Anwendungsbeispiel: Patcha Mama – Teil 2
Ein Tag später:
Bevor ich weiterarbeite, muss ich eine generelle Korrektur der Lautstärken vornehmen: Der Precision Limiter im Masterkanal zeigt an, dass er den Pegel in der Spitze um 10 dB absenkt. Das Limiting verfälscht das gesamte Klangbild.
Ich regele alle Gruppen und die Effektkanäle um 10 dB herunter. Dort wo Automationen vorliegen, ziehe ich die Kurven mit allen Punkten nach unten (bei Cubase funktioniert das, indem man einen Rahmen um die Punkte zieht. In der Mitte des Punktefeldes taucht dann ein Anfasser auf).
Ich höre mir das gesamte Stück noch einmal an und finde zwei Stellen, die ich noch dringend ändern muss: Zum einen den Woosh-Sound zu Beginn, der nach einem schrillen Eisenbahngeräusch klingt, zum anderen die Abfolge des „Ladies Solo“ und des „Refrains“. Hier schreit der Sänger beinahe, hebt sich jedoch nicht ausreichend dominant zu den vorangehenden weiblichen Vocals ab:
Außerdem klingt der Einsatz der männlichen Stimme unangenehm phasig. Dafür ist der künstliche Countertenor, den ich mit Trax generiert habe, verantwortlich. Ich blende ihn per Lautstärkenanimation einfach etwas sanfter ein, wodurch der unerwünschte Phasing-Effekt nicht mehr so bewusst wahrgenommen wird.
Als nächstes erhöhe ich für die Lead-Vocals das Makeup-Gain des Frontmikros der Tverb Instanz, ebenfalls per Automation und nur für diese Passage. Dadurch verschiebt sich die Relation zwischen Raum- und Frontmikrofon zugunsten des Direktsignals.

Nun möchte ich die Stimme doppelt oder breiter machen. Auf die üblichen Doppler habe ich aber keine Lust; es soll etwas extravaganter klingen.
Zunächst lege ich einen weiteren Effektkanal an und route die Leadvocals zu diesem (über einen Send-Weg). In den Effektkanal lege ich GRM Space Grain:

Der Effekt projiziert temposynchrone Echos mit einer Dauer in Notenwerten und einer Transponierung um eine Oktave nach unten im Panorama. Eigentlich blüht Space Grain erst bei Mehrkanalanwendungen richtig auf, doch auch im Stereobetrieb kann man damit schöne, bewegliche Echocluster generieren.
Zusätzlich verwende ich wieder GRM Shuffling mit leichter Tonhöhenmodulation und mit ebenfalls in etwa temposynchronen Echos (die sich hier leider nicht in Form von Notenwerten eingeben lassen; man muss sie also errechnen. Leider ist der Taschenrechner gerade nicht aufzufinden. Wie schön, dass ich mir vor Jahren mal eine Tabelle mit BPM, Notenwerten und Millisekunden angelegt habe).

Damit diese Effekte etwas wärmer klingen, füge ich vor die beiden GRM-Tools noch die Bandsimulation Reel ADT von Abbey Road / Waves hinzu (also nun doch einen klassischen Vintage-Doppler); das Preset Vocal Rock Ghost passt recht gut.

Und so hört es sich nun an:
Damit die Extraeffekte nicht das ganze Stück zukleistern, blende ich sie per Lautstärkenkurve des Effektwegs nur für diese spezielle Passage ein und aus.
