Test: East West Quantum Leap Spaces

QL Spaces ist ein 24 Bit True Stereo Convolution Reverb, der in puncto Echtheit neue Maßstäbe setzen soll. Um im nicht gerade dünn besiedelten Marktsegment der Hallerzeuger die Messlatte der Referenzklasse noch ein Stück höher zu legen, wurde bei der Aufnahme der Impulsantworten auf edelstes Equipment, eine präzise Vorgehensweise und die Berücksichtigung musikalischer Gesichtspunkte, wie beispielsweise die akustischen Eigenschaften von Instrumenten gesetzt. Was sich dahinter verbirgt und ob der hohe Anspruch des Hersteller sich in einer entsprechenden Qualität niederschlägt, erfahren Sie in diesem Test.

 

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Auspacken

Um dem Produkt auch optisch Bedeutung zu verleihen, liefert der Hersteller QL Spaces in einer überdimensionalen Hochglanzverpackung. Auf deren Rückseite findet man einige Hinweise zur Entstehung von QL Spaces. Ein PDF Manual, das über Installationshinweise hinausgeht, gibt es weder auf der CD noch als Download. Wie wir noch sehen werden, gibt die Bedienung des virtuellen Hallgeräts zwar kaum Rätsel auf, dennoch wäre eine Anleitung zur Lesart der Ordnerstruktur und der Abkürzungen bei den Presetnamen hilfreich. Auf der Herstellerseite finden sich einige Videos, die jedoch in erster Linie den Sound verschiedener Hallpresets dokumentieren. Zwischendurch sind ein paar Bedieninformationen eingestreut. Eine kurze, kompakte technische Information würde einen schnelleren Start in die Welt von QL Spaces ermöglichen – und diese Welt bietet durchaus neue und interessante Features.

Installation

Um die Software freizuschalten benötigt man den Authorisaton-Wizzard, zu finden im EastWest Ordner unter Programme (Mac). Liegt dort bereits eine ältere Version, so verweist das Programm auf den aktuellen Download auf der Soundsonline-Seite. Das Update der Play-Engine beinhaltet den neuen Wizzard. Hier gibt man die Seriennummer und den iLok an, der Rest läuft automatisch ab. Die Lizenz wird auf den iLok geschrieben, ohne dass man sich extra unter ilok.com einloggen muss.

Preset-Übersicht

Geboten wird die Akustik von Kathedralen, Kirchen, Konzerthallen, Höhlen, Recordingbühnen, Studio-Aufnahmeräumen, Schwimmbädern, Parkhäusern, Wassertanks, Tunnels sowie Plattenhall aus anderen, nicht näher bezeichneten digitalen Hallgeräten. Das Spektrum reicht von kurzen Gate-Reverbs und kleinen Räumen mit geringer Halldauer bis hin zu Ambience-Reverbs mit über 12 Sekunden Länge. Im Play-Bowser sind die Presets nach den Rubriken

  • Instrument Specific Tour
  • Churches
  • Concert Halls
  • Offbeat Locations
  • Plate Digital und
  • Room Stages

sortiert. Die erste Rubrik Instrument Specific Tour bietet instrumentenspezifische akustische Umgebungen, die teilweise sehr aufwändig erstellt wurden.

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Bevor es weitergeht, folgt hier ein Abschnitt zur Thematik Convolution-Reverb vs. Algorithmischer Hall und True Stereo vs. Stereo. Wem diese Thematik bekannt ist, kann im nächsten Kapitel wieder einsteigen.

Begriffsklärungen: Convolution Reverb und True Stereo

Convolution Reverb

Ein Convolution-Reverb wird auch als Faltungshall oder IR-Hall bezeichnet. Im Gegensatz zu den mathematischen Modellen algorithmischer Hallsimulatoren, die im Prinzip das Aufkommen und Abebben einer Vielzahl von Echos bei Einbeziehen des Frequenzspektrums berechnen, basiert ein Convolution-Reverb auf Samples: In einem Raum wird in der Regel ein Sinus-Sweep, der den gesamten relevanten Frequenzbereich durchläuft, über Monitore projiziert und aufgenommen. (Alternativ können auch kurze Impulse wie ein Pistolenschuss verwendet werden.) Rechnet man später den reinen Sinus-Sweep aus der Aufnahme wieder heraus, so erhält man ein Abbild des Reflexionsverhaltens der Raumakustik – des Aufkommens von Echos innerhalb eines Zeitablaufs, Raumresonanzen und Frequenzspektrum eingeschlossen.

Um einen hochwertigen Convolution-Reverb zu erstellen, sollte das Sample von hoher Qualität sein – hier kommt es also auch auf das verwendete Equipment an: Man benötigt möglichst neutral klingende Boxen, die keine eigene Färbung geschweige denn Resonanzen in den Sinuston hineinbringen. Dasselbe Neutralitätsgebot gilt für die Mikrofone, mit denen aufgezeichnet wird. Daneben spielt die Positionierung von Mikrofonen und Boxen eine wesentliche Rolle. Die Position der Boxen (bzw. die Punkte auf einer gedachte Linie zwischen zwei Boxen) nehmen später die Instrumente ein, die man durch den Convolution-Reverb schickt; die Position der Mikrofone entspricht der des Hörers.

Convolution Reverbs werden aufgrund ihres dokumentarischen, sehr echt wirkenden Klanges gerne eingesetzt, wenn es darum geht, einen bestimmten Raum realitätsgetreu abzubilden. Zudem werden sie beim Abmischen klassischer Musik aber auch für Film- und Hörspielvertonungen favorisiert. Ihr Nachteil ist, dass das aufgenommene Sample nicht über in Echtzeit modulierbare Parameter verfügt und daher einen statischen Charakter aufweist. Es bildet nur eine Momentaufnahme des Raumes ab. Audiosignale, die durch einen Convolution-Reverb geschickt werden, treffen folglich immer auf dieselbe akustische Raumsituation. Reale Räume sind hingegen durch ein gewisses Eigenleben gekennzeichnet: Luftströmungen und Temperaturschwankungen führen dazu, dass das Reflexionsverhalten einem permanenten leichten Wechsel unterworfen ist. Diese subtilen Veränderungen bewirken ein „organisches Schweben“. Daher wird – vor allem bei Anwendungen im Pop-Bereich – oft kritisiert, dass ein samplebasierter Hall steril und ein wenig kalt klingt. Allerdings wäre es übertrieben, von einem Machine-gun-Effekt zu sprechen, bei dem ein Instrumentensample immer gleich und einförmig wiederholt wird. Die menschliche Wahrnehmung konzentriert sich weit weniger auf das Hallsignal als auf die Instrumente. Hall wird beim “ungeschulten” Hören kaum bewusst oder gar analytisch wahrgenommen.

Ein anderer Nachteil des Faltungsprinzips ist, dass man nicht oder nur begrenzt auf einzelne Parameter zugreifen kann, um in die akustische Beschaffenheit des virtuellen Raumes einzugreifen. In der Regel beschränken sich diese Möglichkeiten auf EQ/Dämmung, eine Verlängerung oder Verkürzung des Samples, eine Veränderung des Predelays, eine Rückwärts-Abspiel-Option, in selteneren Fällen auch eine Veränderung der Stereobreite, der Streuung oder der Korrelation von linkem und rechtem Signal und dem Einzeichnen einer Hüllkurve. Insbesondere Manipulationen am Sample durch Stauchen oder Dehnen kann zu einem Verlust an Klangqualität bzw. einer Veränderung der Halldichte führen.

Algorithmische Hallerzeuger bieten oft eine detaillierte Bearbeitung der Frühen Reflexionen und des Nachhalls, des Abklingverhaltens separater Teile des Frequenzspektrums und vieles mehr. Das Problem der Hersteller liegt hier eher darin, die Flut von Eingriffsmöglichkeiten, die der Algorithmus hergibt, zu sinnvoll editierbaren Meta-Parametern zusammenzufassen.

Neben der Raumsimulation findet die Convolution- bzw. Faltungstechnik auch Verwendung, um die Klangcharakteristik von Monitoren bzw. Speakern jeder Art abzubilden (Bsp.: Audioease Speakerphone) oder um das Resonanzverhalten von Instrumenten zu simulieren (der Convolution-Synthesizer Galaxy X steht laut Bestservice kurz vor der Veröffentlichung).

True Stereo Reverb

Unter einem True Stereo Reverb versteht man ein Hallprogramm, welches beim Zeitablauf der Reflexionen die Links-Rechts-Position des Eingangssignals berücksichtigt. Positioniert man ein Instrument links, erreichen die von der linken Raumseite ausgehenden Reflexionen den zentralen Hörer früher als die Echos der rechten Seite, da letztere einen längeren Weg zurücklegen müssen. Um dies bei einem Convolution Reverb zu erreichen, werden zwei Stereo-Samples des Sweeps bzw. Impulssignals aufgezeichnet: Zunächst wird der Sweep über den linken Monitor abgefeuert und über Stereo-Mikrofone an der Hörerposition aufgezeichnet, dann nochmals über den rechten Monitor. Das Ergebnis ist ein (internes) Vierkanal-IR-Sample. Für die Berechnung des True-Stereo-Halls benötigt man mehr Prozessorleistung als für einen klassischen Stereo-Hall. Ein herkömmlicher Stereo-Reverb berücksichtigt das je nach Instrumentenposition unterschiedliche Reflexionsverhalten nicht. Schickt man ein stark nach links verschobenes Signal in einen solchen normalen Stereo-Reverb, so ist lediglich die Lautstärke des linken Reverb-Kanals höher als die des rechten.

Das Konzept von QL Spaces – Hintergründe

QL Spaces greift auf eine umfangreiche Sammlung von Impulsantworten zurück, die in den letzten sieben Jahren rund um den Globus aufgenommen wurden. Wer QL/EastWest Sample-Libraries kennt, weiß, dass mit der Play-Engine bereits ein Convolution Reverb an Bord ist, der allerdings nicht als separates Plug-in für Fremdinstrumente eingesetzt werden kann. Einige der dort verwendeten Impulsantworten finden sich auch in Spaces wieder, teilweise mit modifizierten Namen. Aus „Dark Abbey“ wurde „Abandoned Abbey“. In anderen Fällen wurden Impulsantworten verschiedener Reverb-Presets aus Play zu einem neuen Preset zusammengefasst: „Live Cathedral“ entstand aus den Impulsantworten der Play-Presets „LA Cathedral und „EWQLSO Hall“.

Ralph Kessler (Masterpinguin), der bereits an der Erstellung der Impulssantworten für die beiden Wizoo-Reverbs W2 und W5 mitgearbeitet hat und als Spezialist im Bereich Convolution Reverbs gilt, hat man ins Team geholt. Zahlreiche Arbeiten von ihm sind in die Spaces-Library eingeflossen, unter anderem die HDIR Cathedral und der Hamburger Wald.

Die Liste der für die Aufnahmen und die anschließende Bearbeitung benutzten Geräte lässt kaum einen legendären Namen aus: Neumann, Neve, Fairchild, Manley, Sennheiser. Die Sweeps wurden über ATC Monitore abgefeuert, die analogen Signale mit Meitner A/D-Konvertern digitalisiert, der SONY DRE S777 Sampling Reverb zur Aufzeichnung benutzt.

Besondere Beachtung schenkte man auch der Positionierung der Lautsprecher. Spaces beinhaltet eine Auswahl von instrumentenspezifischen Hall-Presets, mit denen sich die verschiedenen Instrumente genau an ihrer typischen Position im Raum platzieren lassen. Um beispielsweise das French Horn an seiner traditionellen Stelle auf der Bühne und seiner spezifischen akustischen Ausstrahlung entsprechend im Raum erklingen zu lassen, wurden die Monitore von der Mitte bis zur linken hinteren Position auf der Bühne aufgebaut, zudem auch zur Rückseite der Bühne gedreht und leicht zum Boden geneigt. Nach derselben Methode wurden in verschiedenen amerikanischen Studios die Impulsantworten für Rock-Instumente generiert. Mehrkanalige Aufnahme von Impulsantworten wurden anschließend zu einem True-Stereo-Zweikanalreverb zusammengefasst.

Will man nun ein ganzes Orchester minutiös platzieren, wird man für viele Instrumente oder Gruppen eine eigene Spaces-Instanz laden müssen. Die CPU-Last von Spaces erweist sich als ausgesprochen niedrig, wodurch ein solch aufwändiges Setting tatsächlich realisierbar wird. Auf unserem Testsystem (s. Anhang) lag die CPU-Last bei 9 Instanzen und bei 256 Samples Buffer-Size (44,1kHz Samplingrate, 24 Bit) nur bei etwa 15-18 %. Für einen Mix benötigt man in der Regel keine solch niedrige Puffergröße und kann damit mit einer nochmals niedrigeren CPU-Last rechnen. Es bleibt noch genügend Luft für andere Effekte.

Hall von Stereo über True Stereo bis Surround und die Audioqualität

Die Kürzel TS, ST, FR und RR, die als Namensanhängsel der Presets auftauchen, stehen für True Stereo, Stereo, Front und Rear. Während bei den Namen der Presets das Kürzel TS auf True Stereo verweist, wird für die Bezeichnung der Ordner zwischen M-S (herkömmliches Stereo) und S-S (True Stereo) unterschieden. Da es keine Bedienungsanleitung mit Begriffsklärungen gibt, erschweren diese uneinheitliche Bezeichnung unnötig die Orientierung. Nicht alle Presets liegen als True-Stereo-Varianten vor. Speziell bei den instrumententypisch gestalteten Reverbs würde das auch keinen Sinn machen, denn diese bauen auf dem akustische Verhalten der betreffenden Instrumente an einer bestimmten Position im Raum auf.

Der Hersteller verspricht: “Die meisten Impulsantworten liegen im 8-Kanal-Format vor, sodass Surround-Abmischungen möglich sind”. Diese Darstellung ist etwas irreführend; QL Spaces liegt als Stereo-Plug-in vor. Über Front- und Rear-Stereo-Presets lässt sich ein Surroundhall über zwei Spaces-Instanzen einrichten (Center und LFE-Kanal benötigen keinen eigenen Hall). Auf acht Kanäle kommt man rechnerisch, wenn man berücksichtigt, dass jeder True-Stereo-Reverb intern vier Kanäle verarbeitet (s. Kapitel Begriffsklärung). Es gibt keine explizit für Seitensignale ausgewiesenen Presets, die bei einem 7.1-System notwendig wären, allerdings zu einigen Räumen A, B und C Varianten, aus denen man sich abseits der strengen Logik einen Sechskanal-Surroundverb des selben Raumes über drei Spaces-Instanzen zusammenbauen kann.

Wer im Mehrkanalbetrieb mit puristischer Strenge den selben Raum einmal für die Front und zum Zweiten für die rückwärtigen Kanäle nutzen will, wird in den Kategorien Churches, Concert Halls, Offbeat Locations und Room Stages fündig. Dort gibt es zu den meisten Locations Front- und Rear-Presets. Anders ist das in der ersten Kategorie „Instrument Specific Tour“. Hier gibt es oft verschiedene Front-Varianten desselben Raumes für die jeweiligen Instrumente. Kategorie „Plate Digital“ verzichtet ebenfalls auf Rear-Presets, da die verwendeten Hallgeräte, durch die man die Sweeps geschickt hat, solche nicht liefern.

Für den Surround-Test habe ich mir die Presets „Hamburg Forest A TS“ und die EWQL Hall, die 2,6 Sekunden lange Impulsantworten für die Front- und die rückwärtigen Speaker bietet, herausgegriffen. Diese Konstellation habe ich mit einem Vocal Track ausprobiert und über den Smyth Research Realiser über Kopfhörer kontrolliert. Das Ergebnis ist extrem realistisch. Bei analytischem Hören nimmt man deutlich wahr, wie sich das Hallsignal kontinuierlich von Front-Reflexionen zu einem rückwärtig ausklingenden Hall bewegt. Man hört die Stimme wie in einem echten dreidimensionalen Raum. Der über zwei Stereokanäle zusammengebaute Surround-Reverb bringt ein langsam abebbendes Schweben in den Sound, welches kristallklar, transparent und dennoch angenehm warm und keinesfalls digital wirkt. Probleme mit einzeln hervortretenden Reflexionen oder störenden Resonanzen gibt es hier nicht.

Man muss es aber nicht unbedingt so eng sehen, wenn im Surroundbetrieb lediglich Impulsantworten der selben Akustik miteinander kombiniert werden dürfen. Gerade im Pop ist es gängige Praxis, mehrere Hallerzeuger für Solostimme, Drums und Hintergrundinstrumente zusammen zu mischen. Und selbst einige der Presets aus Spaces sind das Ergebnis einer Mixtur verschiedener Impulsantworten. Im Surroundbetrieb ist es beispielsweise reizvoll, einen kurzen Hall für die Frontspeaker zu nehmen und einen lang ausklingenden für die rückwärtigen Monitore. Versuchsweise habe ich Malibu Stone Courtyard (0,9 sek Länge) für die Frontmonitore und Long Tunnel für die Rear-Boxen eingesetzt. Diese Kombination simuliert einen lang gestreckten Raum, bei dem sich der Zuhörer relativ weit vorne, nah am musikalischen Geschehen befindet. Die Reflexionen laufen um ihn herum und entfernen sich über eine weite Distanz nach hinten. Ein sehr schöner Effekt, der trotz der eigenwilligen Kombination natürlich klingt. Hier die Stereo-Version dieser Kombination:

 

Zur Lebendigkeit des Klangeindrucks tragen kleine Ungleichmäßigkeiten (Cluster) in der abklingenden Hallfahne bei, die den Charakter eines jeden Raumes ausmachen und mit sämtlichen Presets der Spaces-Library sauber abgebildet werden. Sie werden besonders bei Umgebungen deutlich, die über eine ungleichmäßige „Bauweise“ bzw. Relexionsbeschaffenheit verfügen – wie beispielsweise Höhlen…

 

Carlsbad Caverns

… und Wälder.

 

Hamburg Forest

Unter den instrumentenspezifischen Presets findet man auch einen Ordner mit mehreren Presets von Gated Drum Reverbs. Im Folgenden hören Sie zunächst einen trockenen Beat (den Raumanteil habe ich mit dem SPL Transient Designer weitgehend herausgenommen) …

 

… dann verschiedene Gate-Reverb Varianten.

 

Hier läuft der komplette Loop über ein Gate-Reverb-Preset mit 0,35 Sekunden Halldauer. Klingt schon recht massiv.

So hört es sich mit einem 0,6 Sekunden-Preset an:

 

Und hier liegt ein 0,8 Sekunden langer Gate-Reverb auf der Snare, ein 0,6 Sekunden langer auf der Bassdrum und die Hi-Hat spielt im „Hamburg Forest“ mit 300ms Predelay. Ein Limiter mit in der Spitze etwa 7dB Unterdrückung macht das Summensignal kompakt.

 

Beachtlich druckvoll wird es auch, wenn man die Drums über ein Presets aus der Abteilung „Big Drum Rooms“ laufen lässt:

 

Convolution Reverbs werden bevorzugt für Aufnahmen klassischer Musik eingesetzt. In der ersten Reihe stehen dort die Chöre. Die folgenden Audiodemos habe ich mit Voxos erstellt. Per Phrase-Builder singt Voxos einen Phantasietext, zunächst Staccato, dann gebunden. Verwendet habe ich die Close-Mikrofonierung und anschließend mit dem SPL Transient Designer das Sustain um 4dB heruntergefahren, um den Raumanteil in den Release-Samples weiter zu reduzieren. Zum Vergleich erst einmal die trockene Chor-Passage.

 

Mit dem Preset Hamburg Cathedral aus der instrumentenspezifischen Auswahl an Chor-Reverbs, 2,8 Sekunden Halldauer:

 

Mit „S. Ca. Hall Choir“ in True Stereo und eigentlich für rückwärtige Monitore gedacht, 3,7 Sekunden Halldauer:

 

Und hier singt der Chor im virtuellen Nachbau der Pasadena Taiko Hall, True Stereo, für Front-Monitore, 5,6 Sekunden Halldauer:

 

Als letztes Audiodemo noch eine etwas ungewöhnliche Zusammenstellung: Afrikanische Donn-Donn Trommeln und eine europäische Vocal-Improvisation, beides aus Ethno World 5; die Stimme erklingt in einem Parkhaus mit weich gezeichneten aber deutlichen Echo-Clustern in der Hallfahne, die eine starke Modulation aufweisen, passend dazu die Drums mit einem Gate-Reverb und 300ms Predelay, sodass auch hier ein Echo-Eindruck entsteht. Wieder erst das trockene …

 

… dann das bearbeitete Signal.

 

Interface

Bei QL Spaces spielt das Hauptfenster des Interfaces eine weitaus geringere Rolle als der Browser, weshalb es unüblicher weise auch erst am Ende dieses Tests auftaucht. Es gibt hier wahrlich nicht viel Aufregendes zu entdecken – QL Spaces ist war großflächig angelegt und mit Schattierungen in der grafischen Textur hübsch anzusehen, jedoch selten sparsam mit Parametern ausgestattet.

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Es gibt vier große Regler für die Signalanteile von trockenem und Effektsignal, Eingangslautstärke und Vorverzögerung, außerdem einen Schalter, der anzeigt, ob man sich im Stereo- oder im True-Stereo-Modus befindet. Die Impulsantworten liegen immer in einem der beiden Formate vor und sind per se nicht modifizierbar– dazu müssten die IR-Samples ausgetauscht werden. Daraus ergibt sich, dass der Schalter nicht bedienbar und tatsächlich nur als Anzeige gedacht ist; meiner Ansicht nach eine unnötige Irreführung – und auch hier wäre ein Hinweis per Mini-Manual hilfreich.

Ein zentrales Display informiert über die verwendete Technik, von den Mikrofonen über die Preamps, den A/D-Wandler, das Aufzeichnungsgerät bis zur Beschaffenheit des Halls. Hier erfährt man auch, wie viele Kanäle zu dem Stereomodell zusammengefasst wurden. Nicht zuletzt wird auch der verantwortliche Toningenieur genannt.

Es wäre schön, wenn man innerhalb dieses Displays zu einer Wellenformdarstellung umschalten könnte. Eine grafische Information über den Hallverlauf ist mitunter recht informativ.

Unterhalb des Dislays gibt es zwei großzügig angelegte Pegelanzeigen für das Eingangs- und das Ausgangssignal. So etwas wünsche ich mir bei allen Effekten. Eine Anzeige dieses Formats wäre auch für das Mastering tauglich.

In der Kopfleiste findet sich das Hauptmenü:

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Recht praktisch ist, dass man über „open recent“ zuvor geladene Hallpresets schnell erreichen kann. Probiert man mehrere Raume hintereinander aus und überspringt dabei den Wunschkandidaten, findet man leicht zurück und muss das Preset nicht erneut im gut gefüllten Browser aufspüren. Diesen erreicht man über den Button „Presets“. Der Bypass-Schalter passt zwar prima zum Design, es lässt sich jedoch schwer erkennen, in welcher Position er sich gerade befindet. Hier ist er aktiviert:

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und hier nicht:

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Unangenehm ist diese Kleinigkeit höchstens, wenn man QL Spaces im Standalone Betrieb live benutzt und sich mit einem kurzen Blick vergewissern will, ob der Hall eingeschaltet ist.

Vergleichskandidaten

Quantum Leap setzt bei Spaces ganz auf die Auswahl an hochwertigen IR-Samples. Geht es um die Audioqualität des Halls, macht QL Spaces einen exzellenten Eindruck, der sich noch steigert, wenn man ihn mit anderen Convolution Reverbs vergleicht. Er klingt edel, hoch auflösend, auf angenehme Weise dicht ohne den Mix zuzustellen und – eine Seltenheit bei einem Faltungshall – warm und musikalisch, nicht „nur“ dokumentarisch. On-Board-Mitteln gängiger Sequenzen, die großen Flaggschiffe inbegriffen, ist er soundmäßig deutlich überlegen. Er kann auch mit Convolution Reverbs höherer Preissegmente, wie dem IR1 von Waves, problemlos mithalten und übertrifft diese sogar noch ein um ein Quäntchen an Klarheit und detailgetreuer Zeichnung.

Die Schwäche von QL Spaces betrifft all jene, die in die Gestaltung des Raumes eingreifen wollen, denn hier geht unser Testkandidat nicht über ein Predelay hinaus. Der IR 1 bietet beispielsweise eine ganze Reihe von Optionen, die QL Spaces fehlen: Unter anderem die Veränderung der Halldauer, eine Reverse-Funktion, EQ/Dämpfung, separate Predelays für die frühen Reflexionen und die Hallfahne und eine Wellenformdarstellung des IR-Samples mit der Möglichkeit, eine Hüllkurve mit zahlreichen Ankerpunkten einzuzeichnen. Der Altiverb 6 von AudioEase ist mit ähnlich umfangreichen Parametern ausgerüstet, auch er ist deutlich teurer als QL Spaces.

Im Lager der algorithmischen Hallerzeuger findet man in den gehobenen Preisklassen ebenfalls exzellent klingende Produkte, die bei hoher Authentizität des Klangerlebnisses enorme gestalterische Möglichkeiten bieten, beispielsweise den Flux IRCAM Verb oder –für echte Mehrkanalanwendungen bis 8.0- den Raumsimulator Spat.

Das gefällt mir nicht

Die Ausstattung mit veränderbaren Parametern ist extrem spartanisch. Der Hersteller begründet den Verzicht auf weiterführende Parameter mit dem Argument, dass die optimale Soundqualität erhalten bleiben soll. Diese würde genau genommen leiden, wenn man das IR-Sample stretcht oder verkürzt. Von der Benutzerseite aus würde andererseits kein Zwang zu solchen geringfügig qualitätsmindernden Operationen bestehen. Puristen würden diese Funkton einfach ignorieren. Ein BPM-synchronisierbares Predelay, eine Reverse-Funktion oder eine in einer Wellenformdarstellung einzeichenbare Hüllkurve würden die Audioqualität hingegen nicht beeinträchtigen.

Als Kleinigkeiten wären die uneinheitliche Bezeichnung für True Stereo (TS und S-S), das irreführende Schalterdesign der Anzeige für Stereo und True-Stereo sowie die optisch kaum unterscheidbare Position des Bypass-Schalters zu bemängeln.

Das gefällt mir

Soundmäßig erreicht Quantum Leap Spaces Referenzklasseniveau. Der Klang ist gleichermaßen edel und warm – beinahe möchte man sagen: organisch, obwohl dieses Attribut eigentlich für die innere Modulation von algorithmischen Hallprogrammen reserviert ist.

QL Spaces erreicht seine musikalische Dimension offensichtlich durch das hochwertige Equipment, welches bei der Aufzeichnung der Impulsantworten verwendet wurde. Die Auswahl an Presets deckt weite Einsatzbereiche von Klassik bis Pop ab. Mit den instumentenspezifischen Presets ist es möglich, jeden Akteur auf seinem bestimmten Platz im Raum zu stellen. Dafür benötigt man zwar je nach Größe der Band bzw. des Orchesters viele Spaces Instanzen, die CPU-Last ist jedoch erfreulich niedrig und wird für einen aktuellen Rechner keine Probleme mit sich bringen. Die Presets sind sorgfältig erstellt und nehmen dem Benutzer viel Bastelarbeit und die Suche nach dem richtigen Reverb ab. Durch die Kombination von zwei Instanzen, Front und Rear, erreicht man einen enorm echten Surround-Reverb. Auch hier ist die Auswahl an gesampelten Lokalitäten, die sowohl Presets für die vorderen wie für die hinteren Kanäle bereitstellen, groß. In seiner Preisklasse gibt es keinen Hallerzeuger, der es in puncto Audioqualität mit QL Spaces aufnehmen kann.

Wie sich das Produkt im Vergleich unter 14 Hallerzeugern geschlagen hat, erfahren Sie hier.

Holger Obst

Systemanforderung Mac

  • Intel Core 2 Duo Processor 2.1 GHz. oder höher
  • 2GB RAM
  • Mac OSX 10.5 oder neuer

Systemanforderungen Windows

  • Intel Core 2 Duo oder AMD Dual Core 2.1 GHz. oder höher
  • 2GB RAM
  • Windows XP SP2, Vista oder Windows 7
  • Soundkarte mit ASIO Treiber

Preis

  • 268 Euro

Vertrieb

Hersteller

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