den Resonanz-Fader des Filters beim Bass:

Auch globale Pattern-Parameter oder Effekte lassen sich in Echtzeit steuern.

Die spannendsten Fragen zum Sound will ich auch gleich beantworten: Der Bass ist einfach aber knackig. Das Filter macht eine richtig gute Figur und hat einen starken Charakter, besser gesagt: deren drei. Es gibt natürlich aufwändigere Synths (auch von Sugar Bytes), die man gerne kombinieren darf. Aber für´s erste kommt man mit diesem Bass schon recht weit.

Das gilt auch für die Drum-Kits, die so manche altehrwürdige Drummachine abbilden. Sounds aus Modularsystemen sind auch dabei. Hier gibt´s einiges, was richtig kernig klappert und scheppert oder archaisch piept. Andere Hersteller nehmen alleine für eine ähnlich gut sortierte Beatbox schon 100.- Euro und mehr.

Die Effekte („Trickbetrüger“ im Sugar-Bytes-Jargon) sind ebenfalls von gehobener Qualität und greifen bei Bedarf drastisch in das Klanggeschehen ein: Multimodefilter (mit sieben Charakteristika und ebenso vielen internen Modulationsquellen), temposynchrones Echo, algorithmischer Reverb, Lo-Fi-Tool, Chorus, Tape-Stop-Effekt und temposynchroner Looper geben einiges her.

 

Installation:

Die Installation vollzieht sich schnell, praktisch und unaufgeregt. Verschlungene Pfade über Gobbler und iLok oder ähnlich aufwändige Prozesse sind nicht am Werk. Nach dem Kauf erhält man eine Seriennummer, mit der man das Produkt im persönlichen Account bei Sugar Bytes anmeldet. Die Download-Links für die Software und die Library erscheinen umgehend.

Auf dem PC hat man die Wahl zwischen VST2 (32 und 64 Bit) und AAX:

Für den Mac gibt es zudem noch AU. Eine VST3-Version ist nicht zu haben, jedoch – interessant für die Live-Performance – Standalone-Versionen (Mac und PC).

Bei der Installation gibt man erneut die Seriennummer ein. Die Library wiegt etwas mehr als ein halbes GB und kann auf einer beliebigen Festplatte abgelegt werden.

Erstes Ausprobieren

Wer klappt schon gerne direkt am Anfang die Bedienungsanleitung auf. Wir machen es hier mal genauso und hören uns an, was Egoist für Schnelleinsteiger bietet:

Nach dem Start passiert erst einmal nichts. Um in die Grooves einzusteigen, muss man zunächst ein Preset laden.

Mit den Presets ist man eine Weile beschäftigt, denn es gibt ein umfangreiches Angebot.

Dass dem so ist, obwohl die Library ja nur ein halbes GB wiegt, liegt daran, dass sich die Grooves aus den Slices eines längeren Samples rekrutieren. Die Drum-Kits sind ebenfalls keine RAM-Fresser, der Bass wird virtuell-analog / subtraktiv erzeugt.

Die gesamte Wellenform des Samples und die Schnittstellen der Slices werden oben angezeigt. Ein paar der Schnittstellen und die dazu gehörenden Steps im Sequencer habe ich mit farbig abgesetzten Pfeilen markiert.

Im Moment ist der Song-Modus aktiv. Wenn man eine Trigger-Taste lange genug gedrückt hält, wechseln sich die Patterns ab. Warum das so ist und wie das kommt, erörtern wir später. Die Songs liefern teils aufwändige und umfangreiche Arrangements. Diese könnte man in vielen Fällen einfach übernehmen und weitere Instrumente dazu einspielen. Aber man kann natürlich auch wesentlich kreativer mit Egoist umgehen.

Trotzdem: Hier ein Werks-Song (Ausschnitt):

 

Anhand eines solchen Beispiels, das man auch gut für die Filmmusik verwenden könnte, stellt man fest, dass die Library von Egoist nicht nur Dance & Co auf Lager hat, sondern auch harmonische, tonale Instrumente integriert. Welche Slices gerade aktiv sind, erkennt man an den weißen Linien, die in Echtzeit die Abspielpositionen markieren (rote Pfeile in der Abbildung unten). Slices können auch rückwärts abgespielt werden (grüner Pfeil) und in der Lautstärke angepasst (gelber Pfeil) sowie in der Tonhöhe verändert werden (direkt darüber). Der verwendete Song besteht aus der Part-Abfolge A, B, C, C (direkt darunter).

Ein kurzer Blick auf den VSTi-Slot im Rack zeigt leider an, dass Egoist nicht über Einzelausgänge verfügt. Der betreffende Schalter in Cubase ist ausgegraut:

Will man die Slices separat mit externen Effekten veredeln, muss man mit mehreren Instanzen arbeiten.

 

Details

Der Slicer

Samples für den Slicer findet man in großer Auswahl in der mitgelieferten Library. Man kann aber über das Aufklappmenü auch eigene Clips laden. Dazu habe ich eine Percussion-Sequenz aus den Presets von Sugar Bytes Factory exportiert. Über „Load Sample“ ließ sich dieses exportierte Sample (24 Bit, 44,1 kHz) nicht vorhören oder laden. Ich konnte aber zu dem Ordner navigieren, in den ich es exportiert hatte und diesen als Custom Folder 1 markieren. Danach wurde es in diesem Ordner angezeigt und konnte jetzt auch vorgehört und geladen werden.

16 Slices lassen sich auf verschiedene Weise erzielen: In gleicher Länge (roter Pfeil), nach Lautheitsempfindlichkeit (grüner Pfeil) oder zufällig (gelber Pfeil).

Die Trennlinien zwischen den Slices lassen sich auch manuell verschieben. Durch Klicken und Ziehen in der oberen schmalen Wellenform-Leiste kann man in die Samples hineinzoomen (und wieder heraus). Ganz rechts lassen sich Slices normalisieren, also mit Limiting im Pegel angleichen (Max Out).

Die Abspiel-Reihenfolge legt man anschließend mit den Schiebereglern bzw. Nummern in der Slices-Sequenz darunter fest. Hier kann auch wieder gewürfelt werden, und zwar separat für die Abfolge der Slices, die Tonhöhen und das Attack/Decay-Verhalten einzelner Slices. Ganz unten rechts (gelb eingerahmt) finden sich die globalen Copy/Paste-, Löschen- und Würfeln-Funktionen für Slicer, Bass, Beat und Effekte zusammen, also für das gesamte Preset.

Falls Sie nichts oder nur ein kurzes Ploppen hören, sollten Sie nachsehen, ob der Slicer des aktuell gespielten Patterns überhaupt eingeschaltet ist (heller Schriftzug) und sein Lautstärkeregler nicht hart links (und damit auf Null) steht (s. Abb. unten: 1). Wenn Pitch (2) bei -24 steht, werden alle Slices um zwei Oktaven nach unten transponiert, was unter Umständen Sounds produziert, die mit dem Original nicht mehr viel zu tun haben. Und schließlich sollte auch die Länge (3) nicht minimal sein, ebenso das Decay passen (4). Wenn Sie mit einem leeren Slicer ohne Sample starten (und erst einmal ein eigenes Sample importieren), kann es passieren, dass alle diese Werte (1 bis 4) erst einmal justiert werden müssen.

Nun können Sie mit den Effekten oder dem Bass bzw. den Drums weitermachen. Bei den Drums reicht es nicht, dass das Modul (wie beim Slicer) in der oberen Mixer-Zeile eingeschaltet ist und eine Lautstärke größer als Null aufweist, es müssen natürlich auch Schläge verteilt (gelb eingekreist) und die Pegel-Regler von Kickdrum, Snare und Hi-Hat aufgedreht sein.

Man kann eine Weile damit verbringen, das Drum-Pattern durchlaufen zu lassen und dabei die Schlaginstrumente auszutauschen (jedes Kit hat nämlich je 32 verschiedene Bassdrums, Snares und Hi-Hats), Instrumente zu stimmen oder gleich verschiedene Kits nacheinaner auszuprobieren. All das ist machbar, und die Hi-Hat kann man sogar im Panorama bewegen – leider nicht automatisch über einen temposynchronen LFO, aber per Rechtsklick und MIDI-Learn über einen externen Controller.

Diese Sequenz aus Factory

 

… habe ich in Egoist importiert und in Slices zerlegt. Dann habe ich einen Drum-Groove hinzugefügt:

 

Als Effekte (nur für den Slicer) habe ich das Filter (Hochpass-Charakteristik), das Echo (temposynchron: 1/8tel), den Hall, Chorus und Stop-Effekt eingebaut.

Wenn man mit den Effekten bei Null startet (also nicht würfelt), muss man darauf achten, dass die Parameter Werte aufweisen, die einen Effekt überhaupt erst hörbar machen. Filter-Cutoff und Modulation Amount sollten sinnvolle Werte anzeigen, Echo- und Hall-Level größer als Null sein, und auch der Chorus-Effekt benötigt eine gewisse Tiefe, um erkennbar zu werden.

Die grafische Darstellung der Effekte ist nicht nur künstlerisch wertvoll, sie verdeutlicht auch, was die einzelnen Module machen. Das ist wirklich sehr schön gelöst. Gewürfelt werden kann die Effektsequenz, ebenso die Parametereinstellungen. Als besonderes Extra kann die Filter-Eckfrequenz via Aufklappmenü durch diverse Hüllkurven oder Lautstärkeverläufe moduliert werden.

Die Sache mit den Basslines ist nicht ganz so einfach zu handhaben wie die das beim Slicer und beim Beat-Modul der Fall ist. Der Sound ist dabei leicht zu handeln: Man lässt einfach eine Sequenz durchlaufen und probiert die drei Filter aus, dazu die anderen klangformenden Parameter. Grundsätzlich kann dieser Bass schön knarren und zappen, auch in höheren Lagen, wo er dann gar kein Bass mehr ist. Hier habe ich relativ wild Filterparameter und Decay moduliert. Zwischendurch klingt der Bass eher wie ein Roboter-Archetyp beim Nachdenken.

 

Hier habe ich Slicer und Beat langsam eingeblendet und ab Takt 8 ein einfaches, melancholisches Pad aus Sugar Bytes Factory eingespielt:

 

Wir wollen ja nicht schummeln: Im Masterkanal sorgt der Softube Weiss DS1-MK3 für Druck. Die „Bassline“ spielt hier übrigens nur vier Steps:

Das Zirpen und Gurgeln kommt also einzig durch die manuelle Modulation des Filters zustande.

Wie oben zu sehen, gibt es beim Bass pro Step verschiedene Verlaufsformen und Tonhöhen. Will man gezielt eine Bassline konfigurieren, sollte man sich damit auseinandersetzen und auch einen Blick ins Manual riskieren.

Eigentlich sagen die Balken in der oberen Zeile des Bass-Sequenzers alles: Hier wird unterschieden zwischen Noten mit oder ohne Glide und in unterschiedlichen Längen. Reicht der Balken bis zum Zellenende, so wird die Note gehalten. Man kann also mehrere gebundene Noten hintereinander setzen. Das geht auch mit Glide-Noten, die dann über ein entsprechend langes Portamento verfügen.

Die beiden Zeilen darunter legen die Tonhöhe des betreffenden Steps in Halbtonschritten und in Oktaven fest (1). Die Tonart, Oktavlage (quasi als Offset für die Oktavstimmung pro Step im Sequencer), Dur oder Moll stellt man im Sound-Modul ein.

Im Großen und Ganzen ist das Modul selbsterklärend. Zumindest für alle, die schon einmal mit einem virtuell-analogen Klangerzeuger konfrontiert waren. Zur Wahl stehen Filteremulationen der TB 303 (18 dB/Okt.), eines Moog Ladder-Filters (24 dB/Okt.) und eines Korg MS-20 Filters (12 dB/Okt.). Als Besonderheit kann man den Filter-Cutoff entweder über die Hüllkurve (mit regulierbarem Decay) oder einen LFO (Sägezahn oder Rechteckwelle) modulieren (2). Eingestellt werden kann zudem die Decay-Zeit der Lautstärke-Hüllkurve. Ein optionaler Release-Modus lässt Noten auch nach dem Ende eines Steps ausklingen. Ist Release ausgeschaltet, bricht der Klang (bei nicht gebundenen Noten) am Ende eines Steps ab.

Rechts neben den Sequenzern für Bass und Beat gibt es neben den Zufallsfunktionen (beim Bass für Notenverläufe bzw. Notenlängen und Tonhöhen separat) die Möglichkeit, per Copy und Paste Sequenzen von einem Pattern auf ein anderes zu übertragen.

Zudem kann man die Sequenz schrittweise nach vorne oder zurück verschieben (über die Pfeiltasten). Der Abspielmodus findet relativ zum globalen Tempo des Patterns und in verschiedenen Richtungen (vorwärts, rückwärts, alternierend, zufällig) statt:

Dass man auch alleine mit dem Beat- und dem Bass-Modul arbeiten kann, zeigt das Preset „96 She Is“, das im Song-Modus von Takt 9 bis 16 auf den Slicer verzichtet:

 

Da hatte ich auch wieder den Mastering-Kompressor Weiss DS1-MK3 von Softube eingeschaltet. Der Originalklang hört sich nicht so druckvoll, dafür aber differenzierter an …

 

… weil ich den Weiss ein wenig überstrapaziert habe. Das muss auch mal sein.

 

Patterns, Parts und Songs

Bislang haben wir uns überwiegend auf der Pattern-Ebene bewegt. In Egoist können 16 Patterns mit individuellen Konfigurationen der Module

  • Slicer,
  • Beat
  • und Bass
  • sowie der Effekte, besser gesagt: des Multieffekt-Sequencers,

angelegt werden. Über die Copy/Paste-Funktionen kann man dabei leicht Variationen aus den Kopien eines Patterns erzeugen. Jedes Pattern kann ebenso gut vollkommen eigenständig sein, also über eigene Samples im Slicer, ein individuelles Bass-Preset und Drum-Kit verfügen.

 

Kurz zum Arbeiten mit Copy/Paste, Zufall und dem kompletten Zurücksetzen: Rechts unten schaltet man zwischen den drei Modi um; hier ist der Pattern-Modus aktiv (roter Pfeil). Links daneben klickt man durch die 16 Patterns, den Tasten C1 bis Dis 2 zugeordnet (das hatten wir schon). Sequenzen können nicht nur innerhalb eines Patterns, sondern auch zwischen zwei Pattern übertragen werden. Man muss also nicht gleich das ganze Pattern kopieren, wenn man beispielsweise eine Variation erzeugen und dabei nur den Beat beibehalten will. Überall, wo kopiert, eingefügt und gewürfelt werden kann, kann man auch löschen (grüner Pfeil). Undo hilft, wenn man sich verklickt hat (gelber Pfeil).

 

Part- und Song-Modus helfen beim Arrangieren innerhalb von Egoist; das dürfte auch für die Standalone-Version und eine Live-Preformance interessant sein. Im Part-Modus schaltet man zwischen sechs Parts um (A bis F, gelb eingekreist), definiert mit der nächsten Taste, wie viele Steps eines jeden Patterns im angewählten Part gespielt werden sollen (rot eingekreist). Mit den anschließenden acht Tasten legt man die Pattern-Sequenz fest: Per Klicken und Ziehen ändert sich hier die Nummer (1 bis 16).

Das geht also recht einfach und ist übersichtlich. Denkt man an manche Hardware-Groovebox (ohne Bildschirm-Editor), so spielt Sugar Bytes hier die Vorteile der Maus-Editierung aus.

Im Song-Modus legt man über die kleinen Reiter oberhalb der Buchstaben-Tasten Anfang und Ende (und damit auch die Länge) des Songs fest. Die Buchstaben signalisieren die zuvor arrangierten Parts. Bis zu 16 Parts können zu einer Kette aufgereiht werden.

Arbeitet man mit Egoist als VSTi im Host-Sequencer, so bieten die internen Arrangements von Parts und Song eine Arbeitsvorlage.

Wie die Patterns gespielt werden, hängt von den Voreinstellungen ab.

Wenn Clock auf „external“ und „Host start“ eingestellt ist, spielt Egoist das Pattern synchron zum Host-Playback bei Berücksichtigung der Position. Das gilt aber nicht im Song-Modus. Eine Sequenz von Parts wird nicht zur Position des Host synchronisiert. Daher ist es besser, die Patterns über die Tasten einzuspielen und deren Reihenfolge in der MIDI-Spur des Host-Sequencers zu arrangieren.

 

MIDI-Steuerung mit Egoist und Einschränkungen beim MIDI/Audio-Export

Es ist nicht möglich, Patterns bzw. Sequenzen als MIDI-Patterns zu exportieren, geschweige denn per Drag & Drop in den Host zu ziehen. Das würde auch nur begrenzt Sinn machen, etwa, wenn eine Bassline mit einem anderen Synthesizer nachgespielt werden soll.

Genau das ist allerdings möglich, indem man Egoist als MIDI-Steuerquelle in einem fremden MIDI-Track einsetzt, der einem anderen externen Instrument zugewiesen ist.

Für die charakteristischen Glides des Egoist-Basses muss teilweise das Portamento im Zielinstrument angepasst werden.

Ein Pattern aus dem Egoist Preset „What´s not“:

 

Hier spielt ein Bass aus u-he Repro-1 die Bassline aus Egoist nach:

 

Beim Beat sieht es anders aus: Der Beat von Egoist beschränkt sich auf Bassdrum, Snare und Hi-Hat. Dass dieser Beat nicht exportiert werden kann, ist kein großer Verlust. Nicht, dass die Egoist-Grooves es nicht wert wären, es sollte nur kein allzu großes Problem darstellen, sie nachzuspielen.

MIDI-Exporte des Slicers würden noch weniger Sinn machen, ein Audio-Export (ohne Bass und Beat) schon. Hier fehlt mir eine globale Mute- oder Solo-Funktion für die drei Module. Will man die Instrumente separat exportieren, muss man manuell alle beteiligten Patterns entsprechend einrichten, also überall die nicht gewünschten Module ausschalten (und später wieder zuschalten). Das ist etwas aufwändig.

Ein separates Exportieren von Hi-Hat, Bassdrum und Snare geht eigentlich gar nicht. Einzelausgänge gibt es nicht. Da helfen nur mehrere entsprechend eingerichtete Egoist-Instanzen.

Der Mischer (in der Kopfzeile) …

… beschränkt sich wirklich nur auf an/aus Pegel und Effekt-Send – und zwar pro Pattern. Immerhin kann man auch diese Funktionen alle midifizieren oder automatisieren.

 

Spezialfall Slices

Was die einzelnen Slices betrifft, gibt es jedoch eine Extra-Funktion: Slices lassen sich von C3 an aufwärts einzeln triggern, und zwar, nachdem man auf das Tastensymbol in der linken unteren Ecke klickt.

Die Patterns mit ihren spezifischen Slices wählt man nach wie vor über C1 bis Dis 2 oder über ein Aufklappmenü bzw. die Pfeiltasten (s. Abb. oben). Im Slice-Playback-Modus werden jedoch keine Patterns, Parts oder Songs abgespielt. Er dient also nur dem manuellen Einspielen von Slices.

 

Weitere Anwendungsbeispiele

In der Library finden sich einige beachtlich weit ausgearbeitete Songs, wie etwa der Elektro-Flamenco „Crockbite“:

 

Sehr düstere Schamanen-Trommeln …

 

… einfach herrlich.

Aus diesem Song habe ich mir ein Pattern herausgegriffen:

 

Der mächtige Trommelsound wird durch Slices erzeugt. Ich habe das Pattern dreimal kopiert. Bei einer Variante habe ich die Slices neu gesetzt und Effekte hinzugefügt, bei einer anderen den Bass verändert und bei der dritten einen Aaah-Chor (Soniccouture Crowd Choir) in den Slicer geladen und verarbeitet. Anschließend habe ich eine Pattern-Reihenfolge in Cubase aufgenommen.

 

Mein neues Egoist-Projekt habe ich als Preset im User-Ordner von Egoist abgespeichert …

… anschließend drei weitere Egoist-Instanzen geöffnet, in diese das eben abgespeicherte Preset geladen und so eingestellt, dass ich ähnlich wie mit Einzelausgängen arbeiten und externe Effekte separat für die Egoist-Module verwenden kann.

 

Hier die einzelnen Arbeitsschritte (nur für die, die es genau wissen wollen):

Nun kopiere ich das MIDI-Pattern aus Egoist 1 in die drei anderen MIDI-Spuren und benenne die drei Instrumente in Egoist Slicer, Egoist Bass und Egoist Beat und Choir. Diese Namen werden auch im Fenster der Egoist-Instanzen oben angezeigt, und ich muss nun nur noch jeweils die anderen nicht benötigten Module für die vier Patterns, die ich verwende, ausschalten, also die Module Bass, Beat und Slicer (Choir) in der Instanz, die ich gerade „Egoist Slicer“ getauft habe. Dieser Prozess geht am schnellsten, wenn man alle vier Spuren auf Aufnahme schaltet und die Patterns der Reihe nach über die Tastatur anwählt.

Die Grooves des Slicers habe ich mit Eventide Fission, Cableguys Shaper Box und u-he Presswerk bearbeitet, beim Beat-Modul AAS Objeq Delay und Rob Papen Delay eingebaut sowie mit FabFilter Pro-Q2 den Frequenzgang korrigiert. Dem Bass habe ich mit bx_subsynth etwas mehr Fundament verliehen, ihn mit dem Cableguys PanShaper im Panorama animiert und mit Presswerk verdichtet.

Das Ergebnis:

 

Dieser Slices-Groove hört sich auch bei 70 BPM noch sehr wuchtig an. Hier habe ich ihn mit ein paar Vocal-Passagen aus Soundiron Voices of Rage, einer Bassline aus Sugar Bytes Cyclop und einem polyrhythmischen Arpeggio (Nord Lead 4) ergänzt. Achtung: sehr laut.

 

Nach so viel Exzentrik noch etwas Normaleres, bevor wir zum Fazit kommen: Werksvorlagen aus Egoist.

 

Den Kontrabass liefert der Slicer. Das Bassmodul spendiert hingegen die kleinen Farbtupfer im ersten Pattern; die Rhythmik kommt vom Beat-Modul.

Klickt man in die Wellenform hinein, wird das betreffende Slice abgespielt (1-16). Auf diese Weise kann man sich gut orientieren und die passenden Slices für eine eigene Sequenz herauspicken. Die gelbe Markierung rechts stellt den Endpunkt dar (rot eingekreist). Verschiebt man diese, so erweitert oder verkleinert man den Abschnitt, aus dem Slices herausgegriffen werden (etwa durch den Sensitivity-Regler oder per Zufallsfunktion).

Für das nächste Audiodemo habe ich die Slices des Kontrabasses modifiziert und um eine Oktave nach unten transponiert. Beim Percussion-Kit habe ich die Instrumente ausgetauscht und einen neuen Beat eingezeichnet, das Bass-Modul für kurze tonale Effekte eingesetzt und von den Multieffekten vor allem Chorus und Hall verwendet:

 

Dass man mit Egoist auch völlig verrückte Sachen machen kann, beweist dieses Preset mit dem Titel „Absolute RMX“, bei dem die Sequenzen im raschen Wechsel und auch mal rückwärts ablaufen:

 

Ein solches genialisches Chaos muss nicht sein – es geht auch ganz geordnet, wie etwa hier mit dem Preset „Bassline“, das sehr schön die eingangs beschriebenen, langgezogenen Glides über mehrere Steps hinweg einsetzt:

 

Ein Part aus „Myster“ bei halsbrecherischen 150 BPM:

 

Frisch, unverbraucht, unkompliziert: „Volf“

 

Das polyphone E-Piano stammt übrigens vom Slicer, der hier einen Audioclip mit funky Akkorden verwendet. Volf verfügt leider nur über drei Pattern. Doch mit ein wenig Übung hat man daraus im Handumdrehen mehr gemacht: Um Variationen zu erzeugen, lässt man diese Sequenz einfach rückwärts ablaufen (dann werden auch die Slices rückwärts ausgelesen) und kopiert das Pattern auf einen freien Slot, wo man dann mittels Sensitivity und Würfeln eine neue Akkord-Sequenz erstellt. Anschließend bastelt man sich einen Part. Für den ganzen Prozess braucht man gerade mal fünf Minuten.

 

So könnte man noch ewig weitermachen. Es gibt in der Egoist-Library kein Preset, das nicht hörenswert wäre oder zu eigenen Entwürfen inspiriert.

 

Fazit

Sugar Bytes Egoist ist eine sehr eigenständige virtuelle Groovebox, ein kleines aber feines Klanglabor, das praktisch endlose Variationen rhythmischer, frischer Sequenzen generiert. Egoist zielt auf Club und Dance, darüber hinaus sind auch experimentelle Anwendungen, speziell durch die Einbindung eigener Samples oder Audioclips möglich. Für die Fragmentierung des Audiofutters und dessen Reinkarnation als groovige Sequenz sorgt der Slicer und der Multieffekt-Sequenzer.

Skalengetreue Basslines in TB 303- oder SH 101-Manier bis zu abgedrehten Melodiesequenzen liefert das Bass-Modul. Es ist erstaunlich, was der Ein-Oszillator-Synthie mit Sägezahn oder Rechteckwelle von sich gibt – sehr kernig, kräftig und, hoch transponiert, auch mal eigentümlich zwitschernd oder apokalyptisch kreischend wie ein Schwarm elektrischer Vögel. Für den packenden Sound sorgen auch die gelungenen Filteremulationen.

Kantig, kernig und zupackend sind die Drums des Beat-Moduls, das für sich alleine mit mancher guten Beatbox mithalten kann. Immerhin gibt es 15 Kits und mehr als 1000 Samples. Damit ist man erst einmal versorgt und wird vieles entdecken.

Die Effekte sind keine nette Dreingabe, sondern ein zentraler Bestandteil der Klanggenese. Auch hier gibt es wieder ein leistungsstarkes Filter, dazu Echo, Hall, Chorus, Bandstop, Looper und Lo-Fi. Alles in bekannt hochwertiger und vielfach club-erprobter Manier à la Effectrix oder Turnado.

Die Bedienung ist kein Buch mit sieben Siegeln. Der Groovebox-Kundige findet sich schnell zurecht, andere werden ohne Haareraufen ein paar Blicke ins gut geschriebene Handbuch riskieren.

Mit Egoist kann man auch nach Monaten intensiver Klangforschung noch Neues entdecken, schon alleine wegen des Sampleimports und des Slicers. Es mangelt nicht an Gestaltungsoptionen, doch die Architektur ufert nicht aus, hier lauern keine Fallstricke, und auch der CPU-Hunger hält sich in vorbildlich engen Grenzen.

Dank interner Pattern-Part-Song-Struktur sind auch komplexe Arrangements ohne Host-Sequencer möglich, was insbesondere für Live-Anwendungen und dann mit der Standalone-Version eine zusätzliche Option ist. Die Performance hebt durch eine umfangreiche MIDI-Steuerung fast aller Parameter richtig ab.

Was mir persönlich fehlt, sind Einzelausgänge oder globale Solo-Schalter für den separaten Audio-Export der einzelnen Instrumente einschließlich Snare, Bassdrum und Hi-Hat. Wer mit Egoist aufwändige externe Bearbeitungen vornehmen will, muss einen Umweg, etwa über mehrere Instanzen, in Kauf nehmen.

Alles in allem ist Egoist als kombinierter Sample-Slicer-Bassline & Beat-Generator ein frischer, eigenständiger Gegenentwurf zu manch dschungelartig verflochtenem Mitbewerbern oder teuren Hardware-Grooveboxen. Der Preis ist fair.

Testautor: Andreas Ecker

Plus:

  • einzigartige Kombination aus Sample-Slicer, virtuell-analogem Bassline-Generator, samplebasierter Beatbox und Multieffekt-Sequenzer
  • kerniger virtuell-analoger Sound (Bass)
  • gute Filteremulationen (Bass)
  • Import eigener Samples / Audioclips in den Slicer
  • vergleichsweise einfache Bedienung
  • interner Pattern-, Part- und Song-Arranger
  • geringer Anspruch an die CPU
  • livetauglich (Standalone-Version)
  • fairer Preis

Minus:

  • keine Einzelausgänge

Preis: 99.- EUR (UVP, Stand April 2018)

System:

Win 7 aufwärts, Mac ab OS X 10.6.7

Formate: AU, VST2, AAX, Standalone

32 und 64 Bit

Hersteller: Sugar Bytes

Produktseite

Einige Screenshots wurden mit TechSmith Snagit bearbeitet.

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