Test: FXpansion Geist 2

Zu den Effekten:

Diese gibt es auf Layer, Pad, Engine und globaler Ebene, hier u.a. über die Sends erreichbar (was wir ja schon ausprobiert haben). Alle Effektparameter, ich wiederhole das hier noch einmal, weil es so wichtig ist und keine Selbstverständlichkeit, sind über interne Modulatoren, die Makros und auch separat via MIDI-Learn über Controller steuerbar.

Auch bei den Effekten fehlt es, typisch für FXpansion, nicht an Details und auch nicht an einer Reihe von Besonderheiten, die man anderswo so nicht vorfindet.

Wir basteln uns einen Bassdrum-Track, um ein paar Effekte auszuprobieren. Dazu laden wir einige analoge Kicks (also Samples analoger Klangerzeuger, keine Emulationen) auf die Pads 1 bis 4 der Engine 1.

In Pad 4 legen wir gleich acht Bassdrums als Layer. Dies können wir nun alternierend als Round Robins oder auch – bis ins Detail gestaltbar – als Velocity-Splits mit Crossfades einsetzen.

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Hier ist nur die Bassdrum von Pad 4 mit ihren Layern beteiligt:

 

Nun aktiviere ich im Pad Editor einen Ringmodulator und steuere dessen Mixanteil und die Tonhöhe über die Wellenform „Bouncing Ball“: Dabei handelt es sich in etwa um die Bewegung, die ein Flummi vollführt, wenn man ihn fallen lässt, umgesetzt in eine Verlaufsform. Nun braucht es ein Ereignis, um den Fall des Flummis auszulösen. Ich triggere den Bouncing-Ball-Modulator mit Bassdrum Pad 1 (das hatten wir weiter oben schon einmal: LFOs und andere Modulatoren können von Pads und anderen Events getriggert werden). Natürlich muss ich nun wenigstens einen Kick von Pad 1 einfügen, als auslösendes Ereignis.

Das Experiment hört sich so an:

 

Nun hätte ich es gerne polyrhythmisch. Dazu führe ich einen Rechtsklick auf ein Bassdrum-Pad aus – und es tun sich gleich ganze Welten auf:

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Mir genügt die einfache Copy & Paste-Funktion, um die Bassdrum in Engine 2 zu transportieren.

Engine 1 läuft mit 16 Steps in 1/16tel Länge. Engine 2 soll mit 7 Steps in 1/8 Länge laufen.

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Um den Bassdrum-Kick in die Länge zu ziehen, benutze ich wieder einmal Zynaptiqs Time-Stretching, das mir ganz hervorragend gefällt. Zur Klangformung setze ich das Filter aus dem Sample-Editor ein und moduliere es mit dem Modrphing LFO (der über Shape ein stufenloses Überblenden zwischen verschiedenen Wellenformen zulässt). Dieser fügt ein paar kleine Artefakte, ein dezentes Rumpeln oder Klicken hinzu.

Für die Klangbearbeitung schalte ich Engine 2 auf Solo.

 

Es folgt eine Bearbeitung mit Amber Choruns und Frequency Shifter.

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Amber Chorus steuert einen wunderbaren Vintage-Chorus bei, der schön rau klingt. Der Frequency Shifter fügt kleine Abrutscher ins Düstere hinzu, gesteuert über den Morphing LFO.

Das ist aber noch nicht alles: Die Bassdrum soll nach einer Art Maschine in einem entfernten Gewölbe klingen. Dazu brauche ich noch etwas Hall. Ich nehme Overloud Breverb in der Reverse-Ausführung und zum Schluss noch, ganz dezent beigemischt, ein Echo.

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Beim Breverb steuere ich mit dem Morphing LFO den Mix-Anteil, damit er nicht die ganze Zeit dröhnt und den Gesamtkang verstellt.

Hier Engine 2, immer noch im Solo-Modus:

 

Wie gesagt: das Klicken ist gewollt und soll Patina beisteuern. Beide Engines zusammen:

 

Die Bassdrum aus Engine 1 könnte noch eine Panoramabewegung vertragen. Diese erreicht man, das wissen wir ja bereits, über die Automationsspur des Pads im Pattern-Editor.

Jetzt sind immer noch zwei Bassdrums übrig. Bassdrum Nr. 2 transformiere ich mit dem Child Genious Filter. Dieser bietet eine schier erschlagende Menge an Charakteristika:

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Schön, dass man durch diese einfach bei laufendem Playback steppen kann. Auch diese Bassdrum soll eine Geräuschtextur beisteuern. Zum Child Filter, dessen Cutoff-Ausgangsposition ich in die unteren Mitten verlege, füge ich Audio Freezer, Amber Chorus und Tin Can Verb hinzu, alle in diversen Parametern dezent moduliert. Die gefilterte Bassdrum gibt nun eigentümlich wimmernde Geräusche von sich.

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Man muss sich diesen Experimental-Loop einfach so lange anhören, bis man seine Hörgewohnheiten entsprechend erweitert hat, dann gewinnt er etwas Gestört-Mysisches. Eine Art Beschwörung der Maschine. Zusammen mit den anderen Tracks klingt das Ganze so:

 

Wie abgedreht die Sache ist, hört man noch deutlicher, wenn man die wimmernde Bassdrum auf Solo schaltet:

 

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