Test: Celemony Melodyne 4 Studio

Neu in Melodyne 4

Celemony spricht von dem umfangreichsten Update in der Geschichte der Melodyne-Software. In der Tat gibt es eine ganze Reihe von Neuerungen, darunter Sensationelles:

Das Highlight von Melodyne 4 ist der Sound-Editor, den wir uns gleich noch im Detail ansehen werden.

DNA ist nun auf beliebig vielen Spuren einsetzbar – auch mit spurenübergreifenden Bearbeitungen. Man selektiert einfach die gewünschten Noten auf mehreren Spuren und korrigiert deren Tonhöhenverlauf oder das Timing mit Hilfe der Makros. Außerdem kann eine Spur (wie oben beschrieben) als Referenz für die Quantisierung dienen, der dann die anderen Spuren im Timing folgen. Eine tolle Sache: Man nehme diverse Loops oder Clips – und beispielsweise einen Beat als Referenz. Im Nu hat man den Bass und das Gitarrensolo angepasst. Wo zuvor die Instrumente noch nebeneinander her spielten, sind sie jetzt zu einer Band zusammengeschweißt, die auch im Microtiming groovt.

Die Zeiten, in denen Melodyne Studio via Melodyne Bridge im Host-Sequencer eingesetzt werden konnte, liegen schon einige Jahre zurück. Nun ist die Studio-Version mit ihren erweiterten Möglichkeiten zurück in der DAW (Testsystem: Cubase 8.5, PC mit Windows 7).

Anstelle des alten Algorithmus für die Erkennung mehrstimmigen Materials stehen nun zwei verbesserte Algorithmen zur Verfügung: mehrstimmig gehalten (für sustainbetontes Material) und mehrstimmig abklingend (für attackbetontes Material).

Der Algorithmus Universal eignet sich für das Timestretching und Pitchshifting kompletter Mischungen.

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Verbesserter Workflow: Melodyne lässt sich komplett über ein skalierbares Fenster bedienen. Browser und Inspektoren schaffen Überblick und ermöglichen den schnellen Zugriff auf die wichtigsten Parameter.

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Im Menü Skala findet sich die Option „Reinstimmung“, die Instrumenten aller Art einen klareren, kräftigeren Klang verleiht.

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Auch in der Plug-in-Version stehen nun eine Reihe frei zuweisbarer Tastaturbefehle bereit.

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Die Standalone-Version ist jetzt mit einer vielseitig nutzbaren Tempoerkennung ausgestattet:

Verwendet man Melodyne als Plug-in, so wird das Tempo (einschließlich Tempoveränderungen) des Host-Sequencers von Melodyne übernommen.

In der Standalone-Variante ist es hingegen möglich, mit Hilfe der Tempoerkennung ohne Metronom einzuspielen. Melodyne erkennt dann das Tempo der Aufnahme mit all seinen Schwankungen und nimmt dies als Referenz für weitere Audiodateien, die man nachträglich in das Arrangement einbindet. Diese werden dann automatisch (per Auto-Stretch) dem Tempoverlauf der Referenzeinspielung angepasst. Die per Tempoerkennung ermittelte Tempokurve kann justiert werden.

Ebenso kann eine Audiodatei mit unbekanntem Tempo, etwa ein Drumclip, in das leere Fenster der Standalone-Version gezogen dessen Tempo errechnet und als Referenz verwendet werden.

Natürlich ist es auch möglich, zu Beginn der Arbeit Taktart und Tempo manuell einzugeben, mit Metronom einzuspielen und Timingschwankungen anschließend zu begradigen.

Der Sound Editor PSS „Polyphonic Spectrum Shaping“

Der Sound Editor (den andere Hersteller möglicherweise als „Magic Sound Machine“ oder ähnlich pompös – und dabei noch nicht einmal übertrieben – benannt hätten; bei Celemony gibt man sich eher sachlich und ein wenig bescheiden) greift auf die Erkennung des harmonischen Spektrums aus der Analyse der melodischen und mehrstimmigen DNA-Algorithmen zurück. Er funktioniert daher nicht mit den Algorithmen für perkussives Material und dem Universal-Algorithmus. Für experimentelle Anwendungen des Sound Editors auf Drums und Percussion analysiert man diese daher etwas zweckentfremdet mit einem Algorithmus für melodisches Material.