Test: Sugar Bytes Obscurium

Sequenzielle und vielfach modulierbare Effekte sowie Hybrid-Synthesizer sind das Markenzeichen von Sugar Bytes. Obscurium kombiniert Beides und bietet sich obendrein als Steuerzentrale für andere, externe Klangerzeuger an – von akustischen Drums bis zum Analogsynthie. Praktisch alles, was Töne produziert, entfaltet unter Obscurium ein ungeahntes Eigenleben.

Hier spielt Obscurium mit Rob Papens Hybrid-Synthesizer Blue:

 

Obscurium steuert also externe Klangerzeuger sowohl in der Standalone-Version als auch als Plug-in. Dabei können Parameter der externen Instrumente aus Obscurium heraus moduliert werden.

Obscurium verfügt aber zunächst über eine eigene Klangerzeugung. Diese ist zwar im Vergleich zu andren Klangerzeugern des Hauses Sugar Bytes etwas schmaler ausgefallen, produziert aber dennoch respektable Sounds: Achtsimmige, breite Sägezahn-Wellenformen, Puls, Supersaw und FM Synthese sind an Bord. Neben Oszillatorparametern stehen modulierbare Filter und Effekte zur internen Klangformung bereit.

 

Vorläufer und Obscurium

Klangerzeugung mittels verschiedener Syntheseverfahren, gekoppelt mit einer extravaganten und umfangreichen Modulation, ist eines der Markenzeichen von Sugar Bytes, zu finden und in großem Stil umgesetzt bei Factory. Den virtuellen Hybrid-Synthesizer mit ausgewachsener und global modulierbarer (!) Modulationsmatrix haben wir Ihnen bereits vorgestellt.

Einige Jahre zuvor haben die Effekt-Plugins Effectrix und Turnado das Licht der Welt erblickt, beides komplex modulierbare Multieffekte. Diese Effekte zielen auf Club/Dance, eignen sich aber auch für experimentelles, rhythmisches Klangdesign.

In Cyclop, einem weiteren Klangerzeuger mit ausgesprochen kernigem Sound, wurden bereits Effekt- und Modulationssequenzer integriert.

Obscurium setzt dem Ganzen nun noch (mindestens) eins drauf und richtet sich zentral an avantgardistischen Club/Dance. Zwar können die Klangverläufe haarklein konfiguriert werden, doch der Reiz von Obscurium liegt gerade in unregelmäßigen rhythmischen Passagen, die weg von monotonen Ohrwurm-Sequenzen führen und bei denen jedes neue Klangereignis eine erfrischende Überraschung sein kann. Solche Klänge werden über Zufallsgeneratoren oder intuitive Malereien im Sequencerfenster erzeugt.

Daraus ergibt es sich von selbst, dass Obscurium sich auch abseits der Clubs für Klangexperimente aller Art eignet. Eine Pop-Nummer kann beispielsweise mit einer Obscurium-Passage aufgepeppt werden und erhält dadurch etwas Besonderes, etwas, das sie von der Masse abhebt. Die Spanne der Anwendungen reicht bis zu Klanginstallationen. Mehrere Obscurium-Instanzen über ein Mehrkanal-Systen mit im Raum verteilten Monitoren – das würde ich gerne mal hören.

Auch wenn der Hersteller daran vielleicht nicht gedacht hat: Entsprechend verlangsamt und mit externen Effekten wie Evolution von GRM Tools oder Kaleidoscope von 2C Audio kann man sogar esoterische Kompositionen mit Tendenz zum Meditativen komponieren, quasi halbautomatisch. Obscurium muss nur ein wenig global moduliert werden, um abwechslungsreiche, reizvolle Klangereignisse auftauchen und wieder verschwinden zu lassen. Post New Age & Wonderland of Tones. Ach ja, die Filmvertonung hatte ich vergessen. Filmmusikkomponisten sollten auch weiterlesen oder sich gleich die Demo-Version herunterladen.

Sind Sie neugierig geworden? Auch wenn wir hier bei Stereo bleiben und die Klanginstallation notgedrungen außen vor lassen?

Recording und Studiotechnik

Zur Auflockerung: Obscurium zusammen mit einigen Loops aus Ueberschall Sounds of Berlin. Beide habe ich mit der Black Box Analog Design HG-2 bearbeitet, Obscurium darüber hinaus mit dem ProAudio DSP Dynamic Spectrum Mapper.

 

Hier wird zwischen zwei Klangkonfigurationen per LFO über zwei Takte hinweg vor- und zurück gemorpht:

 

 

Der Sequenzer und seine Verflechtungen

Während bei anderen Synthesizern Modulations-Sequencer eher eine Randerscheinung bzw. eine Zusatzoption darstellen, steht ein solcher bei Obscurium im Mittelpunkt. 16 parallel laufende Sequenzen verfügen über jeweils 32 Steps. Wenn ich oben geschrieben habe, dass Obscurium nicht für monotone, besonders eingängige Beats gemacht ist, muss ich hier einschränken, dass diese sehr wohl möglich sind, im Zweifelsfall einfach über eine Verkürzung der Sequenz auf 2 Steps, denn es müssen nicht unbedingt 32 Schritte sein.

Rechts finden sich die Zielparameter, die der jeweiligen Spur des Modulationssequenzers zugewiesen sind:

Einige davon sind selbsterklärend, andere nicht:

ARP definiert den Offset des Tonumfangs des Arpeggiators (bis zu maximal +3 Oktaven). Da der Sequencer selbst Tonfolgen samt Akkorden generiert, ist dieser zusätzliche Arpeggiator bewusst überschaubar gehalten. Die Einstellungen finden sich im EMP ENV Menü.

Die Arpeggiator-Hüllkurve (AHR) wird durch die Trigger-Buttons unterhalb des großen Modulationssequencers gestartet. Das folgende Bild zeigt einen Ausschnitt:

Die MIDI Hüllkurve wird klassisch durch einen Note On getriggert.

Links im kleinen Menü gibt es einen vertikalen Mix-Slider, er zwischen den Formen beider Hüllkurven überblendet. Über die drei Taster neben den Linien der ARP-Hüllkurve werden die einzelnen Zeiten (Attack, Hold, Release) über die MOD-Sequenz moduliert. Man sieht bereits, es gibt Querverbindungen innerhalb von Obscurium, glücklicherweise ohne dass die Bedienung dadurch kompliziert würde. Im Übrigen kann man bei Bedarf Tool-Tips einschalten.

MOD zielt hier also auf eine Modulation der Modulationsparameter. Wenn man per Klick auf MOD die Modulatoren des betreffenden Modulationssequenzers anwählt, werden Fader für die Hüllkurve, Envelope, sowie Minumum- und Maximumregler sichtbar. Letztere bestimmen den Wirkungsbereich der Modulation. Dieses kleine Modulationsmenü findet sich in jedem der 16 parallelen Modulationssequenzer.

CHORD: Hier kann zwischen 24 verschiedenen Akkorden gewechselt werden. Die Tonart und den Stil der Akkorde, die hierzu generiert werden, findet man im Pitch-Menü:

Das Pitch-Menü bestimmt zudem die Stimmung des Oszillators und die Form der Übergangskurve bei Notenwechseln (Glide). „MIDI ONLY“ setzt den Tonhöhengenerator von Obscurium außer Betrieb. Dieser Modus ist zu empfehlen, wenn man konkrete Melodien oder Akkorde einspielen will. Die Tonhöhen können dann nicht mehr über die Punkte im Modulationssequencer gewechselt, wohl aber noch über die internen Modulatoren moduliert werden.

POLY bestimmt die Anzahl der Noten pro Step. Wenn Obscurium über den Arpeggiator oder den Chord-Modus eine Mehrstimmigkeit entwickelt, kann man diese hier einschränken oder erweitern. So lassen sich komplexe Akkordfolgen Schritt für Schritt definieren.

MIX blendet zwischen den beiden Oszillatoren (VA und FM) über.

Es folgen mit SNCFRQ, PW und WAVE die Parameter des analogen Oszillators: SNCFRQ synchronisiert die Wellenform des virtuell-analogen Oszillators, PW kontrolliert dessen Pulsbreite und WAVE blendet zwischen Sägezahn- oder Pulswelle und Supersaw-Welle über (vorausgesetzt, der Spread-Regler befindet sich nicht im Rechtsanschlag, dann bleibt es nämlich bei Supersaw, und die WAVE-Modulation wird unwirksam.

Zeit, einen Blick auf die Oszillatoren zu werfen:

Diese sind, wie eingangs erwähnt, nicht üppig ausgestattet und entfalten ihre Wirkung vor allem durch die Modulationsmögichkeiten. Wie weit der interne Klangkosmos reicht, werden wir später noch anhand einiger Presets ausloten.

FMX steuert die Trägerfrequenz der drei FM-Operatoren.

FM1 kontrolliert die Stärke der Frequenzmodulation, FM2 das Feedback der Operatoren. Via Feedback erzeugt man dichtere Klänge. Der FM Operator verfügt zudem über drei Schaltungen (per Routing), einen Harmonize-Modus und eine regulierbare Ratio.

Des Weiteren finden sich im Oszillator-Menü neben dem Panoramaregler die einfach gehaltenen Effekte Chorus, Echo und Hall.

 

Zurück zum Sequencer:

NOISE moduliert die Stärke und Klangfarbe des Rauschgenerators.

CUTOFF, RESO und TYPE (Low-, Band- und High-Pass) steuern die Filterparameter.

Über die dreieckigen Taster, welche die einzelnen Modulations-Parameter flankieren, kann man die betreffende Sequencerlinie (linker Taster) und deren zusätzliche Modulation (wie oben beschrieben, rechter Taster) aus- und einschalten.

Für weitere Bewegung sorgt der Morph-Slider:

Mit ihm fährt man zwischen zwei durch einfaches Einzeichnen definierbare Sequenzer-Konfigurationen hin und her oder moduliert den Slider über dessen eigene Modulatoren.

Im Morph Menü aktiviert man den Morph- und Shift-Slider (der sich am rechten Rand der Bedienoberfläche befindet und über den die Modulatoren der einzelnen Modulationssequenzen verändert werden) und bestimmt die Richtung der Modulation. Im manuellen Betrieb funktioniert die Morph- und Shift-Modulation durch Bewegen der betreffenden Regler (auch via MIDI-Learn über externe Controller und damit automatisierbar).

Daneben gibt es einen temposynchronen LFO, eine AHR Hüllkurve und einen 8-Step-Sequencer:

 

Editieren der Sequenzen

Will man Parameterverläufe im Sequenzer einzeichnen, so kann man sofort loslegen, einen Parameter in der Leiste der Modulationssequenzen anklicken und dessen Verlauf einzeichnen. Es lassen sich natürlich auch einzelne Punkte verschieben.

Will man großzügiger zeichnen …

… so bieten die Zeichenwerkzeuge diverse Optionen:

  • wie weit die Punkte in der Vertikalen voneinander entfernt sind,
  • welche Gitterauflösung,
  • ob die Zeichnung zufällig oder linear verläuft bzw. ein Sinuskurve beschreibt.

Letztlich geht es hier um reine Klangexperimente. Die Logik der Zeichenwerkzeuge und eine bestimmte Vorstellung vom musikalischen Ergebnis steht abhängig vom Parameter, der moduliert werden soll, nicht unbedingt in einem musikalisch zielgerichteten Kontext, erst recht nicht, wenn man gleich alle Parameter neu zeichnet.

Anders sieht es aus, wenn man sich einen Parameter herausgreift, indem man „Draw all“ deaktiviert. Bei einer Filtermodulation machen Sinuskurven sicherlich Sinn, zeichnet man aber zugleich die Akkordart und die allgemeine Tonhöhe sowie das Mischungsverhältnis zwischen VA- und FM-Oszillatoren, entstehen eher ungewöhnliche quasi-zufällige Klangverläufe.

Die Zeichenkunst geht aber noch weiter: Über Modifiers kann man die (vertikale) Konfiguration zwischen einzelnen Steps austauschen, via copy und paste auch über Nachbarpositionen hinweg. Auch kann man vertikale Step-Konfigurationen nach links oder rechts verschieben. Die Anordnung der Modulationspunkte in der Vertikalen lässt sich zudem über drei verschiedene Modi variieren.

 

Superobscure

Superobscure bietet schließlich dosierbar zufällige Anordnungsmöglichkeiten.

Superobscure ist die beste Option, Wiederholungen auszuschließen:

Klickt man auf das Unendlichkeitssymbol, so wird die Sequenz bei laufendem Playback ständig neu gezeichnet. Nun braucht man nur noch einen der beiden Regler in Bewegung versetzen – oder beide: x steht für multiply und zieht die Punkte auf der Vertikalen auseinander, + steht für add und bewegt die Punkte insgesamt in der Vertikalen nach oben oder unten. Per Rechtsklick öffnet sich der MIDI-Lerndialog, mit dem man auf die Schnelle externe Controller zuweisen kann. Die Reglerbewegungen können natürlich auch per Maus erfolgen und als Automation aufgezeichnet werden.

Über die Würfel generiert man neue zufällige Sequencer-Patterns. Auch hier wird entweder die vertikale Position oder die vertikale Variation (Streuung) der Punkte randomisiert. Grid bestimmt, ob jeder Step (1) oder nur jeder sechzehnte Step (16) randomisiert wird. Es macht durchaus Sinn, die Würfel ebenfalls über einen externen Controller (Taster) zu steuern.

Damit Superobscure Spaß macht und kein Klangchaos entsteht, sollte man die Funktion nicht unbedingt auf alle Parameter anwenden. Fährt man etwa den Filter-Cutoff, die Filterresonanz oder Noise per Add-Regler hoch, so entstehen erwartungsgemäß auch schrille Töne oder ein kurzes, hochfrequentes Rauschen. Die andren Parameter können, auf diese Weise gesteuert, hingegen ein buntes Kaleidoskop an Tonfolgen und Klangfarben generieren.

Ein Beispiel ohne die Randomisierung von Noise und Filter-Modulationen:

 

Mit zusätzlicher Modulation von Filter-Cutoff, Filter-Resonanz und Noise:

 

In beiden Fällen war das interne Echo beteiligt.

 

Haupt-Modulatoren

Weniger tiefgreifend und vielschichtig als die Zufallsfunktionen des Moduls Superobscurium aber dennoch wirkungsstark sind Eingriffe in die Modulatoren, zu finden im Menü MODS:

Diesen Modulatoren sind wir bereits begegnet, als es um die Modulation der 16 Sequenzen ging. Im MODS-Menü kann man nun die grundlegende Modulationsstärke (Offset) bestimmen, während man für jede Sequenz noch einmal separat dosiert.

Hat man beispielsweise eine Komplettkonfiguration erstellt (oder ein Preset gefunden, das gefällt), kann man über eine Animation (oder Controllersteuerung nach MIDI-Learn) der globalen Amount-Regler in den allgemeinen Abwechslungsreichtum eingreifen.

Hier eine Sequenz mit statischem LFO-Amount:

 

Hier mit Modulation des Amounts und zugleich der Hüllkurven- und LFO-Parameter über die MOD-Sequenz:

 

Die Modulationshüllkurve wird übrigens über jeden Note-On und über die aktiven Steps des Trigger-Sequencers (Punkte-Linie unterhalb des Modulationssequencers) gestartet.

 

Das Clock-Menü

Was wäre ein Sequencer ohne eine temposynchrone Basis-Geschwindigkeit? Diese stellt man im Clock-Menü ein. Wenn Ihnen ein Preset gefallen sollte aber zu hektisch wirkt, stellen Sie hier einfach einen größeren Notenwert ein. Der Notenwert bestimmt die Dauer eines Steps. Ein Step kann bis zu einem Takt lang dauern.

Es geht aber noch mehr: Neben alternativen Abspielrichtungen, darunter auch Variationen, bei denen lediglich jeder zweite, dritte oder vierte Schritt im Sequencer gespielt wird oder eine zufällige Reihenfolge, kann man über Step Keys mit den Tasten C1 bis G3 des Keyboards die jeweiligen Steps separat anfahren. Jeder Step-Key generiert dabei einen eigenen Klang.

Über Step Play schreitet der Sequencer mit jedem neuen Note-On einen Schritt weiter.

Legato und Swing sollte keiner weiteren Erklärung bedürfen.

Über Obscure Clock und Obscure Direction kann man sogar die Basis-Geschwindigkeit des Sequencers und die Abspielrichtung mit Wiederholungen pro Schritt variieren. Per Klicken und Ziehen lassen sich in die einzelnen Felder verschiedene Notenwerte bzw. Abspielrichtungen eintragen.

Durch die Veränderung der Abspielgeschwindigkeit und Abspielrichtung lassen sich beispielsweise Klänge erzeugen, die überwiegend sanft und ruhig wirken und dann plötzlich durch flatternde bis fragile Klangfragmente unterbrochen werden.

 

Angebot an Werksklängen

Mehr als 450 Presets sind an Bord, darunter erwartungsgemäß zahlreiche rhythmische atonale und tonale Abfolgen, die sich gut in zeitgenössische Club/Dance-Kompositionen integrieren lassen.

Bevor man etwas anderes tut, sollte man den Morph-Slider ausprobieren. Bei den beiden folgenden Audiodemos habe ich zwischen A und B gemorpht:

 

 

Nicht immer ist die Position B des Morph-Sliders belegt. Eine andere Option, rasch Klangmutationen zu erzeugen, ist eine Animation der Amount-Regler im MOD-Menü (wie weiter oben geschrieben):

 

Hier habe ich den Morph-Slider und die Basisstärke des Hüllkurven-Modulators animiert:

 

Bei anderen Presets wird der Morh-Slider bereits per default moduliert (etwa per LFO):

 

Auch sequenzielle Flächen und Texturen finden sich unter den Presets:

 

 

Steuern externer Instrumente durch Obscurium

Wie zu Beginn des Tests erwähnt, kann Obscurium auch externe Klangerzeuger steuern. Diese wählt man im Sound-Menü aus.

Sollten hier nicht alle externen Instrumente angezeigt werden, klickt man zunächst einmal auf „Scan“. Der Plug-in Pfad kann sinnvollerweise lokalisiert werden. Je nachdem, wie groß das Repertoire ist, kann es eine Weile dauern, bis Obscurium alle Kandidaten erkannt hat.

Nun wählt man den gewünschten Klangerzeuger und das Preset.

Obscurium fungiert als Host des externen Instruments, dessen Oberfläche auch im Plug-in-Betrieb von Obscurium aus geöffnet wird. Abgesehen von der ARP-, MOD-, PITCH-, CHORD- und Poly-Sequenz, die unabhängig vom individuellen Instrument vorgegeben sind, können alle Sequenzerlinien über einen Lernmodus bestimmten Parametern des externen Klangerzeugers zugewiesen werden. Diese erscheinen sogar mit entsprechendem Namenseintrag. Das Ganze funktionierte bei unserm Test auch mit BFD3 von FXpansion und Rob Papen Punch.

Wer erst einmal auf gut Glück experimentieren will, bedient den virtuellen Würfel für die Parameterbelegung.

Will man zielgerichtet arbeiten, sollte man mit dem INIT-Preset beginnen, das man in der User-Bank findet, anschließend den externen Klangerzeuger laden und dann erst einmal die Trigger-Sequenz (Punktezeile am unteren Rand) einstellen.

Im nächsten Schritt probiert man verschiedene Modulationssequenzen in Kombination mit den internen Modulatoren aus, am besten eine nach der anderen, nicht alle gleichzeitig mit den Zeichenwerkzeugen, es sei denn, man will sich umgehend in einen avantgardistischen Klangkosmos hinein begeben.

Hier habe ich Rob Papen Punch verwendet und lediglich die Tonhöhe und die Polyfonie sowie den Frequenzregler der virtuell-analogen Hi-Hat aus Punch moduliert. Als Modulator habe ich den LFO aus Obscurium eingesetzt und dessen Geschwindigkeit wiederum per Modulationskurve gesteuert.

 

Hier habe ich das selbe Preset von Punch verwendet, und einigermaßen wahllos Parameter den diversen Modulationssequenzen zugeordnet. Zielführender wenngleich zeitintensiver ist es natürlich, sich vorher ein Konzept zu überlegen und gezielt Parameter zuzuweisen. Oft reichen schon wenige Zuweisungen und eine entsprechende Modulation über den Obscurium-Sequencer, um abgefahrene Klangevolutionen zu gestalten.

Wer gerne mit Zufallsgeneratoren arbeitet, kann die leeren Slots auch per Würfelfunktion füllen. Dabei kann es allerdings passieren, dass nicht alle Slots belegt werden – abhängig von der Parameterkonfiguration des externen Klangerzeugers fragt Obscurium auch schonmal Verbindungen ab, die einfach nicht belegt sind. Ein Beispiel dafür wären kleine, selbstgebaute NI-Reaktor-Instrumente. Die leeren Slots kann man natürlich nachträglich via Lerndialog manuell füllen.

Anschließend habe ich der Bequemlichkeit halber einfach Superobscure im Loop-Modus, also mit permanenter Neuzeichnung der Kurven aktiviert. Entstanden ist ein recht bewegter Rhythmus. Damit dieser etwas an Bodenständigkeit gewinnt, habe ich wieder einen Beat aus Ueberschall Sounds of Berlin beigemischt.

 

So würde es sich ohne Sounds of Berlin anhören:

 

Eine Zufallsmelodie mit Spectrasonics Omnisphere 2, Preset Radiotone Melodies:

 

Zu Beginn des Tests habe ich behauptet, dass man mit Obscurium auch meditative Stimmungen erzeugen kann – in Kombination mit entsprechenden Effekten. Im folgenden Audiodemo habe ich die selbe Zufallskonstellation wie zuvor verwendet (also auch wieder Omnisphere 2 als Klangquelle und Superobscurium als Sequencer und Modulator), die Geschwindigkeit habe ich aber über die Obscurium-Clock verlangsamt (eine volle Note pro Step), die Projektgeschwindigkeit auf 70 BPM heruntergefahren und GRM Tools Evolution eingesetzt:

 

Tibetanische Klangschalen sind das noch nicht, eher ein Klang, der zu Kubricks Odysee im Weltraum passen würde, aber immerhin …

Damit Sie die Leistung von Obscurium in den letzten Beispielen bewerten können, hier noch abschließend der Sound Radiotone Melodies, dieses Mal aber direkt aus Omnisphere heraus und mit den selben Noten wie zuvor bei Obscurium eingespielt:

 

Damit wird klar: Obscurium übernimmt die Arbeit des (Avantgarde- und Experimental-) Keyboarders.

 

CPU-Last

Die Beanspruchung der CPU durch Obscurium ist livetauglich. Setzt man allerdings externe Klangerzeuger ein, so kommt es natürlich darauf an, welchen Leistungshunger diese an den Tag legen.

 

Undo/Redo und das Ablegen eigener Presets

Die Arbeit an Obscurium kann aufwändig werden, wenn man tiefer in das Editieren einsteigt. Will man die kleinen Menüs (Pitch, AMP ENV, MOD u.s.w.) schließen, muss man dafür einfach einen Klick außerhalb ausführen, einen Close-Taster gibt es nicht. Dabei passierte es mir mehrfach, dass ich versehentlich in den Sequencer klickte und damit zugleich einen Modulationspunkt verschob. Glücklicherweise gibt es multiples Undo/Redo.

Eigene Konstellationen kann man natürlich auch in der User-Bank abspeichern. Angenehm ist, dass diese fest adressiert ist und man nicht durch die Ordnerhierarchie des Rechners navigieren muss, wie das leider immer noch bei vielen virtuellen Synthesizern der Fall ist.

 

Fazit

Sugar Bytes Obscurium ist weder ein Lieferant dunkler und bedrohlicher Klänge noch ein unergründliches Mysterium. Vielmehr sind die Ergebnisse, die man hier erzielt, bunt gemischt. So farbenfroh, wie sich der 16-fach-Modulationssequenzer präsentiert, klingt er auch.

Obscurium wendet sich primär an Club/Dance, die Spielevertonung und an experimentierfreudige Klangdesigner und Komponisten avantgardistischer Elektro-Genres. Nebenbei kann Obscurium sogar Vorlagen für neo-meditative Projekte liefern (wie im Test demonstriert). Darüberhinaus ist diese automatische Modulationsmaschine, die auch in der Lage ist, das Klangdesign ohne Wiederholungen (und ohne äußeres Zutun) ständig neu zu formen, ein Kandidat für Klanginstallationen.

Will man die Möglichkeiten ausschöpfen und sich nicht nur auf die Presets beschränken, so ist ein Blick ins Handbuch allerdings anzuraten. Auch die Tool-Tips helfen weiter. Obscurium ist nicht selbsterklärend. Die Oberfläche ist jedoch klar strukturiert, der Aufbau logisch. Hat man also erst einmal die Lernhürde genommen, besteht nicht die Gefahr, dass man sich im Parameterdschungel verirrt und ständig erneut nachschlagen muss.

Die interne Klangerzeugung mit virtuell-analoger und FM-Synthese sollte man nicht als Heiligen Gral betrachten, denn sie ist ein wenig dünn aufgestellt – ganz im Gegensatz zu anderen Klangerzeugern von Sugar Bytes wie etwa Factory oder Cyclop. Diese liefern einen deutlich kernigeren, markanteren Basisklang. Viele der internen Presets vertragen daher eine Portion externer Effekte, um klanglich aufpoliert zu werden. Ein Transienten-Tool oder ein Kompressor reichen oft schon. Im Test habe ich ein paar Mal die Black Box Analog Design HD-2 und den Dynamic Spectrum Mapper eingesetzt.

Dass man Obscurium als Host (auch innerhalb eines Host-Sequencers) verwenden kann, ist ein genialer Schachzug: So kann man sehr komfortabel externe Klangerzeuger laden, auf bislang nicht erreichte Weise modulieren, frische Rhythmen und Sequenzen erzeugen. Die externen Klangerzeuger lassen sich auch von Obscurium aus öffnen und erscheinen dann wie gewohnt mit eigenem Fenster und voller Bedienbarkeit. Während man einerseits innerhalb von Obscurium an der Modulation arbeitet, kann man andererseits auch die Klänge innerhalb der adressierten Instrumente anpassen. 11 der 16 Modulationsparameter können zufällig oder gezielt via Lerndialog Klangparametern der externen Instrumente zugeordnet werden. Unter Cubase Pro 9 funktionierte das reibungslos. Ausprobiert habe ich es mit diversen Instrumenten von Sugar Bytes, Rob Papen, mit BFD3 von Fxpansion, Spectrasonics Omnisphere und Kontakt-Instrumenten.

Unterm Strich ist Obscurium eine einzigartige Modulationsmaschine mit interner und externer Klangerzeugung, interessant für jeden, der abseits ausgelatschter Pfade nach Außergewöhnlichem sucht.

Testautor: Holger Obst

Plus:

  • extrem vielseitige Modulationsmöglichkeiten
  • endlos laufende Randomisierung
  • Steuerung externer Klangerzeuger
  • außergewöhnliches Experimentierpotenzial
  • Unterstützung älterer Betriebssysteme
  • fairer Preis

Minus:

  • interne Klangerzeugung etwas schmal aufgestellt

Preis: 99.- EUR

System:

  • Windows ab XP

  • Mac ab OSX 10.6.7

  • Formate: AU, AAX, VST, RTAS

  • 32 und 64 Bit

Hersteller: Sugar Bytes

Produktseite

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