Test: Eventide Tverb

Die Raumgestaltung

Auch der Raum selbst kann gestaltet werden.

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  • Die Nachhallzeit (Decay) reicht von 0,2 bis 7 Sekunden.
  • Mit Diffusion bestimmt man die Reflexionsdichte. Ein hoher Wert führt zu einem runderen, ausgewogeneren Raumklang, bei dem einzelne Reflexionen nicht mehr wahrgenommen werden. Eine niedrige Dichte lässt den Raum etwas kühler und luftiger wirken und eignet sich beispielsweise für volle Arrangements, die unauffällig und ohne den Klang zu dicht werden zu lassen, mit Hall versorgt werden sollen.
  • Daneben gibt es noch zwei Filter zum Absenken der Höhen oder zum Anheben/Absenken der Bässe. Die Filter eignen sich, um Materialeigenschaften zu simulieren. Höhenarme Reflexionsmuster entstehen beispielsweise bei Räumen mit stoffbezogenen Wänden, Möbeln, Gardienen etc., höhenreiche Reflexionen verbindet man mit Glasflächen oder Steinwänden.

Für die folgende Violinen-Passage habe ich den Raum Hansa Meistersaal mit einem Decay von 2 auf 5 Sekunden „vergrößert“. Die Violine stammt von Samplemodeling und verfügt über keinen eigenen Raumklang. Sie hören zunächst den Raum mit minimaler Diffusion, dann mit maximaler.

 

 

Deutlicher wird die Bedeutung des Diffusionsparameters, wenn man Percussion verwendet. Im folgenden Audiodemo habe ich Diffusion vom Maximalwert langsam zum Minimalwert heruntergefahren.

 

Das nächste Audiodemo ist etwas experimentell. Der Sänger verlangt von einer zweiten Person, dass diese ihre Kartoffel aufisst und ihn in Ruhe lässt (aus Ethno Word 5, Voices). Hinzu kommt eine bemühter, jedoch noch nicht ganz zum allgemeinen Tempo gefundener Ethno-Trommler (Ethno Word Pro II), sowie ein Duo aus Klavier (Una Corda, NI) und Schweitzer Pfannentrommeln (Pan Drums, aufgenommen von Soniccouture in London). Zum Einsatz kamen mehrere Tverb-Instanzen mit dem selben Raum aber unterschiedlichen Mikrofonpositionierungen.

Der Mensch, der sich um die Kartoffel sorgt, wendet sich zwischendurch vom Frontmikro ab, sodass sich ein dynamischer Hallverlauf ergibt.

 

Tverb verleiht den zusammengewürfelten Klangquellen einen gemeinsamen Raum, sodass man den Eindruck gewinnt, sie hätten auf irgend eine Weise etwas miteinander zu tun.

Ohne Tverb fällt das Ganze in voneinander isolierte Bestandteile auseinander.

 

Zum Abschluss noch ein Beispiele für Gate-Reverb Drums (hier angewendet auf die Snare). Zunächst der trockene Groove von Toontracks EZdrummer, Post Rock EZX:

 

Nun mit einem Gate-Reverb auf der Snare (die ich auf einen Einzelausgang von EZdrummer gelegt habe). Die Halldauer liegt bei nur 500 ms, die Reflexionsdichte (Diffusion-Parameter) ist im nächsten Beispiel niedrig eingestellt. Dadurch kommt es zu einem Echo-Cluster, ähnlich einem Slapback-Delay, jedoch etwas breiter aufgestellt:

 

Erhöht man die Werte für Decay und Diffusion, so klingt es folgendermaßen:

 

Tverb bietet auch ein Konzerthallen-Preset. Hier zunächst Spiccato-Streicher ohne Tverb (Native Instruments Symphonie Series String Ensemble, Nahmikrofonierung).

 

Die Streicher bringen von Haus aus bereits einen Raumanteil mit, wodurch sie voller klingen. In der Kombination mit Tverb entsteht eine beeindruckend natürliche Raumakustik:

 

Diese Einstellungen habe ich verwendet:

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