Interview: Peter Mahr – greatsynthesizers.com

Musikerseiten gibt’s fast wie Sand am Meer. Wer hier mitmischen will, bringt im Idealfall neue Ideen, ein gutes Team und mindestens ein Alleinstellungsmerkmal mit. Heute ist greatsynthesizers.com online gegangen und ich wollte die Gelegenheit nutzen, um dem Inhaber ein paar Fragen zum Konzept zu stellen.

Peter Mahr, der Inhaber von greatsynthesizers.com und ich kennen uns bereits seit vielen Jahren. Ich mag Peters perfektionistische Art Musik zu machen. Mit der Fotografie haben wir beide zudem eine zweite Leidenschaft entwickelt, die uns nicht mehr loslässt. Bei so viel „Verwandtschaft“ ist es kein Wunder, dass ich mich über dieses Interview besonders freue, denn damit ergibt sich für mich die Gelegenheit, das Projekt eines Freundes vorzustellen.

Peter, wie zum Teufel kommst du auf die Idee, noch eine Musikerseite ins Web zu stellen, gibt’s davon nicht schon genug?

Nun … ob es deren genug gibt, das werden letztendlich immer die Leser entscheiden. In der Tat gibt es aber mittlerweile eine Vielzahl sehr guter und informativer Webseiten. Allerdings beobachte ich gerade in diesem Bereich in den vergangenen Jahren den Trend zur Diversifikation. Unser Ansatz, uns, das sind Theo Bloderer und meine Wenigkeit, geht exakt in die diametrale Richtung. Der Name ist Programm. Wer auf unsere Seite kommt, der ist nicht auf der Suche nach einem Mikrophonvorverstärker oder dem besten Gitarren-Pickup, sondern der will sich über Synthesizer informieren, analog oder digital, monophon oder polyphon, vintage, modular, wie klingt der Sound von Instrument A im Vergleich zu dem von Instrument B, usw. Genau diese Vergleichsmöglichkeit bieten wir mit dem Listening Room, unserer Audiodatenbank. Um aber dennoch eine größere Anzahl an potentiellen Lesern zu erreichen, bieten wir unser Magazin bilingual (englisch und deutsch) an.

Ist die eben nicht große Musikernische groß genug, um sich hier auf einen noch kleineren Bereich – eben nur Synthesizer – zu fokussieren?

Die Frage stellt sich so für uns nicht. Das Thema unseres Magazins ist deckungsgleich mit unseren Interessen. Lass es mich so erklären, wir sind zusammen mindestens 50 Jahre von diesen Instrumenten und elektronischer Musik fasziniert. Neben den Erfahrungen sind auch unsere Netzwerke gewachsen, über den zentraleuropäischen Bereich hinaus, was mit ein Grund dafür ist, dass wir unser Magazin in zwei Sprachen anbieten.

Wer unterstützt dich?

Da muss ich jetzt der Vollständigkeit wegen etwas ausholen. Die ursprüngliche Idee stammt zwar von mir, aber ein Telefonat später war klar, dass das ein Projekt von Theo und mir werden wird. Wir waren etwa zur selben Zeit beide damit beschäftigt unsere bestehenden Internetseiten zu erneuern. Schnell war klar, dass es ein hohes Maß an Übereinstimmung gab und der Rest war dann „nur“ mehr Arbeit. Um aber auf Deine Frage zurück zu kommen, d.h. der Kern besteht derzeit aus uns beiden. Hinzu kommen Gastbeiträge, dazu kann ich zum jetzigen Zeitpunkt allerdings nicht mehr verraten und dann gibt es natürlich noch die Übersetzer. Wir verwenden ürbigens keine Online Übersetzungstools, sondern professionelle Übersetzer. Der Aufwand ist kein geringer wie Du Dir vorstellen kannst. Vor allem auch im Bereich des Einpflegens der Daten und die Umsetzung mittels WordPress … Aber wir wollen ja hier nicht über WordPress sprechen und außerdem möchte ich mir meine gute Laune bewahren :-).

Was ist dein Konzept, bzw.: Was willst du anders machen, als die Mitbewerber?

Wie schon eingangs erklärt, in erster Linie ist unser Hauptunterscheidungsmerkmal ein klarer Fokus. Was uns auch unterscheidet, ist der „Listening Room“, der in dieser Form bis dato in kaum einem Online Magazin angeboten wird, wenn überhaupt. Dazu vielleicht ein paar Worte mehr, damit man sich dessen Funktion etwas besser vorstellen kann … Ich beginne einmal bei der Oberfläche. Wir haben dafür ganz bewusst das Layout des Magazins gebrochen und versuchen die Aufmerksamkeit des Besuchers in visueller Hinsicht möglichst gering zu halten. Die Konzentration soll so mehr auf die Audiofiles gerichtet sein.

Nun, was kann man sich im „Listening Room“ anhören? Das können ganze Stücke sein, entweder nur mit einem einzelnen Instrument eingespielt (Mehrspur), ebenso Tracks in denen verschiedene Synthesizer zur Anwendung gelangen, bis hin zu typischen Soundkategorien die es dem Besucher ermöglichen sollen z.B. Bässe, Syncsounds, Pads etc. zu vergleichen. Natürlich sollen auch Freunde modularer Systeme nicht zu kurz kommen. Diese Audiodatenbank wird mit der Zeit, mit jedem Test und nicht nur damit wachsen. Ich denke, dass uns mit diesem Tool ein gewisses Alleinstellungsmerkmal geglückt ist. Es würde vor allem mich freuen, wenn es den Anklang findet den wir uns erhoffen.

Welchen Stellenwert haben bei dir Newsmeldungen?

Nebenschauplatz. Im Vordergrund stehen für uns die auf den Fokus ausgerichteten Testberichte und Interviews. Allerdings gibt es bei uns auch eine gewisse, ich nenne es … „Entschleunigung“. Die Leser werden sich jetzt vermutlich wundern, wie jetzt? News sind nicht wichtig? Natürlich sind sie das. Dafür gibt es online ausreichend gute Quellen und wir wollen mit diesen nicht in einen Wettkampf treten. Zudem ist es unser Ziel, dass sich Besucher die Zeit für die nicht eben kurzen Testberichte und Interviews nehmen … Da würde ein Newsgehetze nicht ins Bild passen, daher der Begriff „Entschleunigung“.

Hast du ein bestimmtes Vorgehen bei Testberichten – z. B. eine Schablone, die Stück für Stück abgearbeitet wird, oder schreiben deine Autoren und du komplett frei?

Ich bin kein Fan von Schablonen, auch wenn diese bis zu einem gewissen Grad ihre Daseinsberechtigung haben. Wir werden aber natürlich laufend Verbesserungen überlegen und Bestehendes hinterfragen.

Habt ihr ein bestimmtes Bewertungskonzept?

Das ist derzeit nicht angedacht und wenn es nach mir geht kommt es auch nicht. Darauf näher einzugehen würde aber vermutlich den Rahmen sprengen.

Danke für das Gespräch und viel Erfolg für greatsynthesizers.com!

Jörn Daberkow

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