Test: iZotope DDLY Dynamic Delay

Das Echo-Plug-in erzeugt Reflexionen in Abhängigkeit von der Dynamik des eingehenden Audiosignals.

Genauer genommen handelt es sich um ein Dual-Echo, das auch temposynchron eingesetzt werden kann. Über den Threshold-Fader Regler legt man fest, ab welcher Amplitude das Echo ausgelöst wird. Abgesehen von Echoeffekten, die bei dynamisch abwechslungsreichem Audiomaterial von selbst eine nie gleiche Effektperformance bieten, kann man diese Technik auch nutzen, um flächendeckende, den Mix verstellende Echos zu vermeiden: Das Delay wird bei hohem Threshold nur bei den Dynamikspitzen ausgelöst.

Recording und Studiotechnik

Beim ersten Blick auf die Bedienoberfläche vermutete ich zunächst einen Grafikfehler – aber nein, es soll wohl so kontrastarm sein, dieses Echo. Jedenfalls sieht die Abbildung im englischsprachigen PDF Manual genauso aus.

Sei´s drum. Erste Reglerbewegungen machen das schnell wett, denn man kann ohne Einarbeitung recht bald Echoeffekte erzielen, die mit anderen Mitteln nicht so einfach möglich wären.

Die Ausstattung mit Funktionen kann sich sehen lassen:

  • Per A/G Button wechselt man zwischen einem Lo-Fi Analogecho und einem Granularecho.
  • Um den Überblick nicht zu verlieren, kann man beide Echos auf Solo schalten.
  • Ein Threshhold-Fader definiert den Schwellenwert, ab dem ein Echo ausgelöst wird.
  • Mit Intensity regelt man den Signalanteil (oberhalb des Thresholds) der für das Echo verwendet wird. Damit lässt sich auch die Lautstärke und Dominanz des Echos beeinflussen.
  • Time (mit Sync-Option) und Feedback dürften bekannt sein.
  • Im Analog-Modus gibt es einen Trash-Parameter, der die Stärke des Lo-Fi-Effektes regelt.
  • Im Granular-Modus kann die Tonhöhe und Größe der Echo-Schnipsel (Grains) bestimmt werden.
  • Für beide Echos stehen separate Low- und High-Pass-Filter bereit, sodass auch nur Teilspektren zum Echo-Generator gelangen können.
  • Wide verbreitert das Stereosignal.

Angenehm ist, dass alle Parameter automatisierbar sind. In Cubase können sie zudem Quick-Controls zugewiesen werden.

Ein Toontrack EZdrummer – Beat mit dem Twisted Kit:

 

Mit wild automatisiertem Dynami Delay:

 

Klanglich ist am Echo nichts auszusetzen. Der angesetzte Preis von 49.- US-Dollar geht völlig in Ordnung. Die farbliche Gestaltung des GUI ist Geschmacksache und für meine Verhältnisse etwas gewöhnungsbedürftig. Sie suggeriert einen Programmierfehler und verwaschene Audioqualität – das iZotope Dynamic Delay liefert genau das Gegenteil. Oder ist das etwa eine 3D-Grafik? Dann nehme ich alles zurück. Das wäre natürlich der Clou überhaupt. Zu dumm, dass ich gerade keine Rot-Grün-Brille zur Hand habe.

Fazit

Ein programmabhängiges, auf die Dynamik reagierendes Dual-Echo mit zwei Betriebsmodi, Analog mit Tendenz zu Lo-Fi und Granular ist zu diesem Preis ein echter Knüller. Das Experimentieren macht dank einfacher Bedienung schon in den ersten fünf Minuten Spaß. Knackige Echos mit Störgeräuschcharakter sind ebenso möglich wie weit in den Raum treibende Granularwolken. Nimmt man nun noch die Parameterautomation hinzu, wird es richtig abgefahren.

Für nüchternere Einsatzzwecke ist das Dynamic Delay auch geeignet: Anders als bei herkömmlichen Echos kann man per Threshold und Intensity dieses Delay so einstellen, dass nicht pausenlos Echos produziert werden, sondern nur bei den Lautstärke-Höhepunkten.

Testautor: Holger Obst

Plus:

  • außergewöhnlicher Effekt
  • programmabhängiges Echo
  • zwei Betriebsmodi: Analog und Granular
  • Dual-Filter für Dual-Echos
  • fairer Preis

Best Value Award

Herstellerseite mit Systeminformationen

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