Test: Toontrack Superior Drummer 3

Mit dem Superior Drummer 2 hat Toontrack für etliche Jahre den Standard für Sample-Drums geschaffen, an dem sich die Konkurrenz messen lassen musste. Mit SD3 wird das Flaggschiff nun auf ein neues Level gehoben. Schafft es Superior Drummer 3, die Referenzklasse neu zu definieren?

Spätestens seit Erscheinen des EZdrummer 2 im Jahr 2014 wirkte der große Bruder etwas altmodisch und der Workflow überholt. Schließlich hat SD2 mittlerweile ein knappes Jahrzehnt auf dem Buckel – für eine Software eine halbe Ewigkeit! Superior Drummer 3 weckt nun höchste Erwartungen: Sechs komplette Drumkits mit rekordverdächtigen 230 GB Samples, 35 Effekte, 11.1 Surround und die Songwriting-Tools des EZdrummer … insbesondere das letztere Feature hatten wir beim Superior Drummer vermisst.

Unterm Strich signalisieren die Eckdaten Masse UND Klasse. Toontrack fasst SD3 zusammen mit „Welcome to the future of drum production.“, George Massenburg spricht von „revolutionär“. Releasetime hat diese Zukunft ausgiebig für Euch getestet – setzt schon mal `ne große Kanne Kaffee auf…

 

Norman Garschke spielt die Rhythmen für die Groove-Library ein …

  

… und bedient auch die diversen Kits zwecks Generierung der Samples.

Installation & Autorisierung

Download, Installation und Autorisierung hat Toontrack vorbildlich gelöst. Der Produktmanager, ein kleines Programm, das man auf der Website toontrack.com herunterladen kann, zeigt alle Produkte, für die man gültige Lizenzen hat. Die Produkte sind übersichtlich in Gruppen eingeteilt: EZdrummer, EZX-Erweiterungen, EZkeys, Superior Drummer, MIDI-Packs usw..

Bei jedem einzelnen Produkt kann man sehen, ob es heruntergeladen ist, ob es installiert ist und ob Updates vorliegen. Ist ein Produkt nicht heruntergeladen, installiert oder aktuell, kann man das mit einem Mausklick ändern. Den Speicherort für Downloads kann man individuell festlegen, und die Downloads können pausiert und wiederaufgenommen werden. Bei einem Produkt wie dem Superior Drummer 3, der mit ca. 250 GB zu Buche schlägt, ein enorm wichtiges Feature. Superior Drummer 3 selbst hat ungefähr 300 MB, die Library mit 250 GB ist in 5 Hauptbestandteile unterteilt (Basic Sound Library, Room Mics, Surround Setup, Height Surround, Additional Bleed). Man muss nicht alle Teile installieren, aber die späteren Teile setzen die vorherigen teilweise voraus.

Die Autorisierung erfolgt durch Eingabe einer Seriennummer blitzschnell und extrem einfach. Ist der Musik-Computer nicht mit dem Internet verbunden, ist es etwas umständlicher, aber auch problemlos möglich. Es können bis zu zwei Computer gleichzeitig autorisiert werden – wie bei allen Toontrack Produkten).

In diesem Bereich gibt es also schon mal die volle Punktzahl.

Übersicht

Beim gebotenen Funktionsumfang des Superior Drummer 3 beginnen wir am besten mit einer Auflistung der Features und Neuerungen:

  • sechs komplette Drumkits mit 16 Kicks und 25 Snares

  • 230 GB unbearbeitete Samples in 44.1 kHz/24 bit

  • Zahlreiche Artikulationen, auch mit Besen, Tods & Mallets

  • zahlreiche Mixer-Presets für unterschiedliche Musikstile

  • ca. 350 Samples von elektronischen Drums

  • Stereo bis 11.1 Surround

  • 35 Mixer-Effekte
  • Aufgenommen, gemischt & produziert von George Massenburg
  • Aufgenommen in den Galaxy Studios in Belgien, dem weltweit leisesten Studio
  • Neue MIDI-Groove-Library mit über 1600 Grooves & Fills, eingespielt von Norman Garschke
  • integrierte Drum-Audio zu MIDI Konvertierung (Drum-Tracker)
  • Integration der aus EZdrummer2 bekannten teils revolutionären Funktionen:

    • Edit Play Style (Hinzufügen oder Weglassen von Schlägen bei einzelnen Kit-Pieces)

    • Tap2Find (Suche nach Grooves, die einem selbst eingetrommeltem Groove möglichst ähnlich sind)

    • Song Creator (automatisches Erstellen eines kompletten Songs anhand eines gewählten Grooves und einer gewählten Songform)

    • Song Track (Erstellen eines Arrangements innerhalb von SD3)

  • Integrierter MIDI-Grid-Editor
  • Skalierbares Interface
  • Skalierbare abtrennbare Fenster
  • DAW Automation für die eingebauten Macro Controls

  • volle Integration von EZdrummer- und früheren Superior-Drummer-Libraries.

  • Integration eigener Samples
  • Support für Tastaturbefehle (Keyboard-Shortcuts)

Erster Eindruck – die wichtigsten Funktionen

Nach dem Öffnen der Standalone-Version lacht den Betrachter ein fotorealistisches Drumkit an (1). Es nimmt gut zwei Drittel des Bildschirms ein und sieht wesentlich ansprechender aus als die Platzhalter-Bilder des SD2.

Ganz unten befindet sich ein Song-Track mit dem üblichen Transportfeld (2), dazu zwei Drop-Down-Menüs (3), um den ganzen Track oder einen einzelnen MIDI-Block zu bearbeiten.

Darüber findet sich eine Zeile mit 12 Dropdown-Menüs und Schaltern:
Links befinden sich die
üblichen Menü-Punkte File, Edit, Settings, View und Help (4). Ein kurzes Öffnen offenbart die erwarteten Optionen für Öffnen/Speichern, Undo/Redo, Cut/Copy/Paste, Audio-Settings, und so weiter.

Rechts befinden sich drei Dropdown-Menüs (5). Mit ihnen wählt man die Library, das Preset und RAM-Management.

In der Mitte finden sich vier Tabs/Schalter, mit denen zwischen den vier Hauptansichten gewechselt werden kann (6). Diese schauen wir uns etwas genauer an, bevor wir im Praxis-Teil in die Tiefe gehen.

Ganz rechts sind jeweils Detaileinstellungen in Form von übereinandergestapelten zuklappbaren Tabs untergebracht (7). Diese ändern sich je nach gewählter Ansicht und gewähltem Werkzeug.

 

Die vier Hauptansichten

Die vier Hauptansichten heißen Drums, Grooves, Mixer und Tracker.

  1. Drums

Das Drumkit wird fotorealistisch gezeigt, nicht geladene Kit-Pieces werden als durchsichtiges Symbol dargestellt.

Ein Mausklick auf ein Kit-Piece triggert die Hauptartikulation. Dies erlaubt ein schnelles Vorhören, allerdings nur in einer Velocity und mit einer Artikulation.

Ein Rechtsklick auf ein Kit-Piece öffnet den übersichtlich sortierten Auswahl-Dialog. Hier können nicht nur verschiedene Instrumente derselben Gattung (also im Snare-Slot nur Snare-Drums) gewählt werden, sondern auch komplett andere Instrumente (also Crash im Kick-Slot). Außerdem können auch verschiedene Spielweisen gewählt werden (Sticks, Brushes, Rods, Felt Mallets, Wires Off).

Über dem Kit und rechts davon gibt es diverse fortgeschrittenere Optionen (Tuning, Velocity Curve, Hit Variation, Envelope …)

STRG + ALT öffnet ein Velocity-Pad, sodass die Hauptartikulation des gewählten Kit-Pieces mit der Maus in den unterschiedlichen Anschlagsstärken angehört werden kann.

  1. Grooves

Unter dem Tab Grooves verbirgt sich wie erwartet der bewährte und beliebte Groove-Browser. Man wählt die Library, dann den Style, dann den Song und dann den Song-Part.

Vermisst habe ich beim ersten Anblick das großartige Search-Tab mit den umfangreichen Suchoptionen wie zum Beispiel der Tap2Find-Funktion. Diese mit EZdrummer2 eingeführten teils revolutionären Funktionen sind beim SD3 mit im Groove-Browser integriert. Klasse, kein Hin- und Her-Wechseln zwischen diesen beiden Tabs mehr!

  1. Mixer

Der umfangreiche Mixer ist selbsterklärend: Jeder Kanal verfügt über Volume-Fader, Pan, Solo-/Mute-/Phase-Button, Bus-Sends, Effekt-Insert-Slots und Bleed.

In den Dropdown-Menüs oben kann zwischen Stereo-Out und Multi-Channel-Out gewechselt werden, Presets können gespeichert werden und so weiter. Die fortgeschritteneren Optionen befinden sich wieder auf der rechten Seite.

Praktisch sind die Visibility-Optionen, mit denen mit einem Mausklick ganze Kanalgruppen ausgeblendet werden können. Bei der Anzahl der gebotenen Kanäle eine willkommene, ja notwendige Funktion.

  1. Tracker

Im Tracker-Fenster können Audio-Spuren in MIDI-Spuren umgewandelt werden, um einzelne Kit-Pieces oder das gesamte Schlagzeug mit Samples zu doppeln oder zu ersetzen.

Zusammenfassung erster Eindruck

Superior Drummer 3 ist trotz seiner vielfältigen Funktionen äußerst übersichtlich und intuitiv zu bedienen. Alle wichtigen Funktionen sind da, wo man sie erwartet und machen das, was sie sollen. Das macht Lust auf mehr: Lasst uns in die Tiefe gehen!

Praxis

Drums-Tab

Grafische Darstellung

Die Grafiken der einzelnen Trommeln und Becken auf dem Drums-Tab sind in SD3 foto-realistisch. Das ist nicht nur deutlich schöner und inspirierender anzuschauen, sondern man erkennt auch auf einen Blick, ob man Kit-Pieces aus verschiedenen Kits zusammengestellt hat. Die Anzahl der gesampelten Kit-Pieces ist schlichtweg beeindruckend. Wie ersetzt man nun eine Trommel durch eine andere aus dieser riesigen Auswahl?

Kit-Piece ersetzen

Ein Rechtsklick auf das gewünschte Kit-Piece im Drums-Tab öffnet ein Auswahl-Menü. Hier können wir die Kit-Pieces vorhören und auswählen. Dabei kann man auch Instrumente durch komplett andere ersetzen, also zum Beispiel ein weiteres Becken anstelle eines Toms.

Auf die Standard-Kit-Pieces kann man mit einem einfachen Rechtsklick zugreifen, „artfremde“ Kit-Pieces brauchen einen zusätzlichen Klick, um ein Untermenü zu öffnen. So passiert diese Auswahl nicht versehentlich und die Auswahl bleibt übersichtlich.

Im rechten Bereich des Menüs werden jeweils alle vorhandenen Artikulationen dieses Kit-Pieces angezeigt und können mit einem Mausklick schnell vorgehört werden. Möchte man ein Kit-Piece aus einer anderen Library (SDX, EZX oder EZdrummer2), so wählt man den obersten Menü-Punkt ‚Search‘ oder gleich den Keyboard-Shortcut STRG + R. Unter „More“ verbergen sich fortgeschrittenere Optionen wie „Stack“ und „Import Audio File“.

Sind viele EZX- oder SDX-Erweiterungen installiert, hilft die Suchfunktion. Das Such-Menü ähnelt sehr dem bekannten Toontrack-Such-Fenster für MIDI-Grooves. Hier kann man verschiedene Filter setzen, wobei man entweder einen oder mehrere auswählen oder exkludieren kann (1):

  • Librarys

  • Type (elektronisch / akustisch)

  • Instrument Type (Kick, HiHat etc.)
  • Tool (Stick, Brushes etc.)

Alle vorhandenen Artikulationen können gleich vorgehört werden (2).

Um die Hauptartikulation einer Trommel schnell in verschiedenen Lautstärken vorhören zu können, muss der Nutzer in SD3 nicht mehr mit der Maus bis unten rechts fahren. Durch Drücken der Tastenkombination CTRL-ALT öffnet sich unter dem Mauspfeil ein Velocity-Pad, egal wo sich der Mauspfeil gerade befindet. Sehr praxistauglich!

Die Einstellungen der Instrumente / Kit-Pieces lassen sich jetzt mit Dialog-Boxen tätigen. Diese können zugeklappt und per Drag&Drop neu angeordnet werden. Solche Einstellungen des Arbeitsbereichs lassen sich als Preset speichern und jederzeit wieder aufrufen.

Und im Gegensatz zum Vorgänger gibt es dieses Mal auch zahlreiche Mixer-Presets, so dass der Superior Drummer in der dritten Generation auch für Musiker interessant ist, die viele Artikulation und ein fantastisch klingendes Drumset brauchen, aber keine Tontechniker sind.

Hören wir doch mal in die Kits hinein, bedienen uns dabei der angebotenen Mixer-Presets und nutzen nur die Basis-Kanäle (Close Mics, Overhead & Ambience):

 

 

Sehr schön zu hören sind die feinen Nuancen der unterschiedlichen Hi-Hat-Artikulationen und der edle Klang der unbearbeiteten Samples. Insgesamt gibt es – je nach Zählweise – sechs bis sieben komplette Kits.

Als nächstes hören wir ein Preset namens „1960 Mono“ aus dem Ordner Blues/Funk/Jazz mit einem passenden Groove:

 

Und noch ein Preset von Bob Rock:

Sofern ich mich nicht verzählt habe, gibt es zur Zeit exakt 191 Presets, teils von bekannten Namen wie Bob Rock, George Massenburg, Andy Sneap etc., die eine enorme Bandbreite von Stilen abdecken von Retro bis experimentell.

Jetzt hören wir uns einmal den Einfluss der zusätzlichen Raummikros an. Zuerst hören wir einen Groove mit den Basis-Kanälen (Close Mics, Overhead & Ambience) und dann dasselbe Beispiel mit den zusätzlichen 11.1 Surround-Kanälen als zusätzliche Raum-Mikros:

Der Unterschied ist beeindruckend, oder?

Die zusätzlichen Raum-Mikros sind teils in Über-Kopf-Üpsitionen eingesetzt und bereichern, wie wir gerade demonstriert haben, auch den Stereosound. Keine andere Drum-Library verfügt derzeit über eine derart umfangreiche Ausstattung an Mikrofonpositionen.

 

Artikulationen

War die Anzahl der Kit-Pieces schon beeindruckend, ist die Anzahl der Artikulationen schlichtweg überwältigend. Eingespielt wurden die Samples, ebenso wie die Grooves, von Norman Garschke, der hier ganze Arbeit geleistet hat. Seine Aufgabe war es laut Produkt-Video, „jede der Menschheit bekannte Schlagzeug-Artikulation aufzunehmen“. Herausgekommen ist dabei eine irrwitzige Anzahl Artikulationen, die es meines Wissens so noch nicht bei einem virtuellen Trommler gegeben hat.

Die wohl wichtigsten Parameter für den Realismus einer Schlagzeug-Library dürften die Hi-Hat, die Snare und die Bleed Kanäle sein.

HiHat

Fangen wir mit der HiHat an. Sie hat eine unglaubliche Anzahl von Artikulationen:

  • Pedal Closed
  • Pedal Open
  • acht Edge-Artikulationen (Tight, Closed, Open 0 bis 5)
  • acht Tip-Artikulationen (Tight, Closed, Open 0 bis 5)
  • acht Bell-Artikulationen (Tight, Closed, Open 0 bis 5)
  • Bei Besen-Sets zusätzlich 8 Shaft-Artikulationen (Tight, Closed, Open 0 bis 5)

Das sind bis zu unglaublichen 34 Artikulationen!

Zusätzlich gibt sind noch Edge Trigger, Tip Trigger, Bell Trigger und Shaft Trigger zugewiesen, um ein lebendig klingendes Einspielen zu ermöglichen

Neben den Artikulationen werden die MIDI-Notennummern (siehe Bild HiHat-Artikulationen) oder die Notennamen (siehe Bild Snare-Artikulationen) angezeigt.

Snare

Die Artikulationsauswahl der Snare (s. Abb. oben) ist nicht weniger beeindruckend:

  • Center
  • Mid Center
  • Edge
  • Rimshot
  • Sidestick
  • Rim Only

  • Flams

  • Ruffs

Bei mit Besen gespielten Snares kommen noch folgende Artikulationen hinzu:

  • Mute
  • Thumb
  • Forward Swirl
  • Backward Swirl

Zum leichteren Einspielen gibt es zudem Forward Brushes Trigger und Backward Brushes Trigger.

Hier hätten noch mehr Variationen beim Wischen sein können, zum Beispiel Wischen mit schnellen und langsamen Akzenten, wie dies Spezial-Librarys teilweise bieten.

Nichtsdestotrotz klingen die Brush-Kits großartig. Hier ein jazziges Beispiel:

 

Selbstredend wurden all diese Artikulationen mit zahlreichen Velocity Layers aufgenommen und jedes Velocity Layer mit Round Robins (alternierende Samples bei gleicher Lautstärke).

Naturgemäß frisst eine solche Detailtreue eine enorme Menge RAM. Deshalb können diese Artikulationen jeweils einzeln geladen werden – mit einem Mausklick im entsprechenden Menü!

 

 

Nehmen wir uns mal eine Snare als Beispiel und hören uns alle Artikulationen mit der Velocity 100 an:

 

Und jetzt die Artikulation Center in verschiedenen Velocities:

 

Hier hört man sehr schön die hohe Anzahl an Velocity-Layern, die Schläge ändern nicht nur die Lautstärke, sondern fortwährend auch ihren Klang.

Und beispielhaft noch eine Hi-Hat, erst wieder alle Artikulationen mit einer Velocity…

 

… und dann die Artikulation Closed 1 mit verschiedenen Velocities:

 

Und jetzt eine Snare mit Machine Gun, also zahlreiche Schläge mit derselben Artikulation und derselben Velocity, einmal ohne Round Robins, Randomize Hits etc. (Tab Hit Variation) und einmal mit:

Da klingt nichts nach dem gefürchteten Machine-Gun-Effekt, durch die verschiedenen Samples, auch bei gleicher Velocity (Round Robins), klingt das absolut realistisch. Klasse.

Neben den wenigen Wisch-Variationen fehlt auch die Standard-Artikulation „Stöcke zusammenschlagen“, die schon bei fast allen EZX-Erweiterungen von Toontrack fehlt.

MIDI Mapping

Durch Updates haben nun auch die älteren SDX-Librarys neue Grafiken bekommen. Viel wichtiger ist aber: Instrumente aus allen Toontrack-Librarys können jetzt frei kombiniert werden. Außerdem können auch mehrere Instrumente ganz einfach mit derselben MIDI-Note angesprochen werden („Stacking“).

Jedes einzelne Instrument eines Stacks kann über sämtliche Instrumenten-Parameter individuell gestaltet werden, zum Beispiel mit den Lautstärke- und Pitch-Hüllkurven, der Rückwärts-Option, der Velocity-Kurve und der Velocity-Gate-Funktion.

Das MIDI Mapping ist jetzt integriert in die Property-Boxen des selektierten Instruments (rechte Seitenleiste): Auf die MIDI-Informationen für das selektierte Instrument und all seine Artikulationen kann jetzt schnell und einfach zugegriffen werden.

Die neue Piano-Roll im Superior Drummer 3 öffnet sich vertikal. Die Benennung der Töne erfolgt mit MIDI-Zahlen 1-127 anstelle von Notennamen. SD3 erlaubt eine unglaubliche Detailkontrolle auf Pro-Artikulations-Basis. Und wieder ein Punkt, der sehr praxisnah gelöst ist: Nicht geladene oder nicht in der Library enthaltene Artikulationen werden automatisch durch andere ersetzt, so dass nicht einfach der Schlag fehlt, sondern nur etwas anders klingt.

Tuning

Pitch und Tuning eines Kitpiece sind im Superior Drummer 3 zwei unterschiedliche Funktionen. Für das Verstimmen von Becken und Trommeln gibt es außerdem zwei unterschiedliche Algorithmen, die entsprechend optimiert sind und ihre Arbeit großartig machen. Diese Bearbeitung kann für jede Artikulation einzeln erfolgen, man könnte also zum Beispiel nur die Bell-Artikulation einer HiHat oder den Rimshot einer Snare verstimmen.

16 TT SD3 Tuning+PitchFX.jpg

Bei den folgenden Beispielen wurde die Kick erst unbearbeitet gelassen, dann sechs Halbtöne tiefer gestimmt und dann mit dem Pitch-Effekt bearbeitet (ebenfalls sechs Halbtöne tiefer, aber dann nach oben, siehe die beiden Punkte in der Kurve). Beim Pitch-Effekt können mehrere eigene Punkte eingezeichnet werden.

 

Grooves-Tab

Die teils revolutionären Songwriting-Features von EZdrummer 2 (Testbericht: https://www.releasetime.de/test-toontrack-ezdrummer-2/ ) sind nun auch endlich im Superior Drummer 3 verwendbar. Die mitgelieferten 1600 Grooves des Superior Drummer 3 lassen sich hier genauso übersichtlich verwalten und finden wie alle anderen vorhandenen Grooves aus MIDI-Packs, EZX- oder SDX-Erweiterungen und eigene MIDI-Grooves beziehungsweise von Drittanbietern gekaufte.

Norman Garschke, seines Zeichens studierter Drummer, der schon einige großartige MIDI-Groove-Packs wie Basic Jazz MIDI, AOR MIDI und Funk MIDI für Toontrack eingetrommelt hat, verfügt über ein erstklassiges Mikro-Timing: Es groovt, klingt lebendig, und ist in dieser Qualität auch für geübte Keyboarder per Selbst-Einspielen kaum möglich, auch nicht unter Verwendung von DAW-internen Quantisierungsfunktionen.

Bei dieser immensen Auswahl an hochwertigen Grooves ist eine ausgefuchste Suchfunktion unumgänglich. Und auch da schlägt der Superior Drummer 3 nach allen Regeln der Kunst zu: Stichwortsuche (auch mehrere Begriffe), Suche nur in bestimmten Librarys / Groovearten / … oder andersherum Ausschluss bestimmter Librarys / Groovearten / …

Selbst die weiteren von Toontrack erhältlichen Grooves können – Internet-Zugang vorausgesetzt – durchsucht werden. Hierzu klickt man den Button „Show Webshop MIDI“ und wartet, bis SD3 die entsprechenden Grooves geladen hat. Diese können dann auf Wunsch direkt bei Toontrack erworben werden.

Wenn man schon einen bestimmten Groove im Kopf hat, kann man diesen auch seinem virtuellen Schlagzeuger vorspielen:

Tap-2-Find

Mit Tap2Find lässt man Superior Drummer 3 vortrommeln (mit der Maus oder einem MIDI-Controller), welche Art Groove man sucht. Rechts im Bild zu sehen ist die Vorschau des bisher Eingetrommelten.

Nach Beenden des Einspielvorgangs klickt man die Results-Taste. Die Pattern werden nach Übereinstimmung sortiert angezeigt und können mit diversen Filtern (welche Library, welcher Style etc.) weiter selektiert werden.

Edit Play-Style

Mit Edit-Play-Style kann der Nutzer bestehende Grooves auf intuitive Art und Weise verändern. So kann man quasi mit dem Schlagzeuger sprechen: Anweisungen wie „Spiel die Achtel mal auf der HiHat statt dem Ride“ (1) und „Spiel mal die Snare etwas leiser“ (2) und „Spiel mal weniger Schläge auf der Kick“ (3) werden anstandslos umgesetzt.

Im Einzelnen kann man mit der Maus:

  • die Power-Hand verschieben

  • ein Crash auf die Zählzeit 1 eines Grooves setzen (die Hi-Hat wird dann an dieser Stelle automatisch weggelassen)

  • einzelne Kit-Pieces oder das ganze Kit lauter oder leiser spielen lassen

  • einzelne Kit-Pieces oder das ganze Kit mehr oder weniger Schläge spielen lassen

  • Artikulationen austauschen (z. B. Open Hi-Hat statt geschlossener)

  • Kit-Pieces austauschen (im Drums-Tab)

Die Kommunikation und das ‚Mitdenken‘ des Über-Trommlers sind mittlerweile geradezu atemberaubend. Dazu zählen auch Details wie das folgende:

Fehlende Kit-Pieces oder Artikulationen werden automatisch ersetzt

Superior Drummer 3 enthält einen Algorithmus, der nicht geladene / nicht bei diesem Kit enthaltene Kitpieces und Artikulation automatisch mit einem möglichst ähnlichen Kitpiece bzw. einer möglichst ähnlichen Artikulation ersetzt. Dadurch kann man MIDI-Files problemlos abspielen, auch wenn ein bestimmtes KitPiece / eine Artikulation fehlt. Es entstehen keine Lücken im Groove.

Das kann man auch gezielt zur Bearbeitung nutzen oder um RAM zu sparen:

 

RAM-Management


Man kann nicht benötigte Artikulationen aus dem RAM entfernen (unload), so dass z. B. alle Snare-Schläge nur noch als Rimshot gespielt werden. Diese MIDI-Umleitungen werden auch im Grid-Editor angezeigt (s. u.).

Außerdem kann die Anzahl der Voices und der Velocity Layers für jedes einzelne Kit-Piece individuell begrenzt werden.

Die Auswirkung auf den aktuellen RAM_Bedarf des geladenen Kits kann man sofort oben rechts sehen:

 

Grid-Editor

Für noch tiefer gehende Detail-Bearbeitungen als mit Edit-Play-Style möglich, musste man bisher beim EZdrummer 2 die Midi-Spur der DAW nutzen. Superior Drummer 3 bietet einen Grid-Editor. (Dieser dürfte Cubase-Nutzer sehr an ihren Drum-Editor erinnern.)

Hier können eigene Grooves mit Mausklicks von Grund auf selbst programmiert werden oder vorhandene Grooves aus der mitgelieferten Sammlung, EZX-/SDX-Erweiterungen, Toontrack-MIDI-Packs oder MIDI anderer Hersteller – bis ins kleinste Detail bearbeitet werden.

Von links nach rechts wird die Zeitachse dargestellt. Die einzelnen Kit-Pieces finden sich auf unterschiedlichen Zeilen übereinander geschichtet. Ein sehr durchdachtes und praktisches Detail: Die Artikulationen jedes einzelnen Kit-Pieces lassen sich auf- und zuklappen. So kann man extrem ins Detail gehen oder eine gute Übersicht bekommen. Im Bild ist die Hi-Hat aufgeklappt, Kick und Snare geschlossen.

Mit der Maus klickt man nun die gewünschten Schläge ins Raster. Nicht geladene Instrumente werden heller dargestellt und können mit einem Mausklick auf den entsprechenden An-Aus-Schalter nachgeladen werden.

Der Grid Editor ist auch ein großartiges Lern-Werkzeug für einen Nicht-Trommler oder einen Schlagzeug-Anfänger, denn hier kann man die fertigen Grooves genauestens untersuchen und von ihnen lernen.

Song-Creator

Der Song-Creator – ebenfalls aus dem EZdrummer 2 bekannt – erzeugt aus einem kleinen Groove eine komplette Schlagzeugspur mit Songstruktur, wobei für jeden Part aus einer Handvoll Variationen gewählt werden kann.

Mixer-Tab

Aufgenommen, gemischt und produziert wurde die Library von Produzenten-Legende George Massenburg, und zwar in den Galaxy Studios in Belgien, dem weltweit leisesten Studio.
Die Samples liegen in 24Bit ohne Effekt-Bearbeitung vor. Optional können pro Kanal bis zu 15 der 35 Effekte eingesetzt werden, außerdem gibt es zahlreiche Mixer-Presets für unterschiedlichste Stilistiken. Darauf gehen wir gleich noch näher ein.

Die Routing-Matrix wurde komplett überarbeitet. Nicht nur gibt es eine bisher nicht dagewesene Anzahl an Mikrofonen, auch das Übersprechen der einzelnen Trommeln in jedes einzelne Mikro kann genau justiert werden.

Die Routing-Matrix wurde komplett überarbeitet. Nicht nur gibt es eine bisher nicht dagewesene Anzahl an Mikrofonen, auch das Übersprechen der einzelnen Trommeln in jedes einzelne Mikro kann genau justiert werden.

Die Routing-Matrix wurde komplett überarbeitet. Nicht nur gibt es eine bisher nicht dagewesene Anzahl an Mikrofonen, auch das Übersprechen der einzelnen Trommeln in jedes einzelne Mikro kann genau justiert werden.

11.1 Surround?!

Neben den üblichen Nah-, Overhead- und Raummikrofonen wurden weitere sechs Mikrofone in Überkopf-Positionen platziert. Für die Mehrzahl der Nutzer erscheint dieser 11.1-Surround-Sound auf den ersten Blick als überflüssig. Doch dieser Eindruck täuscht.

Auch wenn man diese Spuren nicht als Surround-Sound nutzt, kann man sie in einem herkömmlichen Stereo-Mix als unterschiedlich klingende Raummikros nutzen und erzielt einen unglaublich vollen, voluminösen Klang.

Dabei haben die einzelnen Mikros einen Offset-Regler, mit dem Phasen-Problemen effektiv entgegengewirkt werden kann. Im Stereobetrieb sind die zusätzlichen Raummikrofone teilweise nicht sichtbar und meist ausgeschaltet, auch wenn sie vorhanden sind. Mit „Edit Visability“ (oben rechts im Mixer) können sie sichtbar gemacht und mit „Enable Blend from all Instruments“ (Dropdownmenü unter dem kleinen Dreieck über dem Blend-Level-Regler oben in jedem Kanalzug) geladen werden.

Visibility – einzelne Kanäle oder ganze Gruppen ausblenden

Um den Mixer komplett zu sehen, braucht man einen sehr großen Monitor. Glücklicherweise können einzelne Kanäle und ganze Kanalgruppen ganz einfach ein- und ausgeblendet werden.

Bleed

Das Übersprechen jeder einzelnen Trommel in jedes Mikro kann einzeln justiert werden. Dadurch ergeben sich sehr detaillierte Möglichkeiten der Klanggestaltung und ein enormer Realismus.

Automationen sind kinderleicht realisierbar, da alle Regler neben der MIDI-Learn-Funktion auch Macro Controls zugeordnet werden können.

 

Effekte

Die 35 mitgelieferten Effekte (vom Spezialisten Overloud lizenziert) sind von sehr guter Qualität. Hier finden sich moderne Werkzeuge wie Multiband-Kompressoren und Transienten-Designer genauso wie Repliken von bekannten Vintage-EQs und -Kompressoren. Unter dem Dropdown Effects (1) wird der Effekt selektiert, im sich öffnenden Effektfenster (2) wird er justiert. Es gibt pro Kanal 15 Effekt-Slots – das sollte auch für komplexeste Anwendungen ausreichen…

Praktischerweise wird erstmal nur ein Effektslot angezeigt. Wird dieser mit einem Effekt befüllt, wird ein weiterer – leerer – Effektslot angezeigt. So wird kein unnötiger Bildschirmplatz verschwendet. Die Effekte können per Drag’n’Drop verschoben werden, sowohl innerhalb eines Kanals als auch zu anderen Kanälen. Mit gedrückter STRG-Taste wird der Effekt mit seinen Einstellungen an die neue Stelle kopiert.

Neben den zahlreichen Raumklang-Kanälen gibt es in der neuesten Version des Superior Drummers nun auch mehrere Hall-Effekte, so dass man diese nicht mehr in der DAW hinzufügen muss. Das erspart das Multi-Channel-Out-Routing und sorgt für einen schnelleren Weg zum gewünschten Ergebnis.

Einzig die geringe Anzahl an Presets bei den Effekten (meist gar keins) trübte zunächst die Freude ein klein wenig, denn mit diesen könnte weniger erfahrenen Tontechnikern geholfen werden, den Klang nicht zu verschlimmbessern. Dann bin ich aber auf ein brandneues Update gestoßen, bei dem dieser kleine Mangel beseitigt wird. Die meisten Module verfügen nun über Presets, lediglich Effekte mit wenigen Parametern kommen nach wie vor ohne aus.

 

Mixer-Presets

Da die Samples unbearbeitet sind, war der Superior Drummer bisher für Nicht-Tontechniker eher weniger geeignet. In der dritten Generation hat der Übertrommler wie schon gezeigt zahlreiche Mixer-Presets für unterschiedliche Stile, von Retro bis sehr experimentell.

Auch die Presets der älteren SDX-Librarys wurden aktualisiert. So kann sich auch der Musiker ohne Tontechnikkenntnisse an den fantastischen Möglichkeiten von Superior Drummer 3 erfreuen.

Der SD3-interne Mixer bietet derartig viele Routing-Optionen und hochwertige, teils tief editierbare Effekte, und ist gleichzeitig so intuitiv zu bedienen, dass er eine echte Alternative zur Bearbeitung in der DAW darstellt. Zusätzlich kann man optional über 16 Stereo-Einzelausgänge des Mixers auch externe Effekte einbinden. Im Standalone-Betrieb sind die internen Optionen besonders wertvoll.

Tracker-Tab

Die im Superior Drummer 3 integrierte Drum-Audio-zu-MIDI-Konvertierung hat ein eigenes Tab. Es handelt sich hierbei nicht um einen Echtzeit-Replacer, die Audiodaten werden offline analysiert. Hier können einzelne Instrumente des Schlagzeugs oder das ganze Kit gedoppelt oder ersetzt werden. Die Möglichkeiten dieser Funktion würden den Rahmen dieses Tests bei Weitem sprengen – wie so Vieles in dieser fantastischen Software. Unter anderem kann der Bleed von anderen Trommeln bei einer Spur ausgeblendet werden, und einzelne Schläge, die fehlinterpretiert wurden, können individuell korrigiert werden. So kann man fertige Audio-Groove-Loops aus entsprechenden Libraries in MIDI-Dateien umwandeln in mit den SD3-Klängen abspielen lassen. Oder man veredelt eine Proberaum-Schlagzeug-Aufnahme.

Ein tolles Feature!

Macro-Controls für alle Parameter

So ziemlich jeder Parameter, der im Superior Drummer 3 bearbeitet werden kann, lässt sich einem der neuen Makro-Controls zuweisen. Mit diesen Makros wird die Steuerung mehrerer Parameter über ein einzelnes Bedienelement ermöglicht.

Das ermöglicht auch ausgesprochen experimentelle Klänge, begrenzt nur durch die eigene Fantasie. Die Zuweisung über das Kontextmenü des entsprechenden Parameters ist wieder denkbar einfach.

Workflow

An paar Beispiele für kleine Detailverbesserungen, die den Workflow teils erheblich verbessern:

  • Kit-Pieces werden jetzt durch einen einfachen Mausklick selektiert; das gleichzeitige Drücken der ALT-Taste ist nicht mehr notwendig. Die nun blau umrandete Trommel kann in Eigenschaften-Boxen auf der rechten Seite bearbeitet werden (Velocity-Kurven, Envelope, MIDI-Mapping …).

  • Um eine Trommel schnell in verschiedenen Lautstärken vorhören zu können, muss der Nutzer nicht mehr mit der Maus bis nach unten rechts fahren. Durch Drücken der Tastenkombination CTRL-ALT öffnet sich unter dem Mauspfeil ein Velocity-Pad, egal wo sich der Mauspfeil gerade befindet.

  • Das Stacking von Instrumenten ist gegenüber dem Vorgänger SD2 deutlich (!) vereinfacht worden. In SD3 macht es richtig Spaß damit zu arbeiten.

  • Man kann jetzt mehrere Versionen des Song-Tracks anlegen. Beim Experimentieren mit dem Arrangement hat man auf Wunsch also eine Sicherheitskopie der alten Version. Die interne Tempospur erlaubt auch im Standalone-Betrieb den Wechsel von Taktart und Tempo. Bei Verwendung als Plug-in würde man das über die Tempospur der Host-Software machen. Aber auch in diesem Fall ist die Möglichkeit, Wechsel der Taktart zu programmieren, sehr hilfreich, da diese nicht aus der DAW übernommen werden. (Dazu muss man wissen, dass die meisten DAWs den Entwicklern von VSTi keine Möglichkeit bereitstellen, solche Wechsel in ihre Programmierung zu übernehmen. Toontrack hat hier also keine Option übersehen).

  • Neu ist, dass die Fenster Groove, Mixer und Tracker jeweils skalierbar sind und abgedockt werden können. Somit kann man sich eine ganz individuelle Ansicht erstellen und direkten Zugriff auf die Funktionen haben, die man benötigt.

  • Alle Einstellungen von Kits, Instrumenten, Effekten und Grooves können gespeichert und später wiederverwendet werden.

  • Im Settings-Menü/General kann der MIDI-Out von Superior Drummer aktiviert werden, um externe Schlagzeugmodule mit den SD3-Grooves zu triggern.
    EZX-Erweiterungen, SDX-Erweiterungen und die Superior Drummer 3-Library müssen nicht mehr auf derselben Festplatte / im selben Ordner liegen. Es ist möglich, verschiedene Pfade zu diesen Toontrack-Librarys einzustellen.

 

 

Fazit

Der Über-Trommler macht seinem Namen alle Ehre. Mit dem Superior Drummer 3 setzt Toontrack neue Maßstäbe, was virtuelle Schlagzeuge angeht und definiert die Referenzklasse. Dazu trägt der erstklassige Sound bei, den niemand anderer als George Massenburg eingefangen hat. Der Klang setzt in puncto Realismus neue Maßstäbe, was sowohl durch die unzähligen Artikulationen als auch die flexiblen Bleed- und Raumkanäle erreicht wird (bis 11.1 Surround). In Kombination mit den lebendigen Grooves, die Norman Garschke eingespielt hat, entsteht ein virtueller Trommler, wie man ihn in dieser Authentizität bislang nicht erlebt hat.

Angesprochen sind hier erfahrene Nutzer, die mehr wollen als der – für seine Zielgruppe ebenfalls herausragende – EZdrummer 2 bietet. Die Integration und Überarbeitung des Song-Creators und die Editierfunktionen für Patterns (Edit-Play-Style), die aus dem EZdrummer stammen, ist ungeachtet dessen auch für Profis eine Bereicherung.

Die zahlreichen neuen Funktionen sind extrem gut durchdacht und praxistauglich. Mit dem Tracker kann man sogar Schlagzeugaufnahmen aus dem Proberaum oder Loops diverser Libraries in MIDI-Files umwandeln und mit dem Superior Drummer nachspielen lassen.

Durch die Routing-Möglichkeiten und die internen Effekte ist SD3 eine Komplettlösung für die Schlagzeug-Produktion. Trotz des enormen Funktionsumfangs ist die Software intuitiv und übersichtlich und dank flexibler Anpassungsmöglichkeiten ohne eine steile Lernkurve gut bedienbar, darüber hinaus auch stabil und bugfrei.

Um fließend und auch bei niedrigen Latenzen arbeiten zu können, empfiehlt es sich, die Library auf einer SSD zu installieren. Toontrack bietet die Library des Superior Drummer 3 auch auf einer externen SSD mit USB 3.0-Port an – die ideale Lösung für Fälle, in denen keine interne SSD vorhanden oder eine solche bereits belegt ist. Auf der SSD ist nicht die Software selbst enthalten. Diese muss nach wie vor auf der Sysytemplatte installiert werden, schlägt dort aber mit überschaubaren (rund) 300 MB zu Buche.

Der Preis ist für das Gebotene – qualitativ und quantitativ – ausgesprochen kundenfreundlich, wobei es nochmals deutlich vergünstigte Angebote für die Nutzer von Superior Drummer 2 (Upgrade) und von EZdrummer 2 gibt (Crossgrade). Superior Drummer 3 ist uneingeschränkt zu empfehlen, sowohl für erfahrene neue Nutzer als auch als Upgrade für SD2-Nutzer und ambitionierte EZdrummer2-Aufsteiger.

Testautor: Andi Saitenhieb

Sonstiges

Bedienungsanleitung

Die umfangreiche, gut verständliche englische Bedienungsanleitung gibt es nicht mehr in PDF-Form, sondern online als HTML/PHP-Version.
Nach dem Einloggen ist die Bedienungsanleitung hier einsehbar:
https://www.toontrack.com/manual/superior-drummer-3/

Plus

  • Umfang der neuen Library (230 GB, Stereo bis Surround 11.1), aufgenommen von George Massenburg in den Galaxy-Studios, eingespielt von Norman Garschke
  • ca. 350 Samples von elektronischen Drums

  • Anzahl der Kit Pieces (6 stilistisch unterschiedliche Drum Kits / 25 Snares / 16 Kicks + zahlreiche Spieltechniken wie Sticks, Besen, Mallets)

  • Anzahl der Artikulationen

  • extrem einfacher Download, Installation und Autorisierung (Toontrack Product Manager)

  • Kompatibilität mit den EZX-Erweiterungen des EZdrummers

  • Standalone-Version & Plug-in
  • Import eigener Samples

  • zahlreiche Presets

  • Die aus EZdrummer2 bekannten revolutionären Such- & Songwriting-Funktionen Tap2Find, Edit-Play-Style-Feature und Song-Creator

  • Anzahl, Qualität & Sortierung der mitgelieferten MIDI-Grooves

  • MIDI-Optionen wie MIDI-Grid-Editor & MIDI-Mapping
  • Macro-Controls zum gleichzeitigen Steuern mehrerer Parameter

  • Anzahl (35) & Qualität der mitgelieferten Effekte (einschließlich Presets)

  • freies Routing aller Kanäle

  • Bounce-Funktion

  • flexible Bleed-Möglichkeiten

  • flexibel konfigurierbare Makros für einfache umfangreiche Automatisierung

  • Tracker (Audio to MIDI) überraschend gut

  • frei konfigurierbare Oberfläche

  • stabiler Betrieb
  • umfangreiche Anpassungsmöglichkeiten der RAM-Auslastung

Minus

Zugegebenermaßen handelt es sich hier um Jammern auf sehr hohem Niveau, dennoch sollen folgende im Test angesprochenen Punkte nicht unerwähnt bleiben:

  • Artikulation Sticks zusammenschlagen (Einzählen) fehlt

  • bei Besen-Spielweise auf der Snare wenige Wisch-Variationen / -Spieltechniken

Preis (Stand September 2017)

  • Standard-Version: 349,- €
  • Upgrade von SD2: 179,- €
  • Crossgrade von EZdrummer2: 269,- €
  • 256 GB SSD mit den Samples installiert (SD3 Lizenz zusätzlich notwendig!): 189,- €

Systemvoraussetzungen

  • 64-bit Windows 7 oder höher, 4 GB RAM (8 GB RAM oder mehr empfohlen).

  • Mac OS X 10.6 oder höher, 64-bit Mac (Intel) mit 4 GB RAM (8 GB RAM oder mehr empfohlen).

  • 64-bit Host (mit Support für VST, AU oder AAX). Standalone-Version enthalten.
  • SOFTWARE: Ca. 320 MB.
  • SOUND LIBRARY: Basic Installation: Ca. 41 GB Download und zusätzlich 41 GB für den Installationsvorgang. Komplette Installation: Ca. 236 GB Download und zusätzlich 55 GB für den Installationsvorgang.

Inhalt der 5 Download-Pakete

  • Download 1: “Basic Sound Library” (All instruments, all tools and all articulations in close mics, OH Dyn and Amb Ribbon. Bleed in Snare Bottom (Kick and toms) , Approx. estimate 40gb)
  • Download 2: “Room Mics 1” (The rest of the Room mics: OH Cond, Amb Near, Amb Mid).
  • Download 3: “Room Mics 2 – Surround (5 ch)” (extra mics to achieve 5.0 surround, Front L/R, Center and Surround L/R)
  • Download 4: “Room Mics 3 – Height Surround (6 ch)” (extra mics to achieve 11.0 surround, Front Height, Rear Height and Rear Height Wide )
  • Bleed Download: “Extra Bleed” (The rest of the bleed in the close mics). This installation can be installed at anytime after the initial Basic Sound Library (Download 1).

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