Test: Audified STA Effects 2

STA steht für „Summed Tube Amplifier“ – hier geht es also um die Kombination von Effekten mit einer Röhrenverstärkung.

Schon im Test der ersten Generation machten die STA Effects eine gute Figur. Sie liefern einen warmen Klang mit unverkennbarer Röhrencharakteristik.

Dieser Test konzentriert sich auf die Neuigkeiten. Weiterführende Beschreibungen zu Funktionen, wie etwa den verschiedenen Wellenformen bei Chorus und Flanger, finden Sie in unserem Test zum Vorgänger, auch weitere Audiodemos.

Zur zweiten Generation erklärt Audified, dass hier vor allem Kundenwünsche umgesetzt wurden , allerdings ohne weiter auszuführen, worum es sich dabei genau handelt. Die offensichtlichen Neuerungen sind die Erweiterung der Palette um ein Röhren-Echo und eine komplette Umgestaltung der Oberfläche.

 

 

STA Preamp, alte Version (oben) und der neue Look:

Die neue Version hat zudem Pegelregler für den Ein- und Ausgang erhalten – eine wenig spektakuläre aber sehr sinnvolle Erweiterung. Denn zuvor konnte man nur über den Saturation-Regler die Lautstärke beeinflussen und musste darauf achten, dass kein allzu lautes oder zu schwaches Eingangssignal anlag.

Recording und Studiotechnik

Die STA Effekte benutzen intern zwei Signalwege: Zunächst wird einer davon moduliert (wie etwa beim Chorus) oder im Frequenzspektrum bearbeitet (wie beim Enhancer), der andere nicht. Danach werden die beiden Signale zusammengeführt und durchlaufen die Röhrensimulation.

Die fünf Röhrencharakteristika können nun bequemer gewechselt werden. Zuvor waren sie über ein Aufklappmenü erreichbar. Geboten werden folgende Charakteristika:

  • Presence (markante Unterstützung des Obertonspektrums und der Höhen, geeignet z. B. um Vocals präsenter zu machen),
  • Vintage (weicher und wärmer),
  • Brown (ausbalanciert mit leichter Höhendämpfung),
  • White (ausbalanciertes Verhältnis gerader und ungerader Obertöne, stärkere Höhenanhebung; geeignet für in den Höhen detailreiche Sounds) und
  • Lo-Fi (tendenziell mittig: tiefe und hohe Frequenzen werden abgesenkt).

Die alte Version wird mit der Installation der neuen nicht überschrieben. Man hat anschließend zwei STA-Effekte mit identischer Bezeichnung im Arsenal. Unter Cubase 8.5 führt das dazu, dass man mit einer Wahrscheinlichkeit von 50% den falschen Effekt lädt, unter anderen DAWs dürfte es ebenfalls zu solchen Verwechslungen kommen. Die alten Plug-ins sollte man dennoch nicht löschen, denn wie sich im Verlauf dieses Test noch zeigen wird, gibt es tatsächlich auch Klangunterschiede.

 

Der STA Preamp

Ein Preamp ist traditionell nicht gerade die erste Wahl zur Bearbeitung eines Mixes, doch für Demonstrationszwecke macht eine vollere Instrumentierung den Effekt deutlicher, als beispielsweise eine reine Gesangsbearbeitung. Deshalb habe ich aus Ueberschall Vocal Dance Hits 2 Beat, Bass und Vocals zusammengestellt und zunächst den Preamp der ersten Generation (im Vintage-Modus) verwendet:

 

Dabei tut sich bereits das oben beschriebene Problem auf: Die Ausgangslautstärke des Mixes reicht nicht aus, um die virtuelle Röhre zu einem deutlichen Effekt zu bewegen. Die VU Meter schlagen kaum aus. Das Signal wird eher dezent aufgewertet, und das mit dem Saturation-Regler im Rechtsanschlag.

Beim neuen Preamp klingt es bei derselben Einstellung (Level-Regler auf 0 dB) bereits eine Spur kräftiger. Der Röhreneffekt wird deutlicher. Erst bei einer Reduzierung der Sättigung auf 30% ähneln sich die Effekte, wobei der STA Preamp 2 immer noch einen Tick fleischiger klingt. Die VU Meter schlagen dann bis zu -3 dB aus. Hier der neue STA Preamp bei 30% Saturation:

 

Eine Eingangsverstärkung um 3 dB, Saturation bei 80% (und VU-Meter bis 0dB) klingt ausgesprochen fett.

 

Hier habe ich den neuen STA Chorus …

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… für den monotonen Bass eingesetzt (ab Takt 5), der dadurch deutlich mehr Gewicht erhält, räumlicher und breiter wirkt.

 

Der STA Flanger …

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… als Alternative für den Chorus:

 

Der alte STA Enhancer hatte mir besonders gut gefallen; das ist beim neuen Modell nicht anders.

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Er ist immer dann eine gute Wahl, wenn ein muffiger Sound aufpoliert werden soll. Auch Gesangsaufnahmen profitieren von diesem Plug-in. Hier setzt er bei Takt 5 ein:

 

So sieht der neue Phaser aus …

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… der wie Chorus und Flanger auch temposynchron (Notenwerte, auch triolisch aber nicht punktiert) betrieben werden kann. Ich setze ihn hier mit einem Durchgang pro 1/4 Note für die Drums ein und mische Röhrensättigung hinzu. Ein Vintage-Psychedelic-Effect.

 

Wir kommen zum Höhepunkt der Erweiterungen: Das STA Delay hat natürlich auch die Röhre eingebaut und verfügt neben den Standard-Parametern Tempo (wahlweise frei oder synchron), Feedback (hier mit „Decay“ bezeichnet) und Mix („Intensity“) mit dem Stereo-Regler über eine dosierbare Verteilung der Echos im Panorama sowie über ein Filter-Duo: Mittels Low- und High-Pass kann man für den Echo-Weg tiefe und hohe Frequenzen beschneiden. Starke Verfremdungen sind dabei allerdings mangels Resonanzregler nicht möglich. Über Ping Pong lässt man das Echo die Seiten wechseln, per Tap kann man eine manuelle Verzögerungszeit einklopfen bzw. einklicken. Wet Only macht Sinn, wenn man das Echo als Send-Effekt benutzt.

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Hier habe ich das Echo bei den Drums ab Takt 5 eingesetzt und danach langsam den Intensitätsregler von etwa 40 auf 100 Prozent aufgedreht.

 

Das Audiodemo läuft über drei separate Stereo-Ausgänge der Ueberschall Elastik-Engine.

Im folgenden Demo habe ich für die Drums noch einen zusätzlichen STA Enhancer eingesetzt, der die Bässe relativ stark, die Höhen spürbar anhebt. Für den Gesang habe ich neben dem Enhancer noch ein Echo eingesetzt und das Decay moduliert. Dem Bass habe ich einen Preamp spendiert. Alle STA Effekte setzen bei Takt 5 ein:

 

Fazit:

Für einen zwar deutlich gestiegenen aber immer noch überschaubaren Preis erhält man nunmehr sechs erstklassige Plug-ins: Preamp, Chorus, Flanger, Phaser, Enhancer und das neue Delay.

Die Kombination aus Effekt und Röhrensättigung produziert einen ausgesprochen musikalischen Klang, der besonders im Vintage-Modus angenehm warm klingt. Durch die Klangfarbenänderung per Knopfdruck (Charakteristika Presence, Vintage, Brown, White und Lo-Fi) findet man für jedes Instrument und jeden Mix die richtige Alternative. Eine mäßige, höhenarme Gesangsaufnahme profitiert beispielsweise vom Presence-Modus und klingt dadurch deutlich detailreicher, näher und intimer.

Die Klangqualität der STA-Effekte gehört mit zu dem Besten, was Vintage-Effektemulationen derzeit zu bieten haben. Durch die Regulierung des Input kann man den Röhreneffekt nun wesentlich besser dosieren und auch bei leiseren Signalen einsetzen.

Das neue Echo, natürlich auch mit Röhre, temposynchron, wahlweise im Ping-Pong-Betrieb und mit Hoch- und Tiefpass-Filtern, ist ein respektabler Zugewinn.

Die Bedienung ist denkbar einfach. Einzig die Temposynchronisation in Notenwerten, die nicht über den Tempo-Regler, sondern über ein Aufklappmenü eingerichtet wird, ist ein wenig umständlich und verhindert Glitch-Effekte, die entstehen würden, wenn man den Notenwert per Automation schlagartig ändert.

Delay und Preamp sind auch separat erhältlich. Bevor man jedoch rund 50.- Dollar in den STA Preamp 2 investiert, sollte man sich das inValve Effect Bundle ansehen bzw. als Demo installieren, denn hier ist auch ein guter Preamp enthalten und dazu noch ein Equalizer und Kompressor.

Der aktuelle Preis von 129.- US Dollar (rund 20.- EUR pro Effekt) ist trotz der deutlichen Steigerung angemessen und fair. Für Besitzer der erste Generation gibt es teils stark vergünstigte Upgrades – abhängig vom Kaufzeitpunkt.

Testautor: Holger Obst

Plus:

  • warmer Vintage-Sound
  • exzellenter Preamp und Enhancer
  • verschiedene Klangcharakteristika
  • einfache Bedienung
  • geringe CPU-Last

Minus:

  • Einstellung der Notenwerte zur Tempoynchronisation nur über Aufklappmenü

Preis: 129.- US Dollar

Formate:

  • Mac/PC
  • AAX, VST 2, VST 3, AU
  • 32 und 64 Bit

Hersteller: Audified

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