Das schrumpfende Studio: Hat die Hardware ausgedient?

Synthesizer, Modularsysteme und die gute alte Wersi

Anderswo können Sie ohne Risiko von Klangverlust den Rotstift ansetzen. Beim Synthesizer können sie sich auf ein Einzelstück beschränken – und das auch nur für die Haptik und den Spaß beim Knöpfchendrehen, nicht etwa, weil Sie sonst keinen wirklich lebendigen Sound einspielen könnten.

Ein Dave Smith, Clavia oder Moog sollte reichen. Etwas anders sieht es auf der Bühne aus, wenn man alles lieber im Direktzugriff hat und das Hochfahren des Rechners nach dem Stromausfall ein No-Go ist. Ach ja, dieser Artikel ist ebenso wenig für Heimmusiker geschrieben, die ihre Wersi mit Begleitautomatik liebgewonnen haben und unter Maus- und Monitorphobie leiden. Das gute Stück darf und muss natürlich bleiben. Geht´s Ihnen um halbautomatisches Komponieren, dann finden Sie auch wieder rechnergebundene Alternativen mit regelrecht ausufernden Möglichkeiten – wie etwa Band in a Box.

Liebhaber analoger Hardware wird dieser Artikel sicher trotzdem nicht vom Kauf eines Modularsystems, Vintage-EQs und -Kompressors oder gar sündhaft teurer Kabel für das letzte Quäntchen Übertragungsqualität abhalten, und das ist auch völlig in Ordnung, den liebhaben kann man solche Hardware einschließlich der Synthesizer schon. Ich möchte auch nicht verhehlen, dass ich gelegentlich manche Hardware, die ich seinerzeit besaß, vermisse. Da geht es mir ein wenig wie dem oben karikierten Fairchild-Käufer: Es ist die physische Präsenz, die fehlt, und die – anders als die Grafik eines Plug-ins – an alte Zeiten erinnern würde. Was mir nicht fehlt, sind die klangerzeugenden oder klanggestaltenden Möglichkeiten.

Und wer, über sein Modularsystem gebeugt oder ehrfürchtig davor knieend, sich strippenziehend und -stöpselnd auf elektroakustische Expeditionen begibt, soll bitte damit weitermachen, nicht nur weil er selbst das braucht, um sich psychisch ausbalanciert zu fühlen, sondern weil es auch immer noch Randgruppen unter der Zuhörerschaft gibt, welche die Ergebnisse solchen Schaffens in Kenntnis der besonderen Umstände, unter denen die Musik hervorgebracht wurde, zu würdigen wissen. Überhaupt ist die beste Musik seit jeher und insbesondere in den letzten Jahrzehnten von Randgruppen für kleine Zuhörerschaften gemacht worden. Die Masse der Musikkonsumenten aber braucht so etwas nicht, ebensowenig die Mehrzahl der Musikschaffenden.