Test: Cinesamples Voxos Epic Virtual Choir

In den vergangenen drei Jahren hat das 2007 gegründete Unternehmen bereits ein umfangreiches Sortiment von Sound-Libraries auf den Markt gebracht. Neben diversen Schlagzeugpaketen und Geräuscheffekten sind hier auch mit einer Harfe, einem Symphonieorchester und Holzbläsern klassische Instrumente vertreten. Cinesamples hat sich auf die Fahne geschrieben, einfach zu bedienende Software in professioneller Qualität und dennoch zu einem günstigen Kurs zu produzieren. Wir werden sehen, ob dies bei Voxos geglückt ist. Voxos ergänzt die Reihe symphonisch-klassischer Libraries mit einem Chor, der zeitgemäß auch Phrasen auf der Basis einer Auswahl von Silben reproduzieren kann.

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Installation und Autorisierung

Wie alle anderen großen Libraries von Cinesamples, benutzt auch Voxos die Kontakt-Engine. Bei der Installation kopiert man folglich einfach die Library auf einen beliebigen Platz im Festplattenarsenal, startet das NI-Servce-Center und gibt dort die Seriennummer ein. Voxos läuft sowohl auf dem kostenlosen und im Lieferumfang enthaltenen Kontakt-Player als auch mit der Vollversion.

Überblick

Voxos teilt sich in vier Abteilungen: Den Phrase Builder, die einzelnen Chor-Sektionen mit Legato (Sopran, Alt, Tenor, Bass, Boys), Solisten (Sopran, Alt, Boys) und Ensemble-Effekte.

Voxos wurde in passendem Ambiente, nämlich der Bastyr Chapl mit mehreren Mikrofonpositionen in 24bit/48kHz-Qualität aufgenommen. Die Kapelle wurde 1958 auf dem Gelände der Bastyr Universität in Seattle, Washington unter besonderer Berücksichtigung der Akustik erbaut. Sie wird heute gerne für Aufnahmen klassischer Musik gebucht.

Mehr als 35.000 Samples erreichen eine unkomprimierte Größe von 35 GB. Verlustfrei komprimiert liegt der Bedarf an Festplattenspeicher bei etwa 19 GB. Allein die Samples für den Phrase-Builder summieren sich auf die stattliche Anzahl von 16.000, unter anderem bedingt durch 30 Silben mal 5 Mikrofonpositionen mal 2 Artikulationen mal 2 Vokalistengruppen. Eine Besonderheit sind die Legato-Sections, die auf echte Legato-Samples zurückgreifen. Bei so viel Material wird es nicht verwundern, dass man diesem Prozess …

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… schon einmal eine Weile zuschaut (zum Kaffeekochen reicht es aber nicht), bevor dieses Fenster auftaucht:

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Teil 1: Der Phrasenarchitekt

Womit wir auch schon beim Phrase-Builder wären. Bevor man dem Chor Wörter vorgibt, entscheidet man sich zunächst, ob Männlein oder Weiblein den Klangkörper bereitstellen. Zwei Artikulationen, Staccato und Sustain werden angeboten. Auch hier wird vorgewählt: Braucht man nicht beide Spielweisen, kann man sich RAM-schonend für eine der Alternativen entscheiden.

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Die männliche Hälfte des Phrase-Builders beansprucht mit beiden Artikulationen noch einigermaßen genügsame 201 MB in der Full-Mikrofonierung. Staccato-Samples werden per default bei hohen Velocitywerten abgespielt, Sustain-Samples darunter. Den Velocity-Split-Wert kann man über die Settingsseite verändern:

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Hier ist bei Bedarf auch der Controller für die Lautstärke wählbar, der sowohl für Sustain- als auch Staccato-Samples stufenlos regulierbar ist. Im Normalfall wird man es beim Modulationsrad belassen.

Auf der Mixing-Seite wählt man zwischen den fünf Mikrofonpositionen. Per default wird der „Full Mix geladen“. Dieser stellt die Ressourcen schonende Alternative zu den im Folgenden beschriebenen Mikrofonpositionen dar. Klickt man auf „Close“, werden die Full-Mix-Samples aus dem RAM entfernt. Anders verhält es sich bei den Positionen Stage, Far und Surround, die zu Close hinzugeladen und auf unterschiedliche Kontakt-Ausgänge geroutet werden können. Entsprechend steigt der Speicherbedarf: Alle vier nebeneinander nutzbaren Mikrofonpositionen zusammen beanspruchen beim Phrase-Builder/Männer bereits 780 GB.

Der 5.1 Surround-Ausgang liefert ein Stereosignal, welches dafür gedacht ist, bei einer Surround-Anwendung auf die hinteren Speaker gelegt zu werden (oder im Sterero-Betrieb die natürliche Ambience zu betonen) und beinhaltet den größten Raumanteil unter den verschiedenen Mikrofonpositionen. Das Verteilen von Close, Stage und den Surroundmikrofonen in einem 5.1 Mix auf die vordere, mittlere und hintere Position (per Surroundpanner) lässt den Chor inmitten des Originalambientes lebensecht hervortreten. Allerdings beinhalten die Surroundsamples (für die hinteren Boxen) in einigen Fällen leise Störgeräusche, die innerhalb der Release-Phase als leises Knacksen auftauchen, so als würde hier jemand im rückwärtigen Bereich des Raumes an einem Schalter hantieren. Im musikalischen Kontext jenseits von Acapella-Anwendungen werden solche Kleinigkeiten jedoch kaum auffallen, und die voluminös-räumliche Präsenz des Chors macht solche kleinen Fehler mehr als wett.

Spannend wird es, wenn man auf die Phrase-Builder-Seite wechselt. Diese ist ebenso einfach wie genial gestaltet. Man braucht eigentlich kaum ins Manual zu schauen, um zu begreifen, wie es funktioniert: 12 Phrasen mit jeweils bis zu 30 Silben können hier zusammengestellt werden. Die Auswahl an Silben reicht ohne Zweifel, um ein abwechslungsreiches Spiel zu realisieren. Sinnvolle, ausgedehnte Lyrics lassen sich damit andererseits nicht erstellen. Aber wer verfolgt und versteht schon einen lateinischen Text, gesungen von einem Chor – das Echtheitsgefühl leidet unter den Fantasietexten kaum. Im Vergleich zu den gemorphten A-O-U-Chören befindet man sich hier auf einer höheren Ebene virtueller Realität. Wer es sich ganz einfach machen will, kann die Reihe an Phonemen auch per „Random Phrase“ vom Programm schreiben lassen. Mit „Random Syllable“ wird ein einzelnes Phonem nach dem Zufallsprinzip ausgetauscht. Hat man durch eigene Kreativität oder per Zufallsgenerator die Palette an Phrasen gefüllt, können diese per Keyswitch-Tasten gewechselt werden. Spielt man Legato, bleiben die Sänger(innen) währenddessen beim aktuellen Phonem. Dabei werden die Vokale gehalten. Die Silbe „Sa“ klingt also im Legato-Modus „Sa-a-a-a …“ – wie im richtigen Leben. Die Legato-Funktion ist lobenswerter Weise auf polyphones Spiel ausgelegt. Soll der Chor monophon legato singen und trotzdem eine Silbe halten, reichen kürzeste Überlappungen. Zusammen mit der per Modultionsrad stufenlos kontrollierbaren Lautstärke und den beiden Artikulationen Sustain und Staccato ergeben sich vielseitige Gestaltungsmöglichkeiten. Im folgenden Audiodemo bleiben wir zunächst noch bei einer Silbe für eine kurze monophone und polyfone Passage, erst ohne, dann mit Einsatz des Modulationsrades:

 

Hier eine 20 Silben zählende Zufallsphrase:

 

Intelligent gelöst ist das Problem der Pausen zwischen den Silben, die unweigerlich im polyphonen Betrieb beim Akkordwechsel auftreten. Setzt man das Sustainpedal ein, wird die aktuelle Silbe solange gehalten, bis das Attack der nächsten startet, ohne dass dabei der oben beschriebene Legato-Effekt (Weglassen des Startkonsonanten) ausgelöst würde. Hier noch eine Mischung aus Sustain- und Staccato:

 

Ergänzend zu den tonalen Phonem-Samples gibt es dieselben Laute ein zweites Mal als kurze Ausrufe und Flüstern.

 

Nimmt man nun seine Phrase im Sequencer auf, wird sich in den meisten Fällen bei der Wiedergabe zunächst das Problem ergeben, dass der Chor genau dort einsteigt, wo er vorher aufgehört hat, also nicht am Anfang der Lyrics, wie es eigentlich sein sollte. Ein kurzer Blick in die Bedienungsanleitung hilft hier weiter: Das Setzen eines Keyswitches setzt die Phrase auf den Anfangspunkt zurück. Man beginnt das Pattern also immer mit dem entsprechenden Keyswitch einen Bruchteil vor der ersten Note, und der Chor singt genau das, was er soll und an der richtigen Stelle. Reicht einem das immer noch nicht, weil man auch schon einmal mitten im Pattern bzw. mitten in der Phrase starten will, nimmt man einfach mehrere kurze Phrasen. Es gibt ja 12 Phrasen mit genauso vielen Keyswitches. Erfreulicherweise funktioniert sogar das Legatospiel und das Sustain-Pedal zur Überbrückung von Pausen beim Umgreifen von Akkorden über den Wechsel von Keyswitches hinweg.

Alles in allem liefert der Phrase-Builder ein einfach zu bedienendes Tool mit beeindruckenden Ergebnissen. Es soll jedoch nicht verschwiegen werden, dass auch diesem Werkzeug Grenzen gesetzt sind. Bedenkt man, dass ganze 16.000 Samples aufgezeichnet wurden, um die vorliegende Flexibilität zu erreichen, traut man sich fast gar nicht zu kritisieren, dass für das Erstellen von echten Lyrics einiges fehlt. Eine kleine Zugabe von starken Konsonanten hätte das gestalterisch Potential nützlich erweitert. Ein Beispiel: „Sa“ und „Tus“ haben wir ja schon. Für „Sanctus“ fehlt nur noch ein k (schwache Konsonanten wie das dann immer noch fehlende n würden sowieso verschluckt bzw. kaum hörbar sein).

Vom harten Quantisieren sollte man Abstand nehmen, wenn man mit dem Phrase-Builder arbeitet, da Silben wie „sa“ oder „vos“ ein viel langsameres Attack haben als „ta“ oder „cri“. Quantisieren produziert hier also Timingprobleme. Ein gefühlvolles Einspielen ist hingegen unproblematisch – schließlich ist ein Chor kein Schlagzeug, und da kommt es auf ein paar Millisekunden nicht an.

Das Modulationsrad taugt sehr gut für dramatische Dynamikvariationen. Man sollte es aber nicht übertreiben. Unser Chor macht zwar alles mit, doch permanentes Schreien tut dem musikalischen Ausdruck auch deshalb nicht gut, weil bei den Fortissimo-Samples das Vibrato stark in den Vordergrund drängt. Als kurzer Effekt prima, auf Dauer eher abträglich. Es ist übrigens möglich, Männer und Frauen in einer Instanz zu vereinen und über einen gemeinsamen Phrase-Builder zu kontrollieren. Der Bedarf an Arbeitsspeicher liegt dann bei satten 1,65 GB – mit allen Mikrofonpositionen.

Teil 2: Legato Ensembles

Wir kommen zum nächsten Kapitel, den Legato-Sections. Zur Wahl stehen Sopran, Alt, Tenor, Bass und Knabenchor.

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Laut Handbuch können alle Gruppen auch nacheinander in ein Patch geladen werden. Die verschiedenen Gruppen werden in der virtuellen Kontakt-Tastatur nicht durch unterschiedliche Färbung voneinander abgesetzt. Abgesehen davon kommt es zu Überlappungen. Hier soll ein „Voice Leading Engine“ genanntes Script helfen, doch dieses Script funktionierte auf unserem Testsystem nur zu etwa 80 %. Ich komme weiter unten noch einmal darauf zurück. Eine Alternative ist das Öffnen mehrerer Legato-Patches und deren Ansteuern über verschiedene MIDI-Kanäle.

Das Besondere an der Voxos Legato-Abteilung sind die echten Legatoaufnahmen. Voxos sucht bei gebunden gespielten Noten das zum Intervall passende Legato-Sample aus. Es sollte also nicht den synthetischen Glide-Effekt geben, der durch herkömmliche Pitchbending-Technologie erzeugt wird. Im Großen und Ganzen ist das auch so. Gleichwohl führen weite Intervalle zu einem deutlichen Rutschen auf den höheren bzw. tieferen Ton. Oberhalb einer Quinte klingt das in den höheren Sopran-Lagen nicht immer passend, zumal die Stimmen mit zunehmender Tonhöhe an Lautstärke gewinnen.

Hier eine kurze Demonstration des Legatos der Sopranstimmen von G3 an zu C3 abwärts:

 

Es fällt auf, dass die Legato-Samples von G3 zu D3 und C2 nicht so funktionieren, wie es sein sollte. Daran ändert sich auch nichts, wenn man per Modulationsrad auf höhere Lautstärken überblendet. Und leider gibt es noch mehr zu bemängeln: Wieder finden sich in den Release-Tails Nebengeräusche: Schritte, leises Rumpeln, Knackser, und auch das Grundrauschen des Raumes steigt hier spürbar an:

 

So unschön das ist, man kann etwas dagegen tun: Mit einem Filter lassen sich alle Nebengeräusche außerhalb des Frequenzspektrums der Sängerinnen unterdrücken – und beim vollen Einsatz des Chors ab Mezzoforte fallen solche Unsauberkeiten dann kaum noch auf.

Bevor es zu den schöneren Dingen des Legato-Scripts geht, hier noch eine Demonstration der oben beschriebenen Quinten-Grenze zwischen natürlichen und übertriebenen Übergängen. In C-Dur geht´s von C4 an aufwärts bis C5:

 

Lang gezogene Glides lassen sich allerdings auch mit der Anschlagsstärke kürzen: Höhere Velocitywerte straffen das Legato. Eigentlich sollte das bei allen Intervallen funktionieren, tut es aber nicht oder teilweise so minimal, dass das gesetzte Ziel nicht erreicht wird und das Portamento immer noch zu deutlich ist. Konkret: Bei den oben dokumentierten Extrembeispielen im hohen Sopranbereich nützt der Einsatz einer höheren Anschlagsstärke nichts, bei den Alt-Stimmen funktioniert es, wie im folgenden Audiodemo zu hören: Legato von G3 auf D4 zuerst mit geringer, dann mit maximaler Velocity. Die Anschlagsstärke wirkt sich hier nicht auf die Lautstärke aus.

 

Stärker noch als beim Sopran fallen beim Alt die Hintergrundgeräusche auf, wenn man im Pianissimobereich einspielt, also mit ganz heruntergedrehtem Modulationsrad:

 

Ein EQ zur Unterdrückung der tieffrequenten Nebengeräusche unterhalb von 250 Herz und des Rauschens über 4000 kHz hilft weiter:

 

Wechselt man in den Forte Bereich, steigt zusätzlich auch der Rauschabstand, ohne dass die Artikulation ihren Charakter grundsätzlich verändert:

 

Man kann also die kleinen Unzulänglichkeiten einigermaßen gut in den Griff bekommen.

Das Voxos Legato hat jedoch noch mehr zu bieten als echte Legato-Samples. Über den MIDI-Controller Nr. 2 (Breath Control) lassen sich die Uuhs in Aahs überblenden. Auf der Settings-Seite kann man vom Breath-Controller auch auf einen anderen wechseln. Ausgerechnet das Expression-Pedal eignet sich hierfür jedoch nicht, da es das Gesamtvolumen steuert (unveränderlich). In der MIDI-Automation-Tabelle von Kontakt findet man hier den Eintrag „(script 1) – VOXOS – Legato Sections“. Ein Löschen des Eintrags und Re-Konfigurieren des Expression-Pedals bleibt wirkungslos.

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Hier ein Beispiel für eine langsame Modulation mit Breath-Controller und Modulationsrad:

 

Dafür, dass das Legato auch bei polyphonem Spiel funktioniert, ist die „Voice Leading Engine“ verantwortlich, ein Script, das für das korrekte Zusammensingen auch beim Laden mehrerer Gruppen sorgen soll. Schaltet man dieses Script auf der Settings Seite aus, werden die Stimmen monophon und die Legatosamples treten bei überlappend gespielten Noten überdeutlich hervor. Allerdings funktioniert das Legato nun auch bei Intervallen, für die es zuvor seinen Dienst verweigerte.

Das Script scheint also ein Eigenleben zu führen, das nicht immer der Intention des Herstellers entspricht. Unterm Strich klingen die virtuellen Sänger aber mit der Voice Leading Engine erheblich echter als ohne, weshalb man das Script trotz der Aussetzer eingeschaltet lassen sollte.

Teil 3: Solisten

Das dritte Kapitel führt uns zum Solisten-Trio: Mit Boy, Soprano und Alto gib es drei monophone Patches, die nur getrennt geladen werden können und ebenfalls Legato beinhalten. Auf der Settings-Seite hat man die Möglichkeit, die Solo-Stimmen durch eine nicht weiter definierbare Ambience zu verstärken. Ein externer Hall dürfte in den meisten Fällen bessere Ergebnisse liefern.

Ohne diese Ambience klingt es so, als seien die Solostimmen anders als der Chor in einem schalltoten Raum aufgenommen worden, jedenfalls fehlt ihnen der Charme der Kapelle. Release-Samples gibt es nicht. Die auch hier angebotene Wahl verschiedener Mikrofonpositionen auf der Mixing-Seite bringt nicht mehr als geringfügige Lautstärkeunterschiede. Die Alt-Stimme ist als Besonderheit mit einer Reihe von Phrasen ausgestattet, hier ein Beispiel:

 

Mit Ambience klingt es so:

 

Abgesehen von den reichlich wilden und ebenso kurzen Phrasen hört sich die Alt-Stimme, wenn man den „regulären“ Tastenbereich benutzt, so an, wie im folgenden Mix aus kurzen und langgezogenen Noten, teils mit, teils ohne Legato zu hören:

 

Die Attacks klingen zu hart, abgeschnitten und unnatürlich. Die Dynamik spielt sich im unteren Viertel des Regelbereichs des Modulationsrades ab. Die lauteren Samples hören sich nasal bis quäkend an, teilweise auch rau, so als leide die Sängerin unter einer Erkältung. Das mit Verzögerung einsetzende Vibrato ist extrem und bei einigen Samples hörbar geloopt. Bei C3 und mehr noch D3 hat die Sängerin Intonationsprobleme. Mal hören, wie sich der Sopran schlägt.

 

Tja, etwas exzentrisch. Die Lautstärkesteuerung per Modulationsrad ist von Taste zu Taste sehr unterschiedlich. Mal gibt es kaum einen hörbaren Unterschied zwischen Minimal- und Maximalposition, mal ist er deutlich. In allen Fällen klappt es jedoch nicht mit dem Morphing, d. h.: Eine höhere Stellung des Modulationsrades wird erst dann wirksam, wenn man die nächste Note spielt. Im Handbuch sind zu allen Teilen von Voxos (also Phrase-Builder, Legato und Ensemble FX die vorprogrammierten Controller vermerkt, zu den Solisten findet man hier nichts. Nichtsdestotrotz gibt es auf der Settings-Seite der Solisten den Eintrag des Modulationsrades als Dynmiccontroller. Ist da nicht richtig zu Ende programmiert worden? Na gut, lassen wir das mal im Raum stehen und hören uns den „Solo Boy“ an:

 

OK, das ist in der oberen Hälfte der knapp zwei Oktaven umfassenden Spanne passabel. In der unteren Hälfte wird die Stimme jedoch sehr leise und dünn, auch treten hier kleine Intonationsschwierigkeiten auf. Die Dynamikkontrolle per Modulationsrad funktioniert auch hier nur halbwegs, wie beim Sopran und beim Alt.

Alles in allem hätte man auf die Solisten verzichten sollen, unter denen der Gesamteindruck von Voxos leidet.

Teil 4: Effektstimmen & Cluster

Neben konventionellem Gesang kann man mit Voxos auch Effekte und Cluster, dargeboten vom männlichen und weiblichen Part des Chors, realisieren:
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Männlein und Weiblein lassen sich auch zusammen in ein Patch packen, aber nur jeweils die Effekte oder die Cluster. Die Dynamiksteuerung per Modulationsrad ist nicht für alle Samples bzw. Tasten implementiert, was teilweise verständlich ist, beispielsweise wenn das Sample in sich einen dramatischen Dynamikverlauf aufweist oder Flüstergeräusche beinhaltet, die sich nun mal nicht zu einem Flüster-Schrei steigern lassen. Für kurze Rufe wie „hey“ hätte man hingegen ruhig mehrere Lautstärken aufnehmen können. Gelungen ist die Dynamikmodulation beim Männergebrabbel …

 

… und bei den Clustern:

 

Teil 5: Individual Patches

Neben den vier Hauptabteilungen gibt es noch eine Reihe von „Individual Patches“, in denen sich jedoch kaum Neues entdecken lässt – es handelt sich hier überwiegend um Ausschnitte des schon gehörten Repertoires.
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Ein kleines Add-On findet sich dann doch noch, die „Bum Bums – Women“:

 

Das klingt zunächst lustig und unbeschwert, doch Vorsicht: starke Nebengeräusch in den Release-Samples wollen auch hier gefiltert werden, und die verschiedenen Bum-Bums haben abweichend schnelle Attacks, was für´s Quantisieren eher abträglich ist.

Fazit

Highlight von VOXOS ist der Phrase-Builder, der Lyrics-Generator, der zwar keine echten Lyrics erfindet aber dank einer nicht kleinlichen Auswahl von 30 Silben eine kaum überschaubare Menge möglicher Kombinationen bereitstellt. Mit Staccato und Sustain werden zudem zwei Artikulationen zur Verfügung gestellt, die Dynamik lässt sich per Modulationsrad perfekt kontrollieren. Crescendo und Decrescendo sind schnell eingespielt, und zwar genau so lange, wie man es haben möchte. Auch die legato-Funktion des Phrase-Builders ist geglückt, und dass man per Sustain-Pedal Pausen beim Umgreifen von Akkorden überbrücken kann, ohne dabei Gefahr zu laufen, disharmonische Überlappungen zu produzieren, wenn man das Pedal zu spät loslässt, ist ein Segen.

Abseits des Phrase-Builders findet man Legato-Sections mit Vokal-Überblendungen, die trotz einiger Script-Schwächen gut klingen und einige Effekte und Cluster, die man in herkömmlichen Sample-Librares sicher nicht findet.

Nebengeräusche, die teilweise in Release-Samples oder bei niedriger Dynmikstufe hervortreten, trüben das Bild einer insgesamt guten Audioqualität. Unzuverlässigkeiten beim Legato-Script schränken die unbekümmerte Anwendung ein, ebenso Lautstärkeunterschiede zwischen tiefen und hohen Lagen ein und desselben Patches. Man kann sich nicht immer hundertprozentig darauf verlassen, dass Voxos das tut, was es soll. Abstürze und Hänger gab es jedoch nicht.

Auf die Solo-Abteilung hätte man besser verzichtet – allerdings gibt es auch kaum einen höheren Anspruch, als den an virtuelle klassische Solostimmen. Trotzdem: Einige Mitbewerber sind bei ihrem Bemühungen hier ein deutliches Stück weiter gekommen. Beim Phrase-Builder hätte ich mir noch ein paar Konsonanten und kurze temposynchronisierbare Standard-Phrasen als Zugabe gewünscht.

Zum Preis: 749 Euro sind kein Betrag, den man mal eben so ausgibt, ohne sich auf dem Markt umzuschauen. Requiem Pro von Tonehammer ist nicht ganz so reich an Samples, kostet umgerechnet etwa 620 Euro, verlangt aber nach der Vollversion von Kontakt 4 und ist nur als Download verfügbar. Die schon seit einigen Jahren erhältlichen Symphonic Choirs von Eastwest kosten weniger als die Hälfte von Voxos und haben Einiges zu bieten, unter anderem den inzwischen in die hauseigene Play-Engine integrierten Word-Builder mit Texteingabefeld. Im Vergleich zu den Silbenkombinationen von Voxos klingen die Lyrics des Symphonic-Choirs-Word-Builders allerdings weniger präzise artikuliert.

Holger Obst

Systemvoraussetzungen Mac OS X

  • OSX 10.5 / 10.6
  • Intel Core Duo 1.66 GHz.
  • 2 GB RAM
  • 1 GB freier Festplattenspeicher für die Player installation
  • zusätzlicher Festplattenspeicher entsprechend der Library Größe
  • Internet Verbindung zur Produktaktivierung (auf beliebigem Computer möglich)
  • DVD Laufwerk

Systemvoraussetzungen Windows

  • Windows XP (SP2) / Vista / Win7 (32/64 Bit)
  • Pentium oder Athlon XP 1.4 GHz.
  • 2 GB RAM
  • 1 GB freier Festplattenspeicher für die Player installation
  • zusätzlicher Festplattenspeicher entsprechend der Library Größe
  • Internet Verbindung zur Produktaktivierung (auf beliebigem Computer möglich)
  • DVD Laufwerk

Preis

  • 749 Euro

Vertrieb

Hersteller

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