Test: Slate Digital FG Bomber

Überblick

FG-Bomber tritt laut Hersteller an, aus dem zweidimensionalen Stereo-Panorama ein 3D-Hörerlebnis zu machen. Das tun andere Plug-ins auch, besser gesagt, eine sorgfältig zusammengestellte Kette von Werkzeugen, zu der Sättigungstools wie Röhren- oder Bandsimulatoren, dynamische Equalizer, Transienten-Designer, Multiband-Kompressoren oder Enhancer zählen. Sie merken schon, eine solche Effektkette will zunächst angeschafft und dann auch zielsicher bedient werden.

FG-Bomber macht es dem Toningenieur (und solchen, die es noch werden wollen), hingegen denkbar einfach: Das Interface ist mit lediglich vier Reglern bestückt, einer davon für den Ausgangspegel. Es bleiben drei übrig, die wirklich auf das Klanggeschehen einwirken. Reicht das für vielfältige Einsatzzwecke?

Unter der Oberfläche kommt kommt ein umfangreiches algorithmisches Netzwerk mit diversen Spezialisten für die Klang- und Dyamikbearbeitung zum Einsatz. Bei den drei Reglern handelt es sich also um Makro-Parameter.

Obwohl diese den Benutzer kaum vor unlösbare Bedienprobleme stellen dürften, gibt es obendrein noch eine Anzahl von Presets – welche auch gleich einen Überblick darüber geben, wofür man den FG-Bomber einsetzen kann.

FG-Bomber_Bild2

Presets gibt es für verschiedene Mixing-Anwendungen, Drums, Gitarre, Bass, Vocals, Synthesizer. FG-Bomber sollte sich also sowohl beim Mix/Mastering als auch in Gruppenkanälen und beim Klangdesign einzelner Instrumente bewähren – ein Allrounder?

Wir hören gleich einmal hinein und testen den Bomber mit Drum-Pattern aus Toontracks EZdrummer2, Modern Drum-Kit, Straight 4/4. FG-Bomber startet mit dem Preset „Drums Buss Fat“ in Takt 5.

 

Wie versprochen, sorgt FB-Bomber dafür, dass die Drums druckvoll und „fett“ rüberkommen. Dabei treten Bassdrum und Snare angenehm hervor, ohne dabei Hi-Hat und Becken zu beeinträchtigen. Ich persönlich würde nun noch einen EQ hinterherschicken oder vorschalten, der die oberen Frequenzen und damit die Hi-Hat etwas auffrischt, und dafür gibt es bei Slate auch feine Mittel – doch das ist nicht Teil dieses Tests.

Das verwendete Preset bringt folgende Einstellungen mit sich:

FG-Bomber_Bild3

Dass der Modus „Fat“ gewählt ist, verwundert angesichts der Namensgebung nicht. Es zeigt sich aber, dass man bei Drive und Intensitiy noch Luft nach oben hat, und das probieren wir doch gleich mal aus.

Dreht man Drive weiter auf, so wird der Klang noch breiter und dicker, allerdings zu Lasten der Transienten, was sich vor allem bei der Bassdrum bemerkbar macht. Mit zunehmenden Werten für Intensity rückt der Kompressionseffekt in den Vordergrund. Während bei den Werkseinstellungen der Klang immer noch natürlich ist, führen zunehmende Intensity-Werte dazu, dass man einen Kompressionseffekt im Sinne eines deutlich hörbaren Klangdesigns erhält. Das kann in speziellen Fällen durchaus Sinn machen, etwa, wenn man einen EDM-Beat effektvoll bearbeitet oder eine pumpende, atmende Rhythmik erreichen möchte. Mit den akustischen Drums hört es sich so an (Drive und Intensity in der 2-Uhr-Position) …

 

… extrem knallig, die Snare (und auch die Bassdrum). Der Anschlag wird vom FG-Bomber präzise moduliert, wiederum ohne unerwünschte Nebenwirkungen beim Blech.

Und weiter geht’s: Spectrasonics Stylus RMX, ein Loop aus der Expansion-Library Big Bad Beats („Jack Attack“), FG-Bomber setzt bei Takt 5 ein, Modus Fat, Drive und Intensity im Rechtsanschlag (maximaler Effekt):

 

Jetzt haben wir genau das, was ich oben beschrieben habe: Der Beat fängt durch FG-Bomber an zu atmen bzw. zu pumpen, was bei diesem Material durchaus gewünscht sein kann. Außerdem treten die Details, das „Knistern“ in den Höhen herrlich hervor. Vermutlich ist hier intern ein Transienten-Tool beteiligt. Insgesamt klingt der Beat deutlich plastischer und erfährt eine spürbare Aufwertung. Wem das zu viel ist, der regelt einfach Drive und Intensity wieder zurück.

Bevor wir uns die Bearbeitung anderer Instrumente und den Einsatz bei Gesang anhören, schauen wir etwas genauer hin und wollen wissen, was FG-Bomber eigentlich macht.

FG-Bomber verfügt laut Hersteller über den komplexesten internen Schaltkreis aller Plug-ins seines aktuellen Angebots. Modelliert wurde ein analoger Transientenprozessor, ein dynamischer Equalizer, Röhrensättigung, Exciter, Filter und ausgesuchte Kompressoren.

Der Drive-Regler bestimmt den Pegel, der zu diesem internen Netzwerk gesendet wird. Die kleine Bombe im virtuellen VU-Meter signalisiert die optimale Aussteuerung. Experimente über dieses Level hinaus sind jedoch ausdrücklich erlaubt – das einzige was zählt, ist schließlich das Resultat. Und wer es dezenter haben möchte, fährt das Plug-in entsprechend sanfter an.

Der Intensity-Regler bestimmt, wie groß der Effektanteil am Gesamtsignal ist, daher die Angabe in Prozent. Es handelt sich hier also um einen Dry/Wet-Regler, der Parallelprocessing erlaubt.

Der Tone-Regler bestimmt den generellen Klangcharakter und stellt drei Betriebsarten zur Wahl:

  • Present bearbeitet vor allem die Mitten und eignet sich beispielsweise dazu, die Transienten hervorzuheben. Auch die Sustainphase wird betont und die Stereobreite vergrößert.
  • Fat hebt ebenfalls die Transienten an, betont aber zugleich die tiefen Frequenzen und sorgt dafür, dass diese voluminös und raumgreifend hervortreten.
  • Tight bearbeitet das Frequenzspektrum ausgeglichener als die beiden anderen Modi und fügt dem Mix Transparenz, Druck, sowie eine gewisse Kompaktheit im tiefen Frequenzbereich hinzu.

Alle drei Modi können für alle möglichen Anwendungen eingesetzt werden. Es ist also nicht so, dass Tight die einzig richtige Wahl für das Mastering und Fat die beste Lösung für die Bearbeitung einer Schlagzeuggruppe wäre – vielmehr kommt es darauf an, in welche Richtung man den Sound schieben möchte.