Test: Native Instruments Symphony Series Woodwind – Teil 1

Angebot an Instrumenten

Die Ensemble-Library teilt sich in die Kategorien Bass Winds, Bassoons (Fagotte), Clarinets, Flutes, Oboes und Saxophones auf. Zudem gibt es noch ein Ensemble-Patch, bei dem alle Instrumente als eine Tastaturbelegung vereint sind.

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Innerhalb der Kategorien finden sich die verschiedenen Zusammenstellungen an Spielweisen:

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Diese Zusammenstellungen sind bei allen Instrumenten anzutreffen.

Die Spielweisen können auf verschiedene Steuertasten gelegt werden. Wir kommen später noch darauf zurück.

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Bei den Solisten finden sich die Kategorien der oben aufgeführten Instrumentengattungen und darunter jeweils eine Auswahl von Tastaturbelegungen, die wiederum intern über verschiedene alternative Artikulationen verfügen, analog zum Aufbau der Ensemble-Library:

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Die Symphonie Series Woodwind – Library im Detail.

Wir fangen mit dem Ensemble-Instrument an. Dieses eignet sich für ganz schnelle Arbeiten, wenn man alle Holzbläser braucht aber nicht Instrument für Instrument individuell gestalten will oder muss.

Die einzelnen Gruppen sind farbig markiert: von den Kontrafagotten bis zu den Flöten.

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Links außerhalb des Spielbereichs schaltet man zwischen Sustain, Staccato, Crescendo und Decrescendo um.

Der Dynamikregler in der Mitte verdient seine üppigen Dimensionen zu recht, denn hierüber steuert man fließend die Lautstärke – ein ganz wesentlicher Faktor für einen lebendigen, spannenden Klang. Zwar überzeugt das Ensemble beim ersten Anspielen auch ohne jegliche Klangsteuerung durch einen vollen und homogenen Sound, doch auf Dauer wirkt die Darbietung etwas statisch, wenn man die Dynamik ohne Regler lediglich über die Anschlagsstärke bedient.

 

Wie im Audiodemo zu hören, bringen die Holzbläser eine Dynamik auf die Beine, die sich hören lassen kann. Von Piano bis Fortissimo gelingt die Steigerung nahtlos, obwohl hier verschiedene Dynamiklayer eingesetzt werden. Piano wirken die Holzbläser sanft und lieblich, im Forte Bereich erreichen Sie ein Präsenz, die dann doch nah an einer Fanfare liegt. Nimmt man noch Symphonie Series Brass hinzu, hat man einen spektakulären cineastischen Klang mit einer Fülle und Kraft, die auch den spektakulärsten Szenen einer Hollywood Produktion gerecht wird.

Weitere Abwechslung und ein lebendiges Spiel bieten die Parameter Tightness und Motion. Tightness schneidet die ersten Millisekunden des Samples ab, sodass man das sanfte Anblasen überspringt und ein härteres Attack erhält. Motion moduliert dezent sowohl die Intensität als auch die Tonhöhe/Intonation.

Ganz sanfte, liebliche Motive im Pianissimo-Bereich gelingen mit dem Ensemble-Instrument nicht – eher mit den Solisten.

Stakkato:

 

Das Crescendo beinhaltet einen eigenen Lautstärkeverlauf.

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Diesen kann man zusätzlich mit dem Modulationsrad und der Dynamiksteuerung überlagern und verstärken.

Im folgenden Audiodemo hören Sie immer erst den unmodifizierten Verlauf des Crescendos mit dem Dynamikregler im Linksanschlag (Piano), danach mit einer synchron verlaufenden Steigerung der Dynamik, die das Crescendo bis zu Forte verstärkt:

 

Das Decrescendo:

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Neben den bereits werksseitig eingerichteten Spielweisen stehen für das Ensemble weitere Alternativen zur Verfügung …

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… unter anderem Sforzandi und Swells. Diese Artikulationen kann man den freien Steuertasten zuweisen. Von C-1 bis G-1 sind nur die ersten vier belegt. Für die Zuweisung klickt man einfach einen freien Slot und danach die gewünschte Artikulation an.

Hier habe ich alle Steuertasten belegt:

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Solche Zuweisungen lassen sich über „clear slot“ auch wieder entfernen und die betreffende Steuertaste neu belegen. Komplette individuelle Gestaltungen eines Instruments kann man schließlich über den File-Dialog von NI Kontakt auch als Instrument abspeichern – oder als Snapshot. Abgesehen von der Auswahl an Artikulationen gibt es noch eine Menge anderer individualisierbarer Parameter – dazu später.

Bei der angewählten Artikulation (in der Abbildung oben ist das „Swell Fast“) erscheint ein Kreis. Dabei handelt es sich um eine Lautstärkeregelung zur individuellen Pegelanpassung der Spielweisen.

 

In diesem Demo sind alle vier Instrumentengruppen vertreten. Dennoch entsteht ein hervorragend ausbalancierter, homogener Gesamtklang.

Mit zusätzlicher Dynamiksteuerung lässt sich die Dramaturgie erheblich steigern:

 

Will man die Dynamik synchron zum bereits im Sample enthaltenen Lautstärkeverlauf aufzeichnen, so hilft eine Cursorlinie, die sich in Echtzeit durch die grafische Verlaufsform bewegt:

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Der Artikulationswechsel kann nicht nur über Steuertasten, sondern wahlweise auch über einen externen Controller erfolgen, der via MIDI-Lerndialog zugewiesen werden kann. Das erweist sich als praktisch, wenn man beide Hände für das Einspielen oder die linke Hand für die Steuerung der Dynamik via Modulationsrad benötigt. Abgesehen davon liegen die Steuertasten außerhalb des normalen Spielbereichs einer 88er-Tastatur, die man also transponieren muss, um an die Steuertasten heranzukommen.

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Es wird sogar der Wertebereich angezeigt:

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Auch dabei hat sich der Hersteller etwas gedacht: Will man die Automationsspur im Sequencer später bearbeiten, weiß man genau, wo man die Linien ansetzen muss, um eine bestimmte Artikulation abzurufen. Eine solche Vorgehensweise kann übersichtlicher sein als die nachträgliche Bearbeitung der Steuerung über Steuertasten, denn um diese zu sehen, muss man (bei Cubase z.B.) im Piano-Roll-Editor nach unten scrollen und verliert dann die in den oberen Lagen eingespielten Noten aus dem Blickfeld.

Klickt man durch die verschiedenen Artikulationen, so stellt man fest, dass diese um sinnvolle Spielvarianten erweitert sind.

Crescendo, Decrescendo, die beiden Sforzandi und Swells bieten eine Repetitions-Option. Dabei wird die Attackphase wahlweise zwei- oder dreimal wiederholt, erfreulicherweise auch temposynchron in Notenwerten:

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Die Repetitionen hören sich wirklich toll an – absolut natürlich, mit fließenden Übergängen und nicht maschinell und abgehackt. Auch die Dynamikkontrolle ist weiter in Betrieb. Ich greife hier das Sforzando-Slow beispielhaft heraus:

 

Abgesehen von den Sustain-Spielweisen sind die Samples nicht geloopt. Sie sind jedoch auch für sehr getragene Passagen lang genug und klingen wunderbar natürlich aus. Auch wenn der Note-Off mitten im Verlauf ausgelöst wird, wirkt die Releasephase natürlich. Beides zeigt das nächste Audiodemo: Spielweise Swell Slow mit Repetition (2x, 1/8 Note bei 90 BPM), zunächst mit einem Note-Off nach dem ersten Drittel des Verlaufs, dann die vollständig ausklingende Variante.

 

Dahinter steckt wahrscheinlich das eingangs zitierte „Expression Release System“.