Test: Brainworx bx_saturator

Seit Jahren hat die digitale Aufnahmetechnik analoges Equipment aus den Studios weitgehend verdrängt. Doch nach wie vor ist die Wärme einer analogen Klangbearbeitung gefragt. In den „guten alten Zeiten“ waren hierfür unter anderem Röhrengeräte und analoge Bandmaschinen verantwortlich, die den Klang insbesondere bei hoher Aussteuerung deutlich organischer und wärmer machten. Verantwortlich hierfür sind sogenannte Sättigungseffekte, die das Obertonspektrum anreichern und auch subtile bis drastische Verzerrungen produzieren. Bei beim bx_saturator aus dem Hause Brainworx handelt es sich um ein Plug-in, welches solche Sättigungseffekte nachzubilden versucht.

Überblick

Bei der Entwicklung stand der vor etwa zwei Jahren erschienene Brainworx XL Limiter Pate (in der Produktpalette als „bx_XL V2“ geführt), dessen Sättigungseffekt einen Teil der Optionen des bx_saturator ausmacht, nun allerdings differenzierter eingesetzt werden kann. Ebenso wie der Brainworx Limiter bietet auch der bx_saturator einen M/S-Mehrkanalmodus. Damit ist gemeint, dass in der Mitte platzierte und seitliche Signale getrennt bearbeitet werden können – es handelt sich hier also nicht um eine Surroundoption, sondern um die Bearbeitung von zwei Monokanälen, die aus einem Stereoinput gewonnen und am Ende der Bearbeitung wieder als Stereosignal ausgegeben werden. Im bx_saturator kommt die neue True-Split Crossover Technologie zum Einsatz. In der Produktinformation wird nicht ganz klar, was diese Schaltung bewirkt. Der Hersteller hat uns hierzu sinngemäß geschrieben:

  • „Die True-Split-Technologie trennt innerhalb eines Bandes Bässe und Höhen phasengetreu. Unterschiedliche Pegel für Mitten- und Seitensignale führen hingegen zu Phasenverschiebungen, was auch beabsichtigt ist.“

Zudem kann über den Mono-Maker das Tiefenbassignal eines Stereomixes in ein monofones Teilsignal umgewandelt werden, was nicht nur dazu führt, dass (zu breit angelegte) Bassdrums und Bässe runder, deutlicher und weniger schwammig klingen, sondern auch ein eventuell fehlerhaft ausbalanciertes Stereopanorama bei den tiefen Frequenzen nachträglich korrigiert werden kann. Der Brainworx bx_saturator kann für die Bearbeitung von einzelnen Instrumenten (und hier auch als virtuell-analoger Verzerrer), für Gruppen sowie beim Mastering verwendet werden. Beim Mastering soll der bx_saturator helfen, einen natürlich klingenden, druckvollen Mix zu erzeugen, ohne dabei auf Kompressoren und Limiter zurückzugreifen, die heute gerne im Übermaß und zu Lasten der Dynamik eingesetzt werden. Beim bx_saturator geht es vielmehr darum, das natürliche Klangbild zu erhalten. Inwieweit sich diese Vorgaben in der Praxis bestätigen, erfahren Sie in diesem Test. Das Plug-in läuft auf Mac und PC in den jeweils kompatiblen Formaten VST, AU, RTAS und AAX.

Noch ein Hinweis zu den Audiodemos: Diese liegen als mp3-Dateien vor und können somit nicht alle Feinheiten der Klangbearbeitung wiedergeben.

Der bx_saturator im Detail

Unser Testkandidat verfügt über ein Bedienfeld mit 17 Reglern, zwei zentralen Fadern und diversen Tastern:

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Unterhalb der Befehlsleiste mit Bypass, Undo/Redo-Funktion, vier Slots A bis D für alternative Einstellungen sowie einem Global-Reset …

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… befinden sich die übergeordneten Makro-Regler Master XL und Master Drive, eine zentrale Balance-Anzeige, Output-Meter sowie XL-Active- und Auto-Solo-Schalter:

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Der XL-Active-Taster schaltet alle XL- und Drive-Module ein und aus, betrifft aber nicht die Anpassung der Ausgangslautstärken von Mitten- und Seitensignalen sowie die Mono-Umwandlung des unteren Frequenzbereichs. Es handelt sich hier also nicht um ein Duplikat des Bypass-Schalters der Kopfzeile. Bei dem zentralen Display handelt es sich nicht um eine klassische Lautstärkeanzeige im VU-Meter-Stil, sondern um die Darstellung des Lautstärkeverhältnisses zwischen Mitten- und Seitensignal. Das Output-Meter daneben ersetzt sicher keine großformatige Aussteuerungsanzeige, reicht aber für eine grobe Orientierung und zeigt unerwünschtes Clipping an: Während die vom bx_saturator intern generierten Verzerrungen clippingfrei sind, sollte man darauf achten, dass es am Ausgang nicht zur Übersteuerung mit unerwünschten digitalen Verzerrungen kommt. Das Hinzufügen von Obertönen und vor allem eine Vorverstärkung im Input des Drive kann zu deutlichen Erhöhungen der Ausgangslautstärke führen (Näheres dazu weiter unten). Auf einen Limiter am Ende der Processing-Kette oder einen Clipping-Schutz hat der Hersteller verzichtet, was nachvollziehbar ist: Ein einfacher Limiter als Sicherheit gegen Clipping würde nicht zum aufwändigen Konzept des bx_saturator passen und dem Grundgedanken des natürlichen Klangbildes zuwiderlaufen.

Der Sättigungseffekt kann sowohl global als auch separat für Mitten- und Seitensignale und dort für jeweils zwei Frequenzbänder eingestellt werden. Differenzierte Eingriffe ins Klanggeschehen sind also möglich. Über den XL-Regler fügt man dem Signal zunächst ungerade harmonische Obertöne hinzu. Der Charakter des Grundklangs wird dadurch hervorgehoben, zugleich wird das Signal transparenter, offener. Bewegt man den Master-XL-Regler, so vollziehen die untergeordneten XL-Regler der Mitten- und Seitenmodule diese Bewegung (auch relativ zu zuvor eingestellten individuellen Werten) nach. Gleiches betrifft den Master-Drive-Regler, der dazu dient, den Klang mit weiteren Verzerrungen anzureichern.

Hier ein erster Höreindruck der beiden Optionen XL und Drive: Zunächst ein Beat ohne Bearbeitung:

 

Nun mit XL-Sättigung:

 

Das Schlagzeug wirkt frischer, lebendiger, transparenter. Hier im Zusammenspiel mit einer (von Haus aus bereits angezerrten) Synth-Basslinie, wieder zunächst ohne bx_saturator …

 

… dann mit 100% XL und ein wenig Drive:

 

Beim unbearbeiteten Demo fehlt es der Basslinie an Durchsetzungsvermögen, auch wirkt der Klang nicht homogen; die Drums laufen eher nebenher. Der bx_saturator fügt beide Instrumentenspuren zu einem organischen, kompakten Klang zusammen, ohne dabei die Dynamik zu beeinträchtigen (denn hier wird nicht komprimiert).

Als nächstes kommen Vocals hinzu, wieder zunächst ohne Bearbeitung, dann mit dem bx_saturator. Hier habe ich vor allem mit dem Drive-Regler im Frequenzbereich oberhalb von 1500 Hertz dem Gesang Verzerrungen hinzugefügt:

 

und …

 

Der Gesang wirkt durch den bx_saturator nun sehr präsent und nah.

Beteiligt waren zwei Instanzen des bx_saturator, eine für Bass und Drums, eine zweite für die Do-Boo-Bap-Vocals. Hier noch einmal zum Vergleich das Original ohne beide bx_saturator-Instanzen, also unbearbeitet (aber mit derselben Lautstärke):

 

Parameter

Unterhalb der Master-Section verfügt der Brainworx bx_saturator über eine Reihe von Eingriffsmöglichkeiten, die eine detaillierte Klanggestaltung erlauben. Sowohl für das Mitten- als auch für die Seitensignale kann ein oberer und unterer Frequenzbereich getrennt bearbeitet werden. Mit den beiden zentralen Fadern stellt man für Mitten- und Seitensignale separat (oder verlinkt und dann gemeinsam) die Trennfrequenz (X-Over) zwischen den jeweiligen Frequenzbereichen ein – der Regelbereich der X-Over-Frequenz ist sehr großzügig bemessen und liegt zwischen 20 und 20.000 Hertz.

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Sehr hilfreich ist übrigens, dass nicht nur die Auswirkung einer veränderten Trennfrequenz in Echtzeit mitgehört werden kann, sondern dass im Auto-Solo-Modus das Modul, an dem man gerade arbeitet, auf Solo geschaltet wird. Der Auto-Solo-Modus ist also ein reiner Editiermodus: Manipulationen an XL- oder Drive-Parametern der hohen Frequenzen des Seitensignals führen dazu, dass alle anderen Bänder während der Reglereinstellung stummgeschaltet werden. Man hört dann nur das Teilsignal, an dem man gerade arbeitet. Warum ist das so wichtig? Es kann durchaus passieren, dass sich in einem Frequenzbereich gar nichts oder wenig tut, wenn das Originalsignal hier von Haus aus schwach ist. In solchen Fällen läuft man nun nicht Gefahr, ins Leere hinein Regler bis zum Maximum aufzudrehen und sich zu wundern, warum trotzdem nichts passiert. Anstatt dessen wird man die X-Over-Frequenz entsprechend nachjustieren und dann schnell die passenden Einstellungen finden.

Folgende Parameter können pro Modul justiert werden:

Gain

Im Pre-Modus wird die Eingangslautstärke für das Sättigungsmodul geregelt. Ein härteres Anfahren bewirkt (ähnlich einer hohen Austeuerung eines Röhren-Preamps oder einer Bandmaschine), dass Sättigungseffekte und Verzerrung zunehmen. Im Post-Modus wird die Ausgangslautstärke geregelt, was zur Ausbalancierung der Lautstärken der vier Module dient und keinen Einfluss auf den Sättigungs/Verzerrungs-Effekt hat.

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Drive lässt sich sowohl mit als auch ohne Kompensation der Ausgangslautstärke einsetzen; d.h. das Maß an Lautstärkezunahme durch den Effekt wird am Ausgang des Moduls wieder heruntergeregelt (im Compensations-1-Modus vollständig, im Compensations-2-Modus teilweise). Im Pre-Modus und mit stark verstärktem Eingangssignal ohne Kompensation sollte man die oben erwähnte Cliping-Anzeige am Ausgang des bx_saturator im Auge behalten. Mit der Kombination hoher Drive-Wert + Pre-Modus + keine Kompensation lassen sich sehr durchsetzungsfähige, drastische Betonungen des jeweiligen Bandes realisieren – ideal, wenn es darum geht, ein Solo-Instrument zur Geltung zu bringen.

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Schließlich gibt es noch den übergeordneten XL-Regler für jedes Modul (der also auch die Drive-Intensität bestimmt).

Im folgenden Audiodemo habe ich eine verzerrte Gitarre mit dem bx_saturator bearbeitet. Ziel war es, der Gitarre zu mehr Biss zu verhelfen.

Zunächst das Original …

 

… nun mit dem bx_saturator …

 

… und zusammen mit dem bereits bekannten Beat:

 

Die Einstellungen für die Gitarre sehen wie folgt aus:

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Da es sich bei der Gitarre um ein Mono-Signal handelt, können die Seitenmodule hier außen vor bleiben. (Aus reinen Monosignalen kann der bx_saturator keine Seitensignale berechnen. Um diese zu generieren benötigt man Stereosignale mit unterschiedlichen Informationen für den rechten und linken Kanal: Signalanteile, die für den linken und rechten Kanal identisch sind, bilden die Grundlage für das Mittensignal, links/rechts-abweichende Signalanteile die Seiten.)

Mastering mit dem bx_saturator – Ein Anwendungsbeispiel

Zum Abschluss schauen wir uns noch an, was der bx_saturator beim Mastering bewirken kann. Hier verwendet man die Drive-Module in der Regel im Compensations-1-Modus. Im nachfolgenden Beispiel habe ich vor allem die Höhen der Seitensignale oberhalb von 1,2kHz mit dem XL-Algorithmus bearbeitet sowie generell etwas Drive hinzugefügt. Per Mono-Maker habe ich die Bässe unterhalb von 122 Hertz zentriert und die Lautstärke des Seitensignals gegenüber dem Mittensignal angehoben, um den Mix auch räumlich zu öffnen.

Im Audiodemo habe ich den Brainworx bx_saturator alle zwei Takte ein- und wieder ausgeschaltet (erstes Einschalten bei Takt 3):

 

Durch die Erhöhung der Lautstärke der Seitensignale kann zudem eine Stereoverbreiterung erreicht werden. Insbesondere, wenn man die Seitensignale ab den oberen Mitten mit dem XL-Algorithmus bearbeitet, ergibt sich dann ein sehr offenes, transparentes Klangbild.

Fazit

Der Brainworx bx_saturator ist ein Allrounder für die Klangveredelung, für das Herausarbeiten einzelner Instrumente und nicht zuletzt ein mächtiges Mastering-Tool, das dem Sound die Dynamik lässt und ihm trotzdem Kraft und Brillianz verleiht. Auch ältere Abmischungen können hiervon profitieren und in neuem Glanz erstrahlen. Zusätzliche Kompressoren und Limiter, die heutzutage gerne überstrapaziert werden, treten durch das Hinzufügen des bx_saturator in die Mastering-Kette in ihrer Bedeutung ein gutes Stück zurück.

Die Audioqualität spielt sich auf höchstem Niveau ab: Der bx_saturator bietet einen transparenten, bis in die obersten Höhen bestens aufgelösten Klang ohne jemals kalt oder analytisch zu wirken. Ganz im Gegenteil: Er klingt natürlich, warm, analog, musikalisch. Manch anderer Sättigungseffekt bringt zwar ebenfalls Wärme in die Abmischung, deckt die Signale aber gleichzeitig etwas zu, sodass man häufig einen Kompromiss zwischen Wärme und Klarheit eingehen muss. Beim Brainworx bx_saturator ist as defnintiv nicht der Fall.

Hinzu kommt seine enorme Flexibilität: Der Effekt reicht von subtilen bis sehr drastischen Einsätzen und schließt auch das Klangdesign von Soloinstrumenten mit ein. Der bx_saturator kann Gesangsaufnahmen regelrecht veredeln, Gitarren schärfen, Bass und Bassdrum zentrieren und druckvoll abbilden, mittige, undifferenzierte Schlagzeugruppen frisch und lebendig klingen lassen. Trotz seiner hohen Audioqualität und Leistungsfähigkeit beansprucht er die CPU nur gering.

Die Bedienung erweist sich als vergleichsweise einfach und intuitiv. Hier hilft der Auto-Solo-Schalter. Wermutstropfen gibt es bei diesem Plug-in keine. Allerdings sollte man vor allem bei härteren Einsätzen der Drive-Module das Clipping am Ausgang im Auge behalten. Dass der bx_saturator so gut klingt, kann zur Folge haben, dass man es bei der Bearbeitung etwas übertreibt. Hier wird sehr viel geboten; so viel, dass man die Regelmöglichkeiten selten voll ausnutzen muss. Kurzum: Der Brainworx bx_saturator gehört zu den wenigen Produkten, die ohne Einschränkung empfehlenswert sind.

Plus:

  • Exzellente Audioqualität
  • Überzeugender, enorm vielseitig nutzbarer Sättigungseffekt
  • Vergleichsweise geringe CPU-Last
  • Intuitive Bedienung
  • Mehrkanalbetrieb (Mitten-/Seitensignale in einem Stereo-Mix)

Andreas Ecker

Preis (Stand: Februar 2013)

  • 230 Dollar

Ergänzende Links

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